Die Wannseekonferenz (1984)

Die Wannseekonferenz ist ein deutscher Fernsehfilm aus dem Jahre 1984 über die Wannseekonferenz 1942 zur Organisation der Endlösung der Judenfrage (siehe auch Holocaust). des Holocausts.
Der Film entstand auf Grundlage des Originalprotokolls der Konferenz; das es kein Wortprotokoll gab, sind die Dialoge fiktiv. Das Drehbuch schrieb Paul Mommertz. 2022 wurde auf Basis des Films eine Neuverfilmung gedreht, zu der Mommertz erneut das Drehbuch schrieb.
Handlung
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Nachdem Reichsmarschall Hermann Göring am 31. Juli 1941 an SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich den Auftrag zu einer Gesamtlösung der Judenfrage in Europa übertragen hat, lädt Heydrich am 20. Januar 1942 zu einer Konferenz mit Frühstück in einer Berliner Villa am Großen Wannsee. Eingeladen sind Repräsentanten verschiedener Ministerien, Dienststellen und der SS. Geplant ist eine Konferenzdauer von etwa 90 Minuten.
Im Laufe der Konferenz beansprucht Heydrich für SS-Führer Heinrich Himmler und ihn als dessen Stellvertreter die Federführung für die Endlösung. Als zentraler Endlösungsraum wird das Generalgouvernement Polen ausgewählt, wo die großen Vernichtungslager errichtet werden. Insgesamt sollen elf Millionen europäische Juden der Endlösung zugeführt und ermordet werden, nachdem sie zuvor in Sammellagern konzentriert und nach Osten transportiert worden sind. Die SS-Einsatzgruppen haben im rückwärtigen Frontgebiet der Ostfront bereits eine halbe Million sowjetische Juden ermordet. Estland gilt bereits als "judenfrei", Lettland und Litauen ebenfalls mit Ausnahme von "Arbeitsjuden".
äNeben Fragen, die alle Ministerien und Dienststellen mehr oder weniger betreffen, werden zwei spezielle Themen diskutiert. Zunächst geht es um die Frage, wie mit Juden verfahren werden soll, die Staatsbürger verbündeter oder neutraler Staaten sind. Das zweite Thema ist die Frage der jüdischen "Mischlinge" und Mischehen. Nach den Nürnberger Rassegesetzen sind Halbjuden (Nichtjuden mit mindestens einem jüdischen Elternteil) von den Gesetzen ausgenommen, doch sollen diese nach den Plänen eines Arbeitspapiers ebenfalls in die Maßnahmen der Endlösung einbezogen werden, wobei es auch hier Ausnahmefälle geben soll. Deutlichen Widerstand erfährt der Plan durch Wilhelm Stuckart, Staatssekretär im Innenministerium und Mitverfasser der Nürnberger Gesetze. Als er in der Defensive ist, schlägt er schließlich eine kollektive Zwangssterilisation der Halbjuden vor. Die Konferenz endet, ohne einen Konsens in dieser Frage zu finden.
Teilnehmer der Wannseekonferenz
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- Reinhard Heydrich (SS-Obergruppenführer, Stellvertretender Reichsprotektor in Böhmen und Mähren, Hauptredner und Vorsitz)
- Adolf Eichmann (SS-Obersturmbannführer, Protokollführer)
- Josef Bühler (Staatssekretär im Amt des Generalgouverneurs in Krakau)
- Roland Freisler (Staatssekretär im Reichsjustizministerium, später Präsident des Volksgerichtshofs)
- Otto Hofmann (SS-Gruppenführer, Chef des Rasse- und Siedlungshauptamtes der SS)
- Gerhard Klopfer (SS-Oberführer, Ministerialdirektor in der Parteikanzlei der NSDAP, Leiter der Staatsrechtlichen Abteilung III)
- Friedrich Wilhelm Kritzinger (Ministerialdirektor in der Reichskanzlei)
- Rudolf Lange (SS-Sturmbannführer, Kommandeur der Sicherheitspolizei und des SD für Lettland in Vertretung seines Befehlshabers Walter Stahlecker)
- Georg Leibbrandt (Reichsamtsleiter, Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete)
- Martin Luther (Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt)
- Alfred Meyer (Staatssekretär im Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete, Gauleiter Westfalen-Nord)[1]
- Heinrich Müller (SS-Gruppenführer, Chef des Amtes IV (Gestapo) des Reichssicherheitshauptamtes)
- Erich Neumann (Staatssekretär im Amt des Beauftragten für den Vierjahresplan)
- Karl Eberhard Schöngarth (SS-Oberführer, Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des SD im Generalgouvernement)
- Wilhelm Stuckart (Staatssekretär im Reichsministerium des Innern)
- Ingeburg Werlemann, Protokollantin, Sekretärin von Adolf Eichmann
Kritiken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Lexikon des internationalen Films wertete: „Der Film bemüht sich um einen authentischen Bericht dieser folgenschweren Konferenz, indem er die Einheit von Ort und Zeit beibehält; ein eindrucksvolles und erschütterndes Dokumentarspiel; fürs Fernsehen entstanden, inzwischen in einigen Ländern im Kino ausgewertet.“[2]
Heinz Höhne schieb im Spiegel 51/1984 „Drehbuchautor Paul Mommertz, 54, freut sich: ‚Ein optimaler Film, auf beachtlichem Niveau.‘ Das Lob gilt vor allem dem Regisseur Heinz Schirk, zu Recht: Er hat es mit einer Riege bewährter Schauspieler, allen voran Dietrich Mattausch in der Rolle des Heydrich und Gerd Böckmann als Eichmann, verstanden, dem Mommertz-Stück jene Atmosphäre rassistischen Säuberungswahns und kaltschnäuziger Bürokratenperfektion einzuhauchen, die die Wannseekonferenz zu der wohl schauerlichsten Hitler-Deutschlands machte. Doch was sich hier als dokumentensichere Rekonstruktion der Zeitgeschichte gibt, erweist sich bei näherem Hinsehen auf weiten Strecken als ein Produkt televisionärer Fabulier- und Kombinationslust. Denn: Dies ist nicht die Wannseekonferenz, wie sie die Historiker kennen. Es ist die Wannseekonferenz a la Paul Mommertz.“[3]
Kritiker bei meinsammelsuriumblog urteilten: „Diese Fernsehproduktion ist zumindest eine erste Annäherung an ein Ereignis, das man mit Worten kaum fassen kann. Das Judentum wird eine statistische Größe, der Holocaust ein Aktenvorgang, der Genozid ein Transportproblem. Eine Gruppe durchaus normal wirkender Menschen löst eine in der Geschichte einmalige Vernichtungsaktion aus: den „verwalteten“, „ordentlichen“ Völkermord. Die Diskrepanz zwischen der Durchschnittlichkeit der Täter und der Ungeheuerlichkeit der Tat macht den Film zu einer schockierenden Erfahrung.“[4]
Auszeichnungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Adolf-Grimme-Preis
- Silberne Nymphe in Monte Carlo
- Preis des World Television Festivals in Tokio
Neuverfilmungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]2022 wurde anlässlich des 80. Jahrestages der Konferenz eine neue Version des Wannsee-Konferenz-Films gedreht; das Drehbuch stammte erneut von Paul Mommertz, in den Dialogen zeigen sich starke Übernahmen aus dem Vorgängerfilm.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Heinz-Jürgen Priamus: Meyer. Zwischen Kaisertreue und NS-Täterschaft. Biographische Konturen eines deutschen Bürgers. Klartext Verlag, Essen 2011, ISBN 978-3-8375-0592-4, S. 377 ff.
- ↑ Die Wannseekonferenz. In: Lexikon des internationalen Films. Filmdienst, abgerufen am 17. September 2023.
- ↑ Heinz Höhne: Eine Falle der Betroffenheit. In: Der Spiegel. Nr. 51, 1984, S. 72–80 (online – 17. Dezember 1984, Zitat S. 72).
- ↑ Filmkritik bei meinsammelsuriumblog.wordpress.com, abgerufen am 14. Februar 2024.