Orgelton

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Chorton)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Orgelton (auch Chorton oder Kirchenton) ist diejenige Stimmung, die im 16. bis 18. Jahrhundert für die Orgeln gebräuchlich war und sich vom so genannten Kammerton insofern unterschied, als sie um bis zu einem ganzen Ton tiefer war als dieser [1]. Leonhard Euler erläuterte im Jahre 1739 ein Berechnungsverfahren, nach welchem die "Zahl der Vibrationen, so in einer Secundminute zu Ende gebracht werden" (vgl. die spätere Maßeinheit Hertz) mit der Zahl 392 angegeben werden müsse. Diese Tonhöhe käme mit demjenigen Ton überein, "der auf dem Instrument mit a bezeichnet wird."[2] Folgt man den Angaben von Michael Praetorius, so hätte Euler mit seinen Berechnungen den tieferen Chorton definiert, der um einen großen Ganzton unter der Stimmung von 441 Schwingungen pro Sekunde liegt.[3]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Gebhard: Praktische Anleitung zur Aufführung der Vokalmusik des 16. bis 18. Jahrhunderts. C. F. Peters, Frankfurt am Main u. a. 1998, ISBN 3-87626-170-8.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Praetorius, Michael: Syntagma musicum II, S. 14 ff.
  2. "Huic autem sono congruere deprehendi in instrumento clauem signatam a", Leonhard Euler:Tentamen novae theoriae musicae 1739, Cap. I, § 10, S.7; deutsche Übersetzung und Kommentierung: Lorenz Christoph Mizler, Musikalische Bibliothek, III.1 [1746], S. 89, online-Quelle, vgl. Lutz Felbick: Lorenz Christoph Mizler de Kolof – Schüler Bachs und pythagoreischer „Apostel der Wolffischen Philosophie“. (Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig – Schriften, Band 5), Georg-Olms-Verlag, Hildesheim 2012, S. 141f.
  3. Folgt man hingegen der Definition von Johann Gottfried Walther, so hätte Euler mit seinen Berechnungen den "Cammerton" definiert (Walther, Johann Gottfried: Musicalisches Lexicon, Leipzig, 1732; S. 130 ff.). Walther kannte das Werk von Praetorius und folgte ihm in der Begründung für die Einführung des tieferen Tons, denn man könne die erwachsenen Sopranisten damit in der hohen Lage etwas schonen. (vgl. Praetorius, Michael: Syntagma musicum II, S. 15.) Praetorius bezeugt, dieser tiefere Ton würde allerdings nur "in der Kirchen" gebraucht. Walther begründet die tiefere Stimmung weiterhin, damit würden auch die Saiten der Instrumente nicht so schnell reißen. Die Begriffsgeschichte des Chortons ist aber insgesamt problematisch, denn schon Praetorius wies darauf hin, dass seine Zeitgenossen "an den meisten Ortern" den "gewönlichen Cammerthon" irrtümlich mit dem alten "Chor Thon" gleichsetzen würden. Diese Verwirrung hat offenbar dazu geführt, dass Walther die ursprüngliche Bedeutung der beiden Begriffe "Cammerton" und "alter Chor- oder Cornett-Tone" verwechselt hat, zumal seine Gleichsetzung von Chor- und Cornettton problematisch ist. Ganz alte Orgeln waren zum Teil im Cornettton gestimmt, der noch eine kleine Terz höher war als der heutige Kammer- oder Orchesterton. Als Grund für die höhere Stimmung der Orgeln gibt man an, dass die großen Kirchenräume eines durchdringenderen Tons bedurft hätten als Zimmer oder Konzertsäle.
Meyers Dieser Artikel basiert auf einem gemeinfreien Text aus Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888 bis 1890.
Bitte entferne diesen Hinweis nur, wenn du den Artikel so weit überarbeitet hast, dass der Text den aktuellen Wissensstand zu diesem Thema widerspiegelt, dies belegt ist und er den heutigen sprachlichen Anforderungen genügt.

Um danach auf den Meyers-Artikel zu verweisen, kannst du {{Meyers Online|Band|Seite}} benutzen.