Erhard Jöst

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Erhard Jöst (2017)

Erhard Jöst (* 22. November 1947 in Mannheim) ist ein deutscher Autor, Kabarettist und ehemaliger Lehrer aus Heilbronn.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jöst wuchs in Heddesheim auf. Von 1954 bis 1958 besuchte er die Volksschule und anschließend das Moll-Gymnasium Mannheim, an dem er 1966 die Abiturprüfung ablegte. Ab 1969 studierte er Germanistik, Geschichte und Philosophie an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, machte 1974 das Erste Staatsexamen und wurde 1976 mit der Arbeit Bauernfeindlichkeit. Die Historien des Ritters Neithart Fuchs über spätmittelalterliche Schwankliteratur zum Dr. phil. promoviert. 1977 schloss er sein Referendariat mit dem Zweiten Staatsexamen ab. Von 1976 bis 2011 unterrichtete er als Gymnasiallehrer die Fächer Deutsch, Geschichte, Politik und Ethik, von 2008 bis 2011 war er zudem Bezirkspersonalrat der Lehrkräfte an Gymnasien beim Regierungspräsidium in Stuttgart.

Seit 1980 ist er verheiratet mit Christel Banghard-Jöst. Ein Jahr später wurde Tochter Julia geboren.

Publizist

Jöst veröffentlichte literarische und literaturwissenschaftliche Bücher und Aufsätze in Zeitschriften, Anthologien, Sammelbänden, Jahrbüchern und Nachschlagewerken, außerdem journalistische Beiträge in Tages- und Wochenzeitungen. Rezensionen schrieb er vor allem für literaturkritik.de.

Seit einem Seminar bei Eberhard Lämmert zur Lyrik der Befreiungskriege im Wintersemester 1972/73 befasst er sich mit Theodor Körner. 1997 wirkte er bei der Neugestaltung der Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin mit und hielt die Rede anlässlich der Neueröffnung des Theodor-Körner-Museums.[1] Im Mai 2012 hielt er beim Verein für corpsstudentische Geschichtsforschung auf der Rudelsburg einen Vortrag über Körners Rezeptionsgeschichte.[2] 2013 entlarvte Jöst ein angebliches Körner-Zitat (Noch sitzt ihr da oben ihr feigen Gestalten...), das von nationalistischen Kreisen in den Medien und bei Pegida-Demonstrationen verbreitet wurde, als Fälschung.

Er war Mitglied der wissenschaftlichen Kommission, die nach der Öffnung des Wiener Neidhartgrabes 2000 die Funde auswertete und er publizierte zwei Aufsätze in dem Sammelband Neidhartrezeption in Wort und Bild, der die Ergebnisse der Neidhartforschung präsentiert.[3] In dem 2018 von Margarete Springeth und Franz Viktor Spechtler hg. Handbuch "Neidhart und die Neidhart-Lieder" stellt er "Das Schwankbuch Neithart Fuchs" vor. Er lieferte Beiträge für den Deutschlandfunk.[4]

Jöst veröffentlicht Satiren, Lyrik, Essays, literaturwissenschaftliche Untersuchungen, Kabarett-Texte, Kurzgeschichten in den Zeitschriften Die Horen (Morawietz), kunst + kultur, Kürbiskern, Orbis litterarum, Der Deutschunterricht, Diskussion Deutsch, Litfass, päd. extra, Demokratische Erziehung, Österreich in Geschichte und Literatur, Kultur und Gesellschaft, Informationen zur Deutschdidaktik, Die Unterrichtspraxis, bildung und wissenschaft, Die Pointe, Ossietzky, Wiener Geschichtsblätter und publizierte Beiträge im LehrerInnen-Kalender sowie in Anthologien und Jahrbüchern.

Erhard Jöst 2008
Kabarettist

1988 gründete er das Kabarett-Ensemble GAUwahnen.[5] Die GAUwahnen spielen ihre Programme im Heilbronner K3-Theaterforum. Von 1993 bis 2015 haben sie am Vorabend zum Tag der deutschen Einheit in Heilbronn und Frankfurt an der Oder eine "Nacht der deutschen GemEinheit" präsentiert, bei der auch Stars des deutschen Kabaretts wie Dieter Hildebrandt mitspielten. Seit 2015 wirkt Erhard Jöst als Komparse bei Spielfilmen mit: "Wer aufgibt, ist tot" (2016), "Die Freibadclique" (2017), "25 km/h" (2018), "Hopfingen - da braut sich was zusammen" (2018), "Aenne Burda" (2018).

Politik

Im November 1970 verteilte Jöst zusammen mit Jungsozialisten in Heddesheim bei einem Wohltätigkeitskonzert des Männergesangsvereins für den Bau von zwei konfessionellen Kindergärten Flugblätter mit der Forderung nach einem überkonfessionellen Kindergarten. Der Bürgermeister stoppte die Aktion, indem er auf die Flugblattverteiler einprügelte und einen folgenschweren Treppensturz verursachte. Die Klage gegen ihn wurde von der Staatsanwaltschaft beim Landgericht Mannheim eingestellt mit der Begründung, dass "an der Bestrafung des Beschuldigten kein öffentliches Interesse" bestehe. (Prügel vom Dorfschulzen. Vorwärts vom 3. Dezember 1970; Konrad Dussel: Heddesheim. Von der Vorgeschichte bis zur Gegenwart. verlag regionalkultur Ubstadt-Weiher 2017, S. 427 ff.). Bundesweit Schlagzeilen machten verschiedene Veranstaltungen, die Jöst während seiner Zeit als Juso-Vorsitzender in Bad Mergentheim organisierte: 1979 musste eine Vorstellung des Kabarettisten Dieter Hildebrandt in das Evangelische Gemeindezentrum verlegt werden, weil der Stadtrat den Auftritt in der Aula der Volkshochschule mit der Begründung untersagte, diese dürfe nur für "schulische und hochwertig kulturelle Zwecke" freigegeben werden. (Fränkische Nachrichten und Tauber-Zeitung vom 15. Mai 1979.) Ebenfalls in diesem Jahr referierte General Gert Bastian in Bad Mergentheim und löste im Bundestag einen Parteienstreit um die Verteidigungspolitik aus. (Generalmobilmachung gegen Gert Bastian. Eine Dokumentation. Vorwort von Walter Jens, PDI Sonderheft 14, München 1981, ISBN 3-88206-024-7.) Jöst wurde vom baden-württembergischen Kultusministerium 1981 von Bad Mergentheim nach Heilbronn versetzt, wegen der öffentlichen Verwendung eines Zweizeilers von Heinrich Heine.[6] Dies hielt Jöst in zwei Büchern fest, die er zusammen mit der Journalistin Ruth Broda herausgab.[7] Das ZDF verarbeitete sie zu dem satirischen Film Heinrich Heine und die deutsche Gegenwart.[8] 1987 wurde der Lehrer als Verfasser einer Landeshymnen-Persiflage in einer „Staatsaktion“ auf Verfassungstreue überprüft.[9] 1995 wurde er innerhalb von Heilbronn versetzt wegen Personalratstätigkeit.---->

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bundesvereinigung Kabarett und Oberbürgermeister Andreas Michelmann verliehen ihm 2012 den „Kleinkunstpreis der Stadt Aschersleben“.[10]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bauernfeindlichkeit. Die Historien des Ritters Neithart Fuchs. Kümmerle, Göppingen 1976, ISBN 3-87452-328-4.
  • Agitation durch Kriegslyrik. Heinz, Stuttgart 1978, ISBN 3-88099-053-0
  • Die Historien des Neithart Fuchs (Hrsg.). Kümmerle, Göppingen 1980, ISBN 3-87452-354-3.
  • Grüß Spott. Provinzpossen und Satiren. Heinz, Stuttgart 1988, ISBN 3-88099-621-0.
  • mit Ruth Broda (Hrsg.): Wintermärchen in der Provinz. Dreisam, Freiburg 1981, ISBN 3-921472-49-0.
  • GAUerkundung Stuttgart: Heinz, 1990, ISBN 3-88099-626-1.
  • Kultus und Spott. Schulsatiren. Heinz, Stuttgart 1997, ISBN 3-88099-639-3.
  • (mit Eckhard Lück): Auf die Bühne, fertig, los! AOL, Lichtenau 2004, ISBN 3-89111-078-2.
  • Mützen am Baum. Mein Buch, Hamburg 2002, ISBN 3-936128-13-8 (2. erweiterte Auflage. Print & Media, Offenburg 2007, ISBN 978-3-936128-13-0).
  • Friedenskämpfe. Print & Media, Offenburg 2006, ISBN 3-9810973-0-0.
  • „Vaterland! dir woll’n wir sterben!“ – Theodor Körner: Dichter, Freiheitskämpfer, Patriot und Idol. Einst und Jetzt, Bd. 58 (2013), S. 13–48
  • Opfertod fürs Vaterland. Der literarische Agitator Theodor Körner. In: Dichtung und Wahrheit. Jahrbuch Krieg und Literatur XXI/2015, S. 7–46, ISBN 978-3-8471-0487-2
  • Blauer Trost – Gedichte. freiheitsbaum edition Spinoza, Reutlingen 2015, ISBN 978-3-922589-60-0.

CD der GAUwahnen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kraft und Leben! Die GAUwahnen präsentieren Ludwig Pfau. Bretzfeld (scb-music) 2002, 10503
  • www.wahnsinn.de, Bretzfeld (scb-music) 2003, 10504
  • Viagra im Glas. Freche Kabarett-Lieder. Bretzfeld (scb-music) 2005, 10506
  • Geklonte Bohnen. Kabarett-Lieder. Bretzfeld (scb-music) 2009, 10779

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Erhard Jöst – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Kunst verlangt ein Vaterland Broschüre, hrsg. von der Projektgruppe Gedenkstättenarbeit in Mecklenburg-Vorpommern, Schwerin 1997.
  2. VfcG
  3. Den Bawrn zu leyd fahr ich dahere In: Gertrud Blaschitz (Hrsg.): Neidhartrezeption in Wort und Bild, Krems 2000; Wiltu neithart wissen. Der Reliefzyklus an der Meißener Albrechtsburg In: ebd., S. 210–218.
  4. vgl. Mit Leyer und Schwert. Über Theodor Körner. DLF Journal am Vormittag am 7. Oktober 1991 bzw. Gähnen bei Goethe? Die Klassiker im Unterricht. DLF am 3. Februar 1992
  5. GAUwahnen
  6. Im Auge behalten. In: Der Spiegel. Nr. 25, 1981, S. 85–87 (online).
  7. vgl. Wintermärchen in der Provinz, 1981, Der Schulfriede ist in Gefahr, 1982
  8. 1981 in Kennzeichen D (Fernsehen)
  9. Südwestpresse vom 6. Oktober 1987
  10. Erhard Jöst mit Kleinkunstpreis ausgezeichnet (STIMME.de) (Memento des Originals vom 21. Dezember 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/meine.stimme.de