Christoph Arnold (Astronom)

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Christoph Arnold, Ölgemälde von Johann Heinrich am Ende

Christoph Arnold (* 17. Dezember 1650 in Sommerfeld bei Leipzig; † 15. April 1695 ebenda) war ein deutscher Bauer und Astronom oder, wie sein Pfarrer in der Grabinschrift formulierte, Ackerbauer und Sternschauer.[1] Auf der Gedenktafel an seinem Haus wird er als Landmann und Sternkundiger bezeichnet.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Christoph Arnold wurde als ältester Sohn des Bauern und Richters Hans Arnold (1620–1685) aus Sommerfeld und seiner Ehefrau Sabine geb. Hainmann (1621–1675) aus Albrechtshain geboren. Da er auf dem väterlichen Hof mithelfen musste, ging er nur kurz zur Schule. Er hatte eine schnelle Auffassungsgabe, und es wird vermutet, dass er bei seinem Patenonkel Bartholomäus Sturm, Schulmeister in Panitzsch, Privatunterricht hatte. Danach bildete er sich autodidaktisch weiter.

Ganz besonders interessierte er sich für die Astronomie. Astronomische Kenntnisse erwarb er sich im Selbststudium und von dem elf Jahre älteren Astronomen Gottfried Kirch (1639–1710), der ohne Bindung an ein Observatorium in Guben, Lobenstein, Coburg und Leipzig tätig war. Auf dem väterlichen Wohnhaus errichtete Arnold eine kleine, einfache Sternwarte. Sein Interesse galt besonders den Kometen, wohl auch angeregt durch das Auftreten des Großen Kometen von 1680, der besonders hell und sogar am Tage zu sehen war, was allgemeines Aufsehen hervorrief. Ihn hatte Gottfried Kirch in Coburg entdeckt. Als Kirch 1686 nach Leipzig zog, gehörte Arnold zu seinem Freundeskreis. Beide unternahmen gemeinsame astronomische Beobachtungen. Bei Arnold lernte Kirch auch seine zweite Frau Maria Margaretha Winkelmann (1670–1720) kennen, die Arnold für die Astronomie begeistert hatte.

Am 15. Mai 1683 heiratete Christoph Arnold Anna Straube aus Sommerfeld. Das Paar bekam fünf Kinder. 1685 starb sein Vater, und Christoph Arnold übernahm den väterlichen Hof, den er bis zu seinem Lebensende trotz seiner astronomischen Aktivitäten vorbildlich weiterführte. Er begann mit Statistiken über die Ernteerträge, wozu er auch seine Feldflächen vermaß und aufzeichnete. Das machte er schließlich für das ganze Dorf. Damit gehört er zu den ersten Kartographen in Sachsen. Arnold beobachtete auch sehr genau das Wetter und machte dazu Aufzeichnungen. 1692 beschrieb er ein seltenes Naturphänomen: fünf gleichzeitige Nebensonnen.[2]

Arnold ging stets gegen abergläubische Vorstellungen und Angst in Verbindung mit den Kometen vor. Obwohl er gläubiger Christ war, tat er das auch gegen seinen Pfarrer, der Kometen als Unheil verkündende Zeichen darstellte.

Sein Observatorium wurde nach seinem Tode zur Erinnerung belassen, musste aber 1794 wegen Baufälligkeit abgerissen werden.[3]

Astronomische Leistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 15. August 1682 entdeckte Christoph Arnold einen Kometen, und zwar acht Tage vor dem bedeutenden Astronomen Johannes Hevelius, womit der Amateurastronom in der Fachwelt große Aufmerksamkeit hervorrief. Der Komet wurde wegen der genauen Bahnberechnungen durch Edmond Halley und der Voraussage seiner Wiederkunft später der Halleysche Komet genannt. Seine Beobachtungen schilderte Arnold dem Leipziger Rat in einer ausführlichen Schrift.[4]

Am 16. September 1686 sah Arnold als Erster in Europa einen weiteren Kometen (C/1686 R1), den er im Folgenden gemeinsam mit Gottfried Kirch weiter beobachtete. Dieser publizierte die Ergebnisse in der seit 1682 in Leipzig erscheinenden ersten allgemeinen deutschen Gelehrtenzeitschrift Acta Eruditorum.

Arnold beschäftigte sich auch mit dem sich in seiner Helligkeit verändernden Doppelstern Mira. Ein weiteres Arbeitsgebiet war die Verfinsterung der vier großen Jupitermonde, deren Eintrittszeiten er vorausberechnete.

Am 31. Oktober 1690 beobachtete er den Merkurdurchgang vor der Sonnenscheibe durch Projektion der Sonne durch sein Fernrohr auf ein Blatt Papier. Dies war europaweit die fünfte Beschreibung des Merkurdurchganges.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenktafel an seinem Geburts- und Wohnhaus

Für seine Verdienste erhielt Arnold schon zu Lebzeiten, aber auch danach hohe Anerkennung.

Für die Beobachtung des Durchgangs des Merkurs vor der Sonnenscheibe erhielt er vom Rat zu Leipzig ein Geldgeschenk und Abgabenfreiheit auf Lebenszeit, denn Sommerfeld war als Ratsdorf von Leipzig zu Abgaben dorthin verpflichtet. Außerdem ließ der Rat durch den Maler Johann Heinrich am Ende ein Ölgemälde von Christoph Arnold anfertigen, das sich im Original im Stadtgeschichtlichen Museum in Leipzig befindet und als Kopie in der Sommerfelder Kirche hängt.[5]

1890 wurde in dem damals noch selbstständigen Dorf und heutigen Leipziger Stadtteil Stötteritz die Arnoldstraße nach ihm benannt. Im Geburts- und Wohnort Sommerfeld liegt sein ehemaliger Hof am Arnoldplatz.

Astronomische Objekte tragen Arnolds Namen. Der Krater Arnold in der Nähe des Nordpols des Mondes wurde 1935 nach ihm benannt. Am 18. Januar 1999 wurde in der Volkssternwarte Drebach (Erzgebirge) der Planetoid 1999 BW3 entdeckt. Seit 2012 erinnert er als "121016 Christopharnold (1999 BW3)" an den Sommerfelder Astronomen.[6] Er bewegt sich zwischen den Planeten Mars und Jupiter um die Sonne.

Die Grundschule in Sommerfelds Nachbarort Engelsdorf heißt Christoph-Arnold-Schule.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Grabinschrift für Christoph Arnold (lateinisch und deutsch), Stadtgeschichtliches Museum Leipzig
  2. Titel der Schrift: Göttliche Gnadenzeichen in einem Sonnenwunder vor Augen gestellt. Leipzig 1692
  3. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände, Band 1, F.A. Brockhaus Verlag Leipzig 1833, S. 417 (digital)
  4. Der Titel dieser Schrift lautete: Einfältiges Bedenken Uber den Itzt neulich im Augusto dieses 1682ten Jahrs gesehenen Cometen, Darinnen Von deren Ursprung und Ursach ihrer Schweiffe, Deren länge, kürze Und krümme muhtmaßlich Und unvorgreifflich gehandelt wird, beschrieben von Einem Einfältigen bauren zu Sommerfelt bey Leipzigk. (nach Helfricht, S. 24)
  5. Sebastian Kühn: Wissen, Arbeit, Freundschaft: Ökonomien und soziale Beziehungen an den Akademien in London, Paris und Berlin um 1700. V&R Unipress 2011, ISBN 978-3-89971-836-2, S. 227/228
  6. JPL Small-Body Database Browser