Ernst Zitelmann

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Ernst Zitelmann um 1920

Ernst Zitelmann (* 7. August 1852 in Stettin; † 28. November 1923 in Bonn) war ein deutscher Jurist und Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sohn des Geheimen Regierungsrates Otto Konrad Zitelmann besuchte das Marienstiftsgymnasium in Stettin. Anschließend studierte er Rechtswissenschaften in Leipzig, Heidelberg und Bonn. Im Winter 1871/72 wurde er Mitglied der Leipziger Universitäts-Sängerschaft zu St. Pauli (heute Deutsche Sängerschaft)[1]. Er promovierte 1873 über „Begriff und Wesen der juristischen Person“ in Leipzig. Das Referendariat in Stettin brach er 1876 ab, um sich an der Universität Göttingen zu habilitieren.

Bekannt wurde er durch die Aufsätze über „Die juristische Willenserklärung“ (1878) und „Irrtum und Rechtsgeschäft“ (1879). 1879 wurde Zitelmann auf den Lehrstuhl für römisches und bürgerliches Recht an der Universität Rostock berufen. 1881 ging er an die Universität Halle und kehrte nach seiner Berufung vom 22. Dezember 1883 im Jahre 1884 als Ordinarius mit der Fachrichtung Römisches Recht nach Bonn zurück, wo er schließlich bis 1921 lehrte. Ab 1922 war er Gastprofessor an der Universität München. Zwei Mal war er Rektor der Universität Bonn. Zu den Doktoranden von Ernst Zitelmann gehört der Dramatiker Hans Fritz von Zwehl.

Zitelmann gehörte zu den bedeutendsten Juristen des modernen Rechts. Er arbeitete über das Bürgerliche Recht, zum Familien-, Erb-, Steuer- und Wirtschaftsrecht. Wichtig ist er heute aufgrund seiner Arbeiten zur Dogmatik des Zivilrechts. Zitelmann untersuchte auch die Rolle des Werturteils in der Rechtsprechung („Lücken im Recht“, 1903; „Die Kunst der Gesetzgebung“, 1904; „Richterliche Gebundenheit und Freiheit“, 1905). Zitelmann präsentierte Vorschläge für eine Reform der Juristenausbildung („Die Neugestaltung des Rechtsstudiums“, 1921): Ein zweijähriges Grundstudium, dem die praktische Ausbildung und ein Vertiefungsstudium der anvisierten Laufbahn folgen sollte.

Zitelmann vor seiner Villa (um 1893)

Zitelmann war schriftstellerisch tätig, wie auch seine Schwester Katharina Zitelmann (Pseudonym: K. Rinhart). Er starb 1923 nach einer Operation.

Familie/Villa Zitelmann

Zitelmann führte eine Ehe mit Elisabeth von Conta (* 1852 † 1934), aus der von 1881 bis 1884 drei Töchter hervorgingen, zwei weitere Töchter starben bereits im Kindesalter. Nachdem er 1884 seine Lehrtätigkeit an der Universität Bonn aufgenommen hatte, bezog er im Herbst dieses Jahres die vormalige Villa des verstorbenen Universitätsprofessors und Zitelmanns früheren Lehrers Karl Sell (1810–1879). Auf diesen war er bereits 1875 in der klassizistisch-picturesquen Villa am Rheinufer getroffen und hatte – beeindruckt von der landschaftlichen Lage – seinem Wunsch Ausdruck gegeben, dort einmal als Professor zu wohnen. Zunächst mietete Zitelmann die Villa von Sells Erben, spätestens 1891 ging sie auch in sein Eigentum über – in diesem Jahr ließ er nach Plänen des Bonner Architekten Otto Penner einen Anbau errichten. 1912 kaufte sich Zitelmann eine weitere, näher am Rheinufer gelegene Villa hinzu. Die einstige Villa Sell konnte er daher im Juli 1918 verkaufen; 1953/54 wurde sie für den Neubau des Postministeriums abgebrochen.

Ehrung

In Bonn-Gronau ist seit 1929 eine Straße nach Zitelmann benannt.[2]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Juristische Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Begriff und Wesen der juristischen Person. 1873.
  • Die juristische Willenserklärung. 1878.
  • Irrtum und Rechtsgeschäft. 1879.
  • Die Möglichkeit des Weltrechts. 1888.
  • Verschulden gegen sich selbst. 1900.
  • Das Recht des Bürgerlichen Gesetzbuches. 1900. (Digitalisat).
  • Internationales Privatrecht. 1897–1912.

Schöne Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gedichte. 1881.
  • Memento vivere. 1894.
  • Capri. Gedichte. 1901.
  • Radierungen und Momentaufnahmen. 1904.
  • Aphorismen. 1908.
  • Totentanz und Lebensreigen. 1908.
  • Lebenserinnerungen. Bonn 1924. (urn:nbn:de:hbz:5:1-25837)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte, S. 1730 f.,
  • Autobiographie, in: Hans Planitz: Die Rechtswissenschaft der Gegenwart in Selbstdarstellungen. Leipzig 1924, S. 177–214 (mit Bibliographie)
  • Fritz Raeck: Pommersche Literatur. Proben und Daten. Pommerscher Zentralverband, Hamburg 1969, S. 365.
  • Olga Sonntag: Villen am Bonner Rheinufer: 1819–1914, Bouvier Verlag, Bonn 1998, ISBN 3-416-02618-7, Band 1, S. 169–171 und Band 2, Katalog (1), S. 154–158. (zugleich Dissertation Universität Bonn, 1994)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gesamtverzeichnis der Pauliner vom Sommer 1822 bis Sommer 1938, Leipzig 1938, Seite 54
  2. http://stadtplan.bonn.de/strassen_auskunft.php?strasse=1843&query_id=241014

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikisource: Ernst Zitelmann – Quellen und Volltexte