Drogentod

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Der Drogentod oder Rauschgifttod bezeichnet den Tod durch den Konsum von illegalen Drogen.

Nicht als Drogentote werden die Opfer legaler Drogen (z. B. Tabak und Alkohol) betrachtet. Zum Vergleich: Drogentote gab es im Jahr 2011 in Deutschland etwa 1000, als Folge von Alkoholmissbrauch über 70.000 und als Folge des Tabakrauchens über 110.000 Todesfälle.[1]

Situation in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Drogentoter wird in Deutschland statistisch erfasst wer eine von vier Kriterien einer polizeiinternen Dienstvorschrift (PDV 386) aus dem Jahre 1979 erfüllt:

„Eine Meldepflicht besteht demnach für Todesfälle, die in einem kausalen Zusammenhang mit dem missbräuchlichen Konsum von Betäubungs- und Ausweichmitteln stehen. Darunter fallen

  1. Todesfälle infolge beabsichtigter oder unbeabsichtigter Überdosierung (Organversagen aufgrund einer akuten Vergiftung),
  2. Todesfälle infolge langzeitlichen Missbrauchs (Langzeitschäden, drogentoxische Schädigungen durch konsumierte Substanzen, verminderte körperliche Abwehrkräfte, Schädigungen durch Streckungsmittel, Erkrankungen und Infektionen durch i. v. Applikation, Hepatitis C, HIV),
  3. Selbsttötung aus Verzweiflung über die Lebensumstände oder unter Einwirkungen von Entzugserscheinungen (außer durch Überdosierungen) und
  4. tödliche Unfälle von unter Drogeneinfluss stehenden Personen (v. a. im Straßenverkehr).“
– Polizeiinterne Dienstvorschrift 386[2]

Bei der Aufnahme der Daten ergeben sich Probleme, da die Verarbeitung der Drogentotenmeldungen in den Bereich der Polizei und nicht in den der statistischen Landesämter fällt, die sonst sämtliche Todesursachen bearbeiten.

Im internationalen Kontext sind die Zahlen nicht vergleichbar, da so gut wie alle anderen europäischen Staaten statt des hier verwendeten sozialen Drogentotenbegriffes einen konkreten, medizinischen Begriff wählen und diesen über internationale Kodierungsverfahren (ICD-10) erfassen.

Über 80 % der Todesopfer in Deutschland sind männlich.[3]

Anzahl Drogentoter in Deutschland[4]
1973–1990 alte Bundesländer, 1991 alte Länder mit Gesamt-Berlin
Gesamtdeutschland ab 1992

Situation in der Europäischen Union[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2000 gab es in der gesamten Europäischen Union 8.838 Drogentote. Bei einer Bevölkerung von 300 Millionen Menschen sind das ca. 3 Drogentote je 100.000 Einwohner und Jahr oder 0,003 Prozent.

Situation in den USA[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2000 gab es in den USA ca. 17.000 Drogentote. In Folge der „drug crisis“ im gesamten Land kam es zu einem starken Anstieg der Drogentoten auf 47.000 im Jahr 2014. In manchen Bundesstaaten wurde die Drogenkrise von der Bevölkerung als derzeit größtes Problem bezeichnet.[5] Als Hauptursache wird ein sprunghafter Anstieg bei den Abhängigkeiten von verschreibungspflichtigen Schmerzmitteln und Heroin in Teilen der Bevölkerung betrachtet.[6]

Bei einer Gesamtbevölkerung von ebenfalls 300 Millionen Menschen starben so am vorläufigen Höhepunkt der Krise 2014 ungefähr 16 Personen je 100.000 Einwohner und Jahr oder 0,016 Prozent an den Folgen von Drogenmissbrauch.[7] 2015 stieg die Zahl der Drogentoten in den USA weiter auf 52.000, wovon 33.000 durch Opioide starben.[8] Die Opferzahlen konzentrierten sich dabei in bestimmten Bevölkerungsgruppen. Im Bundesstaat West Virginia waren 2015 im Durchschnitt etwas mehr als 3 von 100 Todesfällen auf Überdosierung von Drogen zurückzuführen, in einer besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppe, männlichen Weißen zwischen 15 und 34 Jahren, lag die Rate jedoch bei 28 von 100 Todesfällen.[9]

2016 erreichte die Zahl der Drogentoten in den USA mit etwa 59.000 einen neuen Höchststand. Zur Verschärfung der Lage hätte nach Presserecherchen besonders die zunehmende Verbreitung illegal hergestellter Fentanyl-Präparate unter Drogenabhängigen beigetragen, darunter auch das als besonders gefährlich eingeschätzte Carfentanyl.[10]

Situation in Russland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Dezember 2010 gab der Chef der nationalen Drogenkontrollbehörde Russlands, Viktor Iwanow, die Zahl von 100.000 Drogentoten für das Jahr 2010 bekannt. Dabei sprach er von einer „apokalyptischen Dimension“. Die Zahl der Rauschgiftsüchtigen gab er mit fünf Millionen an.[11] Bezogen auf die Gesamtbevölkerung von rund 140 Millionen entspricht das jährlich 70 Drogentoten pro 100.000 Einwohner oder 0,07 Prozent.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Drogen und Suchtbericht 2014 der Drogenbeauftragten der Bundesregierung

  1. Drogen- und Suchtbericht 2012 (PDF; 2,5 MB) der Drogenbeauftragten der Bundesregierung
  2. Kraus, Ludwig: Epidemiologische Aspekte des Drogentodes, In: Prävention von drogenbedingten Not- und Todesfällen, Klaus Püschel (Hrsg.), Lambertus 2002, ISBN 3-7841-1382-6
  3. Zahl der Drogentoten / Rauschgiftlage 2012. Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Bundeskriminalamt, 25. April 2013; abgerufen am 29. April 2013 (PDF; 118 kB).
  4. nach den Daten der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS)
  5. James Arkin : Senate Passes Bill Addressing Heroin, Opioid Crisis erschienen am 10. März 2016 in RealClearPolitics (englischsprachig), abgerufen am 29. April 2016
  6. Haeyoun Park und Matthew Bloch: "How the Epidemic of Drug Overdose Deaths Ripples Across America" New York Times vom 19. Januar 2016
  7. Shefali Luthra: "The $4,500 injection to stop heroin overdoses" Washington Post vom 27. Januar 2017
  8. America’s opioid epidemic is worsening. Abgerufen am 6. März 2017.
  9. Christopher Ingraham: "Drugs are killing so many people in West Virginia that the state can’t keep up with the funerals" Washington Post vom 7. März 2017
  10. Jos Katz: "Drug Deaths in America Are Rising Faster Than Ever" New York Times vom 5. Juni 2017
  11. Behörde: 100 000 Drogentote in Russland Ärzte Zeitung online vom 21. Dezember 2010

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]