Klaus Püschel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Klaus Püschel, 2015

Klaus Püschel (* 18. März 1952 in Grammendorf[1]) ist ein deutscher Rechtsmediziner.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klaus Püschel studierte Medizin an der Medizinischen Hochschule Hannover, promovierte 1977 und war ab 1978 am Institut für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) tätig. 1983 habilitierte er sich, 1985 wurde er zum Professor für Rechtsmedizin ernannt. 1987 obduzierte er zusammen mit dem Chef der Rechtsmedizin Werner Janssen im Auftrag der Familie Barschel den am 11. Oktober 1987 verstorbenen Uwe Barschel.[2] Von 1989 bis 1991 hatte er den Lehrstuhl für Rechtsmedizin an der Universität Essen inne. Seit 1992 ist Püschel Direktor des Instituts für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.[3] Er ist daneben stellvertretender Direktor des Zentrums für Interdisziplinäre Suchtforschung (ZIS) der Universität Hamburg.[4] Seit Mitte der 2000er Jahre ist Püschel an anthropologischen und forensischen Untersuchungen verschiedener archäologischer Funde, wie den Moorleichen der Frau von Peiting, dem Jungen von Kayhausen, dem Kind aus der Esterweger Dose, dem Mädchen aus dem Uchter Moor, dem Mann von Bernuthsfeld oder der Brusthaut des Mädchens aus dem Bareler Moor, aber auch des sogenannten Hamburger Störtebekerschädels beteiligt.[5] Er war unter anderem Gutachter im Fall Kachelmann und einbezogen in die Ermittlungen zu den Göhrde-Morden.[6] 2013 wurde er in die Leopoldina gewählt.[7]

Püschel spricht sich für die bundesweite medizinische Altersschätzung von minderjährigen, unbegleiteten Flüchtlingen ohne Papiere aus und führt diese an der Klinik in Hamburg-Eppendorf durch. Die Bundesärztekammer lehnt eine Beteiligung von Ärzten bei der Bestimmung des Alters von Flüchtlingen ab.[8]

Püschel befürwortet eine Speicherung der DNA-Codes aller Menschen in Deutschland. Von jedem Neugeborenen und jedem Erwachsenen, auch von Touristen und Flüchtlingen, sollten Genproben genommen werden. „Dann können wir Verbrechen viel schneller und viel besser aufklären“, sagt Püschel. Deutschland wäre dann „geradezu eine Oase im verbrecherischen Umfeld“. Speichern will Püschel die Daten an einem vollkommen sicheren Ort „tief unten in einem Bergwerk“. Hamburgs Datenschutzbeauftragter Johannes Caspar warnte eindringlich, dies stelle „einen massiven millionenfachen Eingriff in das Grundrecht der informationellen Selbstbestimmung und die Menschenwürde dar“, der „weder mit der Unschuldsvermutung noch mit dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit vereinbar“ sei.[9]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monographien:

  • Mamoun Fansa, Eilin Jopp, Klaus Püschel (Hrsg.): Das Kind aus der Esterweger Dose: Dokumentation einer außergewöhnlichen Skelett-Moorleiche. Isensee, Oldenburg 2010, ISBN 978-3-89995-702-0.
  • Brigitte Haas-Gebhard, Klaus Püschel: Die Frau aus dem Moor - Teil 1. In: Kommission für Bayerische Landesgeschichte (Hrsg.): Bayerische Vorgeschichtsblätter. Nr. 74. Beck, 2009, ISBN 978-3-406-11079-5, ISSN 0341-3918, S. 239–268, Tafeln 15–23.
  • Andreas Bauerochse, Henning Haßmann, Klaus Püschel (Hrsg.): "Moora" - das Mädchen aus dem Uchter Moor eine Moorleiche der Eisenzeit aus Niedersachsen. Marie Leidorf, Rahden/Westf 2008, ISBN 3-89646-970-3.
  • Markus Stuhr, Klaus Püschel: Radsportunfälle und Verletzungen bei den Hamburger "Cyclassics". Kovač, Hamburg 2008, ISBN 978-3-8300-4114-6.
  • Herbert Lewrenz, Paul Brieler, Klaus Püschel: Krankheit und Kraftverkehr. Kovač, Hamburg 2006, ISBN 978-3-8300-2390-6.
  • Ludwig Kraus, Klaus Püschel: Prävention von drogenbedingten Not- und Todesfällen. Lambertus, Freiburg im Breisgau 2002, ISBN 3-7841-1382-6.
  • Eberhard Hildebrand, Klaus Hitzer, Klaus Püschel: Simulation und Selbstbeschädigung. VVW, Karlsruhe 2001, ISBN 3-88487-906-5.
  • Untersuchungen über die zirkadianrhythmischen Schwankungen des Hexobarbitalabbaus in der Rattenleber : Einflüsse von Licht-Dunkel-Wechsel und restriktiver Fütterung ; Beziehungen zwischen Hexobarbitalabbau und Kortikosteronspiegel im Serum. Zusammen mit Thomas Mätzsch, Hannover 1977. Zugleich Dissertation an der Medizinischen Hochschule Hannover 1977

Herausgeberschaften und Sammelbände:

  • Forschungsergebnisse aus dem Institut für Rechtsmedizin der Universität Hamburg
  • Rechtsmedizin, Morphologie, Spurensuche. Inst. für Rechtsmedizin, Hamburg 2004, ISBN 3-00-014710-1.
  • Krematoriums-Leichenschau = External examination before cremation. Schmidt-Römhild, Lübeck 2000, ISBN 3-7950-0319-9.
  • mit Bettina Mittelacher: Tote schweigen nicht -Faszinierende Fälle der Rechtsmedizin. Ellert & Richter, Hamburg 2016, ISBN 978-3-8319-0660-4. (Mit einem Bericht über die 1987 erfolgte zweite Obduktion Uwe Barschels in Hamburg)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Klaus Püschel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Prof. Dr. Klaus Püschel. In: Hamburger Polizeijournal. Mai 2013, S. 11 (online).
  2. cbor.: Gerichtsmediziner: Barschel hat sich selbst getötet. In: FAZ.net. 17. Februar 2016, abgerufen am 10. Februar 2017.
  3. Institut für Sport- und Bewegungsmedizin: Ärztlicher Beirat. abgerufen am 24. August 2012.
  4. Zentrum für Interdisziplinäre Suchtforschung: Prof. Dr. Klaus Püschel. Abgerufen am 24. August 2012.
  5. Siehe Literaturangaben der einzelnen Artikel
  6. Tagung des Heimatkundlichen Arbeitskreises Lüchow-Dannenberg zu den Göhrde-Morden – Rechtsmediziner fordert: Ermittlungen vorantreiben. wendland-net vom 16. Oktober 2014.
  7. Mitgliedseintrag von Prof. Dr. Klaus Püschel (mit Bild) bei der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, abgerufen am 6. Juni 2016.
  8. Philipp Woldin: Altersbestimmung: Ärger um Genital-Vermessung von Flüchtlingen. In: welt.de. 1. Juli 2015, abgerufen am 10. Februar 2017.
  9. Rechtsmediziner Püschel: „Wir sollten den DNA-Code von jedem Menschen in unserem Lande haben“. Abgerufen am 10. Mai 2017.