Limburger Dom

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Dom von Nordosten, halbrunder Chor mit Strebebögen
Dom über der Altstadt von Südwesten

Der Limburger Dom, nach seinem Schutzpatron St. Georg auch Georgsdom genannt, ist die Kathedralkirche des Bistums Limburg und thront oberhalb der Altstadt von Limburg an der Lahn neben der Burg Limburg. Die hohe Lage auf dem Kalkfelsen oberhalb der Lahn sorgt dafür, dass der Dom weithin sichtbar ist. Er hat sieben Türme, mehr als jede andere Kirche in Deutschland. Der Bau ist eine gelungene Verschmelzung romanischer und frühgotischer Baukunst, den frühgotischen Charakter beschrieb schon Georg Dehio 1911.[1] Diese Form der ersten Gotik heißt auch rheinischer Übergangsstil. Der Limburger Dom vertritt diesen nach Wilhelm Lübke „am glänzendsten“.[2]

Kirchliche Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 10. Februar 910 stellte der König Ludwig das Kind eine Schenkungsurkunde für die Gründung eines Chorherrenstifts aus, um die sich der damalige Gaugraf des Niederlahngaus, Konrad Kurzbold (≈ 885–948), bemüht hatte. Wohl kurz danach begann die Errichtung des direkten Vorgängerbaus der heutigen Kirche.

Im Zuge der Säkularisation wurde das Stift (wie zahlreiche weitere Klöster und Stifte) 1802 durch die Fürsten von Nassau-Usingen aufgehoben. Die Besitzergreifung und Aufhebung erfolgte im Vorgriff auf den Reichsdeputationshauptschluss, der dem Haus Nassau die Klöster als Ersatz für den Verlust der linksrheinischen Grafschaft Saarbrücken zuwies. Nach der Säkularisation wurde der Dom als Pfarrkirche genutzt. 1827 wurde anlässlich der Neuumschreibung der katholischen Diözesen in Deutschland nach dem Wiener Kongress das eigenständige Bistum Limburg gegründet. Dieses umfasste das Gebiet des Herzogtums Nassau und die freie Stadt Frankfurt. Sitz des Bischofs wurde Limburg. Die ehemalige Stiftskirche St. Georg wurde in den Rang einer Kathedrale erhoben.

Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tischgrab von Konrad Kurzbold, der die Stiftsgründung erwirkt hatte

Erste Vorgängerbauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wann die erste Kirche auf dem „Limburger Felsen“ über der Lahn gebaut wurde, lässt sich nicht mehr exakt ermitteln. Laut einer Nachricht im Nekrolog des Kastorstifts in Koblenz soll bereits Erzbischof Hetti von Trier (814–847) in „Lympurgensis“ dem heiligen Georg eine Kirche geweiht haben.

Für einen Kirchenbau des 9. Jahrhunderts sprechen allenfalls indirekt archäologisch ergrabene Bestattungen aus der Karolingerzeit unter der heutigen Kirche im Umfeld der Michaeliskapelle. Reste des Baus fehlen jedoch ebenso wie Hinweise auf genaue Lage und sein Patrozinium. Da die genannte Weihenachricht zudem erst im 16. Jahrhundert niedergeschrieben wurde, ist der Bau in seiner Gesamtheit in der Forschung umstritten.

Wohl bald nach der Gründung des Stiftes begann der Bau der Stiftskirche. Dafür spricht auch die Nennung des Patroziniums des heiligen Georg in einer Schenkungsurkunde Kaiser Ottos I. aus dem Jahr 940. Damals war die frühromanische Kirche sehr wahrscheinlich schon fertiggestellt.

Nach weiterer Auswertung der Grabungen des 20. Jahrhunderts, genauen Untersuchungen des Mauerwerks, soweit es nicht durch den zu drei Vierteln erhaltenen mittelalterlichen Innenputz unzugänglich ist, der genauen Auswertung der umfangreichen fotografischen Aufnahme von 1906 und sämtlicher schriftlicher Dokumente stellt sich die Baugeschichte deutlich anders dar als bislang angenommen:

Frühromanik und Frühgotik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundriss

Im 11. Jahrhundert wurde auf der felsigen Kuppe eine frühromanische Pfeilerbasilika errichtet. Das zugehörige Oratorium wurde einer dokumentierten, aber heute nicht mehr sichtbaren Inschrift zufolge 1058 geweiht. Im Domschatz gibt es Bleireliquiar aus dem 11. Jahrhundert in Form eines schematischen Kirchenmodells mit einer Inschrift, die einen Grafen Heinrich als Gründer und Erbauer des neuen „templum“ würdigt.

1884 von Südwesten, mit den 1863 ausgeführten kleinen Südtürmen

Diese Basilika hatte schon die gleiche Ausdehnung wie die heutige, und große Teile der Außenmauern, von den Westtürmen bis zum den Ostkapellen an den Querhausarmen, stammen bis in Höhe des Emporengeschosses von ihr. Die Kapellen am Querhaus sind die Stümpfe abgebrochener Chortürme. Nur der Chorumgang wure beim frühgotischen Umbau neu errichtet. Untere Teile der alten Chorwand mit steinernen Wandbänken sind unter den Arkaden des Hochchors erhalten.

Wie dendrochronologische Befunde zeigen, begann vor 1190 dann der Umbau, dem der Limburger Dom seine heutige Gestalt verdankt. Das sind nur etwa zehn Jahre Zeitverzug gegenüber dem Baubeginn der Kathedrale von Laon, die man sich bei der Gestaltung des Innenraums der Limburger Emporenbasilika zum Vorbild nahm.

Die alten Außenmauern wurden mit neuen, gotischen, Fensteröffnungen versehen. In den Westtürmen zeigen Bearbeitungsspuren, dass man die eine oder andere Fenservergrößerung wegen statischer Probleme abgebrochen hat. Die asymmetrische Lage des heutigen Westportals wird als Kompromiss bei der Verbreiterung des vorherigen, romanischen, Eingangs gedeutet. Auch die Abstützung neuer Gewölbe an den alten Mauern erforderte Kompromisse, die Kreuzrippengewölbe von Chorumgang und Chorempore weisen Unregelmäßigkeiten auf, die man bei Neubauten jener Zeit so nicht findet. Ähnlich ist es mit den schief eingebauten Strebebögen des Langhauses.

Westfassade

Schon 1230 war der Bau weitgehend fertiggestellt. Die Weihe vollzog 1235 der Trierer Erzbischof Theoderich von Wied. Kirchenheilige waren St. Georg und Nikolaus von Myra. Als Träger des Umbaus ist zunächst das Chorherrenstift anzusehen. Allerdings dürften auch Limburger Kaufleute dürften einen erheblichen Beitrag zum Bau geleistet haben.

Veränderungen nach dem 13. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die felsige Hügelkuppe war im 13. Jahrhundert nor etwas geräumiger als heute. Immer wieder kam es zu Felsabbrüchen, bei denen, zuletzt 1770 manchmal auch ganze Gebäude in die Tiefe stürzten.

Die Ecktürme der Querhäuser werden als Ausdruck einer Planänderung angesehen. Ausgeführt wurden im 13. Jahrhundert nur die beiden nördlichen, erst 1863 die beiden südlichen.

Zehn Jahre später, bei der Restaurierung der 1870er Jahre, wurde das an das nördliche Seitenschiff angebaute Kapitelhaus abgerissen. Die nun neu freiliegende Außenwand wurde, abweichend vom gotischen Umbau des frühen 13. Jahrhunderts, neoromanisch gestaltet. Bei derselben Restaurierung wurde jeder Außenputz abgeschlagen. Das zutage tretende Mauerwerk war sehr uneinheitlich, da im 13. Jahrhundert hier kein Sichtmauerwerk vorgesehen war. Schon bald begannen die Mauern, Schaden zu nehmen. 1906 erfolgte eine ausführliche fotografische Erfassung des Gemäuers, die baugeschichtlich wichtige Details des Mauerwerks erkennen lassen, die infolge der fortschreitenden Verwitterung später nicht mehr zu erkennen waren. Ab etwa 1930 wurde eine Wiederverputzung erwogen und an einzelnen Stellen erprobt. Die konsequente Neuverputzung und die Farbgebung nach mittelalterlichem Vorbild erhielt der Dom erst 1968–1972.

Der Dom ist ein Kulturdenkmal aufgrund des Hessischen Denkmalschutzgesetzes.[3]

Rosenfenster mit robuster Unterteilung; in den Ecken Symbole und Köpfe der vier Evangelisten

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baukörper[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Patron St. Georg auf dem Westgiebel
Langhaus von Süden, mit einem Strebebogen

Der Dom ist eine dreischiffige Basilika, die romanische und frühgotische Elemente verbindet. Er verfügt über eine westliche Vorhalle und einen halbrunden Chor mit Chorumgang. Die äußeren Ausmaße muten mit 54,5 Metern Länge und 35,4 Metern Breite eher bescheiden an. Der Baukörper ist reich gegliedert; aus ihm wachsen sieben Türme heraus. Die Sieben steht für die Anzahl der Sakramente. Die größten dieser Türme ragen mit 37 Metern Höhe an der Westseite empor und bilden die markante Doppelturmfassade. Solche Doppelturmfassaden findet man im Rheinland oft, beispielsweise in Xanten, Andernach oder Koblenz. Der spitze Vierungsturm überragt mit einer Höhe von 66 Metern alle anderen Türme und bildet die Mitte des Baukörpers. Diese Höhe erhielt er nach einem Blitzeinschlag 1774, als der Turm um 6,5 Meter erhöht wurde. Die Ecktürme am südlichen Querhaus wurden 1863 errichtet.

Fassaden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rippengewölbe von Mittelschiff und Vierungskuppel

Die Westfront ist fünfgeschossig gegliedert. Das Westportal mit seinem mehrstufigen Gewände erweist sich bei genauer Betrachtung schon als spitzbogig. Die Erdgeschossfenster zu beiden Seiten habe noch schlichte romanische Rundbögen. Die Rosette zwei Geschosse oberhalb des Portals und besteht aus einem zentralen und drei kleineren Rundfenstern. verglichen mit etwa zeitgleichen Rosenfenstern an der Kathedrale von Laon und am Bremer Dom (dort auf dem Stadtsiegel von 1230 dargestellt), die schon mit Maßwerk gegliedert waren, ist sie vergleichsweise einfach konstruiert. Trotz der vorhandenen Symmetrie der Doppeltürme finden sich reichhaltige Variationen an Formen und Bauelementen, wie z. B. Rund- und Spitzbogenfriese, Lisenen, Säulchen, Archivolten, Fenster und Blendbögen. Die beiden Obergeschosse des Südturms haben frühgotische Fenster, am Nordturm hat das untere Obergeschoss romanische Fenster, das obere ausgereift gotische mit Maßwerk.

Die heutige Farbgebung der Ende der 1960er Jahre erneut verputzten Fassaden orientiert sich an Farbspuren aus der Zeit vor 1872.

Kirchenraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Mittelschiff der Emporenbasilika hat mit den Triforien über den Arkaden der Emporen und unter den Obergaden einen gotischen Aufbau. Auch seine sechsteiligen Kreuzrippengewölbe sind gotisch. Bei den Gewölben über den Seitenschiffen (unter den Emporen) und den Gewölben über den Emporen gibt es einen Unterschied zwischen Langhaus und Chor: Die Seitenbereiche des Langhauses haben, abweichend vom Vorbild in Laon, rundbogige Kreuzgratgewölbe nach romanischer Art, Chorumgang und Chorempore hingegen spitzbogige Rippengewölbe in gotischem Stil.

Die Pfeiler an den Ecken der Doppeljoche haben noch romanische Querschnitte aus einem quadratischen Kern mit vorgesetzten Halbsäulen. Ganz ausgereift gotisch sind allerdings auch die Pfeiler des Vorbilds in Laon nicht. Die Gestaltung der Kapitelle schwankt zwischen mehr romanischen und mehr gotischen Formen.

Die Innenwände von St. Georg in Limburg haben zu drei Vierteln noch ihren mittelalterlichen Putz und sind zu großen Teilen mit frühgotischen Fresken bedeckt. Wenige der Gemälde sind spätgotisch oder jünger.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Domorgel von Klais (1978) unter der Westrosette
viermanualiger Spieltisch

Bereits 1331 ist das Orgelspiel mehrfach dokumentiert;[4] im Jahr 1443 sind zwei Orgeln bezeugt.[5] Nach mehreren Reparaturen im 16. und 17. Jahrhundert wurde die Hauptorgel 1749 abgebrochen und der berühmte Johann Christian Köhler schuf ein neues Werk (1750–1752). Die Gebrüder Keller aus Limburg ersetzten 1872 bis 1877 das barocke Gehäuse durch ein neuromanisches, behielten die Register von Köhler aber weitgehend bei. Durch Johannes Klais erfolgte 1912 ein fast vollständiger Neubau hinter dem neoromanischen Prospekt, 1935 ein eingreifender Umbau und 1960 eine Erweiterung durch denselben Orgelbauer im Stil des Neobarock.[6] Die heutige Domorgel wurde 1978 von Klais auf der Westempore hinter einem modernen Orgelprospekt erbaut. Zwei Register von 1912 wurden im Hauptwerk beibehalten (Wienerflöte 8′ und Hohlflöte 4′). Das Instrument verfügt über 60 Register auf vier Manualen und Pedal. Die Spieltrakturen sind mechanisch, die Registertrakturen elektrisch.[7]

I Oberwerk C–a3
1. Praestant 8′
2. Holzgedackt 8′
3. Quintade 8′
4. Principal 4′
5. Rohrflöte 4′
6. Octave 2′
7. Larigot 113
8. Sesquialter II 223
9. Scharff IV 1′
10. Cor anglais 16′
11. Cromorne 8′
Tremulant
II Hauptwerk C–a3
12. Praestant 16′
13. Principal 8′
14. Wienerflöte 8′
15. Spitzgamba 8′
16. Bifaria 8′
17. Octave 4′
18. Hohlflöte 4′
19. Quinte 223
20. Superoctave 2′
21. Cornet V 8′
22. Mixtur V 2′
23. Cymbel III 13
24. Trompete 8′
III Schwellwerk C–a3
25. Rohrbourdon 16′
26. Holzprincipal 8′
27. Trichtergedackt 8′
28. Salicional 8′
29. Vox coelestis 8′
30. Octavflöte 4′
31. Viola 4′
32. Waldflöte 2′
33. Fourniture V 223
34. Basson 16′
35. Trompette 8′
36. Hautbois 8′
37. Clairon harmonique 4′
Tremulant
IV Positiv C–a3
38. Rohrflöte 8′
39. Praestant 4′
40. Blockflöte 4′
41. Nasard 223
42. Principal 2′
43. Flageolet 2′
44. Terz 135
45. Sifflet 1′
46. Acuta III 12
47. Bärpfeife 8′
Tremulant
Pedal C–g1
48. Untersatz 32′
49. Principal 16′
50. Subbass 16′
51. Octave 8′
52. Spielflöte 8′
53. Quinte 513
54. Superoctave 4′
55. Trichterflöte 4′
56. Rohrgedackt 2′
57. Hintersatz V 4′
58. Posaune 16′
59. Holztrompete 8′
60. Schalmey 4′

Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zum Jahre 1907 verfügte der Dom über einen Bestand von neun Glocken. Auf dem Nordturm war das kleine, vierstimmige Geläut untergebracht, das aus den Jahren 1722, dem heiligen Joseph geweiht, 1838, 1840, der Gottesmutter geweiht, und einer undatierten Glocke bestand. Auf dem Südturm befanden sich die Uhrglocke von 1447, sowie das vierstimmige große Geläut. Die älteste Glocke aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts wird Sturmglocke, kurz Sterm, genannt, und hat einen Durchmesser von 1,03 Metern. Die große Glocke, Elfuhrglocke genannt, der Gottesmutter geweiht, wurde von Jacob de Grimm gegossen bei einem Durchmesser von etwa 1,21 Metern. Er goss auch die sogenannte Siebenuhrglocke und den Evangelisten geweihte Glocke von 1,04 Metern Durchmesser. Aus dem Jahre 1418 stammte die dem heiligen Georg geweihte Achtuhrglocke mit einem Durchmesser von rund 1,03 Metern.[8]

In den Jahren 1906/07 sollte das Geläut eine grundlegende Veränderung erfahren, um zum einen den musikalischen Vorstellungen der Zeit und zum anderen den liturgischen Erfordernissen einer Domkirche zu entsprechen. Die Achtuhrglocke und die beiden Grimm-Glocken kamen nach Siershahn; letztgenannte sind dort erhalten geblieben, wie auch die Marienglocke von 1840, die nach Kemel gelangte. Die alte Sturmglocke stellte man im Diözesanmuseum ab. Schließlich sollten alle Glocken mit ihren als „vollständig mißrathen“[9] empfundenen Klangbildern aus den Domtürmen verbannt sein. Die Glockengießerei Carl Edelbrock schuf ein Großgeläut aus sechs Glocken mit einem Gesamtgewicht von über elf Tonnen, das im Südturm aufgehängt wurde. Die Glocken trugen die Namen Georg, Salvator, Maria, Joseph, Nikolaus und Bernhard. Die im Jahre 1920 an das Kloster Arnstein abgegebene Uhrglocke wurde 1926 wieder zurückgebracht und in ihrer Bestimmung als Schlagglocke im obersten Fenster des Südturmdaches aufgehängt. Während im Ersten Weltkrieg das Geläut von der Ablieferung zurückgestellt wurde, blieben im Zweiten Weltkrieg nur die große St.-Georgs-Glocke (1,91 Meter Durchmesser) und die kleine St.-Bernhards-Glocke (0,91 Meter Durchmesser) verschont. Die entstandene Lücke wurde 1949 von der gleichen Gießerei Petit & Gebr. Edelbrock wieder aufgefüllt und diesmal um eine zusätzliche Glocke erweitert. Seit 1986 hängt die Sturmglocke im verbliebenen Glockenstuhl des Nordturms zusammen mit der Uhrglocke, die dafür erstmals läutbar gemacht wurde.[8]

Die Uhrglocke wurde zur Taufglocke und läutet bei jedem Taufgottesdienst während der Taufhandlung vom Übergießen mit Wasser bis zum Empfang des Lichtes Christi. Außerdem ist sie Bestandteil von Teilgeläuten in der Weihnachtszeit sowie bei der Erstkommunion. Die Sturmglocke läutet zu den Karmessen in der Heiligen Woche sowie zu den Laudes am Gründonnerstag. Das volle Geläut aller neun Glocken erklingt ausschließlich vor und nach dem Pontifikalamt am Ostersonntag. Das große siebenstimmige Plenum der Südturmglocken ist für die Hochfeste Weihnachten, Epiphanie, das Gloria an Gründonnerstag und in der Osternacht, für Pfingsten und das Georgsfest, für das Domkirchweihfest und die Weihegottesdienste bestimmt.[10]

Nr.
 
Name
 
Gussjahr
 
Gießer,
Gussort
Durchmesser
(mm, ca.)
Gewicht
(kg)
Schlagton
(a1=435 Hz)
Läutedienst
(Bsp.)[10]
1 Georg 1906 Petit & Gebr.
Edelbrock,
Gescher
1.910 4.466 a0 ±016 Vorläuten und hl. Wandlung Hochfest
2 Salvator 1949 1.600 2.534 c1216 Sterbestunde Christi (freitags, 15 Uhr)
3 Maria 1.410 1.734 d1116 Angelusläuten 18 Uhr
4 Josef 1.240 1.137 e1216 Vorläuten Josefsfest
5 Konrad Kurzbold 1.170 998 f1216 Angelusläuten 7, 12 Uhr
6 Nikolaus 1.030 648 g1216 Priesterdonnerstag
7 Bernhard 1906 910 468 a1 +116
8 Sturmglocke, Sterm 1. H. 13. Jh. anonym 1.031 ca. 570 g1 ±216 Wochentag Karwoche
9 ehem. Uhrglocke 1447 673 ca. 260 dis2716 Taufhandlung

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1000-DM-Schein (1964–1992)
750 Jahre Limburger Dom: Sonderbriefmarke von 1985

Der Limburger Dom war auf der Rückseite des 1000-DM-Scheins der dritten Serie abgebildet. Die Scheine mit dem Limburger Motiv wurden ab Ende Juli 1964 ausgegeben und ab 1992 durch die 1000-DM-Scheine der vierten (und letzten) Serie ersetzt.

Die Deutsche Bundespost gab am 7. Mai 1985 aus Anlass des Jubiläums 750 Jahre Limburger Dom eine 60-Pfennig-Sonderbriefmarke mit einer Auflage von 28,8 Millionen Stück heraus. 1989 wurde sie vom Weltpostverein als „Die schönste Briefmarke der Welt“ bezeichnet.

Gemeinsam mit der Alten Lahnbrücke in Limburg ist der Dom das bekannteste Limburger Fotomotiv.

Im Rahmen einer Abstimmung des Hessischen Rundfunks wurde der Limburger Dom im Jahr 2011 zur schönsten Kirche Hessens gewählt.[11][12]

Wissenswert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nordwestlich des Doms, an der Michaelskapelle, liegt der Domherrenfriedhof,[13] ebenfalls ein Kulturdenkmal.[14]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Matthias Theodor Kloft: Dom und Domschatz in Limburg an der Lahn. Verlag Langewiesche, Königstein im Taunus 2016 (= Die Blauen Bücher), ISBN 978-3-7845-4826-5.
  • Matthias Theodor Kloft: Limburg an der Lahn – Der Dom, Verlag Schnell und Steiner, 19., neu bearbeitete Auflage 2015, ISBN 978-3-7954-4365-8
  • Georg Ulrich Großmann: Mittel- und Südhessen: Lahntal, Taunus, Rheingau, Wetterau, Frankfurt und Maintal, Kinzig, Vogelsberg, Rhön, Bergstraße und Odenwald. DuMont, Köln 1995, ISBN 3-7701-2957-1 (= DuMont Kunst-Reiseführer), S. 66–69.
  • Walter Lutz: Zur Geschichte der Kirchenmusik am Dom zu Limburg von den Anfängen bis zur Gegenwart. Schott, Mainz 1986, ISBN 3-7957-1328-5 (Beiträge zur mittelrheinischen Musikgeschichte 27).
  • Wolfgang Metternich: Der Dom zu Limburg an der Lahn. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1994, ISBN 3-534-01579-7.
  • Wolfram Nicol (Hrsg.): Der Dom zu Limburg. Gesellschaft für Mittelrheinische Kirchengeschichte, Mainz 1985 (online).
  • Rainer-Josef Zensen: Der Dom St. Georg zu Limburg an der Lahn. In: Nassauische Annalen. Band 110, Verlag des Vereines für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung, Wiesbaden 1999, ISSN 0077-2887.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Limburger Dom – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dehio, Georg, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler (Band 4): Südwestdeutschland — Berlin, 1911 (als Digitalisat der Universität Heidelberg), Seite 214/215: „… Für die in Deutschland so kurze Epoche der ersten Gotik, der es zudem noch selten vergönnt war, ein Ganzes durchzuführen, ist S. Georg in Limburg ein Denkmal von einzigartigem Wert.
  2. Wilhelm Lübke: Die Kunst des Mittelalters, S. 164, abgerufen am 29. August 2014
  3. Dom in denkxweb: Limburg-Weilburg, Limburg, Domplatz 2: Ehem. Stifts- und Pfarrkirche St. Georg und Nikolaus, seit 1827 Dom- und Pfarrkirche der Diözese Limburg, Flur: 28, Flurstück: 21.
  4. Die Orgeln des Limburger Doms, Hermann J. Busch, Bischöfliches Ordinariat Pfingsten 1978, Seite 15
  5. Franz Bösken: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Bd. 2: Das Gebiet des ehemaligen Regierungsbezirks Wiesbaden. Teil 2 (L–Z). Schott, Mainz 1975, ISBN 3-7957-1370-6, S. 552 f. (Beiträge zur Mittelrheinischen Musikgeschichte 7,2).
  6. Limburger Domsingknaben, Jahresbericht 2012, S. 61 (PDF-Datei; 3,53 MB), abgerufen am 16. November 2014.
  7. Disposition der Klais-Orgel, abgerufen am 16. November 2014.
  8. a b Hubert Foersch: Limburger Glockenbuch – Glocken und Geläute im Bistum Limburg. Verlag des Bischöflichen Ordinariates, Limburg 1997, S. 557–562.
  9. Hubert Foersch: Limburger Glockenbuch – Glocken und Geläute im Bistum Limburg. Verlag des Bischöflichen Ordinariates, Limburg 1997, S. 560.
  10. a b Läuteordnung des Limburger Domes (Memento vom 10. Oktober 2007 im Internet Archive)
  11. Limburger Dom ist für hr-Zuschauer schönste Kirche, Bild.de, 22. April 2011, abgerufen am 3. März 2013.
  12. Limburger Dom laut HR-Abstimmung Hessens schönste Kirche, themenportal.de, 22. April 2011, abgerufen am 21. Dezember 2015.
  13. Horst Becker: Der Limburger Domherrenfriedhof. Die Restaurierung und Neugestaltung durch Armin Henne: Ein Beitrag zur Gartendenkmalpflege. In: Die Gartenkunst 8 (2/1996), S. 228–241.
  14. Friedhof in denkxweb: Limburg-Weilburg, Limburg, Domplatz 1, Domplatz, Steiger, Am Dom: Ehem. Friedhof mit Karnerkapelle St. Michael, Flur: 28, Flurstück: 13/1, 14, 22, 49/15, 50/15.

Koordinaten: 50° 23′ 20″ N, 8° 4′ 0″ O