Ernst Adalbert von Harrach

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Ernst Adalbert von Harrach

Ernst Adalbert von Harrach (tschechisch: Arnošt Vojtěch z Harrachu) (* 4. November 1598 in Wien; † 25. Oktober 1667 ebenda) war ein österreichischer Adeliger, Erzbischof des Erzbistum Prag und Fürstbischof des Bistum Trient sowie Kardinal.

Leben[Bearbeiten]

Ernst Adalbert (Albrecht) von Harrach wurde als zweiter Sohn des Freiherrn, seit 1627 Graf Karl von Harrach (1570–1627) und seiner Frau Maria Elisabeth, geb. Schrattenbach, geboren und war Onkel des Ferdinand Bonaventura (1637–1706).

Nach dem Abschluss des Theologiestudiums an der Jesuitenhochschule in Königgrätz und in Rom wurde er Domherr in Trient. Noch während des Studiums berief in der damalige Papst zum Kämmerer und später zu seinem Sekretär. Im Alter von siebenundzwanzig Jahren wurde er nach dem Tod des Prager Erzbischofs Jan Lohelius zu dessen Nachfolger ernannt und am 19. Januar 1626 von Papst Urban VIII. zum Kardinal erhoben, ab 1644 war seine Titelkirche Santa Prassede. 1637 war er außerordentlicher Botschafter am päpstlichen Hof, kam 1648 während der Besetzung Prags durch schwedisch-evangelische Truppen in schwedische Gefangenschaft und wurde ausgetauscht. Er galt als Wohltäter der Armen; als Erzbischof weihte er 600 Kirchen und 10.000 Priester, errichtete 1655 das Bistum Leitmeritz und 1660 das Bistum Königgrätz. Ernst Adalbert krönte drei Könige und zwei Königinnen von Böhmen und wurde 1665 Fürstbischof des Bistums Trient. Er verfasste das lateinische Lehrgedicht: Symboleuticum.

Bedeutung[Bearbeiten]

Harrach war ein gebildeter, energischer, standhafter und betriebsamer Vertreter der katholischen Kirche. Seine Auffassung der Gegenreformation unterschied sich von der des Kaisers und seiner gläubigen Brüder. Er war gegen die Vertreibung der Nichtkatholiken und wollte die Ketzerei beseitigen, nicht die Ketzer. Die Ketzer wollte er umschulen und sie durch kulturelle und künstlerische Bildung zum katholischen Glauben zurückführen. Dadurch sollte auch die Zahl der Geistlichen erhöht und der Glaube weiter verbreitet werden.

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Zu diesem Zweck gründete er 1631 das erzbischöfliche Seminar für die Ausbildung von Priestern, 1655 das Bistum Leitmeritz und 1660 das Bistum Königgrätz und ließ zahlreiche Kirchen und Pfarrhäuser bauen. Um den Mangel an römisch-katholischen Priestern auszugleichen, berief er mehrere Orden aus Meißen nach Böhmen, darunter die Hyberner, Piaristen, Paulaner und die Barmherzigen Brüder.

Obwohl er bemüht war, das Problem der Ketzer friedlich zu lösen, musste er mehrmals die weltliche Macht beanspruchen und auch Gewalt mit Hilfe des kaiserlichen Heeres anwenden. Dadurch unterstützte auch er im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) die gewaltsame Rekatholisierung in Böhmen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Heribert Sturm. Biographisches Lexikon zur Geschichte der böhmischen Länder. Herausgegeben im Auftrag des Collegium Carolinum (Institut), Band I, 1979, R. Oldenbourg Verlag München Wien 1979, ISBN 3-486-49491-0, S. 538f. Harrach, Ernst Albrecht, Graf v., Erzbischof von Prag
  • Neue Deutsche Biographie (NDB) (1953 ff.), Bd. 7
  • Eduard Winter: 1000 Jahre Geisteskampf im Sudetenraum, 1955
  • Anton Frind: Geschichte der Bischöfe und Erzbischöfe von Prag, 1873
  • Christian Gottlieb Jöcher: Jöchers Allgemeines Gelehrten Lexicon, Bd. 2, 1750
  • Römerstadt und das Römersstädter Ländchen (1947 ff.), 1963 F. 6 (Heimatbuch)
  • Ernst Adalbert von Harrach: Die Diarien und Tagzettel des Kardinals Ernst Adalbert von Harrach (1598–1667) (= Veröffentlichungen der Kommission für Neuere Geschichte Österreichs. Bd. 104). Herausgegeben von Katrin Keller und Alessandro Catalano. Unter Mitarbeit von Marion Romberg. Böhlau, Wien u. a. 2010, ISBN 978-3-205-78461-6.
  • Alessandro Catalano: La Boemia e la riconquista delle coscienze. Ernst Adalbert von Harrach e la Controriforma in Europa centrale (1620–1667) (= Temi e Testi. Bd. 55). Premessa di Adriano Prosperi. Edizioni di Storia e Letteratura, Roma 2005, ISBN 88-8498-255-3.
  • Václav Medek: Cesta ceské a moravské církve staletími. Česká Katolická Charita, Prag 1982.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ernst Adalbert von Harrach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorgänger Amt Nachfolger
Jan Lohelius Erzbischof von Prag
1623–1667
Johann Wilhelm Libštejnský von Kolowrat
Sigismund Franz von Tirol Bischof von Trient
1665–1667
Sigismund Alfons von Thun