Die Geschwister

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Dieser Artikel behandelt das Schauspiel von Johann Wolfgang von Goethe. Zur Erzählung von Brigitte Reimann aus dem Jahr 1963 siehe Die Geschwister (Brigitte Reimann), zu weiteren Bedeutungen siehe Geschwister.
Daten
Titel: Die Geschwister
Gattung: Schauspiel
Originalsprache: Deutsch
Autor: Johann Wolfgang Goethe
Erscheinungsjahr: 1787
Uraufführung: 21. November 1776
Ort der Uraufführung: Weimar
Personen
  • Wilhelm, ein Kaufmann
  • Marianne, seine Schwester
  • Fabrice
  • Briefträger

Die Geschwister. Ein Schauspiel in einem Akt ist ein Vierpersonen-Stück in Prosa von Johann Wolfgang von Goethe. Den Einakter schrieb der Autor Ende Oktober 1776 im Gartenhaus an der Ilm. Die Uraufführung – mit Goethe als Wilhelm und Kotzebue[1] als Briefträger – fand am 21. November 1776 in Weimar statt. 1787 lag das Werk im Druck vor.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wilhelm liebte die Witwe Charlotte. Kurz vor ihrem Tode vertraute Charlotte dem Geliebten ihre Tochter Marianne an. Wilhelm verliebt sich in das junge Mädchen, Ebenbild der Verstorbenen, spricht aber mit niemandem über seine Gefühle. Marianne hält Wilhelm für ihren Bruder und kann sich eine Zukunft ohne ihn überhaupt nicht vorstellen. Fabrice, ein guter Geschäftsfreund Wilhelms, glaubt auch an die Mär von den beiden Geschwistern und macht Marianne den Hof. Der Freund nimmt Mariannes ausweichende Erwiderung auf seine stürmische Werbung für eine Zusage. Erfreut und erregt macht der Bräutigam in spe dem verdutzten Wilhelm davon Mitteilung und bittet um den Segen des „Bruders“. Eine Zustimmung zu diesem Eheplan kommt für Wilhelm ganz und gar nicht in Frage. Im Gegenteil – er setzt Fabrice ins Bild: Marianne und Wilhelm sind keine Geschwister. Der Freund verlässt brüskiert die Szene. Dafür naht Marianne verlegen und gesteht Wilhelm ihre ungeschickte Reaktion auf den Heiratsantrag. Diesem Geständnis folgt das nächste: Marianne könne überhaupt nicht heiraten, denn sie liebe nur Wilhelm. Jetzt ist der Glückliche an der Reihe mit dem Gestehen: Marianne sei nicht seine Schwester. Er ruft sie an mit „Geliebte!“ und „Gattin!“ Die Glückliche umhalst ihren Bräutigam.

Zitat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Was man treibt, gewinnt man lieb.“

Selbstzeugnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Jagd. Nach Tische zurück über Jena Die Geschwister erfunden.“

– Goethes Tagebuch vom 26. Oktober 1776

„Die Geschwister gespielt.“

– Goethes Tagebuch vom 21. November 1776

„Ich entwarf sie [Die Geschwister] auf einer kleinen Reise nach Thalbürgel, wo ich den Großherzog besuchte. In wenig Tagen waren sie fertig; es reut mich, daß ich damals nicht ein Dutzend ähnlicher Stücke hingeworfen habe.“

– Goethe am 15. Dezember 1823 im Gespräch mit Friedrich von Müller

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wilpert[2] geht auf die Interpretation des Textes als Goethes Wunschbild ein. Dabei kommen in der knappen Erörterung die Namenskoinzidenz der verstorbenen Witwe Charlotte im Schauspiel mit der lebenden Charlotte von Stein in Großkochberg sowie auch das Inzesttabu in der geschwisterlichen Beziehung Goethes zur Sprache.
  • Conrady[3] hebt neben dem Verweis auf Frau von Stein und Schwester Cornelia noch das Verspielte des jugendlichen Autors hervor.

Sekundärliteratur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kotzebues Rolle war überschaubar. Er musste nur sagen: Einen beschwerten Brief, zwanzig Dukaten, franko halb.
  2. Wilpert S. 374–375
  3. Conrady S. 369–370