Deutsche Schwertlilie

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Deutsche Schwertlilie
Iris germanica 160505.jpg

Deutsche Schwertlilie (Iris ×germanica)

Systematik
Ordnung: Spargelartige (Asparagales)
Familie: Schwertliliengewächse (Iridaceae)
Unterfamilie: Iridoideae
Tribus: Irideae
Gattung: Schwertlilien (Iris)
Art: Deutsche Schwertlilie
Wissenschaftlicher Name
Iris ×germanica
L.

Die Deutsche Schwertlilie (Iris ×germanica), auch Ritter-Schwertlilie und Blaue Schwertlilie genannt, ist eine Hybride und gehört zur Gruppe der Bartiris.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Modell der Blüte einer Schwertlilie, Botanisches Museum Greifswald

Die Deutsche Schwertlilie ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 30 bis 80 Zentimetern erreicht. Der aufrechte Stängel ist rund und wenig verzweigt. Die Laubblätter sind zweizeilig reitend.

Die Hochblätter sind am Rand trockenhäutig. Die zwittrigen Blüten sind dreizählig. Das äußere Perigon ist dunkel-, das innere hellviolett (selten gelb) und nur am Grund geadert. Der Bart auf dem äußeren Perigon ist gelb. Die Staubblätter sind so lang wie die Staubbeutel.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 44, seltener 24, 34, 48 oder 60.[1]

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Deutsche Schwertlilie ist ein Hemikryptophyt mit dickem, stark verzweigtem Rhizom. Man vermutet, dass es sich um einen Bastard handelt, die Eltern sind aber unbekannt. Bei uns ist die Pflanze steril und lässt sich deshalb nur durch Rhizomteilung vermehren; im Mittelmeerraum dagegen fruchtet sie.

Die Blüten sind dreizählig: auf drei äußere nach unten gebogene, lange Blütenblätter („Hängeblätter“) folgen in den Lücken drei kürzere, sogenannte „Domblätter“, die aufrecht stehen und bogig nach innen weisen. Über die Bärte legen sich die Narbenlappen mit blütenblattähnlichen Ästen eng auf die „Hängeblätter“ geschmiegt, indem sie je ein fertiles Staubblatt in ihre Mitte nehmen. An der Basis dieses Komplexes wird Nektar abgeschieden. Jede Einzelblüte enthält drei solcher Komplexe, die von den Besuchern auch getrennt angeflogen und bestäubt werden. Dadurch wird auch jedes Samenfach des dreiteiligen Fruchtknotens getrennt befruchtet.

Die Blüten werden durch Hymenoptera (Hummeln, Bienen) und Schwebfliegen bestäubt. Blütezeit: Mai bis Juni.

Iris ×germanica ist weitgehend steril und bildet nur nach Fremdbestäubung in Ausnahmefällen dreispaltige Kapselfrüchte.

Vorkommen und Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herkunft: Es handelt sich um eine Burgenpflanze, eine alte "Kultur"hybride aus der südosteuropäischen Iris lutescens s.str. und einer Sippe der südosteuropäisch-kleinasiatischen Artengruppe um Iris mesopotamica s.l.

Als Zauberpflanzen wurden Schwertlilien zur Feindabwehr auf Burgfelsen gepflanzt und bei Belagerungen ausgegraben und zur eigenen Burg verschleppt. Dadurch kam es zu den alten Hybriden wie Iris ×germanica mit ihrem Albino 'Florentina', Iris ×sambucina mit ihren Klongruppen 'Squalens', 'Flavescens' und 'Neglecta' sowie genetisch stabilen Kulturarten wie Iris pallida (Bleiche Schwertlilie, von Iris pseudopallida abstammend) und Iris aphylla s.l. (Nacktstängel-Schwertlilie, von Iris furcata abstammend).

Alte Bauerngartenpflanze, öfter verwildert und in Deutschland bereits seit dem Mittelalter eingebürgert an Weinbergsmauern und in grasigen Böschungen, auf warmem, meist kalkhaltigen Boden. Nach Ellenberg ist es eine Lichtpflanze, ein Trockniszeiger und eine schwache Ordnungscharakterart subozeanischer Trocken- und Halbtrockenrasen (Pflanzengesellschaft Ordnung Brometalia erecti).[2]

Inhaltsstoffe und Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blüte

Das Rhizom wurde früher therapeutisch genutzt; eine Heilwirkung ist allerdings nicht begründbar.

Das Rhizom liefert aber heute noch Material für die Parfümindustrie, da es ca. 0,1–0,2 % ätherisches Öl enthält. Dieses sogenannte „Veilchenwurzelöl“ wird durch Wasserdampfdestillation des geschälten, getrockneten und gemahlenen Wurzelstocks gewonnen. Es riecht veilchenähnlich und hat einen hohen Gehalt an Myristinsäure und anderen Fettsäuren. Hauptriechstoffe sind Irone. Irone selbst sind allerdings nicht im Wurzelstock enthalten, sondern entstehen erst beim Gewinnungsprozess aus Iridalen. Das Irisöl gehört zu den kostbarsten Naturprodukten. Es wird daher nur in allerkleinsten Dosierungen z. B. für hochwertige Parfüms oder zur Aromatisierung von Lebensmitteln, wie Likören, Süß- und Backwaren verwendet.[3]

Außerdem wird das getrocknete Rhizom in kleinen Stücken auch als Zahnungshilfe bei Babys verwandt.

Mythologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Darstellung auf einer ungarischen Sonderbriefmarke von 1961

Schwertlilien sind Pflanzen der griechischen Götterbotin Iris, die die Seelen der Verstorbenen entlang einem Regenbogen in das Reich des ewigen Friedens zu führen hatte. Noch heute schmückt man im Orient Gräber mit weißen oder blauen Schwertlilien. In der christlichen Symbolik wurde die Blume Iris zur Überbringerin göttlicher Botschaften und der Regenbogen selbst zum Zeichen des neuen Bundes zwischen Gott und den Menschen und ein Zeichen der Versöhnungsbereitschaft Gottes nach der Sintflut.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Blazek, Milan: „Fragen zu Iris germanica“. Schweizer Staudengärten, 1998, ISSN 1011-5838.
  • Fritz Köhlein: Iris. Stuttgart: Ulmer, 1981, ISBN 3-8001-6055-2.
  • Brian Mathew,: The Iris. Portland, Oregon: Timber Press, 1990, ISBN 0-88192-162-9.
  • Mitić, Bożena: Karyological analysis of some populations of the species Iris pallida, I. illyrica and I. pseudopallida (Iridaceae). In: Acta Botanica Croatica Volume 50, 1991, S.91–98, ISSN 0365-0588.
  • Mitić, Bożena, Toni Nikolić, Zlatko Liber: Morphological and anatomical relationships in Alpine-Dinaric populations of the genus Iris L., Pallidae series (A. Kern.) Trinajstić (Iridaceae). In: Acta Societatis Botanicorum Poloniae Volume 69, 2000, S. 285–291, ISSN 0001-6977.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe, Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 141.
  2. Heinz Ellenberg: Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen: in ökologischer, dynamischer und historischer Sicht. Stuttgart: Ulmer, 5. Auflage 1996, ISBN 3-8001-2696-6.
  3. Lutz Roth und Kurt Kormann: Duftpflanzen, Pflanzendüfte: ätherische Öle und Riechstoffe. Landsberg: ecomed, 1997, ISBN 3-609-65140-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Deutsche Schwertlilie – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien