Dieter Euler

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Dieter Euler (* 10. Dezember 1952 in Köln) ist ein deutscher Wirtschaftspädagoge und emeritierter Professor für "Educational Management" an der Universität St. Gallen. Seine Themenschwerpunkte sind Bildungsinnovationen, Sozialkompetenzen, pädagogische Hochschulentwicklung, digitale Mediendidaktik und Design-Based Research.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Euler absolvierte nach der Schulzeit zunächst eine duale Berufsausbildung im Ausbildungsberuf "Datenverarbeitungskaufmann", bevor er nach einer einjährigen Tätigkeit als betrieblicher Ausbilder das Studium aufnahm. Er studierte an der Fachhochschule Trier Betriebswirtschaftslehre (1975–1978), nach dessen Abschluss Wirtschaftspädagogik an der Universität zu Köln (1978–1984). Als Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes studierte er Soziologie und Sozialphilosophie an der London School of Economics and Political Science (1981–1982). 1988 promovierte er an der Universität Köln mit einer Dissertationsschrift "Kommunikationsfähigkeit und computerunterstütztes Lernen". 1994 habilitierte er sich an der Universität Köln und erhielt im gleichen Jahr einen Ruf auf die Professur für Wirtschaftspädagogik an der Universität Potsdam. Nach einem weiteren Ruf auf den "Lehrstuhl für Pädagogik, insbesondere Wirtschaftspädagogik" lehrte er von 1995 bis 2000 als Hochschullehrer an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Einen Ruf an die Universität Erfurt (1999) lehnte er ab.

Im Jahr 2000 wechselte Euler an die Universität St. Gallen / Schweiz. Er übernahm den "Lehrstuhl für Wirtschaftspädagogik und Bildungsmanagement" und wurde gemeinsam mit Christoph Metzger Direktor des Instituts für Wirtschaftspädagogik. Dort war er u. a. verantwortlich für die Gestaltung des wirtschaftspädagogischen Studiengangs. Im Februar 2018 wurde er emeritiert.[1]

Seit April 2021 ist Euler kommissarischer Gründungspräsident der Beruflichen Hochschule Hamburg.[2]

Ausgewählte Funktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An den jeweiligen Universitätsstandorten übernahm Euler zahlreiche Funktionen und Verantwortlichkeiten, so u. a.:

  • Leitung der Betriebswirtschaftlichen Fakultät an der Universität Erlangen-Nürnberg (1997–1998)
  • Delegierter des Rektorats für die Entwicklung des Selbststudiums an der Universität St. Gallen (2000–2008)
  • Dekan der School of Management an der Universität St. Gallen (2009–2011)
  • Delegierter des Rektorats für Qualitätsentwicklung und Akkreditierungen (2011-heute)
  • kommissarischer Gründungspräsident der Beruflichen Hochschule Hamburg (2021)

Zudem übernahm Euler zahlreiche Aufgaben und Funktionen auch außerhalb der jeweiligen Universität, so u. a.:

  • Vizepräsident der Schweizerischen Gesellschaft für angewandte Berufsbildungsforschung (Swiss Society for applied research on vocational education) (2003–2008)
  • Gründer und wissenschaftlicher Direktor des Swiss Center for innovations in learning (SCIL), Universität St. Gallen (seit 2003)
  • Gründer und Direktor eines Kompetenzzentrums ("Leadinghouse") zur Berufsbildungsforschung in Forschungsbereich "Sozialkompetenzen" (2003–2007)
  • Mitgründer und Vorsitzender des Supervisory Boards des Akkreditierungsprogramms CEL - Programme Accreditation for Technology-Enhanced Learning, der European Foundation of Management Development (EFMD), Brüssel / Belgien (seit 2004)
  • Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Thurgauer Stiftung für Wissenschaft und Forschung, Schweiz (seit 2004)
  • Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des "Centre for Practice Based Professional Learning", Open University, UK (2005–2011)[3]
  • Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats des Bundesinstituts für Berufsbildung, Germany (2005–2013)
  • Mitglied des Innovationskreis Berufliche Bildung beim Bundesminister für Bildung und Forschung, Berlin (2005–2006)
  • Präsident des Wissenschaftlichen Beirats für Qualitätsentwicklung an Fachhochschulen in der Schweiz, Schweizerische Agentur für Akkreditierung und Qualitätssicherung, Bern (2006–2014)
  • Präsident des Akkreditierungsrats für internationale Akkreditierungen, Schweizerische Agentur für Akkreditierung und Qualitätssicherung, Bern (2009–2014)

Arbeits- und Forschungsschwerpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Euler fokussierte im Laufe seiner wissenschaftlichen Tätigkeit unterschiedliche Arbeits- und Forschungsschwerpunkte.

Didaktischer Einsatz digitaler Lernmedien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundgelegt durch die Dissertationsschrift "Kommunikationsfähigkeit und computerunterstütztes Lernen" (1988) wurde in Projekten und Forschungsarbeiten die Frage untersucht: "Inwieweit können digitale Lernmedien dazu beitragen, Lernprozesse motivierender, individualisierter und nachhaltiger zu gestalten". Bedingt durch die technologische Entwicklung veränderten sich die medialen Grundlagen rasant, die didaktischen Kernfragen blieben jedoch (weitgehend) unverändert. Die Fragen wurden zunächst mit einem Fokus auf die Berufsbildung untersucht. Mit dem Wechsel an die Universität St. Gallen erweiterte Euler den Fokus auf die Gestaltung von Lernumgebungen für ein mediengestütztes Selbststudium. 2006 erhielt er mit seinem Team für das Projekt "Strategiebasierte Entwicklung und Implementierung des mediengestützten Selbststudiums an der Universität St. Gallen" den von der "Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft" ausgeschriebenen Medida-Prix.[4]

Förderung und Prüfung von Sozialkompetenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während die Relevanz von Sozialkompetenzen in der Praxis von Schule und Beruf offensichtlich ist, steht die didaktische Forschung noch am Anfang. Was genau wird unter 'Sozialkompetenzen' verstanden? Welche Teilkompetenzen können im Einzelnen bestimmt werden, um Lernziele für eine überschaubare didaktische Einheit zu formulieren und dem Lehren eine klare Orientierung zu geben? Wie können Sozialkompetenzen gezielt gefördert werden? Inwieweit können Sozialkompetenzen diagnostiziert beziehungsweise einer Lernerfolgsprüfung unterzogen werden?

Diese Fragen wurden von Euler an der Universität Erlangen-Nürnberg in ein Forschungsprogramm überführt und in zahlreichen Projekten, Dissertationen und Modellversuchen untersucht. Eine systematische Weiterführung fanden diese Arbeiten innerhalb des Leadinghouse "Sozialkompetenzen" an der Universität St. Gallen. Zudem wurde die Förderung von Sozialkompetenzen zu einem wesentlichen Schwerpunkt in der wirtschaftspädagogischen Ausbildung an der Universität St. Gallen.

Innovation in der beruflichen Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Wechsel an die Universität Erlangen-Nürnberg intensivierte Euler den Arbeitsschwerpunkt "Berufliche Bildung". In Studien und Modellversuchen wurden Reformschwerpunkte identifiziert und in konzeptionelle Vorschläge überführt. In zwei Programmträgerschaften mit den Schwerpunkten "Kooperation der Lernorte im dualen System der Berufsbildung" (1999–2004) und "Selbstgesteuertes Lernen in der beruflichen Bildung" (2004–2008) wurden ca. 40 Modellversuche wissenschaftlich begleitet und ausgewertet.

Eine weitere Facette erhielten die Arbeiten in diesem Schwerpunkt durch die Berufung in den Innovationskreis Berufliche Bildung durch die Bundesministerin für Bildung und Forschung (2005–2006) sowie in den Wissenschaftlichen Beirat des Bundesinstituts für Berufsbildung (2005–2013). Im Rahmen des Innovationskreises entwickelte Euler (gemeinsam mit E. Severing) einen Vorschlag zur Modularisierung von Ausbildungsgängen, der bis heute kontrovers diskutiert wird.[5][6]

Seit 2007 wirkt Euler in verschiedenen Projekten der Bertelsmann-Stiftung mit, die sich mit Reformthemen der beruflichen Bildung beschäftigen (u. a. Inklusion in der beruflichen Bildung; Verzahnung von Berufs- und Hochschulbildung; Migration).[7]

Im Rahmen dieses Arbeitsschwerpunktes ist Euler beratend in diversen internationalen Projekten tätig, so beispielsweise in Vietnam, China, Palästina und Serbien.[8]

Pädagogische Hochschulentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Euler beschäftigte sich zunächst konzeptionell-praktisch, zunehmend auch forschungsbezogen mit Fragen der Hochschulentwicklung. Mit der Bologna-Reform stellen sich für die Gestaltung von Lehre und Studium neue Herausforderungen, die durch die Konzepte der Hochschuldidaktik alleine nicht bewältigt werden können. Ausgehend von praktischen Entwicklungsarbeiten an der Universität St. Gallen entwickelte Euler einen Bezugsrahmen für die pädagogische Hochschulentwicklung, in dem individuelle Kompetenzentwicklung und organisationale Rahmenentwicklung miteinander verzahnt werden.[9]

In der pädagogischen Hochschulentwicklung versteht Euler einen wesentlichen Forschungs- und Lehrbereich für die Weiterentwicklung der wissenschaftlichen Disziplin Wirtschaftspädagogik. Ein aktueller Gegenstand der Hochschulentwicklung sieht er in der Frage, wie nachhaltiges und verantwortliches Handeln bei den Studierenden an der Universität entwickelt werden kann.[10]

Methodologische Fundierungen: Design-Based Research[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wissenschaftstheoretisch folgen viele der wissenschaftlichen Arbeiten von Euler dem Ansatz einer gestaltungsorientierten Forschung (Design-Based Research). In der Wirtschaftspädagogik wurden bereits zu Beginn der 1990er Jahre Forschungskonzepte praktiziert und veröffentlicht, die darauf zielten, im Rahmen von Innovations? und Gestaltungsprojekten die drei Handlungsschwerpunkte Theoriebildung, Theorieüberprüfung und Theorieanwendung zu verbinden. Während Sloane zur Kennzeichnung den Begriff der "Modellversuchsforschung" verwendete, etikettierte Euler sein Konzept als "Wissenschaft-Praxis-Kommunikation".

Gesamtverzeichnis der Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Forschungsplattform Universität St. Gallen: [2]
  • Deutsche Nationalbibliothek: [3]

Veröffentlichungen zu weiteren Themenkomplexen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Euler, D. (2001): Pädagogik in der Wirtschaft: Variationen eines Spannungsverhältnisses. In K. A. Schachtschneider, H. Piper & M. Hübsch (Hrsg.), Transport - Wirtschaft - Recht, Gedächtnisschrift für Johann Georg Helm (473–488). Berlin.
  • Dubs, R., Euler, D., Rüegg-Stürm, J. & Wyss, C. (Hrsg.) (2004): Einführung in die Managementlehre. 5 Bände. Bern, Stuttgart, Wien: Haupt.
  • Euler, D. (2004): Bildungsmanagement. In Dubs, R., Euler, D., Rüegg-Stürm, J. & Wyss, C. (Hrsg.), Einführung in die Managementlehre. Band 4 (31–57). Stuttgart, Wien, Bern: Haupt.
  • Euler, D. (2005): Forschendes Lernen. In Spoun, S. & Wunderlich, W. (Hrsg.), Studienziel Persönlichkeit (253–272). Frankfurt, New York: Campus.
  • Euler, D. & Hahn, A. (2014): Wirtschaftsdidaktik. 3. Aufl. Bern, Stuttgart, Wien: Haupt

Herausgeberschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Zeitschrift für Berufs- und Wirtschaftspädagogik (seit 2003)
  • Zeitschrift für Hochschulentwicklung (seit 2005)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. HSG Focus 1/2018
  2. hamburg.de: Prof. Dr. Dieter Euler kommissarischer Gründungspräsident der Beruflichen Hochschule Hamburg (BHH), 9. April 2021
  3. Website of The Open CETL: The Open University's Centres for Excellence in Teaching and Learning (Memento des Originals vom 23. September 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.open.ac.uk
  4. MEDIA-PRIX 2006. Website des MEDIA-PRIX 2006 mit den PreisträgerInnen.
  5. Interview mit Prof. Dr. Dieter Euler: Fördern Gruppenarbeiten die Teamkompetenz?. In: educa.Berufsbildung. Abgerufen am 20. September 2015.
  6. Jugendliche im Übergang (Memento des Originals vom 23. September 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/jacobsfoundation.org. In: Jacobs Foundation. Abgerufen am 20. September 2015.
  7. Artikel von Jeannette Otto: Das Glück, dazuzugehören. In: Die Zeit, DIE ZEIT Nr. 25/2014, 12. Juni 2014. Abgerufen am 20. September 2015.
  8. Artikel von Naemi Härle, Lars Thies: Der Transfer der dualen Berufsausbildung funktioniert – in Häppchen. In: Blog "Aus- und Weiterbildung", 12. Dezember 2013. Abgerufen am 20. September 2015.
  9. YouTube-Video zum Vortrag: Hochschulentwicklung - eine (neue) Herausforderung für die Wirtschaftspädagogik?. Veröffentlicht am 10. Oktober 2012.
  10. YouTube-Video zum Vortrag: Responsibility and sustainability - a demanding challenge for higher education . Veröffentlicht am 28. April 2015.