Kreis Borken (1816–1974)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Kreises Borken
Kreis Borken (1816–1974)
Deutschlandkarte, Position des Kreises Borken hervorgehoben
Koordinaten: 51° 51′ N, 6° 51′ O
Basisdaten (Stand 1974)
Bestandszeitraum: 1816–1974
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Regierungsbezirk: Münster
Landschaftsverband: Westfalen-Lippe
Verwaltungssitz: Borken
Fläche: 631,83 km2
Einwohner: 101.200 (31. Dez. 1973)
Bevölkerungsdichte: 160 Einwohner je km2
Kfz-Kennzeichen: BOR
Kreisschlüssel: 05 5 33
Kreisgliederung: 21 Gemeinden
Adresse der
Kreisverwaltung:
Burloer Straße 93
Borken
Landrat: Alfons Schmeink (CDU)

Der Kreis Borken war ein Kreis im Nordwesten von Nordrhein-Westfalen (Deutschland). Am 1. Januar 1975 wurde er im Zuge der Gebietsreform durch das Münster/Hamm-Gesetz aufgelöst und gemeinsam mit dem Kreis Ahaus, der kreisfreien Stadt Bocholt, der Stadt Isselburg sowie den Gemeinden Erle und Gescher zum neuen Kreis Borken vereinigt.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachbarkreise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kreis grenzte 1974 im Uhrzeigersinn im Norden beginnend an die Kreise Ahaus, Coesfeld, Recklinghausen und Rees (alle in Nordrhein-Westfalen). Im Nordwesten grenzte er an die niederländische Provinz Gelderland.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kreis Borken im Jahr 1847

Vorläufer des Kreises Borken waren die historischen Verwaltungs- und Gerichtsbezirke (Ämter) Ahaus, Bocholt und Horstmar im Fürstbistum Münster sowie die Herrschaften Anholt, Gemen und Werth. Nach der Säkularisierung des Fürstbistums Münster im Reichsdeputationshauptschluss fiel das Gebiet 1803 an das neu gebildete Fürstentum Salm, bevor es zur Durchsetzung der Kontinentalsperre 1811 in das französische Kaiserreich eingegliedert wurde. Nach dem Abzug der französischen Truppen 1813 und dem Wiener Kongress 1815 wurde das Gebiet Teil der preußischen Provinz Westfalen. 1816 erfolgte die Verwaltungsgliederung in den neu gegründeten Landkreis Borken im Regierungsbezirk Münster.

Der Kreis Borken von 1816 bis 1974[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seiner Gründung am 10. August 1816 war der Kreis bis 1843 in die acht Bürgermeistereien Anholt, Bocholt, Borken, Dingden, Heiden, Liedern, Ramsdorf und Rhede eingeteilt.[1] Mit der Einführung der Landgemeinde-Ordnung für die Provinz Westfalen wurden in den Jahren 1843 und 1844 die Bürgermeistereien in Ämter überführt.[2] Der Kreis war danach zunächst neben drei amtsfreien Städten in die folgenden Ämter und Gemeinden gegliedert:[3][4]

Amt Gemeinden
amtsfrei Anholt, Bocholt und Borken
Dingden Dingden
Gemen Stadt Gemen und Kirchspiel Gemen
Heiden Heiden
Liedern Barlo, Biemenhorst, Hemden, Herzebocholt, Holtwick, Liedern, Lowick, Mussum, Spork, Stenern und Suderwick
Marbeck Grütlohn, Homer, Hoxfeld, Marbeck, Rhedebrügge, Westenborken und Borkenwirthe
Raesfeld Raesfeld
Ramsdorf Stadt Ramsdorf und Kirchspiel Ramsdorf
Reken Groß Reken, Hülsten und Klein Reken
Rhede Altrhede, Büngern, Krechting, Krommert, Rhede und Vardingholt
Velen Nordvelen, Velen und Waldvelen
Werth Werth
Weseke Weseke

Die Stadt Bocholt schied 1923 aus dem Kreis Borken aus und wurde kreisfreie Stadt. Das Amt Dingden wurde 1934 aufgehoben. Am 1. April 1937 wurden die Ämter Gemen und Weseke zum Amt Gemen-Weseke, die Ämter Liedern und Werth zum Amt Liedern-Werth sowie die Ämter Velen und Ramsdorf zum Amt Velen-Ramsdorf vereinigt. Am 1. April 1938 wurden die Ämter Heiden und Reken zum Amt Heiden-Reken sowie die Ämter Marbeck und Raesfeld zum Amt Marbeck-Raesfeld vereinigt.[5]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das heutige Kreisgebiet Teil der Britischen Besatzungszone sowie 1946 Teil des neugebildeten Landes Nordrhein-Westfalen. Am 1. Oktober 1955 wurde Altrhede nach Rhede eingemeindet.[6] Die Gemeinden Stadt Ramsdorf (Stadt nach der Landgemeindeordnung 1856 in der Provinz Westfalen) und Kirchspiel Ramsdorf wurden am 1. April 1959 zur neuen Gemeinde Ramsdorf zusammengeschlossen.[7] Mitte der 1960er Jahre besaß der Kreis Borken die folgende Einteilung:

Amt Gemeinden
amtsfrei Anholt, Dingden und Borken
Gemen-Weseke Stadt Gemen, Kirchspiel Gemen und Weseke
Heiden-Reken Groß Reken, Heiden, Hülsten und Klein Reken
Liedern-Werth Barlo, Biemenhorst, Hemden, Herzebocholt, Holtwick, Liedern, Lowick, Mussum, Spork, Stenern, Suderwick und Werth
Marbeck-Raesfeld Borkenwirthe, Grütlohn, Homer, Hoxfeld, Marbeck, Raesfeld, Rhedebrügge und Westenborken
Rhede Büngern, Krechting, Krommert, Rhede und Vardingholt
Velen-Ramsdorf Nordvelen, Ramsdorf, Velen-Dorf und Waldvelen

Am 1. Oktober 1969 wurde aus dem Landkreis der Kreis Borken.[8]

Neugliederung und Auflösung des Kreises Borken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Büngern, Krechting, Krommert, Rhede und Vardingholt wurden am 1. August 1968 zu einer neuen, größeren Gemeinde Rhede zusammengeschlossen. Gleichzeitig wurde das Amt Rhede aufgelöst.[9] Durch das Gesetz zur Neugliederung von Gemeinden des Landkreises Borken wurden am 1. Juli 1969 weitere Gemeinden des Kreises neu gegliedert:

  • Borken, Borkenwirthe, Stadt Gemen, Kirchspiel Gemen, Grütlohn, Hoxfeld, Marbeck, Rhedebrügge, Weseke und Westenborken wurden zu einer neuen, größeren Stadt Borken zusammengeschlossen.
  • Groß Reken, Klein Reken und Hülsten wurden zur neuen Gemeinde Reken zusammengeschlossen.
  • Homer und Raesfeld wurden zu einer neuen, größeren Gemeinde Raesfeld zusammengeschlossen.
  • Die Ämter Gemen-Weseke und Marbeck-Raesfeld wurden aufgelöst.

Gleichzeitig wurden Velen-Dorf, Waldvelen und Nordvelen zur neuen Gemeinde Velen zusammengeschlossen.[10]

Der Kreis Borken umfasste seitdem noch 21 Städte und Gemeinden. Am 1. Januar 1975 wurden im Rahmen des Münster/Hamm-Gesetzes weitere Gemeinden fusioniert und der Kreis Borken aufgelöst:

  • Barlo, Biemenhorst, Hemden, Holtwick, Liedern, Lowick, Mussum, Spork, Stenern und Suderwick wurden in die Stadt Bocholt eingegliedert.
  • Anholt, Werth und Herzebocholt wurden Teil der Stadt Isselburg.
  • Ramsdorf und Velen wurden zu einer neuen, größeren Gemeinde Velen zusammengeschlossen.
  • Dingden wurde Teil von Hamminkeln im Kreis Wesel.
  • Der Kreis Borken und seine Ämter Heiden-Reken, Liedern-Werth und Velen-Ramsdorf wurden aufgelöst.
  • Bocholt, Borken, Heiden, Isselburg, Raesfeld, Reken, Rhede und Velen wurden in den neuen Kreis Borken eingegliedert.[11]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Quelle
1832 38.817 [1]
1858 41.295 [12]
1871 40.342 [13]
1880 43.337 [13]
1890 48.578 [14]
1900 59.234 [14]
1910 69.577 [14]
1925 50.422 [14]
1939 59.233 [14]
1950 75.374 [14]
1960 82.400 [14]
1970 95.500 [15]
1973 101.200 [16]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ergebnisse der Kreistagswahlen ab 1946[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Liste werden nur Parteien und Wählergemeinschaften aufgeführt, die mindestens zwei Prozent der Stimmen bei der jeweiligen Wahl erhalten haben.[17]

Stimmenanteile der Parteien in Prozent

Jahr CDU SPD UWG FDP DZP BHE
1946 66,3 17,7 14,1
1948 51,1 22,5 26,4
1952 53,3 12,4 5,6 24,2 3,5
1956 54,6 15,5 5,1 22,6 2,2
1961 64,6 15,0 10,4 010,03
1964 63,7 18,4 7,9 6,7
1969 61,8 21,9 13,9

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „Quadriert; vorn oben: in Gold (Gelb) ein roter Querbalken, hinten oben: in Rot drei silberne (weiße) Maueranker im Verhältnis 2:1, vorn unten: in Silber (Weiß) ein schwarzer rotbezungter und goldbekrönter steigender Löwe und hinten unten: in Gold (Gelb) ein roter Querbalken, mit drei silbernen (weißen) Pfählen belegt.“

Das Wappen vereint die Symbole der früheren Herrscher des Kreises: vorn oben die Farben des Hochstiftes Münster, hinten oben: die Herren von Zuylen und Anholt, vorn unten: die Herren von Werth und hinten die Herren von Gemen. Das Wappen wurde am 10. Mai 1955 genehmigt.

Landräte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kfz-Kennzeichen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Juli 1956 wurde dem damaligen Landkreis bei der Einführung der bis heute gültigen Kfz-Kennzeichen das Unterscheidungszeichen BOR zugewiesen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Aloys Börner: Der Kreis Borken. Die Post, Berlin 1894. (Digitalisat)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Westfalenlexikon 1832-1835. In: Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Hrsg.): Nachdrucke zur westfälischen Archivpflege. Band 3. Münster 1978, S. 211 (Nachdruck des Originals von 1834).
  2. Landgemeinde-Ordnung für die Provinz Westphalen vom 31. Oktober 1841 (PDF; 1,6 MB)
  3. Amtsblatt für den Regierungsbezirk Münster 1843. Abgerufen am 2. Februar 2014.
  4. Amtsblatt für den Regierungsbezirk Münster 1844. Abgerufen am 2. Februar 2014.
  5. Wolfgang Leesch: Verwaltung in Westfalen 1815–1945. In: Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen. Band 38. Aschendorff, Münster 1992, ISBN 3-402-06845-1.
  6. Stephanie Reekers: Die Gebietsentwicklung der Kreise und Gemeinden Westfalens 1817–1967. Aschendorff, Münster Westfalen 1977, ISBN 3-402-05875-8, S. 275.
  7. Stephanie Reekers: Die Gebietsentwicklung der Kreise und Gemeinden Westfalens 1817–1967. Aschendorff, Münster Westfalen 1977, ISBN 3-402-05875-8, S. 274.
  8. Bekanntmachung der Neufassung der Kreisordnung für das Land Nordrhein-Westfalen vom 11. August 1969 im Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Nordrhein-Westfalen, Jahrgang 1969, Nr. 2021, S. 670 ff.
  9. Gesetz über den Zusammenschluß der Gemeinden des Amtes Rhede
  10. Gesetz über den Zusammenschluß der Gemeinden Velen-Dorf, Waldvelen und Nordvelen
  11. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 312 f.
  12. Statistische Nachrichten über den Regierungs-Bezirk Münster 1858, S. 8
  13. a b Gemeindelexikon Westfalen 1887 S. 127
  14. a b c d e f g Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte. Abgerufen am 2. Januar 2015.
  15. Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1972
  16. Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1975
  17. Quelle: Jeweiliges Heft des Statistischen Landesamtes (LDS NRW), Mauerstr. 51, Düsseldorf, mit den Wahlergebnissen auf der Kreisebene. Die Zahlen von 1948 liegen nicht vor.