D. Swarovski

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D. Swarovski
Rechtsform Kommanditgesellschaft
Gründung 1895
Sitz Wattens, OsterreichÖsterreich Österreich
Leitung Markus Langes-Swarovski
Mitarbeiter 25.995 (Stand 2008)
Branche Kristallglas
Website http://www.brand.swarovski.com

Swarovskiwerk 1 in Wattens
Eine Skulptur von Gustinus Ambrosi in Wattens, die den Unternehmensgründer Daniel Swarovski darstellt.
Ein Schwan aus der Unternehmensproduktion
Die Swarovskistraße in Wattens im September 2007
Swarovski am Marienplatz 20 in München
Swarovski Weihnachtsbaum im Zürich Hauptbahnhof im Dezember 2009

Swarovski ist ein österreichischer Hersteller von geschliffenem Kristallglas. Gründungsort des Familienunternehmens ist Wattens in Tirol.

Das Unternehmen ist in zwei Hauptgeschäftsbereiche gegliedert: Die Swarovski Kristall produziert Schmuckstücke aus Kristallglas und vertreibt diese weltweit, der Swarovski Gruppe gehören die Tyrolit Schleifmittel in Schwaz und die Swarovski Optik in Absam an. Swarovski beschäftigt selbst, oder über ihre Tochterunternehmen, weltweit mehr als 25.000 Mitarbeiter in 40 Ländern. Gernot Langes-Swarovski war von ca. 1965 bis 2002 – als er seine Agenden seinem Sohn Markus übergab[1] – geschäftsführender Gesellschafter.[2]

Geschichte

Das Unternehmen wurde 1895 vom Glasschleifer Daniel Swarovski gegründet, der aus dem nordböhmischen Georgenthal bei Gablonz stammt. Zu dieser Zeit wurde geschliffenes Kristallglas noch in geringer Anzahl im bäuerlichen Nebenerwerb in Handarbeit hergestellt. Daniel Swarovski entwickelte zur Befriedigung einer steigenden Nachfrage einen mechanischen Schleifapparat, welchen er 1892 in Prag zum Patent[3] anmeldete.

Von Swarovski mechanisch geschliffene Schmucksteine waren von hoher Qualität und wurden von einem lokalen und internationalen Bijouteriemarkt als „Schmucksteine neuer Qualität“ rasch aufgenommen, ohne dabei die traditionelle Herstellung zu verdrängen. Der Markt verlangte alsbald von dieser neuen Qualität immer größere Mengen, welche sich mit der am Gründungsstandort vorhandenen Wasserkraft von lediglich fünf Pferdestärken nicht produzieren ließ. Da einige Nachahmer das Produktionsverfahren zu kopieren versuchten, sollte ein neuer Unternehmensstandort nicht nur über größere Energiequellen verfügen, sondern auch abgeschieden sein. Als Kapitalgeber für eine solche Expansion gewann der 33-jährige Erfinder seinen Pariser Kunden Armand Kosmann und seinen Schwager Franz Weis, der sich als stiller Teilhaber beteiligte. Der Name des 1895 neu gegründeten Unternehmens lautete aus diesem Grund vorerst noch auf „A. Kosmann, Daniel Swarovski & Co“, welcher aber später auf den heute gebräuchlichen Markennamen „Swarovski“ geändert wurde.

Eine Standortsuche ergab mehrere potentiell geeignete neue Unternehmensstandorte in den Österreichischen Alpen, schließlich entschied sich Swarovski für die Inntalgemeinde Wattens, welche an der Flussmündung des wasserreichen Gebirgsbaches Wattenbach liegt. Entscheidender war wohl aber die – in Wattens vorhandene und günstig zu mietende – aufgelassene Rhomberg'sche Tuch- und Lodenfabrik, mit einer bereits vorhandenen Wasserkraftanlage mit einer Leistung von 44 kW.[4]

Nach Ende des fünfjährigen Pachtvertrags in Wattens drohte Swarovski mit einer Abwanderung, konnte aber schließlich im Jahre 1900 die Rhomberg'schen Fabrikanlagen samt den dazugehörigen Wasserrechten für 24.000 Gulden erwerben. Swarovski errichtete daraufhin im Wattental das Wasserkraftwerk Außerachen (Inbetriebnahme 1906, Leistung 603 kW). Später - inzwischen Gemeinderat von Wattens - baute er neue Werkswohnungen für seine Arbeiter in der Swarovskistraße; seiner Familie errichtete er mit der "Villa Swarovski" ein eigenes Heim. Aufgrund vorausgegangener guter Geschäftsjahre konnte er alle diese Aufgaben bis 1907 bewältigen.

Um sich von der böhmischen Konkurrenz unabhängig zu machen, begann Daniel Swarovski in einem Nebengebäude seiner Villa bereits 1908 mit Versuchen zur Herstellung von Rohglas. Vertrauliche Unterstützung für dieses Vorhaben ohne Fachleute leisteten seine drei Söhne Fritz, Alfred und Willi, welche dazu ihr Studium unterbrachen. Als eine eigene Glasschmelze erfolgversprechend gelang, errichtete er 1910/11 im Wattner Ortsteil Au das sogenannte Laboratorium und gründete unter dem Namen „Glasfabrik D. Swarovski“ ein eigenes Unternehmen. Er verfolgte damit die Absicht, ohne Belastung des Unternehmens „A. Kosmann – D. Swarovski & Co“ seine Versuche zur Entwicklung neuer Produktionsmethoden fortzusetzen, Rohglas im eigenen Betrieb herzustellen. Bereits 1913 konnte er die Glasschleiferei im Oberdorf mit Rohglas versorgen und wenig später war es möglich, auch die benötigten Farbtöne in hervorragender Qualität zu liefern. Die damals selbst entwickelte Glasschmelze ist noch heute eines der bestgehüteten Werksgeheimnisse von Swarovski, und ist auch Grund für die weltweit einzigartige Swarovski Kristallqualität mit einem speziellen, nur Swarovski-Kristallen eigenem 'Feuer'.

1922 war Daniel Swarovski bereits 60 Jahre alt und sein Laboratorium (heute das Werk I) hatte sich schon zu einer ansehnlichen Fabrik entwickelt. Die Folgen der Weltwirtschaftskrise von 1929 machten beiden Unternehmen schwer zu schaffen. Sie führten 1934 dazu, dass das Unternehmen A. Kosmann – D. Swarovski & Co seine Pforten schließen musste. 1935 wurde es von dem Unternehmen Daniel Swarovski, Glasschleiferei und Tyrolit-Schleifmittelwerke, gepachtet, wodurch das Stammwerk nach Wiederaufnahme der Produktion zum Werk II des neuen Unternehmens wurde.

Nach dem zweiten Weltkrieg profilierte sich das Unternehmen in der Öffentlichkeit Österreichs durch seine Brillenglasschleiferei und weltweit durch Feinoptikprodukte. Die schon damals wichtige Cash Cow des Unternehmen, die Sparte für Schleifmittel, war nicht sonderlich bekannt.[5] Die Brillenglasfertigung wurde dann in den 1990er Jahren an das französische Unternehmen Essilor verkauft, die Produktlinie optische Geräte aber behalten. Noch heute gelten die Zielfernrohre und Feldstecher von Swarovski als Spitzenprodukte der optischen Industrie neben den Marken Zeiss und Leitz.

1960 gelang es, von den Erben Armand Kosmanns die Anteile an dem noch immer als „Glasschleiferei A. Kosmann – D. Swarovski & Co“ geführten Werk II im Wattner Oberdorf käuflich zu erwerben. Das Werk I im Unterdorf und das Werk II im Oberdorf wurden so zu dem einheitlichen Unternehmen „D. Swarovski & Co“ zusammengefasst.

Daniel Swarovski II, Enkel des Unternehmensgründers, startete ein umfangreiches Siedlungsprogramm mit Werkswohnungen für seine Arbeiter. Seiner Philosophie folgend, jedem Mitarbeiter ein eigenes Haus sowie einen eigenen Garten zu ermöglichen, erwarb das Unternehmen Daniel Swarovski in mehreren Tiroler Gemeinden Grundstücke, die das Unternehmen zu Einheiten von 1000 m2 seinen Mitarbeitern zinsgünstig zum Bebauen zur Verfügung stellte. Noch heute zeugen umfangreiche Tiroler Siedlungsanlagen durch die Straßenbezeichnung „Swarovskistraße“ von diesen Aktivitäten. Daniel Swarovski II verfasste dazu auch ein eigenes Buch.

Im Jahr 1963 erhielt das Unternehmen die Staatliche Auszeichnung und darf seither das Bundeswappen im Geschäftsverkehr verwenden.

1987 erwarb Swarovski gemeinsam mit dem kanadischen Partner Peoples Jewellery die tausende Verkaufslokale umfassenden US-Schmuckhandelskette Zale, diese Transaktion brachte das Unternehmen aber in allergrößte wirtschaftliche Schwierigkeiten.[6] 1991 musste das US- amerikanische Tochterunternehmen mit umgerechnet 1,1 Milliarden Euro Schulden Konkurs anmelden. Die daraus resultierenden Verluste – angeblich rund 150 Millionen Euro – belasteten die Konzernbilanzen vieler Jahre.

Produkte

Die Erzeugnisse gliedern sich in:

  • Kristallschmucksteine und Kristallkomponenten (Handelsname: "Crystallized - Swarovski Elements")
  • Kristallskulpturen und Accessoires mit und aus Kristall
  • optische Präzisionsgeräte (Swarovski Optik)
  • Schleif- und Abrichtwerkzeuge (Tyrolit)
  • synthetische Edelsteine (seit April 2008 unter der Marke "Enlightened - Swarovski Elements" im Handel, zuvor bekannt als "Signity", bis 1999 "Swarogem")
  • Straßenmarkierungsknöpfe und Rückstrahler aus Glas ("Swareflex")
  • selbstleuchtenden Straßenverkehrs-Leiteinrichtungen ("Swareflex")
  • Verkehrszeichen mit LED-Leuchten ("Swareflex").

1976 wurde das Geschäftsfeld Kristallobjekte begonnen. Nach eher bescheidenen Anfängen werden heute Kristallfiguren wie Früchte- oder Tierskulpturen in eigenen Läden oder einem Depotvertriebsystem von Optikern, Juwelieren oder Andenkenläden global verkauft. Das Marketingkonzept der limitierten Herstellung von Serien ist so erfolgreich, dass manche Kristallobjekte regelrecht gesammelt werden und sich Fanklubs bildeten. Diesen – z. T. durch das Unternehmen selbst organisierten – Vereinigungen werden eigene Serien angeboten.

In Nordamerika wurde in den 1980er Jahren durch den Kauf einer ca. 1500 Läden umfassenden Schmuckhandelskette der Vertriebsweg zum Endverbraucher gesichert. Dieser Erwerb war damals eine der größten Akquisitionen eines österreichischen Unternehmens und erschütterte die finanzielle Situation des Unternehmens zunächst erheblich.

Swarovski stellt nicht nur Produkte für Endverbraucher her, sondern liefert auch Strass- und Lustersteine an andere Hersteller aus der Schmuck-, Mode-, Beleuchtungskörper- und Inneneinrichtungsbranche und Rückstrahler aus Glas an den Straßenbau. Auch Briefmarken der Österreichischen Post aus dem Jahren 2004, 2006 und 2008 wurden schon mit Swarovski-Kristallen ausgestattet [7].

Unternehmen

Die Unternehmensgruppe steht im Besitz von etwa zweihundert Familienmitgliedern. Größter Einzelgesellschafter ist mit 17% Gernot Langes-Swarovski.

  • Swarovski International Holding AG, Swarovski Ventures Ltd., Daniel Swarovski Corporation AG, Swarovski (Schweiz) AG, - alle: General Wille Str. 88, CH 8706 Feldmeilen, Schweiz
  • Swarovski AG, Droeschistrasse 15, FL-9495 Triesen, Liechtenstein.
  • Swarovski Crystal Online AG, Hüttenstraße 27, 87600 Kaufbeuren im Allgäu, Deutschland.
  • Tyrolit Schleifmittelwerke Swarovski K.G., Daniel-Swarovski-Straße 33, 6130 Schwaz, Österreich.
  • d. Swarovski tourism services GmbH, Kristallweltenstrasse 1, 6112 Wattens, Tirol
  • Swarovski Austria Vertriebsges.m.b.H. & CO.KG, 6063 Rum bei Innsbruck, Österreich.
  • Swarovski D & Co Crystal Architecture, in Kolsass, Tirol, Österreich.
  • D. Swarovski & Co, Daniel-Swarovski-Straße 30, 6112 Wattens, Tirol, Österreich.
  • Swarovski Optik Deutschland, Heilig-Geist-Straße 44, 83022 Rosenheim, Bayern, Deutschland.
  • Swarovski-Optik KG., Daniel-Swarovski-Straße 70, 6067 Absam, Tirol, Österreich.
  • Swarovski France S.A., 75002 Paris, Frankreich
  • UAB Crystal Creations, 03202 Vilnius, Litauen

Unternehmen in Lateinamerika, Asien/Pazifik, USA, Kanada und anderen europäischen Ländern.

„Kristallwelten“

Zum hundertjährigen Unternehmensjubiläum wurde 1995 in Wattens als Touristenattraktion das Museum „Kristallwelten“ eröffnet. Die Eröffnung und eine Umgestaltung 2005 wurden von dem österreichischen Künstler André Heller vollzogen.

Sonstiges

Bereits der Unternehmensgründer Daniel Swarovski[8] war sich des hohen Energiebedarfes seiner neuartigen mechanischen Glasherstellung bewusst, auf der Suche nach einem kostengünstigen und umweltfreundlichen Energieträger wurde er schließlich in der Tiroler Inntalgemeinde Wattens fündig. Wattens liegt am Talausgang des flächenmäßig ausgedehnten Wattentales, durch das große Einzugsgebiet des Wattenbaches (rund 75 km²) war und ist dessen Wasserkraft ergiebig. Daniel Swarovski nutzte erst ein kleines vorhandenes Wasserkraftwerk zur Glaserzeugung und experimentierte auch mit einem kleinen Laufkraftwerk am Fluss Inn. Schon bald wurden durch den Erfolg der Schleiferei eine Wasserkraft am Wattenbach intensiv ausgebaut, dieser Ausbau ermöglichte auch eine damalig erstmalige Versorgung der Landbevölkerung von Wattens und Wattenberg mit elektrischem Licht, womit auch Swarovskimitarbeiter privat günstig elektrische Energie von ihrem Arbeitgeber beziehen konnten. Swarovski verfügt heute über umfassende Wasserrechte am Wattenbach und betreibt an diesem vier eigene Wasserkraftwerke, sowie ein weiteres gemeinsames mit Wattenspapier. Ein Wassertiefspeicher im Wattner Ortsteil Vögelsberg ermöglicht einen kurzzeitigen autonomen Inselbetrieb zur Notstromversorgung des Swarovskiwerkes in Wattens. Auch das Sponsoring hat als Schwerpunkt das Wasser, so wird nicht nur der Nationalpark Hohe Tauern sondern auch ein Nationalpark in Indien durch eine Wasserversorgung unterstützt. Swarovski betreibt Abwasserreinigungsanlagen, die Glasschleifstäube werden den industriellen Abwässern entzogen und in die Glasproduktion rückgeführt.

Das Unternehmen unterhält jährlich im Dezember einen mit 5000 Kristallen geschmückten Weihnachtsbaum in der Zürcher Bahnhofshalle. Zu Weihnachten 2006 wurde ein solcher Baum auch im Berliner Hauptbahnhof aufgestellt. Der große Weihnachtsstern auf dem Weihnachtsbaum vor dem Rockefeller Center in New York wird ebenfalls von Swarovski gesponsert.

Das Unternehmen besitzt seit 1976 ein eigenes Bedarfsflugunternehmen, die Tyrolean Jet Services.

Literatur

  • Konrad Fichtl (Red.): WATTNER BUCH Schlern-Schriften R. Klebelsberg. Universitätsverlag Wagner-Innsbruck 1958
  • Kühschelm, Oliver: Swarovski. Österreichischer „Multi“ und Tiroler „Weltmarke“ In: Brix, Emil / Bruckmüller, Ernst, Stekl Hannes (Hrsg): Memoria Austriae III - Unternehmer, Firmen, Produkte Verlag für Geschichte und Politik, Wien 2005. S. 131 - 168. ISBN 3-7028-0419-6

Einzelnachweise

  1. Wirtschaftsblatt Nov. 2000
  2. T- Online Portrait, Quelle APA
  3. http://www.swarovski.com/is-bin/INTERSHOP.enfinity/WFS/SCO-Web_DE-Site/de_DE/-/EUR/SPAG_TheStory-ViewPage?origin=landing Die Geschichte von Swarovski - 1895
  4. T- Online Portrait, Quelle APA
  5. Horst Schreiber, Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Nazizeit in Tirol, Innsbruck 1994 (Geschichte & Ökonomie 3) [1] Das Unternehmen Swarovski in der NS-Zeit
  6. Weltweit glitzerndes Netzwerk einer Familie, WirtschaftsBlatt, 2. Dezember 2003
  7. http://www.post.at/70_3895.php Swarovski-Kristalle funkeln ab sofort auch auf Marken-Block der Österreichischen Post, Mitteilung auf Post.at vom 20. September 2004
  8. http://www.news.at/profil/index.html?/articles/0704/560/162844.shtml PROFIL: Kristallwelten. Swarovskis sind die Rockefellers unserer Republik

Weblinks

 Commons: Swarovski – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 47° 17′ 44″ N, 11° 35′ 51″ O