Carsten Bresch

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Carsten Bresch (* 5. September 1921 in Berlin) ist ein deutscher Physiker und Genetiker und emeritierter Professor der Universität Freiburg

Beruflicher Werdegang[Bearbeiten]

Carsten Bresch studierte Physik und war 1947 einer der ersten Schüler von Max Delbrück im zerstörten Nachkriegs-Berlin. Seit 1949 arbeitete er als Assistent am damaligen Max-Planck-Institut für physikalische Chemie in Göttingen, wo er Bakteriophagen als Forschungsobjekt in die deutsche Genetik einführte. 1958 ging Bresch von Göttingen an die Universität Köln, wo er im Auftrag von Max Delbrück und des Botanikprofessors Joseph Straub die Gründung eines Genetik-Institutes vorbereitete. Nach Fertigstellung zogen neben Bresch die Forscher Max Delbrück,[1] Walther Harm, Peter Starlinger sowie der Biochemiker Hans Georg Zachau und später der Nukleinsäurechemiker Ulf Hennig in die Forschungsräumlichkeiten ein.

1964 erhielt Bresch einen Ruf auf den Lehrstuhl für Genetik an der Universität Freiburg, wo er im Zusammenhang mit der Neustrukturierung der Fakultät für Biologie ein eigenes Institut aufzubauen hatte. Da damit auch umfangreiche Neubauten verbunden waren, arbeitete er ebenso wie sein Kollege Rainer Hertel vorübergehend in den USA an der Biology Division des Southwest Center for Advanced Studies (SCAS) in Dallas,[2] Texas, dessen Leitung ihm übertragen worden war.

Ab 1968 war Bresch dann in Freiburg, wo er innerhalb des Instituts für Biologie III den Lehrstuhl für Genetik an der Universität innehatte. Gleichzeitig war er Leiter des Zentrallabors für Mutagenitätsprüfung der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Sein wissenschaftliches Hauptarbeitsgebiet war die Genetik der Bakteriophagen. Bresch ist der Autor des über viele Jahre als internationales Standardlehrbuch der Genetik geltenden Werkes: Klassische und molekulare Genetik.[3] Neben seiner Forschungs- und universitären Lehrtätigkeit engagierte sich Carsten Bresch intensiv in theologisch-naturwissenschaftlichen, interdisziplinären Gesprächen.

Wirken[Bearbeiten]

Breschs großes Forschungsverdienst war es, zusammen mit seinem Cousin Thomas Trautner[4] am Max Planck Institut für physikalische Chemie in Göttingen[5] die Bakteriophagen als Forschungsobjekte in die Genetik und die Molekularbiologie mit eingebracht zu haben. In der Anfangsphase der Molekularbiologie standen sich zwei philosophisch unterschiedlich ausgerichtete Schulen gegenüber: Der Name "Molekularbiologie" wurde 1952 von dem Anhänger der strukturell orientierten Schule dem britischen Molekularbiologen William Astbury geprägt, der auf die Struktur von biologischen Großmolekülen referierte. Carsten Bresch gehörte wie sein Lehrer Max Delbrück der informationell orientierten Schule an, die den Charakter des Informationsprozesses in der Genetik in den Vordergrund stellte. Delbrück hatte in den 1930er Jahren als Postdoktorant bei Niels Bohr an genetisch-informationstheoretischen Fragen gearbeitet und war gewissermaßen als Physiker zum Biologen "mutiert". Delbrück war zu der Überzeugung gelangt: „Die Biologie ist zu wichtig, um sie den Biologen alleine zu überlassen.“ Carsten Bresch folgte diesem interdisziplinären Ansatz seines Lehrers und baute ihn sein Leben lang - in seinem Werk: Zwischenstufe Leben (s.u.) auch weltanschaulich - aus.

Bresch ist Autor des in mehrere Sprachen übersetzten Standardlehrbuchs „Klassische und molekulare Genetik“.[3] Vieldiskutiert wurde und wird sein weltanschauliches Hauptwerk: „Zwischenstufe Leben“.[6] Bresch wagt in diesem Buch den großangelegten naturphilosophischen Versuch, aus der Darstellung gesicherter Ergebnisse der Evolutionsforschung heraus Perspektiven für die Zukunft der Menschheit zu entwickeln. Er denkt das Evolutionsprinzip der Integration bis auf die planetare Ebene konsequent weiter und skizziert ein "planetarisches Riesenwesen" in dem schließlich alle Kreaturen integriert sind: "Alle Muster unserer Erdkugel werden dann zu einem riesigen 'intelligenten Organismus' verbunden sein - zu einem einzigen! Um dessen Singularität zu betonen, wollen wir solch eine Struktur ein 'MONON' nennen."[7] Alle Naturerscheinungen von der Astrophysik bis zum Gehirn und der menschlichen Gesellschaft leitet Bresch aus dem einheitlichen Grundprinzip des Muster- und Informationswachstums und deren zunehmende Integration ab, das zu immer höher integrierten und damit komplexeren Formen führt. Dabei werden drei Phasen der Entwicklung sichtbar: 1.) die der Materie, 2.) die des Lebendigen und 3.) die des Geistigen und der Kultur. Auf dieser Stufe angekommen stellt Bresch die für Ihn und die Menschheit entscheidenden Fragen. Geht es bei dieser Evolution um Zufall und Notwendigkeit, um einen Irrlauf oder um ein fernes Ziel? Bresch führt so seine Leser an die Wurzeln letzter Fragen. „Das Buch ist damit ein gewichtiger Beitrag zu einem neuen Selbst- und Weltverständnis des heutigen Menschen, der der Frage nach dem Sinn des Lebens ratloser denn je zuvor gegenübersteht.“[8] Breschs „Zwischenstufe Leben“ repräsentiert eine naturwissenschaftliche Darstellung von Teilhard de Chardins stark theologisch orientiertem, universalem Evolutionskonzept. Bresch kennzeichnet explizit in seiner Darstellung den Punkt oder die Grenze, an dem er eine rein naturwissenschaftliche Beschreibung zu Gunsten einer weltanschaulichen Deutung überschreitet.[9] Er begibt sich daher in keinerlei Weise in die Situation einer unerlaubten, methodologischen Grenzüberschreitung zwischen Naturwissenschaft auf der einen und Religion oder Theologie auf der anderen Seite. Bresch engagierte sich intensiv in interdisziplinären naturwissenschaftlich-theologischen Gesprächen und Diskussionen zum Thema Evolution. In diesem Umfeld gründete er zusammen mit dem Freiburger Theologen Helmut Riedlinger 1981 aus einem theologisch-biologischen Seminarkreis an der Universität Freiburg heraus die interdisziplinäre Arbeitsgemeinschaft AGEMUS und gab den Freiburger AGEMUS-Rundbrief dieses Arbeitskreises heraus. Im November 2010 erschien im Schattauer Verlag sein Buch "Evolution - Was bleibt von Gott".

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Delbrück forschte von 1961 bis 1963 während seiner Abwesenheit vom California Institute of Technology an dem neuen Kölner Institut und half dieses zu etablieren.
  2. Das SCAS ist das Vorgängerinstitut des heutigen Molekularbiologischen Institutes der University of Texas in Dallas (UTD)
  3. a b Carsten Bresch, Rudolf Hausmann: Klassische und molekulare Genetik, Dritte, erweiterte Auflage. Berlin, Heidelberg, New York 1972 (Springer-Verlag), ISBN 3-540-05802-8 (Anmerkung: Ab der zweiten Auflage von 1970 war Rudolf Hausmann Koautor dieses Werkes.)
  4. Thomas Trautner war seit 1964 einer der Direktoren des Max Planck Instituts für Molekulare Genetik in Berlin
  5. Das MPI für physikalische Chemie wurde in dieser Zeit von Karl Friedrich Bonhoeffer, einem Bruder des von den Nationalsozialisten im Konzentrationslager ermordeten Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer geleitet. Bresch dürfte wohl auf Empfehlung seines Lehrers Max Delbrück, der gleichzeitig ein Schwager von Karl Friedrich Bonhoeffer war, an das MPI in Göttingen gekommen sein.
  6. Carsten Bresch: Zwischenstufe Leben – Evolution ohne Ziel? – , München, Zürich 1977 (R. Piper & Co. Verlag), ISBN 3-492-02270-7.
  7. Carsten Bresch: Zwischenstufe Leben – Evolution ohne Ziel? – , München, Zürich 1977, S. 250.
  8. Aus dem Klappentext von Bresch: Zwischenstufe Leben, München 1977 (R. Piper & Co. Verlag), ISBN 3-492-02270-7.
  9. C. Bresch: Zwischenstufe Leben, S. 295, „Epilog – jenseits von Wissenschaft“

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Als Autor

Als Herausgeber

  • AGEMUS - Rundbrief: Arbeitsgemeinschaften Evolution, Menschheitszukunft und Sinnfragen. Freiburg 1981 bis 1983.
  • Kann man Gott aus der Natur erkennen? Freiburg im Breisgau: Herder, 1990, ISBN 3-451-02125-0.
  • Gut und Böse in der Evolution. Naturwissenschaftler, Philosophen und Theologen im Disput. Stuttgart: S. Hirzel, 1995, ISBN 3-8047-1423-4.

Diverse

  • 1974 Zum Problem des Phasenwechsel der Evolution. In: Acta Teilhardiana 11, S. 47–52.
  • 1978 Evolution – der Mensch, wie er ist, als Zwischenstufe: Ein Interview mit Prof. Carsten Bresch. In: Herder-Korrespondenz 32. S 286-293.
  • 1978 Was ist Evolution? In: Böhme, Wolfgang (Hrsg.): Zufall und Gesetz des Lebens. Karlsruhe: Evangelische Akademie Baden (Herrenalber Texte, Bd. 9). S. 11–33.
  • 1978 Evolution – Fragen der Energie und Information. In: Erdoel-Erdgas-Zeitschrift 94, S. 349–356.
  • 1978 Das Ende der biologischen Evolution. In: Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg 133, S. 5–13.
  • 1979 Das sadistische Kohlenstoffatom: Rezension zu Richard Dawkins. In: Biologie in unserer Zeit 9, S. 30–32.
  • 1979 Die Menschheit an der zweiten Schwelle der Evolution. In: Schatz, Oskar (Hrsg.) Hoffnung in der Überlebenskrise. Graz: Styria (Salzburger Humanismusgespräche 9). S. 44–61.
  • 1979 Leben. In: Seidler, Eduard (Hrsg.): Wörterbuch medizinischer Grundbegriffe. Eine Einführung in die Heilkunde in 86 Artikeln. Freiburg: Herder. S. 184–186.
  • 1980 Von der Möglichkeit, Sinn und Ziel der Entwicklung zu erkennen. In: Schlemmer, Johannes (Hrsg.): Glauben als Bedürfnis. Beiträge zum menschlichen Selbstverständnis. Frankfurt am Main: Ullstein.
  • 1980 Muster und Evolution. In: Gesellschaft für Klassifikation e.V. (Hrsg.): Wissensstrukturen und Organisationsmuster. Proceedings der 4. Fachtagung der Gesellschaft für Klassifikation e.V. Salzburg vom 16.-19. April 1980. Frankfurt: Indeks Verlag. (Studien zur Klassifikation Bd. 9). S. 109–113.
  • 1981 Evolutionäre Ursachen und Perspektiven der Kulturkrise. In: Paus, Ansgar (Hrsg.): Kultur als christlicher Auftrag heute. Kevelaer: Butzon & Becker. Vorlesungen der Salzburger Hochschulwochen. S. 171–195.
  • 1981 Die Rolle der Sprache im Gesamtbild der Evolution. In: Nova Acta Leopoldina N.F. 54, S. 747–752.
  • 1981: Das Ungeheuer unter den Papiertigern oder die außerordentliche wissenschaftliche Rolle der Soziobiologie. In: Schatz, Oskar (Hrsg.): Brauchen wir eine andere Wissenschaft? Graz: Styria. (Salzburger Humanismusgespräche 10). S. 173–180.
  • 1981 Vom Würfeln, das kein Glücksspiel war. In: Piper, Klaus (Hrsg.): Lust am Denken. Ein Lesebuch aus Philosophie, Natur- und Humanwissenschaften 1947-1981. München. Piper. S. 25–34.
  • 1981 Soziobiologie – Egoismus um die Ecke? In. Agemus-Rundbrief September 1981, S. 11–20.
  • 1982 Zur evolutionären Begründung des Pazifismus. In: Agemus-Rundbrief, Sonderheft 1982, S. 3–10.
  • 1982 Nachruf auf Joachim Illies. In: Agemus-Rundbrief Juni 1982, S. 25–26.
  • 1982 Der Disput mit Arthur E. Wilder-Smith. Schöpfung und/oder Evolution. In: Agemus-Rundbriefe 1982-1984 sowie factum 1983-1985 und factum-Sonderdruck 506
  • 1983 Evolution aus Alpha-Bedingungen, Zufalls-Türmen und Systemzwängen. In: Riedl, Rupert J./Kreuzer, Franz (Hrsg.): Evolution und Menschenbild. Hamburg: Hoffmann und Campe. S. 22–39.
  • 1984 Das Ende der biologischen Evolution. In. Frau und Kultur 87, Heft 3, S. 6–8.
  • 1985 Können wir neue Menschen werden? Zur evolutionären Begründung des Pazifismus. In: Mensch, Natur, Gesellschaft. Zeitschrift zur internationalen wissenschaftlichen und kulturellen Verständigung 2, S. 30–33.
  • 1986 Evolutionslehre und Schöpfungsglaube. In: Diakonia 17, S. 230–240.
  • 1987 What is Evolution? In: Andersen, Svend/Peacocke, Arthur (Hrsg.): Evolution and Creation. A European Perspective. Aarhus: Aarhus University Press. S. 36–57.
  • 1988 Was ist Evolution? In: Wolfgang Böhme (Hrsg.): Evolution und Gottesglaube. Ein Lese- und Arbeitsbuch zum Gespräch zwischen Naturwissenschaft und Theologie. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht. S. 31–54.
  • 1992 Evolution und Fremdenangst. In: Isak, Rainer (Hrsg.): Wir und die Fremden. Entstehung und Abbau von Ängsten. Freiburg: Katholische Akademie der Erzdiözese Freiburg.

Literatur[Bearbeiten]

  • Bresch Carsten. In: Kürschners Deutscher Gelehrten Kalender. Bd. 1, 16. Ausgabe. Walter de Gruyter, Berlin/ New York 1992.

Weblinks[Bearbeiten]