Musikverein für Steiermark

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Der Musikverein für Steiermark[1] ist der größte Konzertveranstalter der Steiermark. Die Konzerte finden im Stephaniensaal (Congress Graz) statt, der zu den akustisch besten Konzertsälen der Welt zählt, aber auch im Kammermusiksaal (Congress Graz). Im Barocksaal (Priesterseminar) werden Kinderkonzerte veranstaltet. Der Musikverein für Steiermark ist neben dem Wiener Musikverein (Gesellschaft der Musikfreunde in Wien) einer der ältesten Musikvereine der Welt, der seit seiner Gründung ohne Unterbrechung arbeitet. Er wurde 1815 als „Academischer Musikverein“[2] gegründet und 1817 als „Musikverein für Steyermark“ behördlich anerkannt.[3] Zwischenzeitlich wurden auch Namen wie „Steiermärkischer Musikverein“ oder „Musikverein in der Steiermark“ verwendet, seit den 1850er-Jahren ist die Bezeichnung „Musikverein für Steiermark“ üblich.[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die im Jahr 1821 angelegte Matrikel des Steiermärkischen Musikvereins

Gründungszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Musikverein für Steiermark wurde im Frühjahr 1815 von einer Vereinigung Grazer Akademiker gegründet, das genaue Datum ist allerdings nicht bekannt. Die treibende Kraft bei der Gründung war den ersten Statuten zufolge Johann Farbmann, Kurat der Grazer Stadtprobstei. Dieses Dokument wurde außerdem von 30 weiteren Personen unterzeichnet.[5] In Form „musikalischer Übungen“ wurde gemeinsam musiziert,[6] zur Motivation der Mitglieder wurden außerdem öffentliche Akademien veranstaltet.[7] Zweck des neu gegründeten Vereins war „seine eigene und der musikalischen Jugend in Steyermark musikalische Bildung“ sowie „das Vergnügen des Publikums und die dadurch zu erzielende Beförderung der Wohltätigkeitsanstalten“.[8] 1819 konnte Erzherzog Johann als Protektor des Musikvereins gewonnen werden.[6] Er setzte sich beim Kaiser für den Musikverein ein und besuchte Ausschusssitzungen sowie Konzerte der Vereinsschule.[9] Wie der ursprüngliche Name „Academischer Musikverein“ verrät, wurden in den ersten Monaten nur Akademiker aufgenommen. Da dieser Personenkreis jedoch zu eng gefasst war, wurden schon bald „auch Mitglieder aus anderen Kreisen als ‚Ehrenmitglieder‘“ aufgenommen,[10] die allerdings keine aktiven Musiker waren, sondern fördernde Mitglieder („teilnehmende Ehrenmitglieder“).[11] Bereits 1817 wurde der Zusatz „Academischer“ aus den Statuten des Musikvereins getilgt, Akademiker durften fortan auch nicht mehr den Hauptanteil des Ausschusses ausmachen.[12] Seit 1821 gibt es auch „auswärtige Ehrenmitglieder“[13] (Ehrenmitglieder im heutigen Sinne). Zu den bedeutendsten Ehrenmitgliedern des frühen 19. Jahrhunderts zählen Ludwig van Beethoven (1821) und Franz Schubert (1823).[14]

Im ersten „öffentlichen Konzert“ (für Mitglieder und geladene Gäste) am 6. Juni 1815 wurden Werke der Ehrenmitglieder Ludwig van Beethoven, Franz von Mosel und Anton Diabelli sowie Kompositionen von Rodolphe Kreutzer, [?] Müller und Vincenzo Righini aufgeführt.[15] Die ersten öffentlichen Konzerte dienten ausschließlich Wohltätigkeitszwecken, später gab es alle 1–2 Monate „Gesellschaftskonzerte“, Wohltätigkeitskonzerte und Aufführungen von Kirchenmusik. Während in den ersten Jahrzehnten vorrangig einheimische Musiker auftraten, wurden ab 1870 verstärkt auswärtige Musiker herangezogen,[6] auch begründet in der zunehmenden Konkurrenz durch Gesangsvereine, die eine attraktivere Konzertgestaltung erforderten.[16] Ab 1885 stand dem Musikverein mit dem Stephaniensaal schließlich ein ständiger Konzertsaal zur Verfügung.[6] Zuvor hatten die Konzerte u. a. im Rittersaal des Landhauses[17] oder im Ständischen Redoutensaal[18] stattgefunden.

Das 19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von einem Repertoire im heutigen Sinne kann man in der 1. Jahrhunderthälfte noch nicht sprechen. Vorherrschend waren in den ersten Jahrzehnten die Sakralmusik (z. B. Oratorien und Chorwerken von Joseph Haydn, Gaspare Spontini und Wolfgang A. Mozart), aber auch Opernarien und -ouvertüren sowie Variationen. Eine große Anzahl von Werken, die oft nicht als Ganzes aufgeführt wurden, sowie die sehr unterschiedlichen Besetzungen prägten die Programme im Potpourri-Stil. Im Laufe der 1840er-Jahre waren verstärkt Werke deutscher Komponisten sowie Instrumentalmusik zu hören. Von einem neuen Werkverständnis, „das den Ausgangspunkt für den Musikverein auf dem Weg zu einem modernen Konzertveranstalter bildete“,[19] zeugt die häufigere Aufführung ganzer Kompositionen (z. B. Symphonien). In den 1850ern kam es wieder vermehrt zur Aufführung großer Chorwerke (z. B. von Felix Mendelssohn Bartholdy oder Joseph Haydn) und einer Professionalisierung der Sänger. Im folgenden Jahrzehnt wurden häufiger auswärtige Künstler engagiert und die Konzertprogramme deren Wünschen entsprechend adaptiert, sodass etwa mehr solistische Werke (v.a. für Violine und Klavier) auf dem Programm standen. Mit der Herausgabe einer detaillierten „Konzertordnung“ erfolgte 1862 ein weiterer Meilenstein in Richtung professioneller Konzertveranstalter. Die Definition von „Haupt-Nummern“ führte zu dramaturgisch durchdachten Konzertprogrammen. In der 2. Jahrhunderthälfte wurden u. a. sämtliche Symphonien Ludwig van Beethovens aufgeführt. Es kam zur Setzung thematischer Schwerpunkte (z. B. mit Konzerten zu Ehren von Felix Mendelssohn Bartholdy, Ludwig van Beethoven und Richard Wagner). In den Konzerten der 1880er-Jahre standen publikumswirksame Virtuosen im Vordergrund. Bedeutsam waren v.a. die Werke von Richard Wagner, aber auch von Johann S. Bach oder Anton Bruckner (Erstaufführung der 7. Symphonie). In den 1890er-Jahren etablierte sich auch endgültig die Kammermusik im Konzertprogramm.[20]

Das 20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die politische Situation Österreichs im frühen 20. Jahrhundert hatte auch auf den Musikverein massive Auswirkungen. So war durch die schwierige wirtschaftliche Lage auch die Konzerttätigkeit teilweise stark eingeschränkt. Zu einer Verbesserung der finanziellen Situation führte der Verkauf der wertvollen „Kaisersammlung“ an die Österreichische Nationalbibliothek im Jahr 1935.[21] Wie alle anderen privaten und öffentlichen Institutionen wurde auch der Musikverein den ideologischen Zielen und organisatorischen Konzepten des Nationalsozialismus unterworfen. Dazu zählte auch die obligatorische Mitgliedschaft in der Reichsmusikkammer. 1939 wurde das Konservatorium vom Steirischen Musikschulwerk übernommen und der Musikverein als reiner Konzertveranstalter weitergeführt.[22] Die politischen Geschehnisse beeinflussten auch das Konzertrepertoire. Der Musikverein musste sich meist auf in Graz und der näheren Umgebung zur Verfügung stehende Künstler beschränken, große symphonische Besetzungen waren finanziell und organisatorisch schwierig zu bewältigen. Diese Umstände führten andererseits zu einer breiten Gestaltung des Repertoires. Neben Kompositionen aus Klassik und Romantik kam es zu einer großen Zahl von Ur- und Erstaufführungen. Auf dem Programm standen u. a. Werke von Richard Strauss, Franz Liszt, Pjotr I. Tschaikowsky (Erstaufführung 1. Klavierkonzert), Anton Bruckner und Hugo Wolf, aber auch thematische Abende wie ein Kammermusikabend unter dem Motto „Moderne Meister“ (Max von Schillings, Joseph Marx u. a.) oder eine „Beethoven-Feier“. Unter der Direktion Hermann von Schmeidels in den 1930ern kam es zu einem Barockschwerpunkt. „Offene Singstunden“ dienten auch der Propaganda. Die Kammer- und Solistenkonzerte brachten ein breites Repertoire von der Klassik bis zu Claude Debussy, Paul Hindemith, Hans Pfitzner, Sergej Rachmaninow oder Egon Kornauth.[23] Zu Beginn des 2. Weltkriegs wurde der Konzertbetrieb zunächst scheinbar ungestört weitergeführt. „Dem Hörer soll innere Erhebung, aber auch Ablenkung und Entspannung geboten werden. Alles Minderwertige und Seichte jedoch hat in der Vortragsfolge keinen Platz.“[24] Auch Werke von Komponisten jüdischer oder slawischer Abstammung waren verboten. Der Fokus lag auf Künstlern aus dem „Altreich“ bzw. auf „deutscher“ Musik, z. B. auf Werken von Johann S. Bach, Johann Joseph Fux und Joseph Marx, deutscher Weihnachtsmusik und Volksliedern. Ab 1942 wurden verstärkt „leichtere“ Programme zur Unterhaltung und Ablenkung veranstaltet, etwa unter dem Titel „Fröhliche Klaviermusik“ oder „Beschwingte Musik“. In den Orchesterkonzerten dominierten Werke von Beethoven, Johannes Brahms und Bruckner, deutschen und italienische Komponisten. Gegen Kriegsende nahm die Zahl der Konzerte deutlich ab.[25]

Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Musikverein als privater Verein neu konstituiert. Die Konzerte des Theaterorchesters fanden nun im Musikverein statt, wodurch die Orchesterkonzerte gesichert waren. Zudem wurden auswärtige Solisten und Ensembles eingeladen. Ab 1945 wurde zusätzlich im Sommer eine „Grazer Festwoche“ veranstaltet, bei denen u. a. Karl Böhm, Julius Patzak, Maria Cebotari, Josef Krips, Hermann Scherchen und die Wiener Philharmoniker gastierten. Unter der Leitung von Generalsekretär Albert Moser gelang der Anschluss an den internationalen Konzertbetrieb mit Persönlichkeiten wie John Barbirolli, Hans Knappertsbusch, Sergiu Celibidache, Herbert von Karajan und Clemens Krauss. Aus einer finanziellen Krise führte in den frühen 1950ern ein erster Fördervertrag mit dem Land Steiermark und ein Vertrag mit dem Grazer Philharmonischen Orchester. In den 1950er-Jahren nahm die Musik des 20. Jahrhunderts stetig zu, auch bedingt durch das von Landesmusikdirektor Erich Marchkl ins Leben gerufene „Studio für Probleme zeitlich naher Musik“. Unter Reinhold Portisch wurde die Konzertzahl in der Jubiläumssaison 1965/1966 stark erhöht, die Sommerspiele in den Herbst verlegt und mit dem „steirischen herbst“ zusammengeführt. Zu einer Spezialität für Graz kristallisierte sich seit 1954/55 die Veranstaltung von Liederabenden mit Künstlern wie Irmgard Seefried, Christa Ludwig, Hermann Prey, Nicolai Gedda, Lisa della Casa, Fritz Wunderlich, Gundula Janowitz, Grace Bumbry, Peter Schreier, Teresa Berganza, Lucia Popp, Brigitte Fassbaender und Jessye Norman.[26]

Mit Erika Kaufmann stand ab 1971 erstmals eine Frau an der Spitze des Musikvereins. Unter ihrer Führung wurden die Vereinsfinanzen saniert und der Musikverein vom „steirischen herbst“ getrennt. Kaufmann setzte verstärkt auf die Bewerbung von Solisten-, Kammerkonzerten und Liederabenden. „Konzerte außer Abonnement“ sollten die Attraktivität des Musikvereins gewinnbringend steigern. 1990 feierte der Musikverein sein 175-jähriges Jubiläum mit einem Festprogramm und einer weiteren Festschrift. 1991 übernahm Uta Werner das Amt der Generalsekretärin. Unter ihrer Leitung debütierten junge Künstler, die später zur Weltspitze zählten, etwa Martin Grubinger, Leonidas Kavakos, Thomas Quasthoff, Julian Rachlin, Markus Schirmer, Bo Skovhus und Maxim Vengerov, aber auch Größen wie Cecilia Bartoli, Miltiades Caridis, Valery Gergiev, Thomas Hampson, Midori, Georges Prêtre, Sir Simon Rattle und Wolfgang Sawallisch.[27]

200 Jahre Musikverein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Bestellung von Michael Nemeth zum Generalsekretär und künstlerischen Leiter ab 2008/09 gelang durch internationale Spitzenmusiker und innovative Projekte die Gewinnung neuer, größerer Publikumskreise.[28] Im Musikverein gastierten seither u. a. Agnes Baltsa, Piotr Beczała, Alfred Brendel, Diana Damrau, Elīna Garanča, Edita Gruberová, Dmitri Hvorostovsky, Vesselina Kasarova, Jonas Kaufmann, Angelika Kirchschlager, Fabio Luisi, Oleg Maisenberg, Mischa Maisky, Xavier de Maistre, Sir Neville Marriner, Zubin Mehta, Anna Netrebko, Krzysztof Penderecki, Olga Peretyatko, Julian Rachlin, András Schiff, Christian Thielemann, Ramón Vargas, Rolando Villazón und Arcadi Volodos sowie renommierte Orchester (z. B. Royal Philharmonic Orchestra, Wiener Symphoniker und Philharmoniker). Die Zusammenarbeit mit dem Grazer Philharmonischen Orchester wurde mit spannenden Programmen und Ur- und Erstaufführungen intensiviert. Im Bereich der Kammermusik gastierten Weltklasse-Ensembles (z. B. Tokyo String Quartet, Quatuor Ébène) ebenso wie junge Ensembles. Weitere Höhepunkte waren Konzerte mit Angela Denoke (Musik der 1920er- und 1930er-Jahre), Martin Grubinger (The Percussive Planet) und Cecilia Bartoli (Sacrificium, Händels Heldinnen u. a.), die Musik zum Stummfilm Der Rosenkavalier (Frank Strobel, Grazer Philharmonisches Orchester), Verdis Giovanna d’Arco (Carlo Montanaro, ORF Radio-Symphonieorchester Wien) und Mozarts Requiem (Adam Fischer, Grazer Philharmonisches Orchester). Ein 2010 mit der 9. Symphonie (Bertrand de Billy, ORF Radio-Symphonieorchester Wien) begonnener Mahler-Zyklus wurde 2015 mit der monumentalen 8. Symphonie in der Grazer Stadthalle abgeschlossen (Gabriel Feltz, Grazer Philharmonisches Orchester).[29]

Der Schwerpunkt der Jubiläumssaison 2014/2015 lag auf der Geschichte des Musikvereins und ihren Ehrenmitgliedern. Höhepunkte der über 60 Projekte waren Kooperationen mit Wiener Musikverein, Konzerthaus und Staatsoper, das Debüt des Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam unter Mariss Jansons, ein Festkonzert mit Philippe Jordan und den Wiener Symphonikern, Konzerte mit Angela Gheorgiu, Simon Keenlyside, der Initiative „Styria cantat“, dem Concentus Musicus Wien unter Nikolaus Harnoncourt sowie Gala-Abende mit Künstlern wie Markus Schirmer, Lidia Baich, Helmut Deutsch, Thomas Quasthoff, Michael Schade und dem Hugo Wolf Quartett.[30] Mit dem jährlichen „Konzert für Menschenrechte“ setzt der Musikverein seit 2014 ein besonderes Zeichen der Verantwortung von Kunst und Kultur für die Werte einer humanistisch orientierten Gesellschaft. Für das nächste „Konzert für Menschenrechte“ im Dezember 2017,[31] gewidmet der Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai, wurden vom Musikverein auch Auftragskompositionen an junge Komponisten vergeben.[32] 2015 erschien auch die Festschrift Im Jahrestakt, welche die Reihe der Festpublikationen aus den Jahren 1890, 1965 und 1990 fortführt. Sie dokumentiert die wichtigsten historischen Ereignisse sowie die Programmgestaltung von der Gründungszeit bis ins 21. Jahrhundert, greift aber auch aktuelle Fragen aus Kulturwissenschaft, Philosophie und Soziologie auf. Viele Inhalte werden erstmals behandelt, etwa die Tätigkeiten des Musikvereins während des Nationalsozialismus, die Rolle der Frauen im Musikverein oder eine vollständige Auflistung der 150 Ehrenmitglieder. Lebendig wird das Buch durch zahlreiche Konzertfotos aus den letzten Jahren sowie durch Statements von Mitgliedern, Ehrenmitgliedern und Pressevertretern.[33]

Spielzeit 2017/2018[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Saison 2017/2018 wird verstärkt auf Internationalität, Repertoirevielfalt und die Förderung junger Talente gesetzt. Kooperationen mit der Sommerakademie der Wiener Philharmoniker (Le nozze di Figaro), dem Wiener Konzerthaus (GREAT TALENT), der Kunstuniversität Graz und dem Johann-Joseph-Fux Konservatorium sollen Brücken zwischen Ausbildungsstätte und Konzertpodium bauen. Die Familienkonzertreihe „Amabile“ ist für junge Konzertbesucher. Das „Konzert für Menschenrechte“ bringt neben Werken von Johannes Brahms bis Bohuslav Martinů auch neue Kompositionen. Ein breites Repertoire präsentieren Dennis R. Davies, Gabriel Feltz, Marek Janowski, Giovanni Antonini, Marc Piollet, Oksana Lyniv u. a. Musiker wie Rolando Villazón, David Garrett, Thomas Quasthoff, Rudolf Buchbinder, Philippe Jaroussky, Grigory Sokolov, Elisabeth Kulman, Mauro Peter, Christiane Karg, Ksenija Sidorova, René Pape und Simon Keenlyside.[34]

Jugendförderung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Eröffnung einer Singschule im Jahr 1816, die später um Instrumentalklassen, musiktheoretische Klassen, Kompositions- und Dirigierklassen erweitert wurde, spiegelt den bürgerlichen Bildungsgedanken und Drang der damaligen Gesellschaft nach Bildung, Erziehung und Aufklärung wider. Nach mehrmaligem Ortswechsel zog die Musikschule 1889 in die Griesgasse 29 und wurde schließlich 1920 zum Konservatorium erhoben. 1939 wurde das Konservatorium vom Musikverein abgetrennt und verstaatlicht (ab 1963 Akademie, heute Universität für Musik und darstellende Kunst). Die in der Griesgasse verbliebenen Klassen wurden als „Landesmusikschule“ und später als „Johann-Joseph-Fux Konservatorium“ weitergeführt.[6] Zu den bedeutendsten Schülern der Vereinsschule zählen u. a. Waldemar Bloch, Karl Böhm, Ferruccio Busoni, Louis Eller, Marie Geistinger, Siegmund von Hausegger, Wilhelm Kienzl, Joseph Marx, Nikolaus von Reznicek und Ernst Schuch.

Eine lange Tradition haben auch Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche im Musikverein. Ersten „Jugendkonzerten“ (1960/61) folgte Ende der 1960er-Jahre eine Kooperation mit der Jeunesse Österreich. Von 1991 bis 2005 bestand der Kinderkonzertzyklus „Kleine Leute – Große Ohren“. In der 2008 etablierten Reihe „Amabile“ stellten etablierte Musiker wie Markus Schirmer und Julian Rachlin dem Publikum junge Künstler vor. Eine Novität waren auch Kammeropernprojekte mit jungen Künstlern: Einer Trilogie früher Einakter von Gioachino Rossini folgte Gaetano Donizettis Rita sowie Franz von Suppés Die schöne Galathée.[35] In den Amabile-Veranstaltungen debütierten junge Talente, die wenig später eine Weltkarriere starteten, wie Evgeny Chepovetsky, Julie Fuchs oder Olga Peretyatko. Nach einer erneuten Zusammenarbeit mit der Jeunesse veranstaltet der Musikverein seit 2016/2017 wieder in Eigeninitiative Kinderkonzerte, darunter Peter und der Wolf oder Konzerte mit Timna Brauer. An seinen Gründungsgedanken knüpft der Musikverein außerdem mit Kooperationen mit Musikuniversitäten und Initiativen zur Förderung junger Talente an.[36]

Künstlerische Leitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bedeutende Persönlichkeiten des Grazer Musiklebens standen in engem Zusammenhang mit dem Musikverein für Steiermark: als aktive Musiker oder in verschiedenen Funktionen innerhalb des Vereins, darunter Heinrich von Herzogenberg, Eduard Hysel, Anselm Hüttenbrenner, Wilhelm Mayer-Rémy, Carl M. von Savenau, Ferdinand Thieriot, Wilhelm Kienzl, Erich Wolfgang Degner, Roderich von Mojsisovics u.v.a.[6] Im 20. Jahrhundert wurde der Musikverein von Generalsekretär(inn)en wie Albert Moser, Reinhold Portisch, Erika Kaufmann, Uta Werner und Michael Nemeth (seit 2007/08) geprägt.

Ehrenmitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den bedeutendsten „auswärtigen Ehrenmitgliedern“ des frühen 19. Jahrhunderts zählen die Komponisten Ludwig van Beethoven und Franz Schubert. Die Auszeichnung wurde aber auch an „ehemalige ausübende, um den Verein besonders verdiente Mitglieder, welche Graz verlassen hatten“, verliehen (z. B. an den ehemaligen Musikdirektor und Schubert-Freund Anselm Hüttenbrenner) oder an „fremde Künstler“ wie die Sängerin Therese Sessi und das 8-jährige Geigenwunderkind Sigismund von Praun.[37]Im 20. Jahrhundert wurden vorwiegend Komponisten und Musiker zu Ehrenmitgliedern ernannt, etwa Ernst Krenek, Karl Böhm, Alfred Cortot, György Ligeti, Alfred Brendel und Ernst Märzendorfer. Rund um das 200. Jubiläum des Musikvereins wurden Krzysztof Penderecki, Nikolaus Harnoncourt, Elīna Garanča und Adam Fischer in die Reihe der mittlerweile 150 Ehrenmitglieder[38] aufgenommen.[39]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bischoff, Ferdinand: Chronik des Steiermärkischen Musikvereines. Festschrift zur Feier des 75-jährigen Bestandes des Vereines, Graz 1890.
  • Dorfer, Angelika: Jugend herein?! Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche, in: Im Jahrestakt. 200 Jahre Musikverein für Steiermark, hg. v. Michael Nemeth in Zusammenarbeit mit Susanne Flesch, Wien Köln Weimar 2015, S. 171–175.
  • Flesch, Susanne: Die Ehrenmitglieder des Musikvereins für Steiermark, in: Im Jahrestakt. 200 Jahre Musikverein für Steiermark, hg. v. Michael Nemeth in Zusammenarbeit mit Susanne Flesch, Wien Köln Weimar 2015, S. 223-257.
  • Kaufmann, Erika (Hrsg.): 175 Jahre Musikverein für Steiermark. Graz. 1815–1990, Graz 1990.
  • Kaufmann, Harald: Eine bürgerliche Musikgesellschaft. 150 Jahre Musikverein für Steiermark, Graz 1965.
  • Krammer, Gerald: Das Repertoire der Musikvereinskonzerte in den Jahren 1914 bis 1938, in: Im Jahrestakt. 200 Jahre Musikverein für Steiermark, hg. v. Michael Nemeth in Zusammenarbeit mit Susanne Flesch, Wien Köln Weimar 2015, S. 137–142.
  • Krammer, Gerald: Das Repertoire der Musikvereinskonzerte von 1939 bis 1945, in: Im Jahrestakt. 200 Jahre Musikverein für Steiermark, hg. v. Michael Nemeth in Zusammenarbeit mit Susanne Flesch, Wien Köln Weimar 2015, S. 143–147.
  • Nemeth, Michael: „Der Musikverein zeigt, was er kann.“ Zwischenbilanz einer sanften Erneuerung, in: Im Jahrestakt. 200 Jahre Musikverein für Steiermark, hg. v. Michael Nemeth in Zusammenarbeit mit Susanne Flesch, Wien Köln Weimar 2015, S. 183.
  • Nemeth, Michael in Zusammenarbeit mit Flesch, Susanne (Hrsg.): Im Jahrestakt. 200 Jahre Musikverein für Steiermark, Wien Köln Weimar 2015.
  • Nemeth, Michael: Wende und Aufbruch, in: Im Jahrestakt. 200 Jahre Musikverein für Steiermark, hg. v. Michael Nemeth in Zusammenarbeit mit Susanne Flesch, Wien Köln Weimar 2015, S. 149–155.
  • Rathkolb, Oliver: Der Musikverein für Steiermark während der Kanzlerdiktaturszeit (1933–1938) und des Nationalsozialismus (1938–1945), in: Im Jahrestakt. 200 Jahre Musikverein für Steiermark, hg. v. Michael Nemeth in Zusammenarbeit mit Susanne Flesch, Wien Köln Weimar 2015, S. 127–134.
  • Rathkolb, Oliver: „Neuordnung und Neubelebung des Steiermärkischen Musikvereines“. 1918 – 1933 – 1938, in: Im Jahrestakt. 200 Jahre Musikverein für Steiermark, hg. v. Michael Nemeth in Zusammenarbeit mit Susanne Flesch, Wien Köln Weimar 2015, S. 123–125.
  • Scholz, Birgit: Art. Musikverein für Steiermark, in: Literatur- und kulturgeschichtliches Handbuch der Steiermark im 19. Jahrhundert online, http://lithes.uni-graz.at/handbuch/musikverein_fuer_steiermark.html [22. Mai 2017].
  • Smale, Mona: Die Ausbildung der musikalischen Jugend. Die Vereinsmusikschule im 19. Jahrhundert, in: Im Jahrestakt. 200 Jahre Musikverein für Steiermark, hg. v. Michael Nemeth in Zusammenarbeit mit Susanne Flesch, Wien Köln Weimar 2015, S. 109–113.
  • Zechner, Ingeborg: „Vom Drang des Weiterschreitens in der Kunst“. Über das Programm der Konzerte im 19. Jahrhundert, in: Im Jahrestakt. 200 Jahre Musikverein für Steiermark, hg. v. Michael Nemeth in Zusammenarbeit mit Susanne Flesch, Wien Köln Weimar 2015, S. 89-99.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Musikverein für Steiermark
  2. Ferdinand Bischoff: Chronik des Steiermärkischen Musikvereines. Festschrift zur Feier des 75-jährigen Bestandes des Vereines. Graz 1890, S. 22.
  3. Fortwährende edelmenschliche Thätigkeit des Musikvereins für Steyermark. In: Der Aufmerksame. Nr. 71/1817, 14. Juni 1817, S. [S. 4].
  4. Susanne Flesch: Die Ehrenmitglieder des Musikvereins für Steiermark. In: Michael Nemeth in Zusammenarbeit mit Susanne Flesch (Hrsg.): Im Jahrestakt. 200 Jahre Musikverein für Steiermark. Böhlau, Wien Köln Weimar 2015, ISBN 978-3-205-79663-3, S. 223.
  5. Gesetze des musikalischen Vereins (1815).
  6. a b c d e f Ingeborg Harer: Art. Musikverein für Steiermark. In: Oesterreichisches Musiklexikon online. Abgerufen am 22. Mai 2017.
  7. Ferdinand Bischoff: Chronik des Steiermärkischen Musikvereines. Festschrift zur Feier des 75-jährigen Bestandes des Vereines. Graz 1890, S. 9.
  8. Zit. nach: Ferdinand Bischoff: Chronik des Steiermärkischen Musikvereines. Festschrift zur Feier des 75-jährigen Bestandes des Vereines. Graz 1890, S. 19.
  9. Mona Smale: Die Ausbildung der musikalischen Jugend. Die Vereinsmusikschule im 19. Jahrhundert. In: Michael Nemeth in Zusammenarbeit mit Susanne Flesch (Hrsg.): Im Jahrestakt. 200 Jahre Musikverein für Steiermark. Böhlau, Wien Köln Weimar 2015, ISBN 978-3-205-79663-3, S. 110.
  10. Ferdinand Bischoff: Chronik des Steiermärkischen Musikvereines. Festschrift zur Feier des 75-jährigen Bestandes des Vereines. Graz 1890, S. 9.
  11. Ferdinand Bischoff: Chronik des Steiermärkischen Musikvereines. Festschrift zur Feier des 75-jährigen Bestandes des Vereines. Graz 1890, S. 19 f.
  12. Ferdinand Bischoff: Chronik des Steiermärkischen Musikvereines. Festschrift zur Feier des 75-jährigen Bestandes des Vereines. Graz 1890, S. 22.
  13. Verzeichnis der P.T. Mitglieder des Musik-Vereines in Steiermark, und der bei demselben angestellten Musik-Lehrer. Graz 1821.
  14. Susanne Flesch: Die Ehrenmitglieder des Musikvereins für Steiermark. In: Michael Nemeth in Zusammenarbeit mit Susanne Flesch (Hrsg.): Im Jahrestakt. 200 Jahre Musikverein für Steiermark. Böhlau, Wien Köln Weimar 2015, ISBN 978-3-205-79663-3, S. 223.
  15. Ferdinand Bischoff: Chronik des Steiermärkischen Musikvereines. Festschrift zur Feier des 75-jährigen Bestandes des Vereines. Graz 1890, S. 10.
  16. Birgit Scholz: Art. Musikverein für Steiermark. In: Literatur- und kulturgeschichtliches Handbuch der Steiermark im 19. Jahrhundert online. Abgerufen am 22. Mai 2017.
  17. Programmzettel vom 13. Jänner 1878 [Musikverein für Steiermark, Archiv].
  18. Concert-Anzeige aus dem Jahr 1822 [Musikverein für Steiermark, Archiv].
  19. Ingeborg Zechner: „Vom Drang des Weiterschreitens in der Kunst“. Über das Programm der Konzerte im 19. Jahrhundert. In: Michael Nemeth in Zusammenarbeit mit Susanne Flesch (Hrsg.): Im Jahrestakt. 200 Jahre Musikverein für Steiermark. Böhlau, Wien Köln Weimar 2015, ISBN 978-3-205-79663-3, S. 94.
  20. Ingeborg Zechner: „Vom Drang des Weiterschreitens in der Kunst“. Über das Programm der Konzerte im 19. Jahrhundert. In: Michael Nemeth in Zusammenarbeit mit Susanne Flesch (Hrsg.): Im Jahrestakt. 200 Jahre Musikverein für Steiermark. Böhlau, Wien Köln Weimar 2015, ISBN 978-3-205-79663-3, S. 89–99.
  21. Oliver Rathkolb: „Neuordnung und Neubelebung des Steiermärkischen Musikvereines“. 1918 – 1933 – 1938. In: Michael Nemeth in Zusammenarbeit mit Susanne Flesch (Hrsg.): Im Jahrestakt. 200 Jahre Musikverein für Steiermark. Böhlau, Wien Köln Weimar 2015, ISBN 978-3-205-79663-3, S. 123.
  22. Oliver Rathkolb: Der Musikverein für Steiermark während der Kanzlerdiktaturszeit (1933–1938) und des Nationalsozialismus (1938–1945). In: Michael Nemeth in Zusammenarbeit mit Susanne Flesch (Hrsg.): Im Jahrestakt. 200 Jahre Musikverein für Steiermark. Böhlau, Wien Köln Weimar 2015, ISBN 978-3-205-79663-3, S. 131 f.
  23. Gerald Krammer: Das Repertoire der Musikvereinskonzerte in den Jahren 1914 bis 1938. In: Michael Nemeth in Zusammenarbeit mit Susanne Flesch (Hrsg.): Im Jahrestakt. 200 Jahre Musikverein für Steiermark. Böhlau, Wien Köln Weimar 2015, ISBN 978-3-205-79663-3, S. 137–142.
  24. Rundschreiben der Reichsmusikkammer [Musikverein für Steiermark, Archiv]. 18. September 1939.
  25. Gerald Krammer: Das Repertoire der Musikvereinskonzerte von 1939 bis 1945. In: Michael Nemeth in Zusammenarbeit mit Susanne Flesch (Hrsg.): Im Jahrestakt. 200 Jahre Musikverein für Steiermark. Böhlau, Wien Köln Weimar 2015, ISBN 978-3-205-79663-3, S. 143–147.
  26. Michael Nemeth: Wende und Aufbruch. In: Michael Nemeth in Zusammenarbeit mit Susanne Flesch (Hrsg.): Im Jahrestakt. 200 Jahre Musikverein für Steiermark. Böhlau, Wien Köln Weimar 2015, ISBN 978-3-205-79663-3, S. 149–155.
  27. Michael Nemeth: Wende und Aufbruch. In: Michael Nemeth in Zusammenarbeit mit Susanne Flesch (Hrsg.): Im Jahrestakt. 200 Jahre Musikverein für Steiermark. Böhlau, Wien Köln Weimar 2015, ISBN 978-3-205-79663-3, S. 153 f.
  28. Michael Nemeth: „Der Musikverein zeigt, was er kann.“ Zwischenbilanz einer sanften Erneuerung. In: Michael Nemeth in Zusammenarbeit mit Susanne Flesch (Hrsg.): Im Jahrestakt. 200 Jahre Musikverein für Steiermark. Böhlau, Wien Köln Weimar 2015, ISBN 978-3-205-79663-3, S. 183.
  29. Musikverein für Steiermark (Hrsg.): Jahreshefte 2007-2015.
  30. Musikverein für Steiermark (Hrsg.): Jahresheft 2014/15. Graz 2014.
  31. Konzert für Menschenrechte 2017/2018. Abgerufen am 22. Juli 2017.
  32. Konzert für Menschenrechte. Abgerufen am 20. Juli 2017.
  33. Michael Nemeth in Zusammenarbeit mit Susanne Flesch (Hrsg.): Im Jahrestakt. 200 Jahre Musikverein für Steiermark. Böhlau, Wien Köln Weimar 2015, ISBN 978-3-205-79663-3.
  34. Die Konzerte 2017/2018. Abgerufen am 20. Juli 2017.
  35. Angelika Dorfer: Jugend herein?! Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche. In: Michael Nemeth in Zusammenarbeit mit Susanne Flesch, (Hrsg.): Im Jahrestakt. 200 Jahre Musikverein für Steiermark. Böhlau, Wien Köln Weimar 2015, ISBN 978-3-205-79663-3, S. 171–175.
  36. Musikverein für Steiermark (Hrsg.): Jahresheft 2016/2017. Graz 2016.
  37. Ferdinand Bischoff: Chronik des Steiermärkischen Musikvereines. Festschrift zur Feier des 75-jährigen Bestandes des Vereines. Graz 1890, S. 46.
  38. Susanne Flesch: Die Ehrenmitglieder des Musikvereins für Steiermark. 2015, abgerufen am 20. Juli 2017 (PDF).
  39. Susanne Flesch: Die Ehrenmitglieder des Musikvereins für Steiermark. In: Michael Nemeth in Zusammenarbeit mit Susanne Flesch (Hrsg.): Im Jahrestakt. 200 Jahre Musikverein für Steiermark. Böhlau, Wien Köln Weimar 2015, ISBN 978-3-205-79663-3, S. 224.