Dorfkirche Pankow

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Alte Pfarrkirche „Zu den Vier Evangelisten“

Die Evangelische Dorfkirche Pankow, heute Alte Pfarrkirche „Zu den Vier Evangelisten“ genannt, liegt im Berliner Bezirk Pankow. Sie entstand als Dorfkirche für Pankow am Ostende des Angers in der „Breiten Straße“.

Siedlungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf Pankow wurde um 1230 als Angerdorf gegründet, auf dessen Anger der Vorgängerbau der späteren Feldsteinkirche stand; mit größter Wahrscheinlichkeit war er aus Holz gebaut. Im Landbuch Karls IV. von 1375 wurde ein Pfarrer erwähnt, dem vier Pfarrhufen zur Verfügung standen. Das Kirchenpatronat lag je zur Hälfte bei den Brüdern Kerstian und Hans Duseke sowie bei dem Berliner Ratsbürger Wardenberg; sein Anteil gehörte dem Rat von Berlin. Im Jahre 1459 wurde es als Kirchdorf erwähnt, das zur Sedes Spandau gehörte. Die Kirche war von 1541 bis 1896 Mutterkirche von Niederschönhausen. Für das Jahr 1541 war im Kirchenvisitationsprotokoll anlässlich der Einführung der Reformation in Brandenburg durch Kurfürst Joachim II. die Zahl von 80 Kommunikanten genannt.

Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dorfkirche Pankow im Jahr 1834, also vor dem großen Umbau von 1857 bis 1859
Die Dorfkirche Pankow mit dem großen westlichen Erweiterungsbau von 1857 bis 1859, davor die Vorhalle voraus dem Jahr 1908

Der Kirchenbau besteht aus zwei völlig verschiedenen Bauteilen: die ursprüngliche rechteckige Saalkirche aus Feldstein, heute als Chor des Erweiterungsbaus genutzt, und der dreischiffigen Erweiterung aus Backstein nach Westen von 1858/59.

Pankow wurde um 1230 gegründet und erhielt so schnell wie möglich auf dem Dorfanger eine Kirche aus Holz. Zu dieser Kirche gehörten 1375 vier Pfarrhufen. Dieser Ursprungsbau wurde im 15. Jahrhundert durch eine Saalkirche aus Feldsteinmauerwerk ersetzt. Die Feldsteine sind nur minimal behauen, sodass sie nicht in Schichten verlegt werden konnten. Alle Fenster sind mit Backstein gerahmt. Mit einer Ausnahme, dem mittleren Fenster der Chorwand, sind sie alle später im 19. Jahrhundert neugotisch erweitert worden. Der Ziergiebel der Ostseite ist jedoch ursprünglich, mit drei spitzbogigen gepaarten Blenden und sieben Fialen.

Im Jahr 1737 wurde über dem Westteil des Ursprungsbau ein Dachturm aus Fachwerk mit einem hölzernen Laternenaufbau errichtet, der auf einer alten Abbildung von 1797 zu erkennen ist. Er blieb aber nur bis 1832 erhalten. Bereits zwanzig Jahre zuvor musste der Laternenaufbau wegen Baufälligkeit rückgebaut werden. 1832 nahm Karl Wilhelm Redtel mit Unterstützung von Karl Friedrich Schinkel einen Umbau vor. Die ursprünglichen Seiteneingänge wurden vermauert und die Fenster durch Stichbogenfenster vergrößert, wie sie die Zeichnung Wohlers von 1834 zeigt. Friedrich August Stüler erweiterte die Kirche 1857 bis 1859 in Backstein durch das heutige westliche dreischiffige Hallenlanghaus mit zwei seitlichen, achteckigen Chorflankentürmen für die Glocken. Die Kirche erhielt ihre heutligen Namen Zu den Vier Evangelisten.

Zwischen 1905 und 1908 wurde der Anbau der Vorhalle an der Westseite mit zwei Gemeinderäumen errichtet. 1928 und 1935 erfolgte eine Instandsetzung und Umbau an Dach und Heizung. Im Zweiten Weltkrieg war die Kirche von größeren Zerstörungen betroffen. Die Türme wurden bis zum Traufgesims abgetragen und erst 1953 in der ursprünglichen Form wieder hergestellt. Die Glockenstube wurde höher gelegt, die Schieferhelme sind allerdings etwas niedriger wieder aufgebaut worden. 1959 wurden die beiden farbigen, von Inge Pape geschaffenen Glasfenster Vier Evangelisten an der Ostseite eingebaut. 1971/1972 erfolgte eine umfangreiche Veränderung der Innenausstattung (u. a. Neugestaltung des Altartischs und des Altarkreuzes), die Leuchter und das Bibelpult. Außerdem wurde die im 19. Jahrhundert gebaute Orgel und ihr Prospekt (Stüler und Sauer) umgebaut. Am 10. Dezember 1972 wurde die Orgel (Fa. Jehmlich, Dresden) eingeweiht, die zuvor in der Kirche Brandenburg-Görden anlässlich der Brandenburger Orgeltage erbaut wurde, dann aber dort nicht mehr genutzt werden konnte.

Im September 1977 wurde das Gebäude zum Denkmal erklärt. 1977 bis 1979 musste das Dach erneuert und der Dachstuhl saniert werden. 1980 wurde das 750-jährige Jubiläum der Evangelischen Kirchengemeinde Alt-Pankow gefeiert (nach einem sehr fraglichen Baudatum von 1230). 1982 bis 1983 fand eine Innenrenovierung der Kirche statt. 1992 wurde eine neue dezentrale Luftheizung eingebaut. 1994 wurde das Dach des Stülerbaus und die Vorsäle erneuert. Zwischen 1996 und 1999 wurden denkmalgemäße Dachdecker- und Maurerarbeiten durchgeführt, darunter:

  • Neudeckung des Mittelteils mit Einschlupfsteinen für Fledermäuse
  • Abriss der störenden Schornsteine aus den 1930er Jahren
  • Instandsetzung des Mauerwerks der Stülerschen Giebel mit Korrektur der Giebelschrägen (Originalzustand)
  • Wiederaufsetzen des neu vergoldeten Kreuzes und der restaurierten Kreuzblumen.

Im Jahr 2000 wurden die Turmhelme neu eingedeckt und die Turmhelmstühle saniert.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ursprungsbau ist innen flachgedeckt, der östliche Abschnitt ist als Chorjoch betont und ist von einem Sterngewölbe (Vierrautenstern) überwölbt. Der Erweiterungsbau besitzt eine Flachdecke und Emporen auf drei Seiten. Die Kanzel und Taufe in neugotischen Formen stammen von 1860. Unter der Empore befindet sich das „Coventrykreuz“ von 1964. Altarkreuzes, die Leuchter und das Bibelpult wurden 1972 von Herbert Reinhold geschaffen. An der südlichen Außenwand des Chors ist ein gusseisernes Grabmal des Schauspielers J. Heinrich Schmelke (1777–1837) angebracht worden. In der Ostseite befinden sich die 1959 von Inge Pape geschaffenen Glasfenster der Vier Evangelisten.

Gesellschaftliche Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1981 bildete sich der Friedenskreis Pankow, der friedlich gegen das Wettrüsten von Ost und West sowie Umweltzerstörung protestierte. Die Gruppe wurde vom Ministerium für Staatssicherheit als oppositionell eingestuft und mit Zersetzungsmaßnahmen bekämpft.[1]

Literatur (chronologisch)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Berliner Kaleidoskop. Band 3: Kurt Pomplun: Berlins alte Dorfkirchen. Haude & Spener, Berlin 1962. (6. Aufl. 1984, ISBN 3-7759-0261-9)
  • Renate und Ernst Oskar Petras (Hrsg.): Alte Berliner Dorfkirchen. Die Zeichnungen Heinrich Wohlers. Mit einer Einführung und erläuternden Texten. Evangelische Verlagsanstalt Berlin, Berlin 1988, ISBN 3-374-00543-8, S. 56 f.
  • Georg Dehio (Bearbeiter: Sibylle Badstübner-Gröger, Michael Boll, Ralph Paschke u. a.): Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler Berlin. Deutscher Kunstverlag, 1994, ISBN 3-422-03038-7.
  • Markus Cante: Kirchen bis 1618. In: Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin (Hrsg.): Berlin und seine Bauten. Teil VI: Sakralbauten. Berlin 1997, ISBN 3-433-01016-1, S. 347 und 365.
  • Matthias Friske: Die mittelalterlichen Kirchen auf dem Barnim. Geschichte – Architektur – Ausstattung. Lukas-Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-931836-67-3. (Kirchen im ländlichen Raum, Bd. 1)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Alte Pfarrkirche Pankow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Siehe dazu Marianne Subklew-Jeutner: Der Pankower Friedenskreis – Geschichte einer Ost-Berliner Gruppe innerhalb der Evangelischen Kirchen in der DDR 1981–1989. Der Andere Verlag, Osnabrück 2004, ISBN 3-89959-145-3, S. 297–301, auch: Jugendopposition in der DDR: Friedenskreis Pankow

Koordinaten: 52° 34′ 14″ N, 13° 24′ 31″ O