Dietrich von Engelhardt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Dietrich von Engelhardt (* 5. Mai 1941 in Göttingen[1]) ist ein deutscher Wissenschafts- und Medizinhistoriker. Er war Direktor des Instituts für Medizingeschichte und Wissenschaftsforschung der Universität Lübeck.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dietrich von Engelhardt ist der Sohn des Mineralogen und Geologen Wolf von Engelhardt.[2] Dietrich von Engelhardt studierte 1961 bis 1968 Philosophie, Geschichte und Slawistik an der Universität Tübingen, der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Universität Heidelberg, an der er 1969 in Philosophie promoviert wurde. Anschließend folgte eine Ausbildung in Kriminologie und Kriminaltherapie. 1971 wurde er bei Heinrich Schipperges Assistent am Institut für Geschichte der Medizin der Universität Heidelberg, an der er sich 1976 habilitierte und Professor wurde. 1983 bis 2007 war er Professor für Geschichte der Medizin und Allgemeine Wissenschaftsgeschichte an der Universität Lübeck und 1993 bis 1996 Prorektor der Universität Lübeck. Er wirkte unter anderem bei der Deutschen Biographischen Enzyklopädie von Walther Killy und Rudolf Vierhaus mit.

1998 bis 2002 war er kommissarischer Leiter des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin der TU München.

1995 wurde er zum Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina gewählt.[3] 2001 bis 2010 war er Präsident der Akademie für Ethik in der Medizin und 2008 bis 2011 Vizepräsident des Landeskomitees für Ethik in Südtirol. 2010 wurde er Mitglied der Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt. Für 2014 wurde ihm der Preis der Dr. Margrit Egnér-Stiftung zugesprochen. 2016 erhielt er die Alexander von Humboldt-Medaille der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte (GDNÄ).

Zu seinen Doktoranden gehört die Neurowissenschaftlerin Hannah Monyer.

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hegel und die Chemie. Studie zur Philosophie und Wissenschaft der Natur um 1800. Guido Pressler Verlag, Hürtgenwald 1976.
  • Medizin und Literatur in der Neuzeit – Perspektiven und Aspekte. In: Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte. Band 52, 1978, S. 351–380.
  • Historisches Bewusstsein in der Naturwissenschaft: von der Aufklärung bis zum Positivismus. Orbis academicus, Karl Alber Verlag, Freiburg 1979.
  • mit Heinrich Schipperges: Die inneren Verbindungen zwischen Philosophie und Medizin im 20. Jahrhundert. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1980.
  • Arzt und Patient in der Literatur. In: Heidelberger Jahrbücher. Band 25, 1981, S. 147–164.
  • Kausalität und Konditionalität in der modernen Medizin. In: Heinrich Schipperges (Hrsg.): Pathogenese. Grundzüge und Perspektiven einer Theoretischn Pathologie. Berlin/Heidelberg/New York/Tokyo 1985, S. 32–58.
  • Der Umgang des Kranken mit der Krankheit im Medium der Literatur. In: Helmut Piechowiak (Hrsg.): Ethische Probleme der modernen Medizin. Mainz 1985, S. 158–175.
  • Psychische Krankheit in der Literatur der Neuzeit. In: Jahrbuch des Instituts für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung. Band 4, 1985, S. 23–40.
  • Darstellung und Deutung der Lepra in der neueren Literatur. In: Jörn Henning Wolf (Hrsg.): Aussatz, Lepra, Hansen-Krankheit. Ein Menschheitsproblem im Wandel. Teil II: Aufsätze (= Kataloge des Deutschen medizinhistorischen Museums. Beiheft 1). Würzburg 1986, ISBN 3-926454-00-8, S. 309–320.
  • Mit der Krankheit leben. Grundlagen und Perspektiven der Copingstruktur des Patienten. Verlag für Medizin, E. Fischer Heidelberg, 1986.
  • Herausgeber: Ethik im Alltag der Medizin: Spektrum der medizinischen Disziplinen, Springer Verlag, Berlin, 1989.
  • Herausgeber: Diabetes in Medizin- und Kulturgeschichte: Grundzüge, Texte und Bibliographie. Berlin/Heidelberg/New York 1989.
  • Thomas Mann und die Wissenschaften, Lübeck 1999.
  • Krankheit, Schmerz und Lebenskunst: Eine Kulturgeschichte der Körpererfahrung. C.H. Beck Verlag, München, 1999.
  • Medizin in der Literatur der Neuzeit, Bd. 1–2. Guido Pressler Verlag, Hürtgenwald, 1991/2000.
  • Paracelsus im Urteil der Naturwissenschaften und Medizin des 18. und 19. Jahrhunderts. Darstellung, Quellen, Forschungsliteratur. Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina, Halle (Saale). Barth Verlag, Heidelberg, 2001.
  • als Hrsg.: Biographische Enzyklopädie deutschsprachiger Mediziner. 2 Bände. München 2002.
  • als Hrsg. mit Hans Wißkirchen (Hrsg.): „Der Zauberberg“, die Welt der Wissenschaften in Thomas Manns Roman. Stuttgart/ New York 2003.
  • Herausgeber mit Rainer Wild: Geschmackskulturen. Vom Dialog der Sinne beim Essen und Trinken. Campus-Verlag, Frankfurt am Main / New York 2005, ISBN 3-593-37727-6.
  • Deutsch-Italienische Wissenschaftsbeziehungen im 18. und 19. Jahrhundert. Strukturen und Dimensionen, In: Ingrid Kästner (Hrsg.): Wissenschaftskommunikation in Europa im 18. und 19. Jahrhundert (= Europäische Wissenschaftsbeziehungen, 1) Shaker-Verlag, Aachen 2009, S. 7–38.
  • Gesundheit, Krankheit, Therapie. Friedrich Hölderlin im Kontext der Medizin und Philosophie um 1800. In: Annuario Filosofico, Band 26, 2010/2011, S. 175–207.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans-Jörg Rheinberger im Namen der NTM-Redaktion: Dietrich von Engelhardt zum 65. Geburtstag. In: NTM 14, 2006, S. 119–120.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ulmer Denkanstöße 2021: Prof. Dr. Dietrich von Engelhardt.
  2. Dietrich von Engelhardt - Spezialist für „Realidealismus“, NZZ, 20. September 2008
  3. Mitgliedseintrag von Dietrich von Engelhardt bei der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, abgerufen am 21. Februar 2016.