Cobicistat

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Strukturformel
Strukturformel von Cobicistat
Allgemeines
Name Cobicistat
Andere Namen
  • 1,3-Thiazol-5-ylmethyl[(2R,5R)-5-{[(2S)-2-[(methyl{[2-(propan-2-yl)-1,3-thiazol-4-yl] methyl}carbamoyl)amino]-4-(morpholin-4-yl)butanoyl]amino}-1,6-diphenylhexan-2-yl]carbamat
  • (1,3-Thiazol-5-yl)methyl(5S,8R,11R)-8,11-dibenzyl-2-methyl-5-[2-(morpholin-4-yl)ethyl]-1-[2-(propan-2-yl)-1,3-thiazol-4-yl]-3,6-dioxo-2,4,7,12-tetraazatridecan-13-oat
Summenformel C40H53N7O5S2
Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer 1004316-88-4
PubChem 25151504
DrugBank DB09065
Wikidata Q5138908
Arzneistoffangaben
ATC-Code

V03AX03

Wirkmechanismus

Hemmung der CYP3A-Enzyme

Eigenschaften
Molare Masse 776,02272 g·mol−1
Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [1]
keine Einstufung verfügbar
H- und P-Sätze H: siehe oben
P: siehe oben
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Cobicistat ist ein Arzneistoff, der in Kombination mit HIV-Medikamenten verabreicht wird, um deren Wirkung zu verstärken. Dadurch, dass es die 3A-Enzyme der Cytochrom-P450-Superfamilie (CYP3A) hemmt, bewirkt Cobicistat bei bestimmten virushemmenden Wirkstoffen einen verlangsamten Abbau und dadurch deren verlängerte Wirksamkeit im Körper.

Chemische Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cobicistat besitzt drei chirale Zentren; die Synthese ist stereospezifisch, so dass das reine Isomer entsteht. Cobicistat weist drei pKa-Werte auf: 1,8 (Thiazolgruppe), 2,5 (Alkylthiazolgruppe) und 6,4 (Morpholingruppe). Die Substanz ist ein weißes bis blassgelbes, stark hygroskopisches Pulver, löslich in 0,1N Salzsäure (pH 1.9), wenig löslich bei pH 4.5, praktisch unlöslich in Wasser sowie bei pH 6,8 bis 8,2, leicht löslich in Methanol. Cobicistat ist ein amorpher Feststoff mit einer Glasübergangstemperatur von 35 °C. Wegen der niedrigen Glasübergangstemperatur unterliegt Cobicistat unter Umgebungsbedingungen einem durch Feuchtigkeit und Temperatur induzierten Phasenübergang von einem Schaum in ein gummiartiges Material.[2]

Pharmakologische Wirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cobicistat hemmt selektiv die Enzyme der CYP3A-Unterfamilie der Cytochrome P450, einschließlich des bedeutsamen CYP3A4-Isoenzyms. Die Hemmung des CYP3A-vermittelten Metabolismus durch Cobicistat steigert die systemische Exposition („Booster“-Effekt) von CYP3A-Substraten, die durch die CYP3A-abhängige Metabolisierung eine begrenzte orale Bioverfügbarkeit und kurze Halbwertszeit aufweisen, wie beispielsweise Atazanavir, Darunavir und Elvitegravir.[3]

Cobicistat verstärkt ferner die intestinale Resorption von HIV-Proteaseinhibitoren durch Transportproteine.[4]

Cobicistat selbst zeigt in vitro keine antivirale Aktivität gegenüber HIV-1, Hepatitis-B-Virus (HBV) oder Hepatitis-C-Virus (HCV).[2]

Anwendungsgebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cobicistat wird als pharmakokinetischer Verstärker („Booster“) von zur HIV-Behandlung verwendeten antiretroviralen Wirkstoffen (z. B. Atazanavir, Darunavir, oder Elvitegravir, einzeln oder in fixer Kombination, siehe Abschnitt „Fertigarzneimittel“), im Rahmen einer antiretroviralen Kombinationstherapie bei Erwachsenen angewendet, die mit dem humanen Immundefizienzvirus 1 (HIV-1) infiziert sind.

Nebenwirkungen und Anwendungsbeschränkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arzneistoffe, die überwiegend durch CYP3A metabolisiert werden und einem ausgeprägten First-Pass-Effekt unterliegen, lassen einen besonders hohen Anstieg der Exposition bei gleichzeitiger Anwendung von Cobicistat erwarten. Die gleichzeitige Anwendung von Cobicistat mit Wirkstoffen, deren Clearance stark von CYP3A abhängt und bei denen erhöhte Plasmaspiegel mit schwerwiegenden und/oder lebensbedrohlichen Nebenwirkungen einhergehen, ist daher kontraindiziert.[3]

Starke Induktoren von CYP3A können die Plasmakonzentration von Cobicistat und somit auch die des geboosterten Virustatikums erniedrigen, was die therapeutische Wirksamkeit herabsetzen kann. [3]

Fertigarzneimittel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monopräparate: Tybost (EU, CH, USA)

Kombinationspräparate
  • Cobicistat + Atazanavir: Evotaz (EU, CH, USA)
  • Cobicistat + Darunavir: Rezolsta (EU, CH), Prezcobix (USA, CDN)
  • Cobicistat + Elvitegravir + Emtricitabine + Tenofoviralafenamid: Genvoya (EU, CH)
  • Cobicistat + Elvitegravir + Emtricitabin + Tenofovirdisoproxil: Stribild (EU, CH)
  • Cobicistat + Darunavir + Emtricitabin + Tenofoviralafenamid: Symtuza (EU)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Diese Substanz wurde in Bezug auf ihre Gefährlichkeit entweder noch nicht eingestuft oder eine verlässliche und zitierfähige Quelle hierzu wurde noch nicht gefunden.
  2. a b Assessment report – Tybost (International non-proprietary name: cobicistat), Procedure No. EMEA/H/C/002572/0000, Europäische Arzneimittelagentur, Oktober 2013.
  3. a b c Produktinformationstexte Tybost, Stand Oktober 2013, Europäische Arzneimittelagentur.
  4. E. Lepist, T. K.Phan, A. Roy, L. Tong, K. MacLennan, B. Murray, A.S. Ray,: Cobicistat Boosts the Intestinal Absorption of Transport Substrates, Including HIV Protease Inhibitors and GS-7340, in Vitro. Antimicrobial Agents and Chemotherapy. 56 (10), S. 5409–5413 (2012). doi:10.1128/AAC.01089-12