Erich Marckhl

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Erich Marckhl (* 3. Februar 1902 in Cilli, Österreich-Ungarn; † 8. Juli 1980 in Graz) war ein österreichischer Musikwissenschaftler und Komponist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erich Marckhl studierte Germanistik, Philosophie und Musikwissenschaft an der Universität Wien und promovierte dort im Jahr 1925 zum Dr. phil.[1] Von 1926 bis 1936 arbeitete er als Erzieher an der Bundes-Erziehungsanstalt Wien XIII, ehemals Kadettenschule, wurde aber aus politischen Gründen entlassen (Mitgliedschaft bei der illegalen NSDAP).[2][A 1] Er lehrte darauf von 1937 bis 1939 an der Hochschule für Lehrerbildung in Dortmund. 1939 wurde er „Fachinspektor für Musik an Höheren Schulen“ in Wien, 1940–45 Professor für Musikerziehung an der Wiener Reichshochschule für Musik (heute Universität für Musik und darstellende Kunst Wien). An den Musiklehranstalten Wien richtete er ein Seminar für Musikerziehung und eine provisorische Lehramtsprüfungskommission ein.

Auf Grund seiner nationalsozialistischen Vergangenheit blieb er 1945 zunächst stellenlos und lebte mit Unterstützung durch die Familie von Gottfried von Einem in Ramsau am Dachstein (1945/46) und in Plomberg am Mondsee (1946–48). In der Folge gelang es ihm jedoch bereits Ender der 1940er, vor allem aber in den 1950er Jahren, einflussreiche und zentrale Posten im steirischen Musikleben zu besetzen. 1948 wurde Marckhl Leiter, 1949–52 Direktor der Städtischen Musikschule in Kapfenberg.[A 2] Ebenfalls im Jahre 1948 wurde ihm das neu eingerichtete kleine Seminar für Musikerziehung am Landeskonservatorium (heute Johann-Joseph-Fux-Konservatorium) in Graz übertragen. Seit 1952 war Marckhl im Vorstand des Musikvereins für Steiermark.[3] Am 1. Juli 1952 wurde Marckhl zum Landesmusikdirektor für Steiermark berufen, in Personalunion leitete er auch das steirische Volksmusikschulwesen. 1953 gründete Marckhl das Studio für Probleme zeitlich naher Musik in Graz. Im Rahmen dieser Konzertreihe, die bis 1975 Bestand hatte, wurden zahlreiche zeitgenössischen Werke ur- und erstaufgeführt, darunter Luigi Dallapiccola, Mátyás Seiber und Gottfried von Einem.[4] Als einer der prominentesten Vertreter der internationalen Avantgarde war 1957 der damals 32-jährige Pierre Boulez im Rahmen des Studios zu Gast in Graz, hielt einen Vortrag und spielte seine 1. Klaviersonate.[A 3] 1957 übernahm Marckhl zusätzlich die Leitung des Landeskonservatoriums Graz, das auf seine Initiative hin 1963 zur Akademie für Musik und darstellende Kunst (heute Universität für Musik und darstellende Kunst Graz) aufgewertet wurde, mit Marckhl als ersten Präsidenten (bis 1971). Im Jahre 1965 begründete er die Expositur eines Kultur- und Hochschulzentrums in Oberschützen im Burgenland.[5]

2019 wurde an der Musikuniversität Graz ein Projekt gestartet, das sich die Erforschung des Lebens und Wirkens von Marckhl zum Ziel gesetzt hat.[6][A 4]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Marckhls nationalsozialistische Vergangenheit beleuchtet Boris von Haken in dem Aufsatz "In Stein gemeißelt. 200 Jahre Kunstuniversität Graz", in: Quer. Architektur und Leben im urbanen Raum 24 (2017), S. 9–11.
  2. Zum Aufbau der Musikschule in Kapfenberg in den 1950er Jahren siehe auch Harald Kaufmann: Neue Musik in Steiermark, Graz 1957, S. 67–69.
  3. Über den Auftritt von Boulez sowie über den von Dallapiccola berichtet Harald Kaufmann in: Neue Musik in Steiermark, S. 91–93.
  4. siehe dazu auch den Aufsatz von Susanne Kogler, Julia Mair, Juliane Oberegger und Johanna Trummer, „Erich Marckhl – Musikausbildung in der Steiermark nach 1945. Brüche und Kontinuitäten“, in: Freie Beiträge zur Jahrestagung der Gesellschaft für Musikforschung 2019, hrsg. von Nina Jaeschke und Rebecca Grotjahn (= Musikwissenschaft: Aktuelle Perspektiven). Bericht über die Jahrestagung der Gesellschaft für Musikforschung 2019 in Paderborn und Detmold, Bd. 1, Detmold 2020, S. 150–157. Online: [1] abgerufen am 29. Januar 2022.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Barbara Boisits: Marckhl, Erich. In: Oesterreichisches Musiklexikon online. Abgerufen am 22. Februar 2021.
  2. Biografie von Erich Marckhl auf ÖSTERREICHISCHER KUNSTSENAT. Abgerufen am 16. Januar 2022.
  3. Harald Kaufmann: Eine bürgerliche Musikgesellschaft. 150 Jahre Musikverein für Steiermark, Graz 1965, S. 168.
  4. Harald Kaufmann: Neue Musik in Steiermark, S. 73–77.
  5. Geschichte der KUG. Universität für Musik und darstellende Kunst Graz, abgerufen am 10. Januar 2022.
  6. Erich Marckhl – Musikausbildung in der Steiermark nach 1945. Brüche und KontinuitätenUniversität für Musik und darstellende Kunst Graz, abgerufen am 16. Januar 2022.
  7. Großer Österreichischer Staatspreis für Musik - Preisträger auf Bundesministerium Kunst, Kultur, öffentlicher Dienst und Sport (abgerufen am 22. Februar 2021)
  8. Inschrift Deutschordenshof, Durchgang: Erich Marckhl 1971 (abgerufen am 22. Februar 2021)
  9. EhrenringträgerInnen der Stadt Graz auf Internetpräsenz der Stadt Graz (abgerufen am 22. Februar 2021)