Erhard Jöst

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Erhard Jöst (* 22. November 1947 in Mannheim) ist ein deutscher Autor, Kabarettist und ehemaliger Lehrer aus Heilbronn.

Erhard Jöst (2014)

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erhard Jöst wuchs in Heddesheim auf. Von 1954 bis 1958 besuchte er dort die Volksschule und anschließend das Moll-Gymnasium Mannheim, an dem er 1966 die Abiturprüfung ablegte. Ab 1969 studierte er Germanistik, Geschichte und Philosophie an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, machte 1974 das Erste Staatsexamen und wurde 1976 mit der Arbeit Bauernfeindlichkeit. Die Historien des Ritters Neithart Fuchs über spätmittelalterliche Schwankliteratur zum Dr. phil. promoviert. 1977 schloss er sein Referendariat mit dem Zweiten Staatsexamen ab. Von 1976 bis 2011 unterrichtete er als Gymnasiallehrer die Fächer Deutsch, Geschichte, Politik und Ethik, von 2008 bis 2011 war er zudem Bezirkspersonalrat der Lehrkräfte an Gymnasien beim Regierungspräsidium in Stuttgart.

Seit 1980 ist er verheiratet; aus der Ehe ging eine Tochter hervor.

Publizist[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jöst veröffentlichte literarische und literaturwissenschaftliche Bücher und Aufsätze in Zeitschriften, Anthologien, Sammelbänden, Jahrbüchern und Nachschlagewerken, außerdem journalistische Beiträge in Tages- und Wochenzeitungen. Rezensionen schrieb er vor allem für literaturkritik.de.

Seit einem Seminar bei Eberhard Lämmert zur Lyrik der Befreiungskriege im Wintersemester 1972/73 befasst er sich mit Theodor Körner. 1997 wirkte er bei der Neugestaltung der Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin mit und hielt die Rede anlässlich der Neueröffnung des Theodor-Körner-Museums.[1] Im Mai 2012 hielt er beim Verein für corpsstudentische Geschichtsforschung auf der Rudelsburg einen Vortrag über Körners Rezeptionsgeschichte.[2] 2013 entlarvte Jöst ein angebliches Körner-Zitat (Noch sitzt ihr da oben ihr feigen Gestalten...), das von nationalistischen Kreisen in den Medien und bei Pegida-Demonstrationen verbreitet wurde als Fälschung.

Er war Mitglied der wissenschaftlichen Kommission, die nach der Öffnung des Wiener Neidhartgrabes 2000 die Funde auswertete und er publizierte zwei Aufsätze in dem Sammelband Neidhartrezeption in Wort und Bild, der die Ergebnisse der Neidhartforschung präsentiert.[3] Er lieferte Beiträge für den Deutschlandfunk.[4]

Jöst veröffentlicht Satiren, Lyrik, Essays, literaturwissenschaftliche Untersuchungen, Kabarett-Texte, Kurzgeschichten in den Zeitschriften Die Horen (Morawietz), kunst + kultur, Kürbiskern, Orbis litterarum, Der Deutschunterricht, Diskussion Deutsch, Litfass, päd. extra, Demokratische Erziehung, Österreich in Geschichte und Literatur, Kultur und Gesellschaft, Informationen zur Deutschdidaktik, Die Unterrichtspraxis, bildung und wissenschaft, Die Pointe, Ossietzky, Wiener Geschichtsblätter und publiziert Beiträge im LehrerInnen-Kalender sowie in Anthologien und Jahrbüchern.

Erhard Jöst 2008

1988 gründete er das Kabarett-Ensemble GAUwahnen.[5]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jöst wurde vom baden-württembergischen Kultusministerium 1981 von Bad Mergentheim nach Heilbronn versetzt, wegen der öffentlichen Verwendung eines Zweizeilers von Heinrich Heine.[6] Dies hielt Jöst in zwei Büchern fest, die er zusammen mit der Journalistin Ruth Broda herausgab.[7] Das ZDF verarbeitete sie zu dem satirischen Film Heinrich Heine und die deutsche Gegenwart.[8] 1987 wurde der Lehrer als Verfasser einer Landeshymnen-Persiflage in einer „Staatsaktion“ auf Verfassungstreue überprüft.[9]

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bundesvereinigung Kabarett und Oberbürgermeister Andreas Michelmann verliehen ihm 2012 den „Kleinkunstpreis der Stadt Aschersleben“.[10]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bauernfeindlichkeit. Die Historien des Ritters Neithart Fuchs. Kümmerle, Göppingen 1976, ISBN 3-87452-328-4.
  • Agitation durch Kriegslyrik. Heinz, Stuttgart 1978, ISBN 3-88099-053-0
  • Die Historien des Neithart Fuchs (Hrsg.). Kümmerle, Göppingen 1980, ISBN 3-87452-354-3.
  • Grüß Spott. Provinzpossen und Satiren. Heinz, Stuttgart 1988, ISBN 3-88099-621-0.
  • mit Ruth Broda (Hrsg.): Wintermärchen in der Provinz. Dreisam, Freiburg 1981, ISBN 3-921472-49-0.
  • GAUerkundung Stuttgart: Heinz, 1990, ISBN 3-88099-626-1.
  • Kultus und Spott. Schulsatiren. Heinz, Stuttgart 1997, ISBN 3-88099-639-3.
  • (mit Eckhard Lück): Auf die Bühne, fertig, los! AOL, Lichtenau 2004, ISBN 3-89111-078-2.
  • Mützen am Baum. Mein Buch, Hamburg 2002, ISBN 3-936128-13-8 (2. erweiterte Auflage. Print & Media, Offenburg 2007, ISBN 978-3-936128-13-0).
  • Friedenskämpfe. Print & Media, Offenburg 2006, ISBN 3-9810973-0-0.
  • „Vaterland! dir woll’n wir sterben!“ – Theodor Körner: Dichter, Freiheitskämpfer, Patriot und Idol. Einst und Jetzt, Bd. 58 (2013), S. 13–48
  • Opfertod fürs Vaterland. Der literarische Agitator Theodor Körner. In: Dichtung und Wahrheit. Jahrbuch Krieg und Literatur XXI/2015, S. 7–46, ISBN 978-3-8471-0487-2
  • Blauer Trost - Gedichte. freiheitsbaum edition Spinoza, Reutlingen 2015, ISBN 978-3-922589-60-0.

CD der GAUwahnen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kraft und Leben! Die GAUwahnen präsentieren Ludwig Pfau. Bretzfeld (scb-music) 2002, 10503
  • www.wahnsinn.de, Bretzfeld (scb-music) 2003, 10504
  • Viagra im Glas. Freche Kabarett-Lieder. Bretzfeld (scb-music) 2005, 10506
  • Geklonte Bohnen. Kabarett-Lieder. Bretzfeld (scb-music) 2009, 10779

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Erhard Jöst – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Kunst verlangt ein Vaterland Broschüre, hrsg. von der Projektgruppe Gedenkstättenarbeit in Mecklenburg-Vorpommern, Schwerin 1997.
  2. VfcG
  3. Den Bawrn zu leyd fahr ich dahere In: Gertrud Blaschitz (Hrsg.): Neidhartrezeption in Wort und Bild, Krems 2000; Wiltu neithart wissen. Der Reliefzyklus an der Meißener Albrechtsburg In: ebd., S. 210–218.
  4. vgl. Mit Leyer und Schwert. Über Theodor Körner. DLF Journal am Vormittag am 7. Oktober 1991 bzw. Gähnen bei Goethe? Die Klassiker im Unterricht. DLF am 3. Februar 1992
  5. GAUwahnen
  6. Im Auge behalten. In: Der Spiegel. Nr. 25, 1981, S. 85–87 (online).
  7. vgl. Wintermärchen in der Provinz, 1981, Der Schulfriede ist in Gefahr, 1982
  8. 1981 in Kennzeichen D (Fernsehen)
  9. Südwestpresse vom 6. Oktober 1987
  10. Erhard Jöst mit Kleinkunstpreis ausgezeichnet (STIMME.de)