Venezianische Epigramme

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Georg Melchior Kraus: Goethe um 1775

Bei den Venezianischen Epigrammen handelt es sich um Sinngedichte von Johann Wolfgang von Goethe, die dieser im Frühjahr 1790 in Venedig zumeist nach dem Vorbild des Martial verfasste. Er kommentiert darin europäische Zustände und Zeitgeschichte. Den Großteil dieser Bonmots und Spottgedichte veröffentlichte er anonym und in abgeschwächter Form in Friedrich Schillers Musen-Almanach für das Jahr 1796.

Die Epigramme behandeln sowohl den konkreten Ort Venedig als auch „einen davon abgehobenen übertragenen Raum“.[1]

Venedig[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Priapus mit seinem Phallus (etruskisch vor 100 v. Chr.)

Der überwiegend unfreundliche Ton der Epigramme wird von Goethe in einem Brief, den er am 10. Juni 1796 aus Weimar an Schiller schreibt, mit „Haß“[A 1] motiviert. Goethe weilte ein Jahr zuvor wider Willen in dem italienischen „Stein- und Wasserneste“.

Martial[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Goethe schöpfte aus Martials streckenweise anstößigen Zeilen auch dank Andreas Naugerius’ Überlieferung.[2] Sein Grundsatz beim Studium Martials war, dass er den Menschen an seinen Fehlern erkenne.[3]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Richard Friedenthal konstatierte, dass Goethes Italiensehnsucht anno 1790 verflogen sei. Goethe fühle sich „heidnisch frei“[4], bringe seine „leichtesten und losesten Erlebnisse“[5] ein und spreche sich gegen die französischen Vorkommnisse[6] aus. Notdürftig verhüllt werde das Christentum verspottet.[7]
  • Gero von Wilpert stuft die Venetianischen Epigramme als inhomogenes Nebenwerk ein, das nicht nur günstig und wohlwollend aufgenommen wurde.
  • Karl Otto Conrady geht auf Goethes Beobachtung der venezianischen Gauklerin Bettine (Epigramme 36 bis 47) und auf Goethes Lobdichtung ein.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quelle
  • Johann Wolfgang von Goethe: Poetische Werke, Band 1. Phaidon Verlag, Essen 1999, ISBN 3-89350-448-6, S. 181–198.
Sekundärliteratur

Geordnet nach dem Erscheinungsjahr

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikisource: Venezianische Epigramme – Quellen und Volltexte

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Häntzschel (S. 14 oben) führt Gründe für Goethes Hass auf.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Häntzschel, S. 8, 4. Z.v.o.
  2. Maaß, S. 72, 10. Z.v.u. sowie 3. Z.v.u.
  3. Maaß, S. 72, 8. Z.v.o.
  4. Friedenthal, S. 349, 10. Z.v.o.
  5. Friedenthal, S. 349, 11. Z.v.o.
  6. Friedenthal, S. 349, 19. Z.v.o.
  7. Friedenthal, S. 613, 18. Z.v.u.
  8. engl. HathiTrust