Eberhard Hanfstaengl

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Eberhard Viktor Eugen Hanfstaengl (* 10. Februar 1886 in Saargemünd; † 10. Januar 1973 in München) war ein deutscher Kunsthistoriker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hanfstaengl war Cousin von Ernst Hanfstaengl, einem engen politischen Weggefährten Adolf Hitlers.[1] Seit 1925 war er Direktor der Münchener Städtischen Galerie im Lenbachhaus.[2] Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten wurde er im November 1933, als Nachfolger des entlassenen Ludwig Justi und des nach diesem nur kurzzeitig amtierenden Alois Schardt, zunächst kommissarisch und ab 1. Januar 1934 offiziell zum Direktor der Nationalgalerie auf der Berliner Museumsinsel und zum Professor ernannt.[2] In dieser Eigenschaft unterzeichnete er nach dem Tod des Reichspräsidenten Hindenburg im August 1934 den Aufruf der Kulturschaffenden zur „Volksabstimmung“ über die Vereinigung des Reichspräsidenten- und Reichskanzleramts.[2]

1937 wurde er wegen mangelnder Kooperation und „zu gemäßigter“ kunstpolitischer Auffassungen seines Amtes enthoben, insbesondere weil er sich weigerte, Werke aus der Neuen Abteilung für die NS-Diffamierungs-, Verkaufs- und Vernichtungsaktion Entartete Kunst zu entfernen.[2] Seine Entlassung hatte Reichspropagandaminister Joseph Goebbels betrieben. In sein Tagebuch hatte Goebbels am 24. Juli 1937 eingetragen: „Hanfstängel (sic!) muss weg.“[3] Sogar die „New York Times“ berichtete über seine Entlassung.[4]

Von 1945 bis 1953 war Hanfstaengl Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen. Die amerikanischen Besatzungsbehörden betrauten ihn 1948 mit der Rückführung von Kunstobjekten, die Adolf Hitler und Hermann Göring für ihre Kunstsammlungen hatten beschlagnahmen lassen, an die ursprünglichen Besitzer, darunter viele Museen.[5] In seinem Amt war er allerdings auch maßgeblich daran beteiligt, dass NS-Raubkunst aus den Sammlungen im Besitz von Familien ranghoher NS-Führer bleiben konnte, u. a. der Familie Hermann Görings.[6][7]

Seine Tochter war die Kunsthistorikerin Erika Hanfstaengl (1912–2003).

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Emmy Göring will ihr Bild zurück sz.de, 24. Juni 2016.
  2. a b c d Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt/M. 2007, ISBN 978-3-10-039326-5, S. 214.
  3. Die Tagebücher von Joseph Goebbels. Hrsg. Elke Fröhlich. T. I, Bd. 4. München 2000, S. 231.
  4. Berlin Art Expert Ousted from Post; Dr. Eberhard Hanfstaengl of the Berlin National Gallery Victim of New Purge, in: New York Times, 5. August 1937, S. 21.
  5. Bavarians Regain Treasure Custody; Art Objects Seized by Hitler and Goering Returned to Control of Germans, in: New York Times, 1. September 1948, S. 7.
  6. NS-Raubkunst: Das Museum mauertsz.de, 27. Juni 2016.
  7. Bayerische Museen verkauften Raubkunst an Familien hochrangiger Nazis sz.de, 25. Juni 2016.