Dingden

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Koordinaten: 51° 46′ 10″ N, 6° 36′ 43″ O

Dingden
Wappen der ehemaligen Gemeinde Dingden
Höhe: 24 (20–47,5) m
Fläche: 41 km²
Einwohner: 7115 (31. Dez. 2016)
Bevölkerungsdichte: 174 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1975
Postleitzahl: 46499
Vorwahlen: 02852, 02871
Dingden (Nordrhein-Westfalen)
Dingden

Lage von Dingden in Nordrhein-Westfalen

Dingden, die St.-Pankratius-Kirche und Gasthof Küpper
Dingden, die St.-Pankratius-Kirche und Gasthof Küpper

Dingden ist ein Ortsteil der Stadt Hamminkeln. Neben dem Dorf Dingden gehören zum Ort auch die Bauerschaften Berg, Nordbrock, Lankern sowie die Dorfbauerschaft.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1161 wurde der Ritter Gerlach, ein Mitglied des Geschlechtes der Edlen von Dingden, in einer Urkunde erwähnt. Mehrere Nachfahren nennen sich Sueder. Sueder I. nahm im Jahre 1217 am Kreuzzug von Damiette teil. In Ägypten verschenkte er seinen Haupthof in Lankern an den Deutschen Ritterorden. Die Dingdener wurden Ministeriale des Bischofs von Münster, Hofbeamte der bischöflichen Verwaltung. Wichtige Urkunden des Bischofs, der inzwischen zu einem starken weltlichen Herrscher geworden war, trugen die Unterschrift eines Dingdener Herren. Zwischen dem Bischof von Münster und dem Herzog von Kleve gab es lange Zeit große Spannungen. Die Dingdener gerieten in diesen Konflikt und verloren zunehmend an Einfluss und Besitz.

Drei Gerichtsplätze der Dingdener Gerichtsherren sind bekannt, und zwar in Dingden, Brünen und Bocholt. An der Stelle, wo sich heute die Einkaufspassage „Neutor-Platz“ in Bocholt befindet, saßen die Dingdener zu Gericht. In alten Karten wird diese Stelle noch als „bei den Dingbänken“ bezeichnet. Wo sich in Dingden damals der Gerichtsplatz befunden hat, ist nicht genau bekannt, doch gibt es Anhaltspunkte dafür, dass man in der Nähe der Kirche tagte. Neben der Kirche verläuft die Thingstraße, also die Straße am Thing.

Im Jahr 1330 wurde Dingden, villa Dingede, zum ersten Mal als Dorf urkundlich erwähnt.

Bedeutung des Namens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für den Ortsnamen existierten im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Schreibweisen: Dingede, Dingethe, Dinkethe oder auch Thingethe. In allen Formen ist aber der Begriff Ding oder Thing enthalten. Damit wurden in germanischer Zeit die Volksversammlung der freien und wehrhaften Männer sowie die Gerichtsstätten bezeichnet.

Siedlungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dingdener Bauerschaft Lankern ist wohl das älteste Siedlungsgebiet von Dingden. Unter dem Grundbesitz des Klosters Werden an der Ruhr wurde im 10. Jahrhundert ein Besitz in Longhere (Lankern) erwähnt. Das Dorf Dingden wurde erstmals 1330 erwähnt. Neben dem Dorf bildete sich die Dorfbauerschaft. Weitere Bauerschaften entstanden in Berg sowie in Nordbrock. Um die Zugehörigkeit von Nordbrock stritten sich bis ins 19. Jahrhundert die Gemeinden Dingden und Brünen. Im Zeitalter der Industrialisierung legte Dingden einen Teil des landwirtschaftlich geprägten Charakters ab mit der Folge, dass sich Gewerbe und Industrie ansiedelten. Dazu beigetragen hat im Jahr 1876 die Eröffnung der Bocholter Bahn von Wesel über Bocholt nach Winterswijk mit den Bahnstationen Dingden und Lankern. Letztere wurde nach dem Zweiten Weltkrieg aufgegeben.

Territorial- und Verwaltungszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dingden gehörte von jeher zu Westfalen. Nach Auflösung des Fürstbistums Münster gelangte die Gemeinde unter die Herrschaft des Fürstentums Salm. Nach dessen Annexion durch das Kaiserreich Frankreich erlangte es 1811 als Mairie die politische Selbstständigkeit, die sie bis zum 31. Dezember 1974 behielt. Im Jahr 1816 wurde die Gemeinde Dingden in den preußischen Altkreis Borken in der Provinz Westfalen eingegliedert. Im Rahmen der kommunalen Neuordnung (§ 5 des Niederrhein-Gesetzes) wurde die Gemeinde Dingden zum 1. Januar 1975 aufgelöst. Dingden bildet seitdem mit Brünen, Hamminkeln, Loikum, Mehrhoog, Ringenberg und Wertherbruch die heutige Stadt Hamminkeln im niederrheinischen Kreis Wesel.[1][2]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dingender Wappen, das in den 1930er Jahren entworfen wurde, soll an diese Zeit erinnern. Zu beiden Seiten einer Linde, unter der früher Gericht gehalten wurde, steht je ein rotes Schwert, was verdeutlichen soll, dass auch die Todesstrafe verhängt werden konnte. Es gibt mehrere Flurbezeichnungen, die darauf hinweisen, dass in Dingden tatsächlich hingerichtet wurde, z. B. das Galgenschlatt am Küning, das Galgenschlatt in der Heide oder der Galgenbaum am Ißhorst. In Dingden wurde noch bis zum Jahre 1803 Gericht gehalten.

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der spätromanische Kirchturm der katholischen St.-Pankratius-Kirche stammt aus dem 12. Jahrhundert. Das Mittelschiff wurde nach dem Zweiten Weltkrieg erneuert, da das vorherige durch Kriegseinwirkung zerstört wurde. Die Einwohner von Dingden gehörten ursprünglich zur Pfarre Bocholt. Die Abtrennung von der Mutterkirche und die Errichtung einer selbständigen Pfarrei in Dingden scheint im 12. oder vielleicht schon 11. Jahrhundert geschehen zu sein. Dingden bestand als eigene Pfarre bereits vor 1230 und wurde 1316 zuerst in Urkunden als solche bezeichnet. Auch während der Reformation blieb die Gemeinde Dingden ebenso wie Loikum dem katholischen Glauben treu. Bis zum Jahr 1923 gehörten die wenigen evangelischen Christen in Dingden der Kirchengemeinde Bocholt an, danach lag die Zuständigkeit bei der evangelischen Gemeinde Ringenberg. Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Zahl der evangelischen Bürger durch die Aufnahme von Heimatvertriebenen immer mehr an. Dies führte dazu, dass im Jahr 1964 eine evangelische Kirche gebaut wurde.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Niederrhein-Gesetz (§ 5) Webseite des Ministeriums für Inneres und Kommunales des Landes Nordrhein-Westfalen. Aufgerufen am 2. Januar 2016.
  2. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- u. Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen u. Reg.-Bez. vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 297.