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Conradi-Affäre

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Die Conradi-Affäre war eine diplomatisch-politische Affäre zwischen der Schweiz und der damaligen Sowjetunion, die als Folge eines Racheaktes auf neutralem Schweizer Staatsgebiet zu langjährigen Verstimmungen zwischen der Schweiz und der Sowjetunion beitrug.

Politische Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Infolge der russischen Oktoberrevolution von 1917 und des Schweizer Generalstreiks von 1918 war das politische Klima in der bürgerlich geprägten Schweiz stark aufgeheizt. Es herrschte eine ausgesprochen antikommunistische Stimmung.[1]

Tat und Täter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 10. Mai 1923 erschoss Moritz Conradi (* 1896 in St. Petersburg[2]; † 1947 in Chur[3]) im Hotel Cécil in Lausanne den sowjetischen Diplomaten Wazlaw Worowski (russisch Вацлав Вацлавович Воровский).

Der Mörder entstammte einer Graubündner Schokoladenfabrikantenfamilie und war in einer Emigrantenfamilie in Sankt Petersburg aufgewachsen. Er diente von 1914 bis 1921 während des Ersten Weltkrieges bei der russischen Armee und bei den Weissen Garden. Ab 1921 verkehrte er in der Schweiz als russischer Emigrant mit schweizerischer Abstammung. Der Mordanschlag war ein Racheakt als Folge kriegerischer und persönlich erlebter Schicksalsschläge in den Wirren der nachrevolutionären Ereignisse der Russischen Revolution.

Prozess[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da der getötete Diplomat bei der Meerengen-Konferenz keine offizielle Akkreditierung besass, wurde der Mordfall von der Justiz des Kantons Waadt als normale Strafsache beurteilt. Der Genfer Rechtsanwalt Théodore Aubert plädierte 1923 als Verteidiger für einen Freispruch seines Mandaten, indem er das in der Schweiz von russischen Emigranten und repatriierten Russlandschweizern geprägte Klima zu einer Verurteilung des Bolschewismus ummünzte.[4] In der Folge wurde Moritz Conradi von den Geschworenen freigesprochen.

Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die juristisch unhaltbare Entscheidung drängte die Schweizer Justiz auf internationaler Ebene in ein Zwielicht. Obwohl der Bundesrat das Urteil kritisierte,[5] schadete es der Schweiz als Völkerbund-Sitz und als Gastgeberin diverser internationaler Konferenzen. Zudem verschlechterten sich die Beziehungen der Schweiz zur Sowjetunion weiter.

Im Kontext zu diesem umstrittenen Gerichtsurteil gründete der Verteidiger Théodore Aubert die rechtsbürgerliche «Entente internationale contre la IIIe Internationale», die auch als Liga Aubert bezeichnet wird.

Wazlaw Worowski wurde unter grosser Anteilnahme in Form eines Staatsakts an der Nekropole an der Kremlmauer in Moskau bestattet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Annetta Gattiker: L’affaire Conradi. Herbert Lang, Bern 1975.
  • Alfred Erich Senn: Assassination in Switzerland: The murder of Vatslav Vorovsky. Madison, 1981, ISBN 0-299-08550-3.
  • Georges Capol: Die Affaire Conradi, 1923. Bündner Jahrbuch, Chur 2002, S. 159–171.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Urs P. Engeler: Grosser Bruder Schweiz, 1990
  2. Thomas Widmer: Er glaubte, er sei Wilhelm Tell. In: Tages-Anzeiger vom 21. März 2017.
  3. Simon Hehli: Affäre Conradi. Sieben Kugeln gegen den Bolschewismus. In: Neue Zürcher Zeitung vom 9. Mai 2016.
  4. Aubert, Théodore. Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 2. Januar 2010.
  5. Urs P. Engeler: Grosser Bruder Schweiz, 1990