Das Spinnennetz

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Dieser Artikel behandelt den Roman von Joseph Roth. Zur Verfilmung aus dem Jahr 1989 siehe Das Spinnennetz (Film), zur Beutefangkonstruktion von Spinnen siehe Spinnennetz.

Das Spinnennetz ist ein nicht zu Ende geführter Fortsetzungsroman von Joseph Roth, der vom 7. Oktober bis zum 6. November 1923 in der Wiener Arbeiter-Zeitung vorabgedruckt wurde. Die erste Buchausgabe erfolgte posthum 1967 in Köln und Berlin. Das Werk wurde 1989 verfilmt. Protagonist ist der aus dem Ersten Weltkrieg heimkehrende Leutnant Theodor Lohse. Der Roman wurde 2010 in Reclams Universal-Bibliothek aufgenommen.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Protagonist des Romans, Leutnant Theodor Lohse, hasst Sozialisten und Juden.[H 1] Er beginnt nach dem Ersten Weltkrieg als Student der Rechte in Berlin und verdingt sich als Hauslehrer bei einem jüdischen Juwelier.[H 2] Das Sich-Einfügen ins ungewohnte zivile Leben fällt ihm schwer.[H 3] Er kündigt beim Juwelier und wird Mitglied der Münchner „Organisation S II“.[H 4]

Lohse lernt den Detektiv Günther Klitsche kennen, der sich unter falschem Namen als Spion bei Sozialisten einschleicht, um sie anschließend an die Polizei zu verraten.[H 5] Theodor tötet Klitsche, vertuscht den Totschlag und nimmt seine Stelle ein.[H 6] Gern möchte Theodor den von ihm verehrten Ludendorff in München besuchen, aber Direktkontakt ist untersagt.[H 7] Theodor ist in der Presselandschaft völlig unbekannt. Täglich schreibt die Presse über Adolf Hitler und den Nationalsozialismus.[H 8] Lohse kommt bei der Reichswehr in der Garnison Potsdam unter. Die Untergebenen in seiner Kompanie gewinnt er für sich, indem er nicht bestraft, sondern nur rügt.[H 9]

Benjamin Lenz, ein Jude aus Lodz, der im Krieg Spion war, arbeitet gelegentlich mit falschem Material.[H 10] Er versorgt nicht nur Theodor mit Meldungen, sondern ebenso den Gegner. Es stellt sich heraus, dass Benjamin alles über Lohse, inklusive des Mords an Klitsche, weiß.[H 11] Notgedrungen verbündet sich Lohse mit Lenz, welcher ihn kurz darauf denunziert.[H 12] Lohse wird am Alexanderplatz gegen eine Demonstration von Arbeitern eingesetzt, bei der es zu einer Schlägerei kommt.[H 13]

Lohse heiratet das Fräulein Elsa von Schlieffen, die ebenfalls national gesinnt und Judenfeindin ist.[H 14] Lenz bezahlt die Hochzeitsfeier. Zwar scheidet Theodor aus der Reichswehr aus,[H 15] doch er verhört weiter die „inneren Feinde“, und lässt sie für „ungebührliche Antwort auf der Stelle“ mit Folter büßen.[H 16] Theodor ertappt Benjamin, wie er ihn ausspioniert. Er ist letztendlich machtlos, denn Benjamin weiß zu viel.

Zitate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Es lächelte die Straße.[H 17]
  • … sein halbhöriges Ohr trank die rauschende Schweigsamkeit der Toten.[H 18]
  • In den Parlamenten redeten oberflächliche Menschen.[H 18]
  • Arbeiter zerbrechen Karabiner über dem Knie.[H 19]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Helmuth Nürnberger lobt den „Scharfblick des Autors“. Der Roman bleibe „Zeugnis einer hellseherisch anmutenden politischen Intelligenz“.[1]
  • „Die expressionistischen Stakkato-Sätze“, mit denen Joseph Roth als Romancier debütiert, stechen Hackert ins Auge.[H 20]
  • Ulrike Steierwald geht auf „die satirische Überzeichnung im Roman“ ein.[2]

Verfilmung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe hierzu den Artikel Das Spinnennetz (Film).

Bernhard Wicki verfilmte den Roman 1989 mit Ulrich Mühe als Theodor Lohse, Klaus Maria Brandauer als Benjamin Lenz, András Fricsay als Günther Klitsche, Corinna Kirchhoff als Elsa von Schlieffen und Agnes Fink als Mutter Lohse.[3] 1990 erhielt Wicki für seine Arbeit das Filmband in Gold.

Hörspielbearbeitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fritz Hackert (Hrsg.): Joseph Roth. Werke. Band 4: Romane und Erzählungen. 1916–1929. S. 63–146: Das Spinnennetz. Roman. 1923. Mit einem Nachwort des Herausgebers. Büchergilde Gutenberg, Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-7632-2988-4.
  • Konstanze Fliedl (Hrsg.): Das Spinnennetz. Reclam, Stuttgart 2010. (Reclams Universal-Bibliothek 18684) [Text nach dem Erstdruck in: Arbeiter-Zeitung, Oktober/November 1923] ISBN 978-3-15-018684-8

Sekundärliteratur

  • Helmuth Nürnberger: Joseph Roth. In Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Rowohlt-Taschenbuch-Verlag, Reinbek bei Hamburg 1981, ISBN 3-499-50301-8 (Rowohlts Monographien 301).
  • Ulrike Steierwald: Leiden an der Geschichte. Zur Geschichtsauffassung der Moderne in den Texten Joseph Roths. Königshausen & Neumann, Würzburg 1994, ISBN 3-88479-880-4 (Epistemata. Reihe: Literaturwissenschaft 121), (Zugleich: München, Univ., Diss., 1992).
  • Gero von Wilpert: Lexikon der Weltliteratur. Deutsche Autoren A – Z. 4. völlig neubearbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 2004, ISBN 3-520-83704-8, S. 519.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fritz Hackert (Hrsg.): Joseph Roth. Werke. Band 4: Romane und Erzählungen. 1916–1929. S. 63–146: Das Spinnennetz. Roman. 1923. Mit einem Nachwort des Herausgebers. Büchergilde Gutenberg, Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-7632-2988-4.
  1. S. 66
  2. S. 71
  3. S. 67
  4. S. 74
  5. S. 83
  6. S. 91
  7. S. 92
  8. S. 102f.
  9. S. 104
  10. S. 110f.
  11. S. 113
  12. S. 114f.
  13. S. 126
  14. S. 135
  15. S. 131
  16. S. 140
  17. S. 75
  18. a b S. 116
  19. S. 125
  20. S. 1079
Weitere Einzelnachweise
  1. Nürnberger S. 63
  2. Steierwald S. 92–93
  3. Nürnberger S. 152
  4. BR Hörspiel Pool - Roth, Das Spinnennetz