Cancan

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Moulin Rouge – La Goulue (vierfarbige Lithographie, Plakat, 1891)

Der Cancan ist ein schneller französischer Tanz im 2/4-Takt, der um das Jahr 1830 in Paris entstand.

Ursprung und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ursprung des Namens ist umstritten. Die verbreitetste und plausibelste Erklärung ist die Herleitung von „cancan“, der kindlichen Umformung des französischen Wortes „canard“ (Ente)[1] – eine Anspielung auf den ausgeprägten Hüftschwung der Cancan-Tänzerinnen. Nach einer anderen Version soll er sich von dem alten französischen Wort „caquehan“ (Tumult) herleiten.[2]

Der Cancan war zunächst ein volkstümlicher, „exzentrischer und aufsehenerregender“[3] Gesellschaftstanz, der vor allem in den sogenannten Café-concerts getanzt wurde. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wandelte er sich zu einem Bühnenschautanz, der nur noch in Varietés, Cabarets, Music Halls und Revuetheatern aufgeführt wurde.

Weil man den Tänzerinnen bei den typischen hohen Beinwürfen und Spagatsprüngen unter die Röcke schauen konnte, wurde der Cancan bald polizeilich verboten, was seiner Beliebtheit aber keinen Abbruch tat.

Als Tänzerinnen waren neben La Goulue auch Grille d'Egout und Nini Patte en l'Air mit ihren bekannten Partnern Valentin le Désossé, Fil de Fer oder Pomme d'Amour, die Königinnen des Cancan und Chahut. La Goulue konnte sich fünf Jahre lang als Publikumsliebling des Moulin Rouge behaupten, bis sie sich als selbstständige Raubtier-Dompteuse vom Moulin Rouge trennte und Jane Avril zum neuen Star des Cancan wurde.

Die berühmteste Musik zum Tanz schuf Jacques Offenbach in seiner Operette Orpheus in der Unterwelt (französisch Orphée aux Enfers), die am 21. Oktober 1858 Premiere im Théâtre des Bouffes-Parisiens feierte. Die zweiaktige Operette war sehr erfolgreich und machte Offenbach in ganz Europa populär. Das bekannteste Musikstück hierin ist der so genannte Höllen-Cancan (im Original französisch Galop infernal) im zweiten Akt, ein Gassenhauer, der noch heute sehr bekannt ist und häufig auch separat aufgeführt wird.

Das gilt auch für das Moulin Rouge, für das Toulouse-Lautrec Plakate entwarf, wo der Cancan bis heute zu den Attraktionen gehört. Das Theater wird in der Öffentlichkeit mit dem Cancan assoziiert.

Auch Hervé komponierte und verwendete Cancans in seinen Operetten.

Bekannte Tänzerinnen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Céleste Mogador
  • Marguerite Badel, genannt Rigolboche
  • Camélia Trompe-la-Mort
  • La Glu
  • Cri-Cri
  • Vol-au-Vent
  • Lili Jambes-en-l'air
  • La Môme Fromage
  • La Vénus de Bastringue
  • Rayon d'Or
  • Demi-Siphon
  • Muguet la Limonière
  • Églantine
  • Sauterelle
  • Cléopâtre
  • Cascadienne
  • Cha-U-Kao
  • Pâquerette
  • Torpille
  • Galipette
  • Gavrochinette
  • La Goulue (1866–1929)
  • Grille d'Égout
  • Fil de Fer
  • Pomme d'Amour
  • Jane Avril (1868–1943)
  • Nini Patte-en-l'air (1884–1930)
  • Saharet (1879–1942)

Der beliebteste Partner war Valentin le Désossé.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Toulouse Lautrec, „Jane Avril tanzend, Studie für das Plakat (Jardin de Paris)“
  • Ernest Blum, Louis Huart: Mémoires de Rigolboche 1860 (fiktive Memoiren der Rigolboche, erste Tänzerin vom Theater Délassements-Comiques in Paris.) Julius Abelsdorff, Berlin 1861; als: (= Edition Corvey, Französischsprachige Belletristik), Mikrofilmkopie, Belser wissenschaftlicher Dienst, Wildberg 1989-1990, ISBN 3-628-59621-1[4] (Beschreibt das freie, von der bürgerlichen Gesellschaft als skandalös betrachtete Leben der Cancan-Tänzerinnen, den Theaterbetrieb, Regisseure, Intendanten, Orchesterdirigenten, Bühnenarbeiter und Publikum)

„Es ist das eigentliche Theater der sogenannten Zigeunerwelt – Sorglosigkeit und Ungeniertheit herrschen hier ununterbrochen… Man lacht hier von Morgen bis zum Abend“

  • Pierre Mariel, Jean Trocher: Paris Cancan. Verlag der Europäischen Bücherei Hieronimi, Bonn 1959, (Für die Übersetzung von Waldemar Sonntag und Sabine Weller, mit Fotos von Daniel Frasnay und anderen).
  • Fabienne Tsaï: Ça c'est Cancan! Le journal d'Antoinette Zouzou, chahuteuse et dansomaniaque. Illustrations de Christian Lacroix. Lithographies interprétées par Celia Canning et Antoine Rabaté. Pliages de Bertrand La Pautremat. Solar, Paris, 2004, ISBN 2-263-03706-3.
  • Michel Souvais: Moi, la Goulue de Toulouse Lautrec. Les Mémoires de mon aïeule. Les Editions Publibook, Paris 2008, ISBN 978-2-7483-4256-7.
  • Jiří Mucha: Kankán se svatozáří. Život a dílo Alfonse Muchy., Životopis (deutsch: „Cancan mit Heiligenschein, das Leben und Werk von Alfons Mucha“), Obelisk, Praha 1969; deutsch übersetzt von Gustav Just unter dem Titel: Alfons Mucha: ein Künstlerleben. Volk und Welt, Berlin 1986, ISBN 3-353-00015-1 (Monographie seines Vaters, des weltbekannten Jugendstil-Malers Alfons Mucha, über sein erfolgreiches Leben und Schaffen in Paris und dessen Freundschaft mit Sarah Bernhardt und Camille Flammarion, sowie dem Pariser Kultur- und Künstlerleben. Mit zahlreichen Fotodokumentationen).
Romane
  • Jose Shercliff: Jane Avril vom Moulin Rouge. Zsolnay, Wien 1953, (Mit Foto der Tänzerin und Fotos nach Lithographien und Plakaten von Toulouse-Lautrec).
  • Françoise Dorin: Nini patte-en-l'air. Robert Laffont, Paris 1990, ISBN 2-221-05965-4.
  • Evane Hanska: La Romance de la Goulue. Editions Balland, Paris 1989, ISBN 2-7158-0739-2.
Fotoband
  • Hans Frank: Hinter den Kulissen. Le merveilleux French Cancan. Paris 1944. Edition Camera Austria, Graz 1988, ISBN 3-900508-05-4 (Aufnahmen eines Kriegsberichterstatters aus der Besatzungszeit).

Musikbeispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jacques Offenbach komponierte den im Original als „Galop infernal“ bezeichneten „(Höllen-)Can can“, der auch heute noch als eine der bekanntesten Melodien der Welt angesehen werden kann, für das Finale der 1858 uraufgeführten Operette Orpheus in der Unterwelt. Das Stück wurde zusammen mit den von Toulouse-Lautrec gemalten Tänzerinnen zum Markenzeichen des 1889 eröffneten Tanzlokals (bis 1902) und des 1955 eröffneten Varietés Moulin Rouge.
  • Hervé komponierte auch einen Cancan, der jedoch nie an die Berühmtheit des offenbachschen heranreichte.
  • Camille Saint-Saëns: Kinder lernen den Cancan bei Saint-Saëns, der in seinem Karneval der Tiere die Schildkröten diesen Tanz in langsamen Tempo vorführen lässt.
  • Der Tanz ist auch das zentrale Thema in dem 1953 uraufgeführten amerikanischen Musical Can-Can von Cole Porter sowie in dessen gleichnamiger Verfilmung aus dem Jahr 1960 durch den Regisseur Walter Lang.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelbelege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Petit Robert von 1829
  2. Lettelier von 1836
  3. Petit Robert von 1829 (excentrique et tapageur)
  4. laut WorldCat in zahlreichen Bibliotheke vorhanden (französisch) OCLC 715539052