Dom St. Petri (Bautzen)

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Dom St. Petri
St Petri church Bautzen 101.JPG
Daten
Ort Bautzen, Sachsen
Baujahr 1213 bis 1221
Höhe 83,70 m
Grundfläche 2250 m²
Koordinaten 51° 10′ 57″ N, 14° 25′ 25″ O51.18239444444414.423661111111Koordinaten: 51° 10′ 57″ N, 14° 25′ 25″ O
Südansicht von St. Petri mit Rathaus

Der Dom St. Petri zu Bautzen, obersorbisch Katedrala swj. Pětra, ist eine der größten Simultankirchen Deutschlands. Er zählt zu den wichtigsten Kirchenbauten Sachsens und ist der älteste Kirchenstandort der Oberlausitz. Der Dom befindet sich am Fleischmarkt in der Bautzener Altstadt, gegenüber dem Rathaus.

Baugeschichte[Bearbeiten]

Bereits um das Jahr 1000 ließ Graf Eido von Rochlitz an der Stelle des heutigen Domes eine erste Pfarrkirche errichten. Nach 1213 (G. Fabricius), wahrscheinlich erst um 1217/1218, erfolgte die Gründung des Kollegiatstiftes St. Petri. Am 24. Juni 1221 wurde der Chor des Baus eingeweiht. Einige Bauteile sind noch aus dieser Zeit erhalten, so z.B. das Westportal. Baukundliche Grabungen haben auch bei der letzten Restaurierung nicht stattgefunden. 1430 erhielt der Dom seine heutige Gestalt. 1456/63 wurde der spätgotische Hallenbau um ein südlich gelegenes viertes Schiff erweitert. Nach dem großen Stadtbrand von 1634 wurde das Innere im barocken Stil gestaltet. 1664 wurde der Turm mit einer Barockhaube versehen. Der Dom wurde in seiner Geschichte mehrfach restauriert, zuletzt 1987. Vor wenigen Jahren wurde die Fassade des Doms neu verputzt und gestrichen.

Besonderheiten[Bearbeiten]

Nach der Reformation wurde der Dom 1524 de facto Simultankirche (römisch-katholisch und evangelisch-lutherisch) und war damit die erste Simultankirche Deutschlands und eine von drei derartigen Kirchen in Ostdeutschland. Nach langen Streitigkeiten zwischen Lutheranern und Katholiken schlossen der Bautzener Rat und das Domstift 1543 einen ersten Vertrag, der die Nutzung der Kirche durch beide Konfessionen regelte. Dabei wurde der Chor für den katholischen, das Langhaus für den evangelischen Gottesdienst bestimmt. Die Grenze verlief am Lettnergitter. Weitere Verträge folgten noch im 16. Jahrhundert zu Zeiten des Domdekans Johann Leisentrit, z.B. auch über externe Besitzungen, wie die Pfarrei Gaußig. Während des Böhmischen Aufstands (1619/20) wurde das katholische „Kollegiatkapitel St. Petri“ für eine kurze Zeit aus dem Dom vertrieben. Danach wurde der alte Zustand wieder hergestellt.

Papst Benedikt XV. errichtete 1921 das Bistum Meißen mit Sitz in Bautzen wieder. Seit der Verlegung des Bischofssitzes nach Dresden 1980 ist der Bautzner Dom Konkathedrale des Bistums Dresden-Meißen.

Grundriss von 1825 mit Achsenknick

Der Dom St. Petri gehört zu den Kirchenbauten mit einem stark ausgeprägten Achsenknick. Für diese Abweichung von der geraden Linie gibt es sehr viele verschiedene Erklärungsmodelle, von denen jedoch keines als sicher angenommen werden kann. Eine Erklärung dafür ist, dass der Dom zu Beginn anstelle bzw. auf den Grundmauern einer anderen Kirche gebaut wurde und man sich bei der Erweiterung der Kirche an den umliegenden städtebaulichen Gegebenheiten orientierte.

Zudem war augenscheinlich der Bau eines zweiten Kirchturmes vorgesehen. Dies ist insbesondere an der asymmetrischen Bauweise zu erkennen, wenn man vor dem Haupteingang an der Längsseite am Bauwerk hinaufschaut.

Sonnenuhr an der Südseite

Am Turm befindet sich ein außenliegender Aufzug, der vom Türmer zum Heraufziehen seiner Einkäufe benutzt wird, denn es wohnt noch immer ein Türmer auf dem Turm (Stand 2011).

Ausstattung[Bearbeiten]

Im katholischen Teil des Domes sind vor allem der Hochaltar von 1713 und das Kruzifix (Permoserkreuz) von Balthasar Permoser (1713) kunsthistorisch bedeutend. Im evangelischen Teil sind der Abendmahlsaltar von 1640 und die Fürstenloge von 1674 hervorzuheben.

Orgeln[Bearbeiten]

Der Dom beherbergt in jedem Teil auch eine eigene Orgel, die klanglich aufeinander abgestimmt sind. Die im evangelischen Teil ist eines der größten Werke der bedeutenden Werkstatt Eule Orgelbau Bautzen. Erbaut wurde das Instrument im Jahre 1910. Das Instrument hat pneumatische Taschenladen. Im katholischen Teil des Domes steht ein etwas kleineres Instrument (II/32) der Firma Kohl aus Bautzen.

„Evangelische“ Orgel[Bearbeiten]

Evangelische Orgel
I Hauptwerk C–c3
1. Prinzipal 16'
2. Gedeckt 16'
3. Fagott 16'
4. Prinzipal 8'
5. Gambe 8'
6. Gemshorn 8'
7. Dolce 8'
8. Soloflöte 8'
9. Rohrflöte 8'
10. Trompete 8'
11. Englisch Horn 8'
12. Oktave 4'
13. Fugara 4'
14. Konzertflöte 4'
15. Waldflöte 2'
16. Rauschquinte II 22/3'
17. Cornett III 4'
18. Mixtur III-IV 2'
II Schwellwerk 1 C–c3
19. Bordun 16'
20. Flötenprinzipal 8'
21. Violine 8'
22. Konzertflöte 8'
23. Quintatön 8'
24. Gedeckt 8'
25. Aeoline 8'
26. Vox coelestis 8'
27. Oboe 8'
28. Oktave 4'
29. Rohrflöte 4'
30. Gemshorn 4'
31. Quinte 22/3'
32. Oktave 2'
33. Terz 13/5'
34. Mixtur III 2'
III Schwellwerk 2 C–c3
35. Lieblich-Gedeckt 16'
36. Geigenprinzipal 8'
37. Fugara 8'
38. Hohlflöte 8'
39. Salicional 8'
40. Gedeckt 8'
41. Fernflöte 8'
42. Trompete 8'
43. Klarinette 8'
44. Prinzipal 4'
45. Viola 4'
46. Offenflöte 4'
47. Nasat 22/3'
48. Piccolo 2'
49. Mixtur II-III 2'
Tremulant (für Nr. 39)
Pedal C–f1
51. Untersatz 32'
52. Prinzipalbass 16'
53. Violonbass 16'
54. Subbass 16'
55. Gedecktbass 16'
56. Dolcebass 16'
57. Posaunenbass 16'
58. Oktavbass 8'
59. Violoncello 8'
60. Flötenbass 8'
61. Trompetenbass 8'
62. Oktavbass 4'
  • Koppeln (pneumatisch):
    • Normalkoppeln: II/I, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P
    • Superoktavkoppeln: II/I, III/II,
    • Suboktavkoppeln: II/I, III/II,
  • Spielhilfen: Feste Kombinationen (Piano, Mezzoforte, Choralwerk, Forte, Fortissimo, Tutti), Generalkoppeln (Nr. 69-72), Crescendowalze.

„Katholische“ Orgel[Bearbeiten]

Katholische Orgel
I Hauptwerk
1. Principal 16'
2. Octave 8'
3. Konzertflöte 8'
4. Gemshorn 8'
5. Gamba 8'
6. Octave 4'
7. Spitzflöte 4'
8. Quinte 22/3'
9. Octave 2'
10. Cornett III
11. Mixtur IV 11/3'
12. Trompete 8'
II Oberwerk
13. Quintade 16'
14. Principal 8'
15. Gedackt 8'
16. Salicional 8'
17. Dulciana 8'
18. Octave 4'
19. Rohrflöte 4'
20. Nasat 22/3'
21. Octave 2'
22. Superquinte 11/3'
23. Mixtur III 1'
Pedal
24. Untersatz 32'
25. Principalbass 16'
26. Subbass 16'
27. Violonbass 16'
28. Octavebass 8'
29. Gedacktbass 8'
30. Violoncello 8'
31. Octavebass 4'
32. Posaune 16'

Trivia[Bearbeiten]

Unter den Einwohnern der Stadt Bautzen besagt eine alte Regel, dass schlechtes Wetter aufzieht, wenn der Dom „orgelt“. Dem liegt zugrunde, dass aufgrund der Bauart des Kirchenturms durch stürmischeren Wind ein stetiges Windgeräusch erzeugt wird, das wie ein Heulen klingt und in der Stadt weithin hörbar ist. Da stürmische Winde oftmals zum Beginn von Unwettern auftreten, insbesondere Windböen Vorboten von Gewittern sind, wird das „Orgeln“ des Doms als Vorzeichen gesehen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Christine Seele, Siegfried Seifert, Jürgen Matschie: Bautzen und seine Kirchen. Ein kleiner ökumenischer Kirchenführer. Leipzig 1996, ISBN 3-7462-1118-2
  • Franz Schwarzbach: Geschichte der Kollegiatkirche und des Kollegiatstifts St. Petri zu Bautzen im Mittelalter. In: Neues Lausitzisches Magazin. Band 105, 1929.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dom St. Petri – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien