E-Board

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zweirädriges E-Board „Hobertrax“, in der Mitte die Naht, an der die Relativ-Verdrehung der Trittbretter erfolgt

Ein E-Board (weitere Bezeichnungen siehe Abschnitt Bezeichnung) ist ein elektrisch betriebenes, zweispuriges Rollbrett ohne Lenkstange, auf dem sich eine Person stehend fortbewegen kann. Typischerweise besteht das E-Board aus einer zweirädrigen Achse mit zwei kleinen Plattformen, auf denen der Fahrer steht. Das E-Board hält sich (ähnlich einem Segway) durch eine elektronische Antriebsregelung selbst in Balance und wird über Gewichtsverlagerung und die Fußstellung des Fahrers gesteuert.

2014 kamen die Geräte erstmals in China auf; seit 2015 machten zahlreiche Prominente das E-Board in den Vereinigten Staaten bekannt.[1]

Bezeichnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für diese noch relativ neue Gerätegattung hat sich noch kein einheitlicher Name etabliert. Neben „E-Board“ werden die Geräte auch wie folgt bezeichnet:[2][3]

  • Self-balancing-Board
  • Self-balancing-Scooter
  • Balance-Board
  • selbstbalancierendes (elektrisches) Rollbrett
  • Hoverboard
  • Mini-Segway

Hoverboards“ tauchten ursprünglich in den Science-Fiction-Filmkomödien Zurück in die Zukunft II und Zurück in die Zukunft III als Filmtrick auf und waren Skateboards ohne Räder, die mehrere Zentimeter über dem Boden schwebten.[4][5]

Als „Balance-Boards“ werden auch Bretter ohne Räder und Antrieb für Balance-Übungen bezeichnet.

„Mini-Segway“ suggeriert, dass es sich um ein Gerät des Herstellers Segway handelt, was jedoch nicht zutrifft.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Cosplayer auf einem E-Board auf der „Wizard World Chicago“

Shane Chen, ein amerikanischer Geschäftsmann und Gründer der Firma Inventist, beanspruchte die Erfindung des Geräts für sich.[6] Chen startete 2013 eine Kampagne für Hovertrax bei Kickstarter.com. In einem Interview mit der Los Angeles Times machte Chen seine Enttäuschung über das chinesische Patentrecht deutlich. Er erklärte, dass Solowheel, ein selbstbalancierendes Einrad von anderen Herstellern kopiert wurde, nachdem es in der chinesischen Fernsehshow Happy Show gezeigt wurde.[7][8] Im August 2015 kündigte Mark Cuban an, die Hovertrax-Patente von Chen kaufen zu wollen.[8] Außerdem behauptete das amerikanische Unternehmen Investist im Jahr 2015, die Patente zu halten und rechtliche Schritte einzuleiten.[9]

Das Tempo der chinesischen Herstellerindustrie erschwert eine genaue Festlegung, welche Firma als erstes ein E-Board gefertigt hat. Laut David Pierce vom Magazin Wired wurde das Gerät wahrscheinlich unter dem Namen „Smart S1“ von Chic Robotics erfunden, einer 2013 gegründeten chinesischen Technologie-Firma, die mit der Zhejiang-Universität verbunden ist.[1] Das Smart S1 erschien im August 2014 und wurde bei der Messe Kanton zu einem Erfolg. Die Firma patentiert mit dem E-Board verbundene Technologien, aber aufgrund der laxen Durchsetzung des chinesischen Patentrechts wurde das Produkt von mehreren chinesischen Herstellern kopiert.[1]

Im Juni 2015 wurde das E-Board von mehreren Produktfälschern in China hergestellt – ein typisches Verhalten des dortigen Industriesektors.[10] Die gefälschten Produkte unterscheiden sich sehr stark im Preis und in der Qualität und können zahlreiche Fehler enthalten.[1] Die meisten E-Boards werden in Massenproduktion in Shenzhen, China hergestellt.[10] In einigen neueren E-Boards sind Bluetooth-Lautsprecher eingebaut, so dass man beim Fahren Musik hören kann.[11]

Die steigende Beliebtheit des Geräts in den USA wurde zunächst dem breit gefächerten Strauß amerikanischer Prominenter zugesprochen, die sich mit verschiedenen E-Board-Modellen sehen ließen, darunter beispielsweise Justin Bieber, Jamie Foxx, Kendall Jenner, Chris Brown, Soulja Boy und Wiz Khalifa.[1] Die Gründer der amerikanischen Firma PhunkeeTree stießen 2014 bei einer Elektronikmesse in Hong Kong Electronics auf das E-Board und wurden kurz danach in den Vertrieb eingebunden.[12] Die Firma schenkte Kendall Jenner ein E-Board, die auf Instagram ein Video von sich auf dem Board veröffentlichte. Als das virale Video bekannt wurde, fragten andere Prominente vermehrt bei PhunkeeTree nach Freiexemplaren.[1]

Sicherheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viele E-Boards werden mit Lithium-Ionen-Akkumulatoren ausgerüstet.[13][14] Es gab mehrere Berichte von defekten Batterien, entweder wegen eines elektrischen Kurzschlusses oder Überhitzung, was zur Selbstentzündung führte.[15] Mehrfach wurden seit September 2015 Verletzungen durch Unfälle mit einem E-Board dokumentiert.[16] In den USA haben Selbstentzündungen von E-Boards bereits zu Klagen geführt.[17]

In den USA wurde darauf eine Sicherheitsüberprüfung über E-Boards durchgeführt. Auch in Großbritannien wurden aufgrund von Unfällen öffentlich Zweifel an der Qualität der E-Boards geäußert. Wie bei vielen Radfahrzeugen ohne besonderen Schutz des Fahrers ist es sinnvoll, zusätzliche Schutzmittel wie Gelenkschützer und Helm zu tragen.

Im Februar 2016 kündigte Underwriters Laboratories an, einen Standard zur Überprüfung der Sicherheit von E-Boards entwickelt zu haben – „UL 2272 - Battery Systems for Use in Self Balancing Scooters“ – und Geräte nach diesem Standard für Hersteller zu testen. Bisher konnte kein E-Board mit dem neuen UL-Siegel verifiziert werden.[18][19]

Rechts- und Zulassungsfragen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gesetzliche Einschränkungen beim Gebrauch von E-Boards gibt es in mehreren Ländern.

In Deutschland sind E-Boards im öffentlichen Verkehrsraum faktisch verboten: Da sie motorisiert sind und schneller als 6 km/h fahren, gelten sie als „Kraftfahrzeug“ und sind daher auf Gehweg und Radweg verboten, sie müssten auf die Straße. Für die Fahrt auf der Straße muss eine Zulassung vorliegen – aber die gibt es in der Regel nicht, weil dem Gerät die dafür notwendige Schutzausstattung für den Fahrer und manches andere fehlt.[20] Neben dem „Fahren ohne Zulassung“ kann ggf. zusätzlich das „Fahren ohne Fahrerlaubnis“ vorliegen, wenn der „Fahrer“ nicht den Führerschein für die Fahrzeugklasse besitzt, der das E-Board (theoretisch) entsprechen würde.

Der Deutsche Bundesrat sieht die Notwendigkeit einer gesetzlichen Regelung und fordert in der Drucksache 332/16 die Bundesregierung auf, „die verhaltens- und zulassungsrechtlichen Voraussetzungen für den Betrieb von selbstbalancierenden Fahrzeugen [...] im öffentlichen Verkehr [...] zu regeln.“[21]

In Österreich wird 2016 erst vereinzelt öffentlich auf Fahrbahnen – durchwegs niederrangiger als auch auf Radverkehrsanlagen und in Fußgängerbereichen E-Board gefahren. Dominik Tschohl, Rechtsexperte des ÖAMTC Vorarlberg meint: „Der Gesetzgeber habe Probleme, den diversen Booms nachzukommen und diese schnell gesetzlich zu regeln.“ Er nimmt an, dass der Gesetzgeber das E-Board als Spielzeug qualifizieren und damit auf Fahrbahnen allgemein verbieten wird. Es würde dann nur im Fall von Wohn- und Spielstraßen auf Fahrbahnen erlaubt sein, möglicherweise auch in Bereichen für Fußgänger.[22]

In England und Wales dürfen E-Boards nur auf privatem Grund und Boden und mit Einwilligung des Grundstückbesitzers gefahren werden. Auf öffentlichen Gehwegen und Straßen ist das Fahren jedoch gesetzlich untersagt.[23] In Schottland ist es gesetzlich verboten, das Gerät auf Gehwegen zu fahren.[23]

In Mekka wurde das Gerät kurz nach dem Video eines Pilgers auf seinem Haddsch verboten.[24]

Transport mit Passagierflügen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mehrere Fluggesellschaften haben den Transport von E-Boards verboten, sowohl im Gepäckraum als auch als Handgepäck.[25]

Verschiedene Bauprinzipien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einrad, ausgestellt zur Präsentation der Elektromobilität in der Gläsernen Manufaktur
  • Zweispurig, je eine Rolle seitlich außen, 2 Trittbretter, deren (Längs-)Neigungswinkel zur Waagrechten Fahrtempo oder -beschleunigung steuert und durch Verwinden der Trittbretter zueinander Kurvenfahrt oder Drehen um die Hochachse bewirkt (siehe erstes Bild im Artikel). Das „Brett“ ist quer zur normalen Fahrtrichtung orientiert.
  • Ein längs der Fahrtrichtung orientiertes Brett mit großem viereckigem Ausschnitt in der Mitte. Hier ist ein Rad mit Breitreifen – etwa von einem Go-Kart – und Nabenmotor montiert. Der Mensch steht wie auf Snow- oder Skateboard halb quer zur Fahrtrichtung darauf, mit einem Fuß vorne vor dem Rad mit dem anderen dahinter. Beschleunigt und tempogeregelt wird durch Einstellung des Längsneigewinkels des Bretts durch die zwei Beine des balancierenden Menschen. Verlagern des Körpergewichts mehr auf die linke oder rechte Seite des Reifens kippt das Brett seitlich, lässt den Reifen stark walken und bewirkt dadurch Kurvenfahrt.
  • Skateboards insbesondere der Type Longboard können mit Elektroantrieb – üblicherweise an der Hinterachse - ausgestattet sein, der über Kabel- oder Funkfernsteuerung händisch ausgesteuert wird. Gelenkt wird durch seitliche Gewichtsverlagerung über die Lenkachsen (Rückstellkraft durch Gummipuffer) wie beim nichtmotorisierten Skateboard auch.
  • Motorisierte Steheinräder mit Batterieantrieb kommen von Ninebot, dem Käufer von Segway. Rechts und links des vorwärts rollenden Rads steht ein Fuß auf einer ausgeklappten Fußraste. Die Funktionsweise ist wie bei einem Segway, das Einrad kann in Fahrtrichtung nicht wegkippen und wird durch Gewichtsverlagerung in der Geschwindigkeit gesteuert, es muss lediglich durch seitliche Balance die Fahrtrichtung manipuliert werden. Die motorisierten Einräder sind luftbereift und für jede Art von Gelände bei einer Maximalneigung bis 15° geeignet. Die zu erreichende Geschwindigkeit beträgt 22 km/h, die Reichweite wird mit 30 Kilometern angegeben. Das Gewicht eines Einrades mit 406 mm Durchmesser beträgt 14,2 kg.[26]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f The Weird Origin Story of the World’s Most Viral Scooter. In: Wired, 29. Juni 2015. Abgerufen am 12. Oktober 2015. 
  2. Jan-Keno Janssen: „Auaboard“ — 360-Euro-E-Board im Test, Heise online, 11. Dezember 2015. Abgerufen am 19. Januar 2016.
  3. Jan-Keno Janssen: „Hoverboard“ im Test — lebensgefährliche Mängel In: Heise Online, 14. Dezember 2015, abgerufen am 19. Januar 2016.
  4. hoverboard In: Oxford English Dictionary. 2015. abgerufen am 14. Oktober 2015.
  5. Laura Lane: WATCH: The Back to the Future Hoverboard Is Real In: People.com, 5. August 2015, abgerufen am 13. Oktober 2015.
  6. About: Inventist. In: Investist.com. Abgerufen am 4. Dezember 2015.
  7. For Solowheel maker, a patent rights nightmare in China. In: Los Angeles Times, 30. Mai 2015. 
  8. a b CW33: Patent wars: Mark Cuban involved in 'hoverboard' battle. In: AOL, 18. September 2015. 
  9. Jerry Beilinson: Hovertrax and the battle of the auto-balancing skateboards.
  10. a b Joseph Bernstein: How To Make Millions Of Hoverboards (Almost) Overnight In: Buzzfeed, 27. November 2015, abgerufen am 24. Dezember 2015.
  11. Bluetooth Swegways: The Second Generation of Swegway. In: Swegway World, 19. Oktober 2015. Abgerufen am 26. Oktober 2015. 
  12. Celebrity on hoverboard. In: Celebrity videos and guide.
  13. Rob Enderle: The Trouble With Hoverboards and Lithium-Ion Batteries In: Technewsworld.com, 14. Dezember 2015, abgerufen am 24. Dezember 2015.
  14. Laura Geggel: 'Hoverboard' Scooter Fires: Faulty Batteries May Be to Blame In: Livescience, 17. Dezember 2015, abgerufen am 24. Dezember 2015.
  15. Shoppers panic as hoverboard explodes at Washington mall kiosk. The Guardian. Abgerufen am 9. Dezember 2015.
  16. Hoverboard blamed for house fire; family suing manufacturer. In: wpri.com Channel 12 Eyewitness News, 1. Dezember 2015. Abgerufen am 20. Dezember 2015. 
  17. Stephen M. Copenhaver, Amy M. Rubenstein: Oh What Fun It Is To Ride . . . A Hoverboard? This Year’s Must-Have Holiday Gift Poses Potential Litigation Risks for Manufacturers. In: Schiff Hardin LLP (Hrsg.): The National Law Review. 20. Dezember 2015. Abgerufen am 4. Dezember 2015.
  18. Standard 2272 - Outline of Investigation for Electrical Systems for Se. In: ulstandards.ul.com. Abgerufen am 29. März 2016.
  19. UL 2272 Sicherheitsstandard für Hoverboards - eantrieb.com. In: eantrieb.com. Abgerufen am 29. März 2016.
  20. Straßenzulassung für das self balancing board?. In: Self Balancing Board. Abgerufen am 19. Januar 2016.
  21. Drucksache 332/16 - Erste Verordnung zur Änderung der Straßenverkehrs-Ordnung. Bundesrat, 23. September 2016, S. 3-4, abgerufen am 17. April 2017.
  22. Unklar: Hoverboard auf Straßen erlaubt? In: orf.at, 9. Juli 2016, abgerufen am 9. Juli 2016.
  23. a b Griffin, Andrew: Hoverboards banned: law making ‘self-balancing scooters’ illegal was passed in 1835. In: The Independent, 12. Oktober 2015. Abgerufen am 4. Dezember 2015. 
  24. Sometimes we should all just step back a little | The National. Thenational.ae. 2. September 2015. Abgerufen am 12. Oktober 2015.
  25. Katie Sola: Airlines Ban Boards For Their Tendency to Spontaneously Ignite In: Forbes.com, 14. Dezember 2015, abgerufen am 24. Dezember 2015.
  26. https://www.einradpioniere.de/ Internetseite über Einräder bei den Einradpionieren in Dresden