Elizabeth Alexander

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Elizabeth Alexander (* 30. Mai 1962 in Harlem)[1] ist eine amerikanische Dichterin, Essayistin und Dramatikerin. Seit 2018 ist Alexander Präsidentin der Andrew W. Mellon Foundation. Zuvor war sie 15 Jahre lang Professorin an der Yale University, an der sie Lyrik unterrichtete und die Abteilung für Afroamerikanische Studien leitete.[2] 2016 wechselte sie als Wun-Tsun-Tam-Mellon-Professorin für Geisteswissenschaften an die Fakultät der Columbia University in die Abteilung für Anglistik und Vergleichende Literaturwissenschaft.[3][4][5]

Frühes Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alexander wuchs in Washington, D.C. auf. Sie ist die Tochter des ehemaligen US-amerikanischen Außenministers und Vorsitzenden der Kommission für Chancengleichheit Clifford Alexander Jr.[6] und der Professorin für afroamerikanische Frauengeschichte an der George Washington University und Schriftstellerin Adele Logan Alexander.[7] Ihr Bruder Mark C. Alexander war ein hochrangiger Berater der Präsidentschaftskampagne von Barack Obama und Mitglied des Übergangsteams des gewählten Präsidenten.[8] Nach ihrer Geburt zog die Familie nach Washington, DC. Als Kleinkind wurde sie von ihren Eltern nach Washington mitgenommen, als Martin Luther King Jr. seine berühmte Rede I Have a Dream hielt. Alexander, die als Kind Ballettunterricht nahm, beschrieb, dass zu Hause das Thema Politik „sich im Trinkwasser befand“.[9]

Sie wurde an der Sidwell Friends School ausgebildet und schloss 1980 ihr Studium ab. Es folgte ein Studium an der Yale University, dass sie 1984 mit dem Bachelor beendete. An der Boston University belegte sie einen Masterstudiengang beim Schriftsteller Derek Walcott Lyrik, den sie 1987 abschloss. Da Alexander die Werke von Walcott liebte, wurde sie von ihrer Mutter zu diesem Studium ermutigt. Alexander schrieb zunächst Romane. Nachdem Walcott Einblick in ihr Tagebuch bekam, erkannt er ihr Potential für die Poesie. Alexander sagte über dieses Erlebnis:

“He gave me a huge gift. He took a cluster of words and he lineated it. And I saw it.”

„Er hat mir ein riesiges Geschenk gemacht. Er nahm eine Gruppe von Wörtern und hat sie angeordnet. Und ich habe es gesehen.“[9]

1992 promovierte Alexander an der University of Pennsylvania in englischer Sprache. Parallel zu ihrem Studium unterrichtete sie von 1990 bis 1991 am nahe gelegenen Haverford College. In dieser Zeit veröffentlichte sie ihren ersten Gedichtsband The Venus Hottentot. Der Titel entstand in Anlehnung an die südafrikanische Sarah Baartman, eine Frau der Khoikhoi-Ethnie aus dem 19. Jahrhunter, die als Hottentot Venus in London auftrat.[10][11] Alexander nahm an den Angeboten der Ragdale Foundation teil, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Arbeitsraum für Künstler verschiedener Fachrichtungen bereitzustellen.[12]

Nach dem Studium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alexander war von 1984 bis 1985 in ihrer Zeit als Doktorandin für die Washington Post als Reporterin tätig,[1] erkannte aber bald, dass dies nicht die Tätigkeit war, die sie ausführen wollte.[9] Sie begann 1991 an der University of Chicago als Assistenzprofessorin für Englisch zu unterrichten. 1992 traf sie dort zum ersten Mal auf Barack Obama, dem zukünftigen Präsidenten der Vereinigten Staaten, der von 1992 bis zu seiner Wahl 2004 in den US-Senat als Dozent an der juristischen Fakultät der Universität tätig war. Im selben Jahr gewann sie ein Stipendium für kreatives Schreiben am National Endowment for the Arts.[13]

1996 veröffentlichte Alexander den Gedichtband Body of Life sowie das Versstück Diva Studies, das an der Yale University uraufgeführt wurde. Sie war Gründungsmitglied der Cave Camen-Werkstatt, die die Entwicklung afroamerikanischer Dichter fördert. Ein Jahr später erhielt sie den Quantrell Award der University of Chicago für herausragende Leistungen in der Lehrtätigkeit, die sie im Grundstudium übernommen hat.[14] Später zog sie nach Massachusetts, um am Smith College zu unterrichten. Sie erhielt die Auszeichnung Grace Hazard Conkling poet-in-residence und wurde als erste Person in die Funktion des Direktors des Poetry Centers berufen.[15]

2000 kehrte sie nach Yale zurück und unterrichtete Afroamerikanistik und Englisch. Zudem veröffentlichte sie ihren dritten Gedichtsband Antebellum Dream Book.[15] 2005 wurde sie in die erste Klasse der Stipendiaten der Alphonse Fletcher Foundation gewählt. Von 2007 bis 2008 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Radcliffe Institute for Advanced Study Harvard.

2007 gewann Alexander den Jackson Poetry Prize, der in diesem Jahr erstmals verliehen wurde. Er wird von der gemeinnützigen Organisation Poets & Writers verliehen und ehrt „amerikanische Dichter mit einem außergewöhnlichem Talent, die auf diese Art eine breitere Anerkennung erlangen.“[16]

Seit 2008 leitete Alexander an der Yale University den Lehrstuhl für Afroamerikanistik. Zudem unterrichtete sie englische Sprache und Literatur sowie afroamerikanische Literaturwissenschaft und Geschlechterstudie.

2015 wurde Alexander zur Kanzlerin der Academy of American Poets gewählt.[17] Ein Jahr später wurde sie zur Wun Tsun Tam Mellon-Professorin für Geisteswissenschaften an der Columbia University ernannt.[18][19] 2018 wurde sie mit dem Ehrendoktortitel „Doktor of Letters“ ausgezeichnet[20] und im folgenden Jahr in die American Academy of Arts and Sciences aufgenommen.[21] 2020 wurde Alexander in die American Philosophical Society gewählt.

Arbeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alexanders Gedichte, Kurzgeschichten und kritischen Texte wurden in zahlreichen Journalen, Zeitschriften und Zeitungen wie The Paris Review, American Poetry Review, The Kenyon Review, The Village Voice, The Women’s Review of Books und The Washington Post veröffentlicht. Für ihr Stück Diva Studies, das an der Yale School of Drama aufgeführt wurde, erhielt sie ein nationales Stipendium für kreatives Schreiben sowie einen Preis des Illinois Arts Council.[22] Ihr 2005 erschienener Gedichtband American Subline war einer der drei Finalisten des im selben Jahr stattfindenden Pulitzer-Preises.[23] Als Wissenschaftlerin für afroamerikanische Literatur und Kunst hat Alexander eine Sammlung von Aufsätzen mit dem Titel The Black Interior veröffentlicht.[10] 2010 erhielt Alexander einen Anisfield-Wolf Book Award für ihr Lebenswerk in der Poesie.[24]

Amtseinführung von Barack Obama 2009[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 20. Januar 2009 rezitierte Alexander bei der Amtseinführung des amerikanischen Präsidenten Barack Obama ihr Gedicht Praise Song for the Day (Loblied für den Tag), das sie eigens zu diesem Anlass geschaffen hat.[8][11] Sie war nach Robert Frost (1961), Maya Angelou (1993) und Miller Williams (1997) die vierte Dichterin, die bei einer Amtseinführung des Präsidenten las bzw. gelesen wurde.[25] Die Dichter Maya Angelou, Rita Dove[25], Paul Muldoon[8] und Jay Parini begrüßten die Auswahl Alexanders und bezeichneten ihre Kollegin als „smart, deeply educated in the traditions of poetry, true to her roots, responsive to black culture.“ („klug und tief in den Traditionen der Poesie erzogen, steht zu ihren Wurzeln und auf die schwarze Kultur reagierend.“)[23] Die Poetry Foundation gratulierte mit den Worten „Her selection affirms poetry’s central place in the soul of our Country.“ („Die Berufung Alexanders bestätigt den zentralen Platz der Poesie in der Seele unseres Landes.“)[25]

Obwohl die Auswahl einer weithin unbekannten Dichterin, die eine persönliche Freundin Obamas war, gelobt wurde, stießen das Gedicht und die Übergabe auf eine negative Resonanz.[26] Die Chicago Tribune, der Herausgeber des Los Angeles Times Book Prize sowie die meisten Kritiker bemängelten, dass „ihr Gedicht zuviel Prosa enthielt“ und „ihre Darstellung nicht ausreichend dramatisch war“. Der Minneapolis Star-Tribune fand das Gedicht „langweilig bürokratisch“ und fand, dass der Platz der Dichterin nicht auf dem Podium, sondern in der Menge ist. Sie solle nicht für die Menschen sprechen, sondern zu ihnen.[27]

In der US-amerikanischen Zeitschrift The New Yorker schrieb Alexander im Januar 2017 über ihre Erfahrungen mit dem Vortrag bei der Amtseinführung. Sie erwähnte, dass sie ihren Vater, der im März 2016 an dem Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit teilnahm, gewinnen konnte, bei den Feierlichkeiten neben ihr zu sitzen. Bei den Proben las Alexander das Gedicht „Kitchenette Building“ (Küchengebäude) von Gwendolyn Brooks.[28]

Privates Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Henry Louis Gates Jr. von der Harvard University hat laut einer Untersuchung im Jahr 2010 für die PBS-Serie Faces of America herausgefunden, dass Alexander laut DNA-Analyse eine Cousine von Stephen Colbert, der ebenfalls Gast in der Sendung war, ist. Ihr Großvater väterlicherseits zog 1918 von Kingston in die USA. Der Stammbaum ihrer Mutter konnte bis zu 37 Generationen zurückverfolgt werden. Zu ihren berühmten Vorfahren gehören ihre 23. Urgroßmutter Joan, Prinzessin von England, die 24. Urgroßeltern, König Johannes I. von England und Clemence, Herrin des Königs, sowie die 37. Urgroßmutter. Großvater Karl der Große war der erste Kaiser des Heiligen Römischen Reiches.[29]

Alexander war mit Ficre Ghebreyesus verheiratet, der im April 2012 verstarb. Sie lebt mit ihren beiden Söhnen in New York City.[30]

Bibliografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedichtssammlungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufsätze und Einführungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Melvin Dixon: Love’s Instruments. Introduction by Elizabeth Alexander, Tia Chuca Press, Chicago 1995, ISBN 978-1-8826-8807-4
  • The Black Interior, Graywolf Press, 2004, ISBN 978-1-5559-7393-3
  • Power and Possibility. Essays, Reviews, and Interviews (Poets on Poetry), University of Michigan Press, Ann Arbor 2007, ISBN 978-0-4720-6937-8

Erinnerungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • The Light of the World. A Memoir, Grand Central Publishing, New York 2015, ISBN 978-1-4555-9987-5
  • Alexander, Elizabeth: Lottery tickets: mourning a husband.[31]

Kritiken und Rezessionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • How to remember. In: The Economist.[32]
  • Andrea Gollin: Review. Elizabeth Alexanders ’The Light of the World’[33]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Elizabeth Alexander – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Elizabeth Alexander. (Nicht mehr online verfügbar.) The Africana Research Center. PennState College of the Liberal Arts, archiviert vom Original am 30. Juli 2010; abgerufen am 18. Juli 2019 (englisch).
  2. Profil von Elizabeth Alexander auf der Homepage der Yale-University. (Nicht mehr online verfügbar.) 6. Juli 2014, archiviert vom Original am 2014; abgerufen am 4. August 2019 (englisch).
  3. Elizabeth Alexander — Words That Shimmer. Abgerufen am 18. Juli 2019 (amerikanisches Englisch).
  4. Larry Milstein, Emma Platoff 2:04 am, Sep 18, 2015: Elizabeth Alexander, poet and professor, to depart for Columbia. Abgerufen am 18. Juli 2019 (englisch).
  5. Elizabeth Alexander ’84 named president of Mellon Foundation. 7. Februar 2018, abgerufen am 18. Juli 2019 (englisch).
  6. Katharine Q. Seelye: Poet Chosen for Inauguration Is Aiming for a Work That Transcends the Moment. In: The New York Times. 20. Dezember 2008, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 18. Juli 2019]).
  7. Katharine Q. Seelye: Poet Chosen for Inauguration Is Aiming for a Work That Transcends the Moment. In: The New York Times. 20. Dezember 2008, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 18. Juli 2019]).
  8. a b c Katharine Q. Seelye: Poet Chosen for Inauguration Is Aiming for a Work That Transcends the Moment. In: The New York Times, 21. Dezember 2008. 
  9. a b c Michigan Detroit: Biography Today. Omnigraphics, 2010, ISBN 978-0-7808-1051-8, S. 10.
  10. a b Michigan Detroit: Biography Today. Omnigraphics, 2010, ISBN 978-0-7808-1051-8, S. 10–11.
  11. a b Yale Professor Elizabeth Alexander Named Inaugural Poet. (Nicht mehr online verfügbar.) In: n: Yale Bulletin, Yale University. 19. Dezember 2008, archiviert vom Original am 9. Juli 2010; abgerufen am 22. Juli 2019 (englisch).
  12. Larry Milstein, Emma Platoff 2:04 am, Sep 18, 2015: Elizabeth Alexander, poet and professor, to depart for Columbia. Abgerufen am 29. Juli 2019 (englisch).
  13. Michigan Detroit: Biography Today. Omnigraphics, 2010, ISBN 978-0-7808-1051-8, S. 11.
  14. Quantrell award: Elizabeth Alexander. Abgerufen am 4. August 2019.
  15. a b Michigan Detroit: Biography Today. Omnigraphics, 2010, ISBN 978-0-7808-1051-8, S. 12.
  16. Jackson Poetry Prize. 12. Februar 2008, abgerufen am 29. Juli 2019 (englisch).
  17. Academy of American Poets: About Elizabeth Alexander | Academy of American Poets. Abgerufen am 29. Juli 2019.
  18. Corydon Ireland: https://web.archive.org/web/20080511185512/http://www.news.harvard.edu/gazette/2008/05.08/15-alexander.html Radcliffe Fellow, poet Elizabeth Alexander reads], Harvard University Gazette Online. 8. Mai 2008. Archiviert vom Original am 11. Mai 2008. 
  19. Renowned Poet and Scholar Elizabeth Alexander Joins Faculty | Department of English and Comparative Literature. Abgerufen am 29. Juli 2019.
  20. Yale awards honorary degrees to 10 individuals for their achievements. 20. Mai 2018, abgerufen am 29. Juli 2019 (englisch).
  21. New 2019 Academy Members Announced. Abgerufen am 29. Juli 2019 (englisch).
  22. Elizabeth Alexander: Biography and CV. Archiviert vom Original am 4. Februar 2009. Abgerufen am 15. Januar 2009.
  23. a b Jay Parini: Why Obama chose Elizabeth Alexander for his inauguration. In: The Guardian. 18. Dezember 2008, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 29. Juli 2019]).
  24. Lifetime - Elizabeth Alexander. Abgerufen am 10. Dezember 2018.
  25. a b c Michael E. Ruane: Selection Provides Civil Rights Symmetry. The Washington Post, 18. Dezember 2008, abgerufen am 2. August 2019 (englisch).
  26. Mary Schmich: Big stage amplifies poet's critics. In: Chicago Tribune, 25. Januar 2009. 
  27. Star Tribune.. Archiviert vom Original am 23. Januar 2009. Abgerufen am 10. Dezember 2018.
  28. Elizabeth Alexander: A Poet’s Tale from Obama’s First Inaugural. 17. Januar 2017, ISSN 0028-792X (newyorker.com [abgerufen am 2. August 2019]).
  29. Faces of America, amerikanische Serie, PBS vom 3. März 2010, Staffel 1, Folge 4
  30. Academy of American Poets: About Elizabeth Alexander | Academy of American Poets. Abgerufen am 2. August 2019.
  31. Elizabeth Alexander: Lottery Tickets. 2. Februar 2015, ISSN 0028-792X (newyorker.com [abgerufen am 4. August 2019]).
  32. The Economist (Hrsg.): How to remember. Review of The Light of the World. Band 415, Nr. 8933, 11. April 2015, S. 75–76.
  33. Andrea Gollin: eview: Elizabeth Alexander’s ‘The Light of the World’. Miami Herald, 1. Mai 2015, abgerufen am 4. August 2019 (englisch).