Dravograd

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Dravograd
Unterdrauburg
Wappen von Dravograd Karte von Slowenien, Position von Dravograd hervorgehoben
Basisdaten
Staat Slowenien
Historische Region Koroška und Spodnja Štajerska
Statistische Region Koroška (Slowenisch-Kärnten)
Koordinaten 46° 35′ N, 15° 1′ OKoordinaten: 46° 35′ 24″ N, 15° 1′ 22″ O
Fläche 105 km²
Einwohner 8.856 (1. Januar 2017[1])
Bevölkerungsdichte 84 Einwohner je km²
Postleitzahl 2370
Kfz-Kennzeichen SG
Struktur und Verwaltung
Bürgermeister: Marijana Cigala
Postanschrift Trg 4. julija 7
2370 Dravograd
Webpräsenz
Panorama von Dravograd.

Dravograd (deutsch: Unterdrauburg) ist eine Kleinstadt und Gemeinde in Slowenien, die zur statistischen Region Koroška zählt.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dravograd liegt am Kreuzungspunkt drei wichtiger slowenischer Flüsse: Die von Süden strömende Mislinja (Missling) vereint sich mit der von Südwesten kommenden Meža (Mieß), die wiederum etwa einen Kilometer danach in die Drau (Drava) mündet. Daneben gehören noch die südlichen Ausläufer der Koralpe (Golica), das westliche Ende des Pohorje (Bacherngebirge) und östliche Teile der Karawanken (Karavanke) zur Kommune.

Das Gemeindegebiet umfasst Teile von zwei historischen Regionen, und zwar von Koroška (Unterkärnten) und von Spodnja Štajerska (Untersteiermark). Die letztgültige Grenze verlief von Norden einem Höhenrücken der Koralpe zwischen den Dörfern Kozji Vrh (gehörte zu Koroška) und Vrata (zu Spodnja Štajerska) folgend, bis zur Drau. Von dort folgte sie dem Flusslauf nach Westen bis zur Einmündung der Meža und anschließend dem eben genannten Fluss entlang bis zur heutigen Gemeindegrenze. Die nördliche und westliche Hälfte der heutigen Gemeinde inklusive des Hauptortes zählten somit zu Koroška, die südliche und östliche Hälfte zur Spodnja Štajerska[2].

Die nächsten größeren Städte sind Slovenj Gradec etwa 10 km südlich, Maribor etwa 47 km östlich und Klagenfurt in Österreich ca. 55 km westlich. Außerdem ist der Ort Sitz der Verwaltungseinheit Dravograd (slow.: Upravna enota Dravograd), die jedoch lediglich Dravograd selbst umfasst.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde umfasst 25 Ortschaften. Die deutschen Exonyme in den Klammern wurden bis zum Abtreten des Gebietes an das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen im Jahr 1918 vorwiegend von der deutschsprachigen Bevölkerung verwendet und sind heutzutage größtenteils unüblich[3]. (Einwohnerzahlen Stand 1. Januar 2017[4]):

  • Bukovje (Buchenstein), 63
  • Bukovska vas (Buchdorf), 362
  • Črneče (Tscherberg), 647
  • Črneška Gora (Berg ob Tscherberg), 52
  • Dobrova pri Dravogradu (Dobrava), 158
  • Dravograd (Unterdrauburg), 3.134
  • Gorče, 134
  • Goriški Vrh (Gorizenberg), 253
  • Kozji Vrh nad Dravogradom (Gaisberg), 90
  • Libeliče1 (Leifling), 196
  • Libeliška Gora1 (Berg ob Leifling), 170
  • Ojstrica (Kienberg), 91
  • Otiški Vrh (Ottischnigberg), 876
  • Podklanc (Unterklanc), 147
  • Selovec (Sellouz), 478
  • Sveti Boštjan (Sankt Sebastian), 101
  • Sveti Danijel (Sankt Daniel), 479
  • Sveti Duh (Heiligengeist), 109
  • Šentjanž pri Dravogradu (Sankt Johann ob Drauburg), 496
  • Tolsti Vrh2 (Fettengupf), 51
  • Trbonje (Trofin), 232
  • Tribej (Trebej), 108
  • Velka (Wölk), 46
  • Vič (Witsch), 275
  • Vrata (Thörl), 108

1Die Dörfer Libeliče und Libeliška Gora wurden durch den Vertrag von Saint-Germain am 10. September 1919 zweigeteilt. Die österreichischen Dörfer Leifling und Berg ob Leifling gehören heute zur Gemeinde Neuhaus.
2 Tolsti Vrh gehört nur teilweise zur Gemeinde Dravograd, die Gemeinde Ravne na Koroškem umfasst einen weiteren Teil.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neuhaus (A) Lavamünd (A) Eibiswald (A)
Ravne na Koroškem Nachbargemeinden Muta
Ravne na Koroškem Slovenj Gradec Vuzenica

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unterdrauburg wurde zum ersten Mal 1161 als Traberch schriftlich erwähnt.[5] Die Stadt gehört daher zu den ältesten urkundlich erwähnten Orten des heutigen Slowenien. Sie war die letzte flussabwärts gelegene Gemeinde des Herzogtums Kärnten an der Drau an der historischen Landesgrenze zur Untersteiermark. Daher die Namensgebung, im Gegensatz zu Oberdrauburg, dem ersten flussaufwärts gelegenen Ort, an dem die Drau, aus Osttirol kommend, Kärnten erreicht.

Im Jahr 1880 hatte der Markt Unterdrauburg 711 Einwohner. Davon waren 503 deutsch- (70 %) und 192 slowenisch-sprachig (27 %).[6] Zu dieser Zeit war der Ort eine deutsche Sprachinsel in einem hauptsächlich slowenisch besiedeltem Gebiet.

Unterdrauburg und der damalige Verkehrsknotenpunkt (der Bahnhof befand sich am rechten Drauufer und somit im Herzogtum Steiermark) waren nach dem Ende des Ersten Weltkrieges seit November 1918 wie die Untersteiermark in slowenischer Verwaltung und fielen durch die Bestimmungen des Vertrags von Saint Germain im Herbst 1919 mit dem Mießtal definitiv an den SHS-Staat.

Während des Zweiten Weltkrieges kam es im April 1941 in Dravograd zu heftigen Kampfhandlungen zwischen Deutschen und Jugoslawen, als die Wehrmacht in Jugoslawien einfiel. Alle Brücken über die Drau wurden gesprengt, und der Ort konnte sich danach durch die Kriegsschäden und die ungünstige Grenzlage nicht mehr dynamisch weiterentwickeln.

Unterdrauburg wurde nun Bezirkshauptstadt der umliegenden, vom Deutschen Reich besetzten Gebiete des früheren Kärntens und der Krain. Das heutige Gemeindeamt (Hauptplatz Nr. 7) war 1941–1945 Expositur und Gefängnis der Gestapo. Hunderte so genannter „Banditen“, also Widerstandskämpfer, Partisanen und deren Sympathisanten, wurden hier gefoltert und ermordet. Die strafrechtliche Verfolgung der großteils aus Kärnten stammenden Täter fand in Österreich nach 1945 nicht statt[7].

1945 wurde Dravograd wieder in Jugoslawien integriert. Im 10-Tage-Krieg 1991 kam es in Dravograd zu schweren Auseinandersetzungen für die slowenische Unabhängigkeit kämpfender Kräfte mit der jugoslawischen Bundesarmee.[8]

Verkehr und Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis ins 20. Jahrhundert wurde auf der Drau geflößt. 1863 wurde die Gemeinde durch die in Ost-West-Richtung verlaufende Südbahnnebenlinie MarburgFranzensfeste erschlossen, die die Steiermark mit Kärnten und Tirol verband. 1878 wurde Unterdrauburg durch den Anschluss an die von hier nach Norden führende Lavanttalbahn zu einem Bahnknoten.

Der ab November 1918 bestehende Korridorverkehr Bleiburg (Österreich)–Unterdrauburg (Jugoslawien)–St. Paul im Lavanttal (Österreich), 1945–1952 nicht in Betrieb, wurde 1965 nach Eröffnung der Jauntalbahn als innerösterreichischer Verbindung von Bleiburg nach St. Paul eingestellt, der Streckenteil Lavamünd (Österreich)–Unterdrauburg in der Folge abgetragen. Auf der Strecke Klagenfurt–Bleiburg–Unterdrauburg–Marburg besteht nach wie vor Personen- und Güterverkehr.

Bei Unterdrauburg befindet sich ein Draukraftwerk.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historische Landkarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Olga Moder, Jože Koropec, Jože Curk u.a., Dravograd 1185–1985, 800 Let. (800 Jahre Drauburg), Gemeinde Dravograd 1985.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. PC-AXIS podatkovni portal. http://pxweb.stat.si/, abgerufen am 21. Februar 2017.
  2. Spezialkarte der Österreichisch-ungarischen Monarchie 1:75.000 - Unterdrauburg 5354. (1913)
  3. Spezialkarte der Österreichisch-ungarischen Monarchie 1:75.000 - Unterdrauburg 5354. (1913)
  4. Tabellen zur Bevölkerung des Statistischen Amtes der Republik Slowenien (slowenisch)
  5. Pavle Blaznik, Slovenska štajerska in Jugoslovanski del Koroške do leta 1500 (Maribor 1986), S. 167
  6. K.K. Statistische Central-Commission, Special-Orts-Repertorien der im Oesterreichischen Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder. Band V Kärnten (Wien 1883) S. 92.
  7. Gerhard Pilgram, Wilhelm Berger, Gerhard Maurer: Kärnten. Unten durch – ein Unikum-Wander-Reise-Buch. Universitätskulturzentrum Unikum, Klagenfurt ²1999, S. 23–26
  8. Geschichte