Roringen

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Roringen
Koordinaten: 51° 33′ 31″ N, 10° 0′ 22″ O
Höhe: 304 (270–345) m
Fläche: 7,09 km²
Einwohner: 999 (2015)
Bevölkerungsdichte: 141 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1973
Postleitzahl: 37077
Vorwahl: 0551
Karte
Roringen im Stadtgebiet von Göttingen

Roringen ist ein Dorf in Südniedersachsen und nordöstlicher Stadtbezirk der niedersächsischen Universitätsstadt Göttingen. Er befindet sich etwa 6 Kilometer nordöstlich der Kernstadt unmittelbar an der Bundesstraße 27.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes erfolgte im Jahr 1162 durch ein Schreiben des Papstes Alexander III. an das benachbarte Augustinerinnen-Kloster in Nikolausberg, in dem er dem Kloster u. a. den Besitz von vier Hufen Landes in Roringe bestätigt. Weitere schriftliche Erwähnungen im 12. Jahrhundert nennen den Ort als Rariggen (1170) und Rorunghen (1189).[1] Aus Roringen stammte das Junkergeschlecht derer von Roringen, dessen erster Vertreter, Manfried von Roringen, im Jahre 1025 genannt wird[2]. Sie besaßen im Umland des Ortes verschiedene Güter, waren Lehnsinhaber der Edelherren von Plesse und hatten auch selbst in Bovenden Besitztümer. Mehrere Vertreter des Geschlechts traten in das Kloster Reinhausen ein und erreichten dort mitunter führende Stellungen, wie der Bruder Hans von Roringens, der als Herr Dionysius bezeichnet wurde und den Titel eines Prälaten innehatte. Er verstarb im Jahre 1300, bereits ein Jahr später wird Günther von Roringen genannt, welcher als Prior bezeichnet wird. Im 14. Jahrhundert erwarb die Stadt Göttingen von dem braunschweigischen Herzog die Ortschaft, die bis Mitte des 19. Jahrhunderts die Verwaltung über das Dorf ausübte. Sie ließ sich damals vom Herzog die Genehmigung erteilen, um die Stadt eine Landwehr zu graben, sowie mehrere Warten aufstellen lassen zu dürfen. Ein direktes Resultat findet sich noch heute in der Berwinkelswarte. Im Zuge der Hildesheimer Bierfehde von 1481 bis 1486 wurde neben weiteren Dörfern in der Umgebung auch Roringen verwüstet.[3] Von 1848 bis zur Gebietsreform war Roringen eine eigenständige Gemeinde. Am 1. Januar 1973 erfolgte die Eingemeindung in die Kreisstadt Göttingen.[4]

Die Bevölkerung des Ortes ist in den letzten Jahrzehnten stark angewachsen, fiel jedoch 2009 wieder leicht unter die 1000-Einwohner-Marke ab. So wohnten im Jahr 2009 noch 995 Einwohner in Roringen.[5]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Ortswappen von Roringen zeigt auf rotem Grund am untersten Rand einen grünen Hügel, auf dem in Gold ein Wartturm steht. Mittig vor dem Wartturm befindet sich, dem Berliner Wappen nachgebildet, ein Bär.[6]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche St. Martin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St.-Martins-Kirche Roringen

Die evangelisch-lutherische Kirche St. Martin in Roringen wurde im Jahre 1254 erstmals urkundlich erwähnt. Patronatsherren waren damals die Herzöge von Braunschweig, heute ist es die Stadt Göttingen. Das ursprünglich flachgedeckte Kirchenschiff wurde im 19. Jahrhundert mit einer hölzernen Tonnendecke ausgestaltet.

1999 wurde die Orgel von August von Werder aus dem Jahr 1846 und ein großer Teil der Inneneinrichtung der Kirche durch einen Brand zerstört.[7] Als Ersatz bauten Gebr. Hillebrand im Jahr 2003 ein neues Instrument mit 16 Registern auf zwei Manualen und Pedal.

Die Kirche besteht aus einem mittelalterlichen nahezu quadratischen Westturm mit Pyramidendach und einem 1747/48 im Osten angebauten Kirchensaal mit Satteldach und Krüppelwalm.

Ruine der Roringer oder Berwinkelswarte

Berwinkelswarte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ruine der Roringer Warte oder Berwinkelswarte liegt östlich des Ortes an der B 27 auf der Höhe von 323 m ü. NN. Sie wurde 1408/09 als Teil der Göttinger Stadtbefestigung errichtet und ist noch als Turm aus Bruchsteinmauerwerk erhalten. Das Dach fehlt.[8][9]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Roringen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kirstin Casemir, Uwe Ohainski, Jürgen Udolph: Die Ortsnamen des Landkreises Göttingen. In: Jürgen Udolph (Hrsg.): Niedersächsisches Ortsnamenbuch (NOB). Teil IV. Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2003, ISBN 3-89534-494-X, S. 347 f.
  2. Joachim Meier: Origines Et Antiqvitates Plessenses. Das ist: Pleißscher Ursprung und Denkwürdigkeiten. König, Goslar 1713, S. 338 f.
  3. Otto Fahlbusch: Der Landkreis Göttingen in seiner geschichtlichen, rechtlichen und wirtschaftlichen Entwicklung. Heinz Reise-Verlag, Göttingen 1960, S. 62.
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 207.
  5. Göttinger Statistisches Informationssystem (pdf-Datei; 104 kB).
  6. Vortrag über das Roringer Wappen aus historisch-heraldischer Sicht auf ratsinfo.goettingen.de, abgerufen am 27. Oktober 2013
  7. Beschreibung der Kirche auf www.roringen.de.
  8. [1]
  9. Steckbrief der Roringer Warte