Das Kartell (Roman)

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Das Kartell (engl. Originaltitel: The Cartel) ist ein Thriller von Don Winslow aus dem Jahr 2015, der sich mit dem Drogenkrieg in Mexiko befasst. Es handelt sich um ein fiktives Werk, das von authentischen Ereignissen inspiriert ist. Der Roman bildet die Fortsetzung zu Winslows 2005 veröffentlichten Roman Tage der Toten, der den Originaltitel The Power of the Dog trägt. Folglich ist der Folgeroman Das Kartell auch unter dem Titel The Power of the Dog II bekannt.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Roman handelt von der Brutalität des mexikanischen Drogenkriegs im Zeitraum zwischen 2004 und 2014. Durch den Ausbruch des Drogenbosses Adán Barrera (diese Romanfigur ist inspiriert durch Joaquín Guzmán) aus dem Gefängnis Puente Grande wird der Drogenfahnder der Drug Enforcement Administration (DEA), Art Keller, reaktiviert. Keller hatte Barrera einst festgenommen und sich danach als Bienenzüchter in ein Kloster zurückgezogen. Dabei hat der US-Amerikaner Keller in Mexiko nur eingeschränkte Befugnisse und ist offiziell nur als Berater für die mexikanischen Ermittlungsbehörden tätig, die vom Chefstaatsanwalt Luis Aguilar und vom Polizeichef Gerardo Vera geleitet werden. Sie sind Barrera mehrfach dicht auf den Fersen, doch kann dieser sich stets im letzten Augenblick der Verhaftung entziehen. Bald findet Keller durch ein ihm zugespieltes Band heraus, dass Polizeichef Vera auf Barreras Gehaltsliste stand und diesen jedes Mal rechtzeitig informierte, bevor die Einsatzkräfte zuschlagen konnten.

Darüber hinaus schildert der Roman die verschiedenen Aktivitäten und Kämpfe der Kartelle untereinander. Die vier bedeutendsten sind das Juárez-Kartell, das Golf-Kartell, das Tijuana-Kartell und das Sinaloa-Kartell. Ebenfalls bedeutsam sind La Familia Michoacana und Los Zetas.

Es stellt sich heraus, dass insbesondere die von dem ehemaligen Offizier einer mexikanischen Luftwaffeneliteeinheit, Heriberto Ochoa, gegründeten Zetas mit einer Brutalität vorgehen, die sadistisch motiviert ist. Die Figur des Ochoa, der auch unter den Spitznamen Z1 und El Verdugo (dt. Der Henker) bekannt ist, ist inspiriert durch Heriberto Lazcano. Auch der zweite Mann der Zetas, Miguel Morales alias Z40 und im Roman fast durchweg als Forty bezeichnet, ist durch den gleichnamigen Miguel Morales inspiriert.

Die Zetas fungierten anfangs als bewaffneter Arm des Golf-Kartells, machen sich jedoch bald selbständig und verleihen dem „Krieg der Kartelle“ eine neue Dimension. Denn sie erweitern ihre Aktivitäten auf Entführung und Schutzgelderpressung und verkommen zu einer Art „Grusel-Kabinett“. Sie überziehen Mexiko mit Terror, nehmen keine Rücksicht auf Zivilisten, schlachten Frauen und Kinder ab und köpfen ihre Gegner, was Erinnerungen an den Terror von Al-Qaida weckt. Weil sie die Medien durch Einschüchterung zum Schweigen gebracht und die Polizei in vielen Teilen des Landes unterwandert haben, haben sie bereits eine Art Schattenregierung errichtet.

Um diesen schädlichen Einfluss einzudämmen, verbünden sich höchste mexikanische Regierungsstellen mit den weniger brutalen Kartellen, wie zum Beispiel Barreras Sinaloa-Kartell. Dabei kommt es sogar zu einem Schulterschluss zwischen Keller und Barrera.

Währenddessen zieht sich die Führungsspitze der Zetas nach Guatemala zurück, wo weder die mexikanischen noch die US-amerikanischen Einsatzkräfte tätig werden dürfen.

Daher wird eine regierungsunabhängige Spezialeinheit gebildet, die das Quartier der Zetas im Departamento Petén angreifen soll, während Barrera dort mit einer Hundertschaft seiner besten Leute vorgetäuschte Vertragsverhandlungen führt. In dem Dorf Dos Erres kommt es zum Showdown, der einige Überraschungen bereithält.

Personen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Art(uro) Keller: reaktivierter Drogenfahnder der DEA, der dabei helfen soll, den Drogenboss Adán Barrera nach dessen Ausbruch abermals dingfest zu machen. Keller, der bereits bei der ersten Verhaftung Barreras maßgeblich beteiligt war, ist für diese Aufgabe wie geschaffen, weil er aufgrund seiner mexikanischen Mutter wie ein Mexikaner aussieht und fließend spanisch spricht.
  • Adán Barrera: der Boss des Sinaloa-Kartells war einst der mächtigste Drogenboss der Welt und verfolgt das Ziel, die mexikanischen Drogenkartelle wieder unter seiner Führung zu vereinen. Um das Bündnis mit Nacho Esparza zu festigen, heiratet er dessen Tochter Eva.
  • Pablo Mora: Journalist der Juarenser Zeitung El Periódico. Auch seine Kollegin Ana (in die er verliebt ist), der für dieselbe Zeitung arbeitende Fotograf Giorgio Valencia und der Redaktionsleiter Óscar Herrera gehören zu den Hauptpersonen des Romans.
  • Marisol Cisneros: die Ärztin ist zeitweise mit Keller liiert. Sie übernimmt das Amt der Bürgermeisterin ihrer Heimatstadt Guadalupe. Bei einem Attentat wird sie lebensbedrohlich verletzt, überlebt aber.
  • Magda Beltrán: die ehemalige Miss Culiacán flog als Geldkurierin für einen Drogendealer auf und kam ins Gefängnis, wo sie Barrera kennenlernte. Obwohl sie nach dem gemeinsamen Ausbruch auf eigene Rechnung arbeitet, unterhält sie weiter ein Verhältnis mit Barrera und wird schwanger. Sie gerät in einen Hinterhalt und wird von Barreras Erzfeind Heriberto Ochoa, dem Boss der Zetas, ermordet.
  • Luis Aguilar: der Staatsanwalt genießt den Ruf eines knallharten Anklägers. Als er Mexiko mit brisantem Beweismaterial gegen Polizeichef Vera verlassen will, gerät sein Privatjet in Brand und stürzt ab.
  • Gerardo Vera: Polizeichef, der mit früheren Polizeikumpels aus dem hauptstädtischen Problembezirk Iztapalapa eine neue Polizeieinheit aufgebaut hat. Er steht auf Barreras Gehaltsliste und wird nach seiner Enttarnung von einem Leibwächter Barreras erschossen.
  • Eddie Ruiz: der mit Barrera verbündete Killer ist auch bekannt als Crazy Eddy (was ihm nicht gefällt) und Narco Polo (was ihm gefällt).
  • Jesús „Chuy“ Barajas: weil er bereits seit seinem zwölften Lebensjahr Menschen ermordet, ist er auch als Jesús the Kid bekannt. Er arbeitet – zu verschiedenen Zeiten – sowohl für die Zetas als auch für die mit diesen verfeindete Familia.
  • Diego Tapia: der von einigen Leuten auch Jefe de Jefes genannte Cousin Barreras ist einer der hohen Bosse des neu formierten Sinaloa-Kartells und hat dafür gesorgt, dass der größte Teil des Gefängnispersonals auf Barreras Gehaltsliste stand. Weil er zu viel Macht bekam und für Barrera zu einem Sicherheitsrisiko wurde, kam es zum Bruch zwischen den Cousins. Diego kommt bei einem groß angelegten Sondereinsatz der mexikanischen Polizei ums Leben.
  • Martín Tapia: der Bruder von Diego gilt als Finanzchef und Diplomat des Tapia-Clans. Der junge Unternehmer ist Diegos Bindeglied zur mexikanischen Oberschicht.
  • Yvette Tapia: die Frau von Martín lernt Keller bei einer Filmpremiere kennen und spielt ihm nach dem Bruch zwischen den Tapias und Barrera einen Kassettenmitschnitt zu, der verrät, dass Vera für Barrera arbeitet.
  • Roberto Orduña: Nachfolger Veras, der eine neue Sondereinheit aufbaut.

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Kartell liest sich fast wie ein Tatsachenbericht, dicht und hochspannend. Selten habe ich 800 Seiten so verschlungen! (Peter Twiehaus, ZDF-Morgenmagazin)
  • Don Winslow hat, als Roman getarnt, eine Chronologie des War on Drugs geschrieben. (der Freitag)
  • Das Buch, wenngleich als „fiktives Werk“ deklariert, basiere auf authentischen Ereignissen. Er muss das wohl so deutlich erwähnen, man wäre sonst versucht, den in nüchternen Worten geschilderten Wahnsinn als durchgedrehte Gewaltfantasie abzutun. (Rhein-Zeitung)
  • Don Winslow hat dieses Buch einer ganzen Hundertschaft von namentlich genannten Journalistinnen und Journalisten gewidmet, die im „wirklichen“ Drogenkrieg umgebracht wurden. Schon deshalb sollte man es bis ans Ende lesen. (NRZ)
  • „Das Kartell“ ist ... brillant recherchiert und zeigt uns auf sehr eindringliche Weise, wie komplex und gefährlich unsere Welt tatsächlich ist. (Michael Connelly)

Sozialpolitische Kritikpunkte des Autors[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Winslow hebt den Aspekt hervor, dass das sogenannte mexikanische Drogenproblem eigentlich kein mexikanisches Problem ist. Es wird nur auf die mexikanische Gesellschaft zurückprojiziert. Die Ursache des Problems liegt aber in den USA, wo die aus Mexiko eingeführten Drogen konsumiert werden. Deshalb kann das Problem auch nicht in Mexiko gelöst werden. (S. 33) Wegen der unersättlichen Gier der Amerikaner nach Drogen verkam Mexiko zu einem gigantischen Schlachthof. Die Gringos konsumieren die Drogen, die sie von dem südlichen Nachbarn erhalten und zeigen dann mit erhobenem Zeigefinger auf ihn und verweisen auf dessen „Drogenproblem“. (S. 427) Kurzum, sie machen Mexiko zum Vorwurf, genau das zu verkaufen, was sie selbst konsumieren wollen. (S. 695) Dann liefern sie Waffen, um den Drogenschmuggel zu bekämpfen. Doch ihr vermeintlicher Krieg gegen die Drogen ist in Wirklichkeit ein Krieg gegen die Armen. (S. 786)

So richtig entfaltet hat sich die Gewalt im mexikanischen Drogenkrieg, seit es immer mehr miteinander konkurrierende Banden gibt. Die schlimmste von allen sind Los Zetas. Sie wurden von ehemaligen Angehörigen der mexikanischen Armee gegründet, die von amerikanischen und israelischen Spezialeinheiten ausgebildet wurden (S. 70) und die erlernten brutalen Techniken jetzt gegen konkurrierende Organisationen und Zivilisten ausüben. Auch ein Teil der von ihnen verwendeten Waffen stammt aus Beständen der mexikanischen Armee (S. 71), die als weitere Einnahmequelle auch an islamistische Terroristen verkauft werden. (S. 742) So schließt sich ein gefährlicher Kreis, der zu immer weiterer gewaltsamer Eskalation (nicht nur in Mexiko) führt.

Textausgabe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]