Der Astronaut (Roman)

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Der Astronaut ist nach Der Marsianer und Artemis der dritte Science-Fiction-Roman des amerikanischen Schriftstellers Andy Weir. Die englischsprachige Originalausgabe erschien im Frühjahr 2021 unter dem Titel Project Hail Mary. Im Mittelpunkt der Geschichte steht der Astronaut Ryland Grace, der auf einer interstellaren Mission zur Rettung der Menschheit unterwegs ist.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Fertigstellung von Der Marsianer plante Weir eine mehrbändige Space Opera mit dem Titel Zhek. Darin ging es um eine schwarze Substanz, die elektromagnetische Strahlung absorbiert und als Treibstoff für interstellare Reisen dient. Weir war mit der Handlung allerdings unzufrieden und stellte das Projekt ein. Teile daraus wurden für Project Hail Mary wiederverwendet.[1]

Einige Leser sahen in dem Werk Parallelen zur COVID-19-Pandemie, da Infektionen, soziale Isolation und globale wissenschaftliche Anstrengungen zur Bewältigung einer Katastrophe zentrale Elemente der Geschichte sind. Weir stellte das Buch allerdings bereits während der Anfänge der Pandemie fertig und bezeichnete die Ähnlichkeiten als zufällig.[1]

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haupthandlungsort des Romans: Das System von Tau Ceti (blauer Kreis) im Sternbild Walfisch

Ein Mann erwacht aus einem Koma und hat keinerlei Erinnerungen daran, wo er ist oder wo er herkommt. Im gleichen Raum befinden sich ein weiterer Mann und eine Frau, die offensichtlich schon längere Zeit tot sind. Mithilfe seiner naturwissenschaftlichen Kenntnisse findet er heraus, dass er sich auf einem Raumschiff befindet, das im System eines anderen Sterns unterwegs ist. Nach und nach kommen während seiner Mission Erinnerungen an die Ereignisse zurück, die zu seiner Lage geführt haben.

Die Erde steht kurz vor einer neuen Eiszeit. Ausgelöst wird dies durch einen Energieverlust der Sonne, der im Zusammenhang mit dem mysteriösen Petrowa-Strahl, benannt nach seiner Entdeckerin, steht, der sich zwischen Sonne und Venus erstreckt und schwach im Infrarotbereich leuchtet. Schätzungen zufolge wird bereits in wenigen Jahrzehnten ein großer Teil der Erdbevölkerung sterben. Beobachtungen von Sternen in der Umgebung der Sonne zeigen, dass das Phänomen verbreitet ist und sich von Stern zu Stern zu übertragen scheint. Lediglich Tau Ceti bildet eine Ausnahme: Er befindet sich im Zentrum der verseuchten Sterne und ist selbst nicht betroffen.

Der passionierte Lehrer und ehemalige Molekularbiologe Ryland Grace wird von Eva Stratt kontaktiert und soll bei der Erforschung des Phänomens helfen. Stratt ist Leiterin einer Taskforce der Vereinten Nationen, die eine Lösung für das Problem sucht. Zuerst soll Grace eine Probe aus dem Petrowa-Strahl untersuchen. Er findet heraus, dass es sich um einzellige Lebewesen handelt, und erforscht ihren Lebenszyklus, den er gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern entschlüsselt: Die Einzeller, genannt Astrophagen, sammeln auf der Sonne Energie und speichern sie in ihrem Inneren in Form von Neutrinos. Dann begeben sie sich auf den Weg zu einer Quelle von Kohlendioxid (die Venus), das sie für ihre Vermehrung brauchen, um anschließend zur Sonne zurückzukehren. Zur Fortbewegung nutzen sie abstrahlendes Infrarotlicht. Sie sind in der Lage, extrem hohe und niedrige Temperaturen zu überstehen, indem sie enorme Energiemengen aufnehmen oder abgeben können, um ihre Körpertemperatur zu erhalten. Außerdem absorbieren sie jede Art von Strahlung. Ihre Vererbung basiert auf DNA, ebenso besitzen sie Mitochondrien. Unter der Leitung von Stratt wird zur Rettung der Menschheit das Projekt Hail Mary initiiert, das eine interstellare Reise zum Tau-Ceti-System vorsieht, die herausfinden soll, warum die Astrophagen dem Stern nicht schaden. Mit den Astrophagen als Energieträger wird der sogenannte Spin-Antrieb entwickelt. Die für den Flug notwendigen Astrophagen werden in großer Menge vermehrt und mittels Solarthermie auf etwa einem Viertel der Fläche der Sahara aufgeladen. Die Mission wird mit drei Besatzungsmitgliedern geplant, die für den langen Flug in ein riskantes künstliches Koma versetzt werden und für die es keine Rückreise geben wird. Die Hail Mary beherbergt vier Sonden, mit denen die entsprechenden Erkenntnisse zur Erde zurückgebracht werden sollen. Kurz vor dem Start kommt einer der Astronauten bei einem Unfall ums Leben. Grace soll ihn ersetzen, doch er hat Angst vor dem sicheren Tod, auch weil er seine Schüler nicht wiedersehen wird. Stratt zwingt ihn jedoch und lässt ihm eine Droge verabreichen, die seine Erinnerungen vorübergehend löscht.

Als Grace sich wieder an seinen Namen erinnert, bekommt er Zugang zur Brücke und damit volle Kontrolle über die Hail Mary. Als er entdeckt, dass es auch im Tau-Ceti-System einen Petrowa-Strahl gibt, nähert sich ihm ein unbekanntes Raumschiff. Die Besatzung ist an Kommunikation interessiert und baut einen Tunnel zwischen beiden Schiffen. An einer Trennwand im Tunnel trifft Grace erstmals auf eine außerirdische Lebensform: eine steinerne, spinnenähnliche Kreatur mit fünf klauenbewehrten Beinen, die Grace fortan Rocky nennt. Rocky kann kein Licht sehen und nimmt seine Umgebung über Echoortung wahr. Er kommuniziert mit Melodien, die Grace für die Erstellung eines Wörterbuches in einem Computer nutzt. Auf diese Weise kommt bald ein reger Austausch zustande. Rocky ist ein begabter Ingenieur und in der gleichen Situation wie Grace: Sein Heimatstern 40 Eridani A ist von Astrophagen befallen, also entwickelte sein Volk einen ähnlichen Antrieb und schickte eine 23-köpfige Besatzung nach Tau Ceti. Da ihr Heimatplanet 40 Eridani A b (von Grace ‚Erid‘ genannt) ein starkes Magnetfeld hat, wussten sie nichts von der kosmischen Strahlung, wodurch alle starben; außer Rocky, der sich meistens zwischen den Tanks mit den schützenden Astrophagen aufhielt. Die Eridianer leben in einer Ammoniak-haltigen Atmosphäre unter hohem Druck und hoher Temperatur, sodass sich Grace und Rocky nur in abgetrennten Bereichen aufhalten können. Auch ihr Leben basiert auf DNA, doch ihre Körper enthalten nur wenig organisches Material, während ein Großteil aus Silikaten und Metallen besteht. Ihre Lebenserwartung ist deutlich höher als die der Menschen – Rocky befindet sich seit über 40 Jahren im Tau-Ceti-System. Seinem Planeten bleibt noch etwas mehr Zeit als der Erde. Von nun an arbeiten beide gemeinsam.

Grace schöpft unterdessen wieder Hoffnung: Die Eridianer schickten ihre Mission ohne Kenntnisse der relativistischen Physik auf den Weg, was dafür sorgte, dass Rocky deutlich mehr Treibstoff zur Verfügung steht, als er für seine Rückreise benötigt. Er ist bereit, Grace einen Teil davon zu geben. Die beiden brechen zum Planeten Tau Ceti e (von Grace Adrian genannt) auf, zu dem sich der Petrowa-Strahl erstreckt. Sie finden heraus, dass es dort einzellige natürliche Feinde der Astrophagen gibt, die die Astrophagenpopulation begrenzen, und geben ihnen den Namen Taumöben. In einer riskanten Aktion entnehmen Grace und Rocky eine Probe von Taumöben aus der Atmosphäre von Adrian, wobei Rocky beinahe ums Leben kommt. Ein neues Problem ist, dass Taumöben bereits von geringen Mengen Stickstoff getötet werden. Dadurch können sie weder auf der Venus noch auf dem entsprechenden Planeten in Rockys Heimatsystem ausgesetzt werden. Den beiden gelingt es allerdings, stickstoffresistente Taumöben zu züchten.

Rocky und Grace verabschieden sich und brechen in Richtung ihrer jeweiligen Heimat auf. Nach wenigen Tagen Flug bemerkt Grace, dass einige Taumöben aus ihren Behältern entkommen sind. Er kann die Situation unter Kontrolle bringen, doch Rocky steckt in Schwierigkeiten: Als Nebeneffekt der Zucht haben sich auch solche Taumöben entwickelt, die fähig sind, das Material der Behälter zu durchdringen – jenes Material, aus dem fast das gesamte Schiff von Rocky besteht. Nachdem er das Infrarotlicht von Rockys Antrieb nicht mehr empfängt, fasst Grace seinen Entschluss. Er schickt die vier Sonden mit allen Informationen und Taumöben zur Erde und begibt sich auf den Weg zu seinem Freund, den er nach sechs Wochen erreicht. Wie erwartet haben die Taumöben Rockys Treibstoff vollständig verzehrt. Grace nimmt ihn an Bord der Hail Mary auf und setzt Kurs auf 40 Eridani.

Mehrere Jahre sind vergangen, seit Grace auf Erid angekommen ist und der Planet gerettet wurde. Die Eridianer haben ihm einen Wohnbereich gebaut und versorgen ihn mit allem, was er braucht. Rocky kommt zu Besuch und verkündet, dass auch die Sonne wieder ihre volle Leuchtkraft hat. Die Mission war erfolgreich. Grace ist sich nicht sicher, ob er wieder zur Erde zurückkehren will. Er hat Freunde auf Erid. Und er hat eine Aufgabe. Vor ihm versammelt sich eine Gruppe eridianischer Kinder und er beginnt mit dem Unterricht.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Buch wurde überwiegend positiv aufgenommen. Autoren von Science-Fiction und Fantasy wie Ernest Cline, Brandon Sanderson oder George R. R. Martin fanden lobende Worte. Kirkus Reviews bezeichnet Project Hail Mary als ein „Science-Fiction-Meisterwerk“.[1] Für Claire Wilson vom New Scientist liegt in der Beziehung zwischen Grace und Rocky der besondere Reiz des Buches.[2] Dem Wissenschaftsblogger Florian Freistetter zufolge gelingt es Weir ein weiteres Mal, „seine Liebe zur Wissenschaft in eine großartige Mischung von Nerdtum, MacGyverismus, Science Fiction und Krimi zu gießen“; wobei er besonders die „Mischung von Astronomie und Biologie“ für bemerkenswert hält.[3]

Mary Robinette Kowal zeigt sich in ihrem Review in der Washington Post weniger begeistert. Zwar lobt sie den Enthusiasmus für die Wissenschaft im Roman sowie die Gestaltung von Rocky, sieht allerdings auch einige Logiklücken. So bemängelt sie beispielsweise das Fehlen von Checklisten an Bord der Hail Mary. Diese seien in der Raumfahrt allgegenwärtig und hätten Grace viele Probleme erspart.[4]

Verfilmung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2020 sicherte sich Metro-Goldwyn-Mayer die Drehrechte für Project Hail Mary. Chris Miller und Phil Lord sollen die Regie übernehmen, während Ryan Gosling für die Hauptrolle vorgesehen ist.[5]

Ausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Alexandra Alter: Andy Weir’s New Space Odyssey. nytimes.com, 3. Mai 2021, abgerufen am 20. Juni 2021.
  2. Clare Wilson: Project Hail Mary review: Andy Weir conjures a new tale of space peril. New Scientist, 15. Mai 2021, abgerufen am 20. Juni 2021.
  3. Florian Freistetter: Außerirdische und Klimakrise: Die Buchempfehlungen vom Mai 2021. ScienceBlogs, 31. Mai 2021, abgerufen am 20. Juni 2021.
  4. Mary Robinette Kowal: Andy Weir’s ‘Project Hail Mary’ is a bestseller. It also has some problems. The Washington Post, 23. Mai 2021, abgerufen am 20. Juni 2021.
  5. Ryan Gosling dreht Astronauten-Thriller. sueddeutsche.de, 17. Mai 2020, abgerufen am 21. Juni 2021.