Daubréelith

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Daubréelith
Allgemeines und Klassifikation
Andere Namen

Daubreelith

Chemische Formel FeCr2S4[1]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Sulfide und Sulfosalze
System-Nr. nach Strunz
und nach Dana
2.DA.05 (8. Auflage: II/D.01)
02.10.01.11
Kristallographische Daten
Kristallsystem kubisch
Kristallklasse; Symbol kubisch-hexakisoktaedrisch; 4/m 3 2/m
Raumgruppe Fd3m (Nr. 227)[1]
Gitterparameter a = 9,97 Å[1]
Formeleinheiten Z = 8[1]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 5 (VHN100 = 260–303)[2]
Dichte (g/cm3) 3,81
Spaltbarkeit deutlich[2]
Bruch; Tenazität uneben[2]; sehr spröde[3]
Farbe schwarz
Strichfarbe braun bis schwarz
Transparenz undurchsichtig (opak)
Glanz Metallglanz

Daubréelith ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“. Es kristallisiert im kubischen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung FeCr2S4[1] und ist damit chemisch gesehen ein Eisen-Chrom-Sulfid

Daubréelith findet sich überwiegen in Form massiger oder schuppiger bis plattiger Mineral-Aggregate, aber auch als einzelne Kristallite (Körner) von etwa 500 µm Größe neben Kamacit und Troilit in Meteoriten. Die Kristallite und Aggregate sind undurchsichtig und von schwarzer Farbe mit metallischem Glanz.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Daubréelith trägt den Namen des französischen Meteoritenforschers Gabriel Auguste Daubrée (1814-1896).

Erstmals entdeckt wurde das Mineral in einem Nickel-Eisen-Meteoriten (Hexaedrit), der in dem mexikanischen Bundesstaat Coahuila niederging. Beschrieben wurde es 1876 durch J. L. Smith im American Journal of Science.

Klassifikation[Bearbeiten]

In der veralteten, aber teilweise noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Daubréelith zur Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort zur Abteilung der „Sulfide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : Schwefel, Selen, Tellur < 1 : 1“, wo er zusammen mit Bornhardtit, Cadmoindit, Carrollit, Fletcherit, Florensovit, Greigit, Indit, Kalininit, Linneit, Polydymit, Siegenit, Trüstedtit, Tyrrellit und Violarit die „Lineitgruppe“ mit der System-Nr. II/D.01 bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz'schen Mineralsystematik ordnet den Daubréelith dagegen in die Abteilung der „Metallsulfide mit M:S = 3 : 4 und 2 : 3“ ein. Diese Abteilung ist zudem weiter unterteilt nach dem genauen Stoffmengenverhältnis, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „M : S = 3 : 4“ zu finden ist, wo es zusammen mit Bornhardtit, Cadmoindit, Carrollit, Cuproiridsit, Cuprorhodsit, Ferrorhodsit, Fletcherit, Florensovit, Greigit, Indit, Kalininit, Linneit, Malanit, Polydymit, Siegenit, Trüstedtit, Tyrrellit, Violarit und Xingzhongit die „Linneitgruppe“ mit der System-Nr. 2.DA.05 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Daubréelith in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort in die Abteilung der „Sulfidminerale“ ein. Hier ist er ebenfalls Mitglied der „Linneitgruppe (Isometrisch: Fd3m)“ mit der System-Nr. 02.10.01 innerhalb der Unterabteilung „Sulfide – einschließlich Seleniden und Telluriden – mit der Zusammensetzung AmBnXp, mit (m + n) : p = 3 : 4“ zu finden.

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Daubréelith kristallisiert kubisch in der Raumgruppe Fd3m (Raumgruppen-Nr. 227) mit dem Gitterparameter a = 9,97 Å sowie 8 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[1]

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Daubréelith bildet sich in geringen Mengen vorwiegend in Nickel-Eisenmeteoriten, meist zusammen mit den ebenfalls meteoritischen Mineralen Kamacit und Troilit. Weitere Begleitminerale können Alabandin, Enstatit, Graphit, verschiedene Plagioklase und Schreibersit sein.

Insgesamt konnte Daubréelith bisher (Stand: 2015) an 140 Fundorten nachgewiesen werden.[4], so unter anderem in folgenden Meteoriten: ALH 84001 in der Antarktis, Mundrabilla-Meteorit in Australien, Neuschwanstein (Meteorit) in Deutschland, Bustee-Meteorit bei Gorakhpur in Indien, Allende (Meteorit) in Coahuila (Mexiko), Gibeon-Meteorit und Meteorit Hoba in Namibia, Mayo-Belwa im nigerianischen Bundesstaat Adamawa, Muonionalusta-Meteorit in der schwedischen Gemeinde Pajala sowie in den Canyon-Diablo Meteoriten und Einschlagkratern von Newporte in North Dakota und Norton County in den USA.[5]

Eine der sehr seltenen rein irdischen Fundorte ist die „Karee Mine“ bei Rustenburg in der Provinz Nordwest in Südafrika.[6]

Auf dem Mond konnte es in meteoritischen Gesteinsproben aus der Hadley-Rille im Mare Imbrium nachgewiesen werden, in dessen Nähe die Apollo 15-Mission landete.[7]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e  Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 93.
  2. a b c Daubréelite, In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 62 kB)
  3.  Friedrich Klockmann, Paul Ramdohr, Hugo Strunz (Hrsg.): Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Enke, Stuttgart 1978 (Erstausgabe: 1891), ISBN 3-432-82986-8, S. 450.
  4. Mindat - Anzahl der Fundorte für Daubréelith
  5. Fundortliste für Daubréelith beim Mineralienatlas und bei Mindat
  6. Mindat - Fundort Karee Mine, Rustenburg, Western Bushveld Complex, Bojanala Platinum District, North West Province, South Africa
  7. Mindat - Fundort Hadley Rille meteorite, Apollo 15 landing site area, Palus Putredinis, Mare Imbrium, The Moon