Tijuana-Kartell

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Grenzzaun zwischen Tijuana (rechts) und San Diego (links)

Das Tijuana-Kartell (spanisch Cártel de Tijuana), auch bekannt als Arrellano-Félix-Organisation, ist ein mexikanisches Drogenkartell, das während der 1980er Jahre entstand. Die kriminelle Organisation die seit 2010 auch als Fernando Sanchez Organisation bezeichnet wird,[1] wurde im Jahr 2016 auch als Kartell aus Tijuana – neue Generation (spanisch Cártel Tijuana Nueva Generación) bekannt und hat begonnen, unter dem Kartell Jalisco Nueva Generación, zusammen mit dem Beltrán-Leyva-Kartell eine Anti-Sinaloa-Allianz zu schaffen.

Übersicht Arellano Félix Brüder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fotos von Mitgliedern des Tijuana-Kartells auf einem Plakat der "meistgesuchten" des FBI.

Die Familie Arellano Félix stammte wie Miguel Ángel Félix Gallardo (alias El Padrino), der erste mexikanische Drogenzar, aus Culiacán, Sinaloa. Die Familie zog mehrmals um, zuletzt nach Tijuana. Sie besteht aus sieben Brüdern:

  • Francisco Rafael „El Pelón“ Arellano Félix (* 24. Oktober 1949; † 18. Oktober 2013): er wurde am 4. Dezember 1993 verhaftet, zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt, am 16. September 2006 in die USA ausgeliefert, im Oktober 2007 zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt, am 4. März 2008 freigelassen und am 18. Oktober 2013 in Cabo San Lucas von einem als Clown verkleideten Mörder erschossen.[2]
  • Benjamín „El Min“ Arellano Félix (* 3. Dezember 1952): er wurde am 9. März 2002 verhaftet, am 29. April 2011 in die USA ausgeliefert und am 2. April 2012 zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt.
  • Carlos Alberto Arellano Félix (* 20. August 1955)
  • Eduardo „El Doctor“ Arellano Félix (* 11. Oktober 1956): am 26. Oktober 2008 verhaftet, am 1. September 2012 in die USA ausgeliefert und am 18. August 2013 zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt.[3]
  • Ramón Arellano Félix (* 31. August 1964; † 10. Februar 2002): am 10. Februar 2002 von der Polizei erschossen.
  • Luis Fernando Arellano Félix (wahrscheinlich * 26. Januar 1966)
  • Francisco Javier Arellano Félix (* 11. Dezember 1969): am 16. August 2006 in internationalem Gewässer verhaftet, in die USA gebracht und am 5. Oktober 2007 zu lebenslanger Haft verurteilt.[3]

Zur Familie gehören vier Schwestern, darunter Enedina „La Jefa“ Arellano Félix de Toledo (* 12. April 1961).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wurzeln der Organisation liegen im Kartell von Guadalajara, das nach der Festnahme seines Mitbegründers Miguel Ángel Félix Gallardo[4] im Jahr 1989 zerfiel. Nachdem Gallardo verhaftet wurde, entbrannten Streitigkeiten unter den Padróns. Da sich jeder der fünf verbliebenen Drogenbosse aus Sonora, Ciudad Juárez, Tamaulipas, Sinaloa und auch aus Tijuana erhöhten Einfluss sichern wollte, zerbrach schlussendlich die Federación und es entstanden mehrere kleine Gruppierungen, die stellenweise bis heute existieren: Sinaloa-Kartell, Golf-Kartell, Tijuana-Kartell, Juárez-Kartell.[5]

Bereits Anfang der 1980er Jahre etablierte sich Benjamín „El Min“ Arellano Félix in Tijuana, wo er und sein Bruder Ramón begannen, das millionenschwere Geschäft zu planen, das sich schließlich in die Vereinigten Staaten, Europa, Asien und Süd-Amerika ausdehnen sollte. Mit großen Mengen an Bestechungsgeldern in Höhe von geschätzten 1 Million US-Dollar pro Woche für mexikanische Politiker und Polizeikommandanten, konnte sich die Organisation diverse Protektionen erkaufen.[6]

Benjamín verwaltete und beaufsichtigte alle Drogenhandelsaktivitäten des Kartells. Seit 1989 befand er sich auf der Grundlage einer Anklage, die am 2. Mai 1989 in San Diego wegen Verschwörung, Geldwäsche, Drogenhandel und dem Betrieb einer kriminellen Organisation erlassen wurde, auf der Flucht.[7] Ramón, der als der gewalttätigste Bruder gilt, koordinierte Berichten zufolge die Sicherheit der Organisation und rekrutierte häufig Personal aus gewalttätigen Straßenbanden. Die Sicherheitskräfte der Organisation, die von mexikanischen Strafverfolgungsbehörden als paramilitärisch bezeichnet wurden, waren gut ausgebildet und gut bewaffnet. Eine der Aufgaben von Ramón war es, die Morde an rivalisierenden Drogenhändlern, unkooperativen Strafverfolgungsbeamten und allen Kartell-Mitgliedern, die bei der Kartellführung in Ungnade fielen, zu planen.[8]

Die Arellano Félix Brüder waren es, die 1992 Ismael „El Mayo“ Zambada García und seinen Partnern Joaquín „El Chapo“ Guzmán und Héctor „El Mayo“ Palma Salazar den Krieg erklärten, weil sie ihnen 20 Millionen Dollar für den Drogenimport mittels ihrer Route in die USA schuldeten. Zwischen 1989 und 1992 kontrollierten sie alle Transferrouten nach Kalifornien und Arizona.[9] Mit der ersten Inhaftierung von El Chapo im Jahr 1993, konnten die Arellano Félix Brüder die Schlacht gewinnen.[10]

Auf dem Höhepunkt ihres Netzwerks während der 90er Jahre, waren sie verantwortlich für die Lieferung zwischen 40 und 70 Prozent des Kokainhandels in den Vereinigten Staaten.[11] Den Brüdern wird eine Vielzahl von Verbrechen angelastet, darunter die Ermordung des Erzbischofs von Guadalajara Kardinal Juan im Mai 1993.[12] Nach dessen Ermordung, geriet die Organisation verstärkt in den Fokus der mexikanischen Verbrechensbekämpfung. Francisco Rafael „El Pelón“ Arellano Félix wurde als erster der Brüder 1993 verhaftet, in den USA angeklagt und verbüßte dort eine Haftstrafe bis 2008. Ramón stand seit dem September 1997 auf der Liste der weltweit zehn meistgesuchten Kriminellen des FBI.[13]

Am 11. März 2000 wurde Jesús Abraham „El Chuy“ Labra Avilés, Onkel der Arellano Félix Brüder, von der mexikanischen Bundespolizei verhaftet.[14] Am 31. Dezember 2008 wurde er in die USA ausgeliefert[15] und am 5. April 2010 zu 40 Jahren Gefängnis verurteilt.[16] Er war Finanzchef des Tijuana-Kartells und Schlüsselperson für die Beziehungen zu mexikanischen Finanz- und Immobilienunternehmen.

Ebenfalls öffneten die US-Behörden am 11. Mai 2000 eine Anklage von zehn Punkten gegen Ramón und Benjamín, in der sie beschuldigt wurden, eine Drogenschmuggelorganisation zu betreiben und rivalisierende Drogenhändler, Informanten und Polizeibeamte zu entführen und zu ermorden. Benjamín wurde am 9. März 2002 von der mexikanischen Armee im mexikanischen Bundesstaat Puebla verhaftet. Einen Monat zuvor, am 10. Februar, wurde sein Bruder Ramón während einer Verkehrskontrolle von einem Polizisten tödlich angeschossen, nachdem dieser von Ramón angeschossen wurde und später seinen Wunden erlag.[17][18]

Abführung von Francisco Javier Arellano Félix durch die DEA

Der Bruder Francisco Javier übernahm fortan die Führung der Organisation; wurde aber am 14. August 2006 verhaftet.[19] Nach der Inhaftierung von Francisco, übernahmen Bruder Eduardo Arellano Félix und seine Schwester Enedina Arellano Félix de Toledo die Führung.

Im April 2008 spaltete sich eine Fraktion, die unter Leitung von Teodoro „El Teo“ García Simental stand und sich auf Erpressungen und Entführungen spezialisiert hatte, vom Tijuana-Kartell ab und verbündete sich später mit dem Sinaloa -Kartell.[20] Dieses wurde zusätzlich durch die Verhaftung von Eduardo am 26. Oktober 2008 geschwächt.[21] Seit El Teo im Januar 2010 verhaftet wurde,[22] haben die blutigen Machtkämpfe in Tijuana merklich nachgelassen.[1]

Seit 2008 soll die Organisation von Enedina und ihrem Sohn Luis Fernando „El Ingeniero“ Sánchez Arellano geleitet werden. Er wurde am 23. Juni 2014 in Tijuana, La Mesa, von Angehörigen der mexikanischen Streitkräfte verhaftet.[23]

Am 5. November 2011 verhafteten mexikanische Truppen Juan Francisco „El Sillas“ Rocha, der die momentane Nummer Zwei des Kartells gewesen sein soll.[24] Man vermutet, dass Alberto „El Piloto“ Arellano, der Sohn von Ramón, die Führung des "Neuen Tijuana-Kartells" übernommen haben soll.

Film und Fernsehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Tijuana-Kartell – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Steven Dudley: Investigation: Who Controls Tijuana? In Sight, 3. Mai 2011, abgerufen am 30. August 2011 (engl.).
  2. Der Mörder kam als Clown. auf: taz.de, 19. Oktober 2013.
  3. a b Schlag gegen Tijuana-Kartell: 15 Jahre Haft für Drogenboss "El Doctor". In: Spiegel Online. 20. August 2012, abgerufen am 23. Oktober 2013.
  4. The New York Times – Mexicans arrest top drug figure and 80 policemen
  5. Serienfuchs – „Narcos“ Staffel 4: Teaser kündigt Diego Luna und Michael Peña an
  6. ABC News – How Officials Jolted a Cocaine Cartel
  7. Frontline – The Business - Arellano-Felix Cartel
  8. Frontline – The Business - Arellano-Felix Cartel
  9. Debate – El extraditado: la historia de Benjamin Arellano Félix
  10. Aristegui Noticias – Cártel Arellano Félix: 23 años impunes de lavado de dinero
  11. Vice News – Last Link to the Tijuana Cartel Gets Arrested While Celebrating Mexico's World Cup Win
  12. Blickpunkt Lateinamerika – Neue Spekulationen über Mord an Kardinal Posadas
  13. Welt 24 – Mexikos mächtigster Drogenboss festgenommen
  14. Tijuana Arrestee Said to Be a Founder of Drug Cartel. 13. Dezember 2008, abgerufen am 27. Oktober 2013 (englisch).
  15. Ten of Mexico's Most Notorious Drug Traffickers Extradited to U.S. 31. Dezember 2008, abgerufen am 27. Oktober 2013 (englisch).
  16. Three Arellano-Felix Members Sentenced to Prison and Two Will Forfeit $1 Million Each. 5. April 2010, abgerufen am 27. Oktober 2013 (englisch).
  17. Der Standard – Wichtigster Drogen-Boss Mexikos gefasst
  18. Carmen Boullosa & Mike Wallace – ¡Es reicht! Der Fall Mexiko:Warum wir eine neue globale Drogenpolitik brauchen
  19. 20 Minuten – Das ist die gefährlichste Frau von Mexiko
  20. TCO 101: The Arellano Félix/Fernando Sanchez Organization. Abgerufen am 30. August 2011.
  21. Mächtiger Drogenboss geht Ermittlern ins Netz. In: Welt Online. 27. Oktober 2008, abgerufen am 30. August 2011.
  22. Drogenboss "El Teo" gefasst. In: Spiegel Online. 12. Januar 2010, abgerufen am 30. August 2011.
  23. Drogenhandel in Mexiko: Fußball kennt keine Gnade. 25. Juni 2014, abgerufen am 13. August 2014.
  24. Univision – Detienen a Juan Francisco Sillas Rocha 'El Sillas', lugarteniente de los Arellano Félix