Cosplay

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Cosplay zu Lollipop Chainsaw durch Jessica Nigri bei der E3 2012

Cosplay (japanisch コスプレ, kosupure) ist eine ursprünglich aus Japan stammende Fanpraxis, die in den 1990er Jahren mit dem Manga- und Animeboom auch in die USA und nach Europa kam. Beim Cosplay stellt der Teilnehmer eine Figur – aus Manga, Anime, Comic, Film oder Videospiel – durch Kostüm und Verhalten möglichst originalgetreu dar.

Namensherkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff Cosplay, das japanische Portmanteauwort aus den englischen Begriffen costume und play (wörtlich übersetzt „Kostümspiel“), wurde von Nobuyuki Takahashi geprägt, dem Gründer des japanischen Verlages Studio Hard. Takahashi verwendete seine Neuschöpfung erstmals im Juni 1983 in einem Artikel für die Zeitschrift My Anime.[1]

Funktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cosplay zu Ciri aus The Witcher 3, basierend auf der Geralt-Saga von Andrzej Sapkowski
Cosplayer stellen Figuren aus Avatar – Der Herr der Elemente in der Kleidung der Feuernation dar: (v. l. n. r.) Prinz Zuko, Aang, Toph Bei Fong und Katara.

Beim Cosplay stellt der Teilnehmer einen Character, zum Beispiel einen Superhelden oder einen Bösewicht, durch Kostüm, Maske, Accessoires und Verhalten möglichst nah am Original dar. Die Figur kann dabei aus einem Manga, einem Anime, einem Comic, einem Videospiel oder einem Spielfilm stammen. Auch freie Interpretationen, das vermischen von Charakteren und Darstellungen des anderen Geschlechts sind bei dieser Form des Rollenspiels möglich. In der J-Rock-Fanszene werden oft Mitglieder japanischer Visual-Kei-Bands nachgeahmt. Generell ist der Bezug zu Japan unter Cosplayern stark verwurzelt. Neben Visual-Kei findet man viele Fans der Lolita-Mode.

Cosplay wird überwiegend zum eigenen Vergnügen und für Wettbewerbe auf Anime-Conventions betrieben. Eine mögliche Einnahmequelle sind der Verkauf von selbst geschneiderten Kostümen und jeglicher Art von Zubehör sowie das Modeln oder das Mieten für Events. Nur ein kleiner Teil der Cosplayer betreibt das Hobby, um damit Geld zu verdienen.

Teilweise finden sich Varianten des Cosplays auch in der BDSM-Szene.[2]

Westliche Cosplayveranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auftritt eines Cosplayers beim Vorentscheid der 1. Deutschen Cosplaymeisterschaft auf dem CosDay in Frankfurt am Main (2007)

Cosplaywettbewerbe auf westlichen Veranstaltungen erinnern an Varietéaufführungen. Die Cosplayer können dabei ein kurzes Stück zum Besten geben: Einige singen beispielsweise das Titellied der entsprechenden Serie, andere zitieren einen zum Charakter passenden Monolog. Gruppen führen meistens einen Sketch oder einen Showkampf auf. Im Wesentlichen wird hier mehr Bedeutung auf die Aufführung als auf das Kostüm gelegt. In den letzten Jahren wird mit steigender Tendenz der Auftritt durch Einspielen von Musik und eine dazu vorgeführte Choreografie unterstützt.

Die Jury eines Cosplaywettbewerbes besteht, abhängig von der Veranstaltung, meist aus Ehrengästen, Zeitschriftenredakteuren, Cosplayern und ehrenamtlichen Teilnehmern. Bewertet wird meist in den Kategorien „Ähnlichkeit der Figur mit dem Original“, „Machart/Fertigung des Kostüms“, „Präsentation des Charakters“, „Zuschauerreaktion“ und „persönlicher Eindruck“.

In Deutschland findet seit 2007 die Deutsche Cosplaymeisterschaft statt. Weitere große Events in Deutschland sind die Dokomi in Düsseldorf, die Connichi in Kassel und die nach dem Vorbild der großen Comic Con International in San Diego gestalteten German Comic Con in Dortmund/Berlin/Frankfurt und Comic Con Germany in Stuttgart. Cosplay kann auch gesellschaftliche Anerkennung durch soziales Engagement finden.[3]

Cosplay in Japan[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Japanische Cosplayer (Comiket 2005, Tokio)

Manche Cosplayer haben in Japan eine so große Popularität erreicht, dass so genannte „Idol Cards“ (Sammelfotokarten) von ihnen erhältlich sind. Viele Cosplayer, die auch im Internet aktiv sind, stellen ihre Kostüme auf eigens dafür gestalteten Webseiten aus.

Größte Cosplayveranstaltung ist das vom Fernsehsender TV Aichi jährlich in Nagoya organisierte World Cosplay Summit, ein Wettbewerb für Cosplayer mit internationalem Teilnehmerfeld.

Etwa seit dem Jahr 2000 entstehen in Japan zunehmend Cosplayrestaurants. In Etablissements für männliche Kunden (Maid Café) sind die Kellnerinnen als Dienstmädchen, Krankenschwestern o. ä. verkleidet. In Etablissements für ein weibliches Zielpublikum (Butler Café oder auch Host Club) tragen die Kellner Butlerkostüme.

In Japan kann der Begriff „Cosplay“ auch als Synonym für erotische Rollenspiele oder für Bordelle, die erotische Rollenspiele anbieten, gebraucht werden.

Filmische Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erotische Filme, welche Cosplay zum Gegenstand haben sind u. a. die japanische Produktion Cosplay von Oriental Dream Pictures aus dem Jahr 2006 mit den Darstellern Eriko Akiyoshi und Yuka Sakagami sowie Cosplay Maniacs aus der Reihe Magic Banana (Vol. 14).

Im Oktober 2012 lud das US-Produktionsstudio Wicked Pictures zu einer Pressesitzung, um den Start einer neuen Reihe mit dem Titel Wicked Pictures: Cosplay zu verkünden. Regisseur der Reihe ist Barrett Blade, der über umfangreiche Erfahrungen als Darsteller in Pornofilmen verfügt. Im März 2013 wurde der erste Film Wicked Cosplay: Show No Mercy u. a. mit Alektra Blue, Alexis Monroe, Anikka Albrite und Molly Bennett veröffentlicht.

Im Jahr 2013 veröffentlichte die für ihre Cosplaydarstellungen auf verschiedenen Comicmessen bekannte Regisseurin Tanya Tate den Film Cosplay Queens & Tied up Teens einen Lesbofilm. Auch die seit 2010 gedrehte Serie Big Tits in Uniform des Labels Brazzers hat Cosplay zum Gegenstand. Mittlerweile können eine ganze Reihe von US-amerikanischen Pornoparodien auf bekannte Mainstreamfilme aufgrund der schauspielerischen Darstellungen und der Kostüme der Darsteller dem Cosplaygenre zugeordnet werden. Dazu gehören beispielsweise Avengers XXX – A Porn Parody und Spider-Man XXX: A Porn Parody.

Im März 2015 erschien der Film Comic Book Freaks and Cosplay Geeks des Studios Burning Angel Entertainment, bei dem Joanna Angel Regie führte. Im August 2016 wurde der mit Cosplay Geeks #2 ein zweiter Teil veröffentlicht. Im Jahr 2017 erschien der Film Cosplay Cuties des Studios Jayrock Productions, mit den Darstellern Bella Rose, Lily Adams, Evelin Stone und Jade Kush. 2018 veröffentlichte das Studio Millennial den POV-Film „Cum and Cosplay“ mit den Superstars Carter Cruise, Penny Pax, Holly Hendrix und Brett Rossi.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gert Anhalt: Mädchen, Manga, Maskenball. Kosupuree – Jugend im Verkleidungsfieber. In: Zeit für Japan. Reportagen aus einem unbekannten Land. Bucher, München 2005, S. 40–43, ISBN 3-7658-1482-2.
  • Sandra Grimme, Dinah Keshishian, Miriam Loetz (Hrsg.): Cosplay. Im Bann der Fantasie. Werkbank030, Berlin 2014, ISBN 978-3-942860-72-7. (Internationaler Bildband)
  • Laura Byell, Karishma Schumacher: Die deutsche Cosplayszene. In: Creative Crowds – Perspektiven der Fanforschung im deutschsprachigen Raum. Büchner-Verlag, Darmstadt 2014, S. 345–363, ISBN 978-3-941310-42-1.
  • Theresa Winge: Costuming the Imagination: Origins of Anime and Manga Cosplay. In: Mechademia. Nr. 1. University of Minnesota Press, 2006, S. 65–76, doi:10.1353/mec.0.0084.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Cosplay – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://akibanana.com/?q=node/927 (Memento vom 10. Januar 2010 im Internet Archive)
  2. There’s more than 50 shades. In: The Tab. 2017, abgerufen am 18. Mai 2017 (englisch).
  3. Helden für Herzen e. V.: Cosplayer engagieren sich für schwerkranke Kinder, von startsocial ausgezeichnet