Donald Ewen Cameron

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Donald Ewen Cameron

Donald Ewen Cameron (* 24. Dezember 1901 in Bridge of Allan, Perthshire, Vereinigtes Königreich; † 8. September 1967 in Lake Placid, New York, Vereinigte Staaten[1]) war ein schottisch-amerikanischer Psychiater, der zuletzt vor allem in Kanada arbeitete. Er ist vor allem durch seine Arbeiten im Bereich der Bewusstseinskontrolle für die CIA bekannt geworden.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cameron graduierte 1924 an der Universität Glasgow. 1942 ging er in die USA, lebte und arbeitete in Albany (New York).

In der ersten Hälfte der 1940er arbeitete er für das Office of Strategic Services. Er entwickelte Depatterning Treatment (Aufhebung sozialer Verhaltensmuster) und Psychic driving (soziale und sensorische Deprivation), für das sich die CIA interessierte.

1943 gründete Cameron an der McGill University in Montreal (Kanada) das Allan Memorial Institute, das er zu einem weltweit anerkannten psychiatrischen Forschungszentrum entwickelte. 1945 begutachtete er den Nationalsozialisten Rudolf Heß während der Nürnberger Prozesse psychiatrisch.

Mitte der 1950er wurde Dr. Cameron Professor für Psychiatrie der McGill University, leitender Psychiater des Royal Victoria Hospitals und Direktor des Allain Memorial Institutes. 1952/53 war er Präsident der American Psychiatric Association. Ferner wurde er zum Präsidenten des Psychiatrieverbandes von Quebec und Kanada, der World Psychiatric Association (1961–1966), der Gesellschaft für Biologische Psychiatrie und des Amerikanischen Psychopathologischen Verbandes gewählt.

Von 1957 bis 1964 beteiligte er sich am CIA-Projekt MKULTRA zur Bewusstseinskontrolle. Seine Behandlungsexperimente wurden an Zivilpersonen, ohne deren Wissen und Einverständnis, in seiner Klinik durchgeführt.[2]

1956/57 begab sich Val Orlikow, die Frau des kanadischen Parlamentsmitglieds David Orlikow, wegen Depressionen zu ihm in Behandlung. An ihr, wie auch an hunderten weiteren Patienten mit geringfügigen Problemen, machte er seine Driving-Experimente mit LSD, Schlaftherapie und Elektroschocks. Als Val Orlikow das Allain Memorial wieder verließ, hatte sie den Verstand eines Kleinkinds und keine Erinnerung mehr an ihren Ehemann und ihre Kinder. Erst zehn Jahre nach Camerons Tod, nachdem die Orlikows von einer Kongressanhörung zu den CIA-Gehirnwäsche-Experimenten lasen, gelang es ihnen, diese „Behandlungen“ aufzudecken.

Eine weitere Patientin war Linda McDonald. Im Jahre 1962, nach der fünften Schwangerschaft, bekam sie postnatale Depressionen. Innerhalb von drei Wochen in seiner Klinik diagnostizierte Cameron, dass sie unter akuter Schizophrenie litt. Er behandelte sie innerhalb von vier Monaten mit 102 Elektroschocks, 6 Joule Elektrizität pro Behandlung, und setzte sie für 86 Tage in ein künstliches Koma. Dies löschte ihr Gedächtnis auf Kleinkindniveau, sie musste wieder lernen auf die Toilette zu gehen. Sie hatte keine Erinnerungen mehr an ihr früheres Leben, bei der Rückkehr erkannte sie ihre eigene Familie nicht mehr.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Martin A. Lee & Bruce Shlain: Acid Dreams. The Complete Social History of LSD: The CIA, The Sixties, and Beyond. With an introduction by Andrei Codrescu, New York: 1992. ISBN 978-0-8021-3062-4

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Obituary Notices. In: British Medical Journal. 3, Nr. 5568, 23. September 1967, S. 803–804. PMC: 1843238 (freier Volltext).
  2. Martin A. Lee & Bruce Shlain, Acid Dreams, S. 23–25, 188.