Die Frau, die vorausgeht

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Filmdaten
Deutscher TitelDie Frau, die vorausgeht
OriginaltitelWoman Walks Ahead
ProduktionslandUSA
OriginalspracheEnglisch, Lakota
Erscheinungsjahr2017
Länge102 Minuten
AltersfreigabeFSK 12[1]
Stab
RegieSusanna White
DrehbuchSteven Knight
ProduktionAndrea Calderwood,
Marshall Herskovitz,
Erika Olde,
Richard Solomon,
Edward Zwick
MusikGeorge Fenton
KameraMike Eley
SchnittLucia Zucchetti,
Steven Rosenblum
Besetzung

Die Frau, die vorausgeht ist eine US-amerikanische, an wahre Begebenheiten angelehnte Filmbiografie der britischen Regisseurin Susanna White nach einem Drehbuch von Steven Knight. Der Film erzählt von der Malerin Catherine Weldon, die 1889 von New York City in das Dakota-Territorium reist, um dort den Lakota-Häuptling Sitting Bull zu porträtieren. Historisches Vorbild war die schweizerisch-amerikanische Bürgerrechtlerin und Künstlerin Caroline Weldon.

Weltpremiere hatte der Film 2017 auf dem Toronto International Film Festival. Er kam am 5. Juli 2018 in die deutschen Kinos.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die New Yorker Malerin Catherine Weldon reist im Jahr 1889 in das Dakota-Territorium, um den legendären Lakota-Häuptling Tatánka Íyotake alias Sitting Bull zu porträtieren. Als sie am Militärstützpunkt Fort Yates in der Standing Rock Reservation ankommt, befiehlt ihr der Chef der Standing Rock Agency, James McLaughlin, die Gegend mit dem nächsten Zug wieder zu verlassen. Doch der Indigene Chaske, Polizist des Bureau of Indian Affairs (BIA) und Neffe von Sitting Bull, bringt sie gegen den Befehl seines Vorgesetzten zu Sitting Bull.

Nachdem er die zur damaligen Zeit gewaltige Summe von 1000 US-Dollar als Honorar von Weldon heraushandelt, willigt der Häuptling ein, sich porträtieren zu lassen. Während ihres Aufenthalts bekommt Weldon von den Ureinwohnern den Namen Frau, die voraus geht und sie erkennt nach und nach, dass die zu Ende gehenden Indianerkriege nun mit den Mitteln des Landzuteilungsgesetzes fortgeführt und den Ureinwohnern so der größte Teil ihres ohnehin schon massiv dezimierten Landes in den Reservaten geraubt werden soll. Die Stämme sollen zur Unterzeichnung gezwungen werden, indem ihnen die vom BIA ausgegebenen Lebensmittelrationen halbiert werden.

Sitting Bull drückt der Malerin das gesamte Honorar in die Hand, damit sie im Fort Lebensmittel für den Winter einkauft. Als die Wagenladungen von Ureinwohnern abgefahren werden, begreifen die weißen Siedler, dass damit die Strategie des Aushungerns unterlaufen wird und ihr Hass trifft Weldon; sie wird von mehreren Männern schwer misshandelt und in letzter Minute von Chaske vor dem Erhängen gerettet.

Als Sitting Bull die zerschundene Catherine sieht und auf Rache sinnt, bringt sie ihn dazu, stattdessen alle Bewohner des Reservats davon zu überzeugen, gegen das Gesetz zu stimmen. Obwohl das gelingt, wird Sitting Bull der Aufwiegelung beschuldigt und von BIA-Polizisten während der Verhaftung erschossen.

Historischer Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tatánka Íyotake (Sitting Bull), Foto ca. 1883

Politisch-historischer Hintergrund ist die Politik der Landzuweisung an die Ureinwohner ab 1887: Die indigenen Völker dieser Gegend kannten keinen privaten Landbesitz – es war Allgemeinbesitz der von diesem Land lebenden Menschen. Durch die von der US-Regierung vorgenommene Parzellierung wurde bestimmten Reservatsbewohnern je eine Fläche zwischen 16 und 64 Hektar zugewiesen. Alle nicht zugewiesenen Flächen im Reservatsgebiet fielen an den Staat und konnten verkauft werden. Somit wurde das Reservatsgebiet noch einmal erheblich dezimiert.

Sitting Bull, Porträt von Caroline Weldon, 1890, Öl auf Leinwand

Die historische schweizerisch-amerikanische Künstlerin Caroline Weldon war bereits lange vor ihrer Reise 1889 Mitglied der National Indian Defense Association. Sie war geschieden, nicht wie im Film verwitwet, und reiste mit einem unehelichen Kind. Sitting Bull hatte, anders als im Film dargestellt, eine Familie und nahm sie und ihr Kind dort auf. Weldon malte vier Porträts des Lakota-Häuptlings, vor allem aber unterstützte sie ihn im Widerstand gegen die weitere Verkleinerung des Reservats.[2]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veröffentlichung

Uraufführung war am 10. September 2017 auf dem Toronto International Film Festival, in den USA wurde der Film am 25. April 2018 auf dem Tribeca Film Festival gezeigt. Er kam in Deutschland am 5. Juli 2018 in die Kinos.

Altersfreigabe

In Deutschland wurde der Film von der FSK am 28. Juni 2018 für Kinder ab 12 Jahren freigegeben. In der Begründung heißt es: „Darstellungen von Angriffen gegen die Protagonistin sowie von Grausamkeiten der Indianerkriege können Kinder im Grundschulalter aufgrund ihrer emotionalen Intensität überfordern, sind aber zurückhaltend genug inszeniert und dramaturgisch gut eingebettet, sodass bereits 12-Jährige sie verarbeiten können. Da immer wieder ruhige Szenen für Entlastung sorgen und auch das historische Setting Distanz schafft, kann diese Altersgruppe sich mit dem Film auseinandersetzen, ohne überfordert zu werden.“[3]

Die Schauspieler Michael Greyeyes und Sam Rockwell, die im Film Sitting Bull und Silas Groves verkörpern, bei der Vorstellung des Films beim Tribeca Film Festival im April 2018 Die Schauspieler Michael Greyeyes und Sam Rockwell, die im Film Sitting Bull und Silas Groves verkörpern, bei der Vorstellung des Films beim Tribeca Film Festival im April 2018
Die Schauspieler Michael Greyeyes und Sam Rockwell, die im Film
Sitting Bull und Silas Groves verkörpern, bei der Vorstellung des Films
beim Tribeca Film Festival im April 2018

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Katja Nicodemus vom Norddeutschen Rundfunk wird die Landschaft des amerikanischen Westens wie von einem Reisebüro präsentiert und die Annäherung zwischen Weldon und Sitting Bull sei zu vorhersehbar. Die Unterdrückung der Indianer sei hier nur Hintergrund für die Geschichte einer Freundschaft und einer weiblichen Selbstfindung.[4]

Sabine Oelmann von n-tv erscheint der Film wenig realistisch, auch wenn er auf Tatsachen beruht. Die Protagonistin sei zu schön, der Häuptling zu sehr Gentleman und selbst der Bösewicht habe sympathische Momente.[5]

Für Martina Knoben von der Süddeutsche Zeitung macht Jessica Chastain aus Catherine Weldon eine überzeugende, faszinierende Figur. Der Wilde Westen werde in prachtvollen Breitwandbildern gezeichnet und nicht die trostlos-unbarmherzige Natur, die das Leben der Pionierinnen in anderen Filmen dieses Genres spiegelten. Der Indianer trete als der edle Wilde auf, der ein ebenbürtiger Gesprächspartner für die Lady ist, und der Kontakt der Personen über die Grenzen der Geschlechter und Kulturen hinweg sei spannend. Durch drei gleichzeitig erzählte Geschichten, die Emanzipations-, die Liebesgeschichte und das letzte Aufbäumen der Indianer, sei die Zielrichtung des Films nicht ganz klar. Ärgerlich sei, dass hier eine Weiße den „Wilden“ die Zivilisation in Form eines demokratischen Prozesses bringe.[6]

Verweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Die Frau, die vorausgeht. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF; Prüf­nummer: 180286/K).Vorlage:FSK/Wartung/typ nicht gesetzt und Par. 1 länger als 4 Zeichen
  2. Daniel Kothenschulte: "Die Frau, die vorausgeht": Druckt die Legende. Frankfurter Rundschau, 5. Juli 2018, abgerufen am 16. August 2018.
  3. FSK-Freigabebegründungen. Die Frau, die vorausgeht. FSK, 28. Juni 2018, abgerufen am 15. August 2018.
  4. Katja Nicodemus: "Die Frau, die vorausgeht": Drama von Susanna White. NDR.de – Kultur – Film. Norddeutscher Rundfunk, 4. Juli 2018, abgerufen am 16. Juli 2018.
  5. Sabine Oelmann: Dann lebe mehr. Die Frau, die vorausgeht. n-tv, 5. Juli 2018, abgerufen am 16. Juli 2018.
  6. Martina Knoben: Western, der Häuptling und die Lady. Süddeutsche Zeitung, 4. Juli 2018, abgerufen am 16. Juli 2018.