Klaus Püschel

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Klaus Püschel, 2015

Klaus Püschel (* 18. März 1952[1] in Grammendorf[2][3]) ist ein deutscher Rechtsmediziner.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klaus Püschel studierte 1970 bis 1976 Medizin an der Medizinischen Hochschule Hannover, promovierte 1977 und ist seit 1978 am Institut für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) tätig.[4] 1983 habilitierte er sich, 1985 wurde er zum Professor für Rechtsmedizin ernannt.[4] 1987 obduzierte er zusammen mit dem Chef der Rechtsmedizin Werner Janssen im Auftrag der Familie Barschel den am 11. Oktober 1987 verstorbenen Uwe Barschel.[5] Von 1989 bis 1991 hatte er den Lehrstuhl für Rechtsmedizin an der Universität Essen inne.[1][4]

Seit 1991 ist Püschel Direktor des Instituts für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.[1] Er war daneben stellvertretender Direktor des Zentrums für Interdisziplinäre Suchtforschung (ZIS) der Universität Hamburg.[6]

Seit Mitte der 2000er Jahre ist Püschel an anthropologischen und forensischen Untersuchungen verschiedener archäologischer Funde, wie den Moorleichen der Frau von Peiting, dem Jungen von Kayhausen, dem Kind aus der Esterweger Dose, dem Mädchen aus dem Uchter Moor, dem Mann von Bernuthsfeld oder der Brusthaut des Mädchens aus dem Bareler Moor, aber auch des sogenannten Hamburger Störtebekerschädels beteiligt. Er war unter anderem Gutachter im Fall Kachelmann und einbezogen in die Ermittlungen zu den Göhrde-Morden.[7] 2013 wurde er in die Leopoldina gewählt.[8] 2015 untersuchte Püschel den Leichnam des Reemtsma-Entführers Wolfgang Koszics, der unter einem mysteriösen Umstand in Portugal ums Leben kam.[9]

Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Püschel spricht sich für die bundesweite medizinische Altersschätzung von minderjährigen, unbegleiteten Flüchtlingen ohne Ausweispapiere aus und führt diese an der Klinik in Hamburg-Eppendorf durch. Die Bundesärztekammer lehnt eine Beteiligung von Ärzten bei der Bestimmung des Alters von Flüchtlingen, die erklären minderjährig zu sein, ab.[10]

Püschel befürwortet eine Speicherung der DNA-Codes aller Menschen in Deutschland. Von jedem Neugeborenen und jedem Erwachsenen, auch von Touristen und Flüchtlingen, sollten Genproben genommen werden. „Dann können wir Verbrechen viel schneller und viel besser aufklären“, sagt Püschel. Deutschland wäre dann „geradezu eine Oase im verbrecherischen Umfeld“. Speichern will Püschel die Daten an einem vollkommen sicheren Ort „tief unten in einem Bergwerk“. Hamburgs Datenschutzbeauftragter Johannes Caspar warnte eindringlich, dies stelle „einen massiven millionenfachen Eingriff in das Grundrecht der informationellen Selbstbestimmung und die Menschenwürde dar“, der „weder mit der Unschuldsvermutung noch mit dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit vereinbar“ sei.[11]

Während der COVID-19-Pandemie lobte er am 8. April 2020 in einem Interview mit n-tv die Maßnahmen der deutschen Politiker, um die Ausbreitung des Virus und die Überlastung der Krankenhäuser zu verhindern: „Ich finde, das haben die Politiker gut geregelt.“[12] Im Mai 2020 teilte Püschel dem NDR-Magazin Panorama mit, er sei davon überzeugt, die Politiker in Deutschland hätten rechtzeitig gute Entscheidungen getroffen, um die medizinischen Folgen von Covid-19 abzumildern.[13] Zuvor, am 9. April 2020 kritisierte er in der Talkshow Markus Lanz die damalige RKI-Empfehlung („Eine innere Leichenschau, Autopsien oder andere aerosolproduzierenden Maßnahmen sollten vermieden werden. Sind diese notwendig, sollten diese auf ein Minimum beschränkt bleiben.“[14]) als „völlig falsche Maßnahme“. Er erklärte, dass nach seiner Erkenntnis bisher „vor allem Kranke und Menschen mit einem geschwächten Immunsystem“ versterben.[15] Er selbst obduzierte bis dahin über 50 verstorbene COVID-19-Patienten.[16] In der Hamburger Morgenpost äußerte er am 10. April, dass in Hamburg bis dahin kein einziger nicht vorerkrankter Mensch an dem Virus gestorben sei.[17][18] Püschel äußerte, dass er überzeugt sei, dass sich die Corona-Sterblichkeit nicht mal als Peak in der Jahressterblichkeit bemerkbar machen werde.[19]

Arbeitsgruppen um Klaus Püschel und Stefan Kluge gelang durch Sektionen der Nachweis multipler Venenthrombosen und tödlicher Lungenembolien bei verstorbenen COVID-19-Patienten.[20] Daraus ergab sich, dass nicht die virenbedingte Pneumonie und die dadurch bedingte Störung des Gasaustauschs, sondern das Herzversagen aufgrund der weitgehenden Verlegung der Lungenstrombahn durch Lungenembolien für einen großen Teil der Todesfälle verantwortlich ist. Das Corona-Virus soll eine Aktivierung des Gerinnungssystems in Blutgefäßen mit der Anheftung an das Endothel in vielen Organen bewirken. Als kritische Ergänzung im Therapieansatz sei daher eine abgestimmte möglicherweise auch höher dosierte Thromboseprophylaxe mit niedermolekularem Heparin sinnvoll.[21]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monographien:

  • Mamoun Fansa, Eilin Jopp, Klaus Püschel (Hrsg.): Das Kind aus der Esterweger Dose: Dokumentation einer außergewöhnlichen Skelett-Moorleiche. Isensee, Oldenburg 2010, ISBN 978-3-89995-702-0.
  • Brigitte Haas-Gebhard, Klaus Püschel: Die Frau aus dem Moor - Teil 1. In: Kommission für Bayerische Landesgeschichte (Hrsg.): Bayerische Vorgeschichtsblätter. Nr. 74. Beck, 2009, ISBN 978-3-406-11079-5, ISSN 0341-3918, S. 239–268, Tafeln 15–23.
  • Andreas Bauerochse, Henning Haßmann, Klaus Püschel (Hrsg.): "Moora" - das Mädchen aus dem Uchter Moor eine Moorleiche der Eisenzeit aus Niedersachsen. Marie Leidorf, Rahden/Westf 2008, ISBN 3-89646-970-3.
  • Markus Stuhr, Klaus Püschel: Radsportunfälle und Verletzungen bei den Hamburger "Cyclassics". Kovač, Hamburg 2008, ISBN 978-3-8300-4114-6.
  • Herbert Lewrenz, Paul Brieler, Klaus Püschel: Krankheit und Kraftverkehr. Kovač, Hamburg 2006, ISBN 978-3-8300-2390-6.
  • Ludwig Kraus, Klaus Püschel: Prävention von drogenbedingten Not- und Todesfällen. Lambertus, Freiburg im Breisgau 2002, ISBN 3-7841-1382-6.
  • Eberhard Hildebrand, Klaus Hitzer, Klaus Püschel: Simulation und Selbstbeschädigung. VVW, Karlsruhe 2001, ISBN 3-88487-906-5.
  • Untersuchungen über die zirkadianrhythmischen Schwankungen des Hexobarbitalabbaus in der Rattenleber : Einflüsse von Licht-Dunkel-Wechsel und restriktiver Fütterung ; Beziehungen zwischen Hexobarbitalabbau und Kortikosteronspiegel im Serum. Zusammen mit Thomas Mätzsch, Hannover 1977. Zugleich Dissertation an der Medizinischen Hochschule Hannover 1977

Herausgeberschaften und Sammelbände:

  • Forschungsergebnisse aus dem Institut für Rechtsmedizin der Universität Hamburg
  • Rechtsmedizin, Morphologie, Spurensuche. Inst. für Rechtsmedizin, Hamburg 2004, ISBN 3-00-014710-1.
  • Krematoriums-Leichenschau = External examination before cremation. Schmidt-Römhild, Lübeck 2000, ISBN 3-7950-0319-9.
  • mit Bettina Mittelacher: Tote schweigen nicht -Faszinierende Fälle der Rechtsmedizin. Ellert & Richter, Hamburg 2016, ISBN 978-3-8319-0660-4. (Mit einem Bericht über die 1987 erfolgte zweite Obduktion Uwe Barschels in Hamburg)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Klaus Püschel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Lebenslauf im Mitgliederverzeichnis der Leopoldina, abgerufen am 23. Mai 2020.
  2. Prof. Dr. Klaus Püschel. In: Hamburger Polizeijournal. Mai 2013, S. 11 (online@1@2Vorlage:Toter Link/www.hamburg.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven) ).
  3. Vanessa Hellwig: Coronavirus: Rechtsmediziner untersucht Corona-Tote und kommt zu einem überraschenden Ergebnis in Der Westen, 22. April 2020
  4. a b c Lebenslauf vom Arztprofil Klaus Plüschs, UKE Hamburg, Stand 2015, abgerufen am 23. Mai 2020.
  5. cbor.: Gerichtsmediziner: Barschel hat sich selbst getötet. In: FAZ.net. 17. Februar 2016, abgerufen am 10. Februar 2017.
  6. Mitarbeiterprofil von Klaus Püschel (Memento vom 7. Februar 2013 im Internet Archive), Zentrum für Interdisziplinäre Suchtforschung. Abgerufen am 24. August 2012.
  7. Björn Vogt: Tagung des Heimatkundlichen Arbeitskreises Lüchow-Dannenberg zu den Göhrde-Morden – Rechtsmediziner fordert: Ermittlungen vorantreiben. wendland-net.de, 16. Oktober 2014.
  8. Mitgliedseintrag von Klaus Püschel (mit Bild) bei der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, abgerufen am 6. Juni 2016.
  9. Wolfgang Koszics: Hamburger Rechtsmediziner untersucht Leiche von Reemtsma-Entführer, Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag, 2. April 2015
  10. Philipp Woldin: Altersbestimmung: Ärger um Genital-Vermessung von Flüchtlingen. In: welt.de. 1. Juli 2015, abgerufen am 10. Februar 2017.
  11. Bernhard Sprengel: Rechtsmediziner Püschel: „Wir sollten den DNA-Code von jedem Menschen in unserem Lande haben“. In: Spiegel-Online/dpa. 9. Mai 2017, abgerufen am 10. Mai 2017.
  12. Rechtsmediziner über Corona „Wir können Infektionen nicht verhindern“, n-tv.de, 8. April 2020
  13. Philipp Hennig, Jörg Hilbert, Mirco Seekamp und Lea Struckmeier: Coronavirus: Die breite Front der Verharmloser (ab 9:05 min), Panorama 3, ndr.de, 12. Mai 2020
  14. Wulf Rohwedder: „Will das RKI Obduktionen verhindern?“, tagesschau.de, 9. April 2020
  15. Marcel Görmann: Markus Lanz (ZDF): Rechtsmedizin-Direktor stellt mit Corona-Behauptung alles auf den Kopf im Münchner Merkur vom 11. April 2020
  16. Jessica Hellwig: Markus Lanz: Pathologe untersucht Corona-Tote – und stellt diese These auf „Ich bin davon überzeugt, dass …“ in Der Westen vom 10. April 2020
  17. Rechtsmediziner Püschel: "Angst ist überflüssig", ndr.de, 28. April 2020
  18. „In Hamburg ist niemand ohne Vorerkrankung an Corona gestorben“ bei Welt Online vom 10. April 2020
  19. Olaf Wunder: Ohne Vorerkrankung ist in Hamburg an Covid-19 noch keiner gestorben in MOPO vom 6. April 2020
  20. Studie: Corona-Patienten sterben überraschend oft an Embolien in Welt online 9. Mai 2020
  21. Neuer Therapieansatz: UKE will mehr Corona-Patienten retten, Hamburger Abendblatt, 8. Mai 2020