Deppoldshausen

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Deppoldshausen
Koordinaten: 51° 35′ 4″ N, 9° 57′ 58″ O
Höhe: 226–384 m ü. NN
Fläche: 4,91 km²
Einwohner: 20 (31. Dez. 2019)
Bevölkerungsdichte: 4 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1973
Postleitzahl: 37077
Vorwahl: 0551
Karte
Die Göttinger Stadtbezirke
Ortseingang
Ortseingang

Deppoldshausen ist ein nördlicher Stadtbezirk der Universitätsstadt Göttingen in Niedersachsen. Zusammen mit Weende bildet er eine Ortschaft. Die am Rand der Großstadt liegende kleine Siedlung um ein ehemaliges Vorwerk hat ihren ländlichen Charakter erhalten.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deppoldshausen liegt am nordöstlichen Ende auf der Höhe des Göttinger Waldes in einer Höhe von 347 m ü. NN am Nordrand einer Waldlichtung von etwa 1,2 mal 1,7 km Ausdehnung im Pleßforst. Die tief eingeschnittenen Täler Jeidental im Südwesten und Uhlenloch im Süden beginnen in der Nähe der Siedlung, führen jedoch erst deutlich unterhalb Wasser.

Die Ortschaft am äußersten Rand des Stadtgebiets wird durch keine Durchgangsstraße erschlossen, sondern nur durch eine etwa 3 Kilometer lange, schmale Stichstraße erreicht, die von der Kreisstraße K 4 (Otto-Hahn-Straße) nördlich abzweigt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wann Deppoldshausen gegründet wurde, ist nicht bekannt. Die erste schriftliche Erwähnung ist aus dem Jahr 1055 unter dem Namen Thieppoldeshusen[1] überliefert, dort wird erwähnt, dass in Deppoldshausen kleine Waldäckerchen vorhanden wären, damit dürfte die Rodung in nicht allzu ferner Vergangenheit begonnen haben, was eine Gründung des Ortes auf das 10. Jahrhundert vermuten lässt. Es handelt sich um einen der in der Region sehr häufigen Ortsnamen mit der Endung -hausen, der erste Namensteil geht auf den alten Personennamen Thiedbald zurück.[2] Der ursprüngliche Siedlungsort, an dessen Stelle heute eine große Feldscheune steht, lag etwa 200 Meter südlich der heutigen Siedlung und wurde bereits zu Beginn des 14. Jahrhunderts zur Wüstung,[3] die Äcker wurden teilweise von Weende aus bewirtschaftet. Dieser ehemalige Ort trug die Namen Deboldeshusen, Dyepoldeshusen, Debbeldeshusen und ab der Mitte des 15. Jahrhunderts bis 1600 Debeldeshusen. Erst danach wird der heutige Ortsname Deppoldshausen archivalisch in den Überlieferungen fassbar. Doch noch im 19. Jahrhundert – so von Goethe bei seinem Besuch 1801[4] – wurde die Siedlung auch Döppelshausen genannt.

Die Besitzrechte lagen ursprünglich hauptsächlich bei dem Kloster Weende und den Herren von Plesse,[5] welche in Deppoldshausen bereits damals ein erstes ein Vorwerk errichteten und ihre gesamten Anteile an dem Dorf im Jahre 1307 an das Kloster Weende verkauften, jedoch das Gericht und die Vogtei sowie einige Ländereien im Nordteil der Feldmark behielten. So wird unter anderem auch bezeugt, dass am 9. Februar 1490 Hans Dorynges von Bovenden, ein Bürger aus Northeim, von den Plessern mit einer Hufe und einem Sedelhof in Deppoldshausen belehnt wurde.[6] Nach deren Aussterben 1571 bis zum Wiener Kongress Anfang des 19. Jahrhunderts unterstand der Ort den Landgrafen von Hessen.

Nach mehreren nicht erfolgreichen Versuchen der Wiederbesiedlung erwarb 1777 der Förster Adam Dietrich Schecke (* 1746 in Eddigehausen[7]) das zuvor schon mit seiner Familie verbundene Gelände der Wüstung zum Lehen und errichtete bis 1779 eine Landwirtschaft und ein Gasthaus. An Bauten entstanden Wohnhaus, Scheune, Stallung, Backhaus und Bienenhaus.[7] Unterstützung fand Schecke dabei von zwei gelehrten Herren aus Göttingen, die ihm 800 Taler zukommen ließen, damit er Vieh kaufen und die Scheune erbauen konnte.[8] Die Hofanlage wurde in der folgenden Generation 1838 um weitere Gebäude ergänzt und zu einem Vierseithof erweitert, später von der Klosterkammer Hannover erworben und bis 1958[9] dem Klostergut in Weende als Vorwerk angeschlossen.[10]

Die Gemeinde wurde am 1. Januar 1973 in die Stadt Göttingen eingegliedert.[11] Sie hatte zu diesem Zeitpunkt nur noch sechs Einwohner auf 4,88 km² Fläche. Stand 2019 hatte der Ortsteil 20 Einwohner.[12]

Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die vierseitige Hofanlage des ehemaligen Vorwerks besteht im Süden aus dem Wohnhaus von 1779[10], einem schlichten, zweigeschossigen Fachwerkhaus unter Halbwalmdach mit 11 Gefachachsen, 5 Fensterachsen, symmetrischer Fassadengestaltung und Mitteleingang. Das Gebäude und die eine Hoffläche rahmenden Wirtschaftsgebäude aus Bruchsteinmauerwerk von 1838[10] sind derzeit ruinös und das nach Norden abschließende „Torhaus“[10] ist modern als Wohnhaus überformt. Insgesamt ist der von der Denkmaltopographie 1982 beschriebene „hervorragend geschlossene und fast originale Eindruck“[10] der Anlage nicht mehr erlebbar.

Ein romantischer Stammbuch-Kupferstich des frühen 19. Jahrhunderts zeigt, dass die von Schecke in den 1770er Jahren eingerichtete Gastwirtschaft eigentlich eine Außenwirtschaft des Vorwerks war.[13] Sie diente Ausflügern aus Göttingen und als Rastplatz für Wanderer von Göttingen zur Burg Plesse, wie mehrere historische Studentenführer und Reisebücher beschreiben.[14] Als prominenter Besucher kehrte Goethe hier am 12. August 1801 ein.[4] Ab 1815 gab es Tanzmusik.[9] Die Gastwirtschaft bestand bis 1890.[9]

Im Innenhof der Hofanlage befindet sich ein rund 100 m tiefer Schachtbrunnen, der 1937 auf 130 m vertieft wurde. Während in der Veröffentlichung von Heinrich Lücke (1969) der aufwändig hergestellte Brunnen mit den Vorwerks-Neubauten von 1838 in Verbindung gebracht wurde,[15] vermutete Andreas Hartwig 2006 in seinem Forschungsbericht, dass es sich um einen mittelalterlichen Brunnen der in einiger Entfernung liegenden Burg Plesse handelt.[16]

Die Hofanlage ist im näheren Umfeld im 20. Jahrhundert baulich durch Wirtschafts- und Wohngebäude erweitert worden.[10] Das in der Denkmaltopographie am Ostrand der Siedlung als Besonderheit erwähnte Saisonarbeiter-Wohnhaus von ca. 1925 soll wohl das letzte im Stadtgebiet von Göttingen sein.[10]

Bewirtschaftung und Energiewald[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Energiewald am Ortsrand (Aufnahme 2015)

Mittlerweile sind die umliegenden Felder von der Klosterkammer an die Universität Göttingen verpachtet worden, um hier Versuchswirtschaften der Fakultät für Agrarwissenschaften auf einem typischen Gesteinsverwitterungsboden zu betreiben.[17]

Am nordöstlichen Ortsrand befindet sich seit 2012 ein 2 Hektar großer Energiewald der Universität Göttingen. Die Anpflanzung einer besonderen Pappelzüchtung ist auf 21 Jahre angelegt, und dient der Produktion von Holzschnitzeln für das Bioenergiezentrum Leinetal (BEL) in Hardegsen. Die Ernte soll etwa alle 3 bis 5 Jahre erfolgen, wenn die Pappeln sechs bis neun Meter Höhe erreicht haben.[18] Erwartet wird ein jährlicher Ertrag von ca. 10 bis 13 Tonnen pro Hektar.

Östlich der Siedlung befinden sich noch kleine mittlerweile brachliegende historische Felder mit traditioneller Strauchbegrenzung.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Deppoldshausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bei Heinrich Lücke: Burgen, Amtssitze und Gutshöfe rings um Göttingen. Selbstverlag des Verfassers; zweite vermehrte Auflage, Clausthal-Zellerfeld 1969, S. 73–77, hier S. 73 hingegen: Theopolteshusen.
  2. Kirstin Casemir, Uwe Ohainski, Jürgen Udolph: Die Ortsnamen des Landkreises Göttingen. In: Jürgen Udolph (Hrsg.): Niedersächsisches Ortsnamenbuch (NOB). Teil IV. Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2003, ISBN 3-89534-494-X, S. 94 f.
  3. Heinrich Lücke: Burgen, Amtssitze und Gutshöfe rings um Göttingen. Selbstverlag des Verfassers; zweite vermehrte Auflage, Clausthal-Zellerfeld 1969, S. 73–77, hier S. 74.
  4. a b Goethes Tagebucheintrag während seiner Reise nach Pyrmont und Göttingen: „Mittwoch d. 12ten. Mit Hrn. Hofrath Meiners und Prof. Fiorillo zuerst auf der Papiermühle, dann in Döppelshausen beym Förster Scheck, ferner auf der Plesse gegen Abend auf Mariaspring (...)“. Abschrift auf www.zeno.org, abgerufen am 22. Mai 2021. - Vgl. auch den Nachtrag vom 18. August 1801 in dem Goethe nochmals auf den Ausflug nach Deppoldshausen zurückkam. Wiedergegeben in: Goethe, Begegnungen und Gespräche, Bd. V, 1800–1805. Hrsg. Renate Grumach. Verlag Walter de Gruyter, Berlin und New York 1985, S. 155 (Digitalisat, abgerufen am 22. Mai 2021).
  5. Ernst Böhme, Michael Scholz, Jens Wehner: Dorf und Kloster Weende von den Anfängen bis ins 19. Jahrhundert. Hrsg.: Stadt Göttingen. Göttingen 1992. S. 84 f.
  6. Karl-Heinz Bernotat: Beiträge zur Geschichte Eddigehausens. In: Plesse-Archiv. Band 9, 1974, S. 34.
  7. a b Heinrich Lücke: Burgen, Amtssitze und Gutshöfe rings um Göttingen. Selbstverlag des Verfassers; zweite vermehrte Auflage, Clausthal-Zellerfeld 1969, S. 73–77, hier S. 76.
  8. Christoph Meiners: Kurze Geschichte und Beschreibung der Stadt Göttingen, und der umliegenden Gegend. Haude und Spener, Berlin 1801, S. 382.
  9. a b c Heinrich Lücke: Burgen, Amtssitze und Gutshöfe rings um Göttingen. Selbstverlag des Verfassers; zweite vermehrte Auflage, Clausthal-Zellerfeld 1969, S. 73–77, hier S. 77.
  10. a b c d e f g Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Baudenkmale in Niedersachsen, Bd. 5.1 Stadt Göttingen. Bearbeitet von Ilse Rüttgerodt-Riechmann. Verlag Fried. Vieweg & Sohn, Braunschweig / Wiesbaden 1982, ISBN 3-528-06203-7, S. 103 (Digitalisat, abgerufen am 22. Mai 2021).
  11. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 207.
  12. Bevölkerungsdaten im Vergleich zum Vorjahr (2019). In: https://duva-stg-extern.kdgoe.de. Stadt Göttingen, abgerufen am 16. Mai 2021.
  13. Rolf Wilhelm Brednich: Denkmale der Freundschaft. Die Göttinger Stammbuchkupfer - Quellen der Kulturgeschichte. Verlag Hartmut Bremer, Friedland 1997, ISBN 3-98037-831-4, S. 73, Nr. 140. - Das Blatt ist nicht datiert (Brednich: „nach 1810“) und nicht signiert. Hernfred Arndt schreibt das Blatt Christian Andreas Besemann zu (Schau ins Land Göttingen! Der Altkreis Göttingen in historischen Ansichten. Hrsg. Hernfred Arndt. Selbstverlag des Verfassers, Göttingen 1993, S. 90).
  14. So beispielsweise: Heinrich Veldeck: Göttingen und seine Umgebungen. Band 2, Verlag Rosenbusch, Göttingen (o. J., 1824), S. 301 (Digitalisat, abgerufen am 22. Mai 2021); und Ludwig Wallis: Der Göttinger Student (...). Im Vandenhoeck und Ruprechtschen Verlag, Göttingen 1812, S. 68 (Digitalisat, abgerufen am 22. Mai 2021)
  15. Heinrich Lücke: Burgen, Amtssitze und Gutshöfe rings um Göttingen. Selbstverlag des Verfassers; zweite vermehrte Auflage, Clausthal-Zellerfeld 1969, S. 73–77, hier S. 76f.
  16. Andreas Hartwig: Der sagenumwobene Plessebrunnen. In: http://www.argekh.de. Arbeitsgemeinschaft für Karstkunde Harz e. V., abgerufen am 16. Mai 2021.
  17. Marietta Fuhrmann-Koch: Universität pachtet Klostergut Deppoldshausen. In: https://idw-online.de. idw - Informationsdienst Wissenschaft, 4. Juli 2000, abgerufen am 16. Mai 2021.
  18. Hanne-Dore Schumacher: Energiewald wächst Initiatoren über den Kopf. In: www.goettinger-tageblatt.de. Göttinger Tageblatt (Online-Ausgabe), 20. September 2012, abgerufen am 16. Mai 2021.