Ernst Gottlieb von Steudel

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Ernst Gottlieb (Theophil) von Steudel (* 30. Mai 1783 in Esslingen; † 12. Mai 1856 ebenda) war ein deutscher Arzt und Botaniker. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „Steud.“.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er war der Sohn des Johann Samson Steudel und der Regina Catherina Burk. Am 6. August 1811 heiratete er in Echterdingen (Neckarkreis) Augusta Rosina Sophia Bührer (* 11. August 1787), die Tochter des Victor Matthäus Bührer und der Rosina Elisabeth Godelmann.

Steudel studierte ab 1801 Medizin und Naturwissenschaften in Tübingen, wo er 1805 promovierte. Nach einem Aufenthalt in der Schweiz war er einige Zeit in Wien und in Halle und kehrte 1806 nach Esslingen zurück, wo er sich als praktischer Arzt niederließ. Bald darauf erhielt er auch die Stelle des Oberamts-Tierarztes und wurde 1828 Amtsarzt in der Stadt.

Steudel war seit 1822 Korrespondierendes Mitglied der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft. 1826 wurde er Mitglied der Leopoldina.[1]

Der Esslinger Reiseverein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Esslinger Reiseverein (Unio itineraria) war eine Aktiengesellschaft zur Durchführung naturkundlicher Sammelreisen. Die Gründer und Hauptakteure des Reisevereins waren der Esslinger Stadtpfarrer Christian Ferdinand Hochstetter und Ernst Gottlieb Steudel. Der Reiseverein bestand zwischen den Jahren 1825 und etwa 1845. Diese Aktiengesellschaft ermöglichte es, junge Naturkundler in alle Welt zu senden, um vor allem Pflanzenmaterial (getrocknete Pflanzen oder Sämereien) und im geringerem Umfang auch Mineralien oder zoologisches Material zu sammeln. Diese Sammlungen enthielten oft neue, noch nie beschriebene Objekte. Mit dieser Tätigkeit sorgte der Esslinger Reiseverein nicht nur zur naturkundlichen Erforschung einer Reihe von Ländern, sondern auch dazu, das gesammelte Material einer breiteren Schicht von Interessenten zur Verfügung zu stellen, sofern sie das nötige Geld dazu hatten. Die Bestimmung der Objekte erfolgte durch Hochstetter, durch Steudel oder durch Spezialisten. Mit der gleichmäßigen Verteilung hauptsächlich der Herbarpflanzen wurde auch dafür gesorgt, dass für die Erforschung der Flora dieser Länder – besonders für Äthiopien - eine einheitliche Grundlage geschaffen wurde.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben seiner beruflichen Tätigkeit widmete er sich auch der Botanik und veröffentlichte einige Arbeiten hierzu. 1821 bis 1824 erschien sein Werk Nomenclator botanicus, in welchem er die Namen und Synonyma sämtlicher Pflanzenarten und –gattungen alphabetisch erfasste. In der zweiten Auflage, die zwanzig Jahre später erschien, wurden 6.722 Gattungen und 78.005 Species namentlich aufgezählt. Neben der Familie und dem Wuchsgebiet sind dort auch die Synonyma und die Literaturnachweise verzeichnet. Dieses Werk galt lange Zeit als ein wichtiges Grundlagenwerk der botanischen Taxonomie. Es diente Charles Darwin als Vorbild, als er 1882 Joseph Dalton Hooker mit der Erstellung eines Indexes der Blütenpflanzen, den Index Kewensis betraute. Der von Hooker als Autor beauftragte Benjamin Daydon Jackson nutzte Steudels Nomenclator als erste Grundlage für die Auflistung der Artnamen.[2][3]

In einem weiteren Werk, der „Synopsis plantarum glumacearum“, das auf elf Bände geplant war, kamen 1855 zwei Hefte heraus, in denen die Gramineen, die Cyperaceen und die Juncaceen und verwandte Taxa behandelt werden.

Mit dem Esslinger Stadtpfarrer Christian Ferdinand Hochstetter gab er 1826 das Werk Enumeratio plantarum germaniae helvetiaeque indigenarum seu Prodromus, quem synopsin plantarum germaniae helvetiaeque edituri botanophilisque adjuvandam commendantes heraus, in dem sämtliche in Deutschland und der Schweiz gefundenen Pflanzenarten erfasst sind. Außerdem gab er medizinische Schriften heraus.

Taxonomische Ehrung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihm zu Ehren wurde die Gattung Steudelella Honda der Pflanzenfamilie der Süßgräser (Poaceae) benannt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mitgliederverzeichnis Leopoldina, Ernst Gottlieb von Steudel
  2. Benjamin Dayton Jackson: The new 'Index of Plant-Names'. In: The Botanical Journal - British and Foreign. Vol. XXV. West, Newman & Co., London 1887, S. 66 - 71
  3. Benjamin Dayton Jackson: The new 'Index of Plant-Names'. (Concluded from p. 71) In: The Botanical Journal - British and Foreign. Vol. XXV. West, Newman & Co., London 1887, S. 150 - 151