Casino Travemünde

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Hotel Casino Travemünde im Jugendstil, Seeseite
Eingangsbereich (ehemaliger Casinoflügel)

Das Casino Travemünde war bis 2012 eine der ältesten Spielbanken in Deutschland. Ein erstes offizielles Casino wurde 1825 in Travemünde eröffnet.[1]

Das Gebäude wird heute als Hotel genutzt.

Geschichte[Bearbeiten]

1816 bis 1872[Bearbeiten]

Joachim Christian Grube, seit 1808 Mitpächter des Restaurants, richtete im Logierhaus, das Dr. med. Danzmann seit 1816 gehörte, eine Spielbank ein. Nachdem Danzmann 1820 an Grube verkaufte hatte, wurde dieser alleiniger Betreiber. Grube wiederum verkaufte seine ausgebauten Anwesen 1833 für 116 300 Mark Courant an Heinrich Behrens (1804–1874).

Die geduldete und seit 1833 konzessionierte Spielbank – im selben Jahr wurde auch Roulette eingeführt – war auch für die zahlreichen Passagiere der Ostseefähren, die hier ab den 1830ern verkehrten, eine Attraktion. Dienstboten, Bauernburschen und ähnliche Personen waren vom Spiel ausgeschlossen, an Pacht gingen zunächst zwanzig Friedrich d’or jährlich an die Armenkasse. Der Betrag wurde 1842 auf dreißig, zehn Jahre später auf fünfzig erhöht. Ein Drittel der Einnahmen flossen 1856–8 „dem Irrenhause zur Verstärkung seines Baufonds“ zu (1858: 235 M 12 sh.). 1859/60 wechselte der Besitzer. Der Hamburger Martin Heinrich Cords und Bartholomäus Georg Kayser erwarben die Badeanstalt und ihre Anlagen. Die Konzessionsabgaben wurden 1860 zur Finanzierung der ersten Gasbeleuchtung der Straßen verwendet. Bei der nächsten Konzessionsverlängerung 1863 wurden dann 200 Friedrich d’or Abgabe fällig. Die Schließung erfolgte zum Ende der Saison 1872; zu diesem Zeitpunkt wäre auch die Konzession abgelaufen.[2]

Bis 1949[Bearbeiten]

Das Haus, in dem das Casino untergebracht war, wurde in den Jahren 1913 bis 1914 von den Architekten Willy Glogner und Paul Vermehren im Jugendstil an der Kaiserallee erbaut. Es wurde zunächst als Konversationshaus und Kurhaus genutzt. Während des Ersten Weltkriegs diente das Gebäude zeitweilig als Lazarett. Nach Ende des Krieges fanden im Sommer Konzerte statt; in den Wintermonaten diente das Haus zum Unterstellen der Strandkörbe. Auch während des Zweiten Weltkriegs war es Lazarett. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs nutzten Offiziere der britischen Besatzung das Gebäude als Offizierskasino.

1949 bis 2004[Bearbeiten]

1949 begann der Spielbetrieb mit der Konzessionierung für Glücksspiele.[3] Zu den prominentesten Gästen gehörten der Schauspieler Curd Jürgens und der griechische Reeder Aristoteles Onassis.[4] Im weithin bekannten Nachtclub Belle Epoque traten Lale Andersen, Vico Torriani und Josephine Baker auf.[5]

In den 1980er Jahren wurde das Haus um einen Anbau erweitert. Teile des Gebäudes standen in den 1990er Jahren leer; in den Räumlichkeiten fanden ab 1998 an Wochenenden Tanzpartys statt. 2001 wurde das Gebäude saniert. Bis dahin hatte der Verein Lübecker Presse dort regelmäßig den Lübecker Presseball gefeiert.[6]

2004 meldete die Betreibergesellschaft des Hotels Casino Travemünde, das sich in dem Gebäude befunden hatte, Insolvenz an.[7]

Seit 2005: Columbia Hotel Casino Travemünde[Bearbeiten]

Eingangsbereich von Süd-Westen

2005 übernahm die Hotelgruppe Columbia Hotels & Resorts das Hotel vom Casino.[8] Das Casino zog sich auf einen Seitenflügel des Gebäudes zurück. Seit 2009 wird das Hotel mit fünf Sternen bewertet.

Im Dezember 2012 zog das Spielcasino nach Lübeck um.[9]

Restaurant La Belle Epoque[Bearbeiten]

Von 2005 bis 2015 leitete Kevin Fehling hier das Restaurant La Belle Epoque, das von 2012 bis 2015 ein Drei-Sterne-Restaurant war. Es war das nördlichste Drei-Sterne-Restaurant der Welt.[10]. Ab Mitte 2015 wird es nach dem Weggang von Fehling nicht mehr als Gourmet-Restaurant weitergeführt.[11]

Literatur[Bearbeiten]

  • Henry Lohner: Nur wer tot ist, geht kein Risiko mehr ein: Geschichte der Spielbanken und Roulettesysteme ; Nordersted 2012, ISBN 978-3844809770, Kap.: Travemünde, S. 88
  • Wehrmann, C.: Die Seebadeanstalt in Travemünde; Zeitschrift für lübeckische Geschichte und Altertumskunde, Vol. 7 (1898), S. 126f.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bertelsmann: Der große Deutschland-Atlas S. 69
  2. Lohner (2012), S. 88ff.
  3. www.trave-netz.de: Nussknacker und Weihnachtsmänner
  4. Casino Travemünde auf der Seite des Ostseeheilbades Travemünde
  5. Geschichte des Hauses
  6. Lübecker Presseball
  7. Hotel Casino Travemünde meldet Insolvenz an
  8. Casino Travemünde soll an Attraktivität gewinnen
  9. shz.de: Nichts geht mehr fürs Casino Travemünde
  10. echo-online.de: Das Rheingau Gourmet & Wein Festival
  11. restaurant-ranglisten.de: Thomas Macyzyn wechselt nach Travemünde

53.96494444444410.8795Koordinaten: 53° 57′ 54″ N, 10° 52′ 46″ O