Engter

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Engter ist ein Ortsteil der Stadt Bramsche in Niedersachsen.

Engter City.jpg

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Findling zur Erinnerung der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahre 1147
Replik einer in Kalkriese gefundenen römischen Gesichtsmaske im Luna-Park Engter

Ein Großsteingrab und Funde von Brandurnen belegen, dass die Gegend bereits in der frühen Steinzeit, aber auch in der späteren Bronze- und Eisenzeit, besiedelt war.

Das Dorf Engter wurde 1147 als „Engthere“ erstmals in einer Urkunde des Bischofs von Osnabrück erwähnt und 1183 als „Engethere“. Der Name könnte sich auf „eng“, also enge Stelle, wohl eher aber auf „Eng“, von „Ang“, gleich „nasse Wiese“ beziehen.[1]

Religiöses[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St Johanniskirche
St. Johanniskirche

Engter und die angrenzenden Ortsteile gehörten bis 1229 zum Kirchspiel Bramsche. Wegen der weiten Wegstrecke und die den Kirchgang behindernden Überschwemmungen der Hase, setzten die Bauern der Markgenossenschaft Engter den Bau einer Filialkirche auf eigene Kosten durch. 1229 erteilte der Osnabrücker Bischof Konrad I. von Velber die Baugenehmigung und traf Bestimmungen über die zu gründende Pfarre und ihren Geistlichen.[2] Im 13. Jahrhundert wurde die dem Evangelisten Johannes geweihte St.-Johannis-Kirche errichtet. Bei dem Kirchgebäude handelt es sich ursprünglich um eine spätromanische Saalkirche mit zwei quadratischen Langhausjochen, gerade geschlossenem Chor und Westturm aus Bruchstein. Die Kirche wurde 1821/1822 nach Norden um einen rechteckigen, querschiffartigen Anbau ans östliche Langhausjoch erweitert. Ein gleichartiger Anbau nach Süden wurde 1913 errichtet, sodass der Grundriss nunmehr kreuzförmig ist. Von besonderer kulturhistorischer Bedeutung ist das Triumphkreuz aus dem späten 13. Jahrhundert in der St. Johannis (Engter).

Ein Everhardus sacerdos ist als erster Priester 1238 in Engeter in einer Urkunde des Bischofs Konrads nachgewiesen.[3] Georg Monter war erster lutherischer Pastor der Kirchgemeinde. Die konfessionelle Zugehörigkeit blieb jedoch streitig. Im ‚Normaljahr‘ 1624 war die Pfarre unter P. Georg Greuter lutherisch, wurde aber erst 1650 gemäß Art. 21 der Capitulatio perpetua den Lutheranern zuerkannt.[4]

Zur Kirchengemeinde St. Johannis Engter gehören heute auch Kalkriese, Schleptrup, Lappenstuhl und Evinghausen.[5] Jährlich findet in Engter das Kirchweihfest („Bisse“) und der Jungscharballontag[6] statt.

Liste der Ortsbürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 05.12.1972 – 31.10.1976 Herrmann Steinkamp
  • 01.11.1976 – 31.10.1991 Wilhelm Unkenholt
  • 07.11.1991 – 31.10.2011 Wilhelm Berkemeyer
  • 01.11.2011 – 08.03.2018 Markus Wahlers
  • 08.03.2018 – bis heute Ralf Seeleib

Kultus und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Schule in Engter wird erstmals 1620 erwähnt, möglicherweise in einem Küsterhaus gegenüber der Kirche gelegen. Eine zweite Schule, eine Kirchspielschule „in der Art der westfälischen Bauernhäuser“ mit Lehrerwohnung im „Alten Dorf Nr. 41“, ist für das Jahr 1795 nachgewiesen. Am 25. Oktober 1909 wurde ein neues Schulgebäude mit Lehrerwohnungen eingeweiht (Baukosten 26.000 Mark), welches bis 1973 für die Klassen 1 – 4 genutzt wurde.[7] Die Stadt Bramsche verkaufte den Komplex im Zuge der Gemeinde- und Verwaltungsreform an die Bernsteinschleiferei Firma Herrling[8] (heute: Im Alten Dorf Nr. 31).[9] In den Jahren 1963 und 1969 entstand in zwei Bauabschnitten das Gebäude der Mittelpunktschule (Grund- und Hauptschule). Die Grund- und Hauptschule wurde 2013 aufgelöst. In dem Gebäude befindet sich heute eine Grundschule und der Kindergarten „Pfiffikus“, neben dem seit 1972 bestehenden „Wirbelwind“ einer von insgesamt zwei Kindergärten in Engter.[10]

Verkehr, Infrastruktur und Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Engter ist auf Grund der Nähe zu Bramsche und Osnabrück und durch die Anbindung an die A1 sehr verkehrsgünstig gelegen. Sämtliche Infrastruktureinrichtungen sind vorhanden, wie etwa zwei Hausarztpraxen, Zahnarztpraxis, Apotheke, Filiale der Sparkasse Bersenbrück und der Volksbank Bramgau, Supermarkt, Bäckereien, Floristikgeschäft, Gastronomie, Tankstellen, Freie Kfz-Werkstatt, VAG-Autohaus, Elektro- und Sanitärgeschäft, ein Raumausstatter sowie Landmaschinenhändler.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wohnbevölkerung der Gemeinde Engter mit Gebietsstand vom 27. Mai 1970[11]:

Datum Einwohner
17. Mai 1939 841
13. September 1950 1494
6. Juni 1961 1582
27. Mai 1970 1791

Am 1. Juli 1972 wurde Engter in die Stadt Bramsche eingegliedert.[12]

Heute leben rund 2.400 Menschen in dem Ortsteil.

Persönlichkeiten aus Engter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans-Joachim Driehaus (*28. September 1940), Vorsitzender Richter am Bundesverwaltungsgericht a. D. und Hochschullehrer
  • Reinhard Klimmt (*16. August 1942), deutscher Politiker (SPD), Ministerpräsident des Saarlandes und Bundesminister für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen
  • Gustav Lübbe (*12. April 1918 – †18. Mai 1995), Verleger

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wilbrand Fisse-Niewedde: Die Kirche in Engter 1229–1929. Selbstverlag, Engter, 1929; Rackhorst’sche Buchhandlung, Osnabrück, 1929; DNB 57472172X

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.te-gen.de/index.php?id=250
  2. Engter | kirchengemeindelexikon.de. Abgerufen am 25. Mai 2021.
  3. Engter | kirchengemeindelexikon.de. Abgerufen am 25. Mai 2021.
  4. Engter | kirchengemeindelexikon.de. Abgerufen am 25. Mai 2021.
  5. Kirchengemeinde Engter. Abgerufen am 23. Mai 2021.
  6. 64. Jungschartag: Ein Meer aus Luftballons am Himmel über Engter. Abgerufen am 25. Mai 2021.
  7. Geschichte | Grundschule Engter. Abgerufen am 23. Mai 2021 (deutsch).
  8. Start: Günther Herrling Natur-Bernsteinschmuck und Granatschmuck. Abgerufen am 23. Mai 2021.
  9. Geschichte | Grundschule Engter. Abgerufen am 23. Mai 2021 (deutsch).
  10. Ev. Kitas Engter. Abgerufen am 23. Mai 2021.
  11. Niedersächsisches Landesverwaltungsamt (Hrsg.): Gemeindestatistik Niedersachsen 1970. Teil 2: Bevölkerung und Erwerbstätigkeit, Heft 5: Regierungsbezirk Osnabrück, Hannover 1973, S. 26.
  12. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 254.