Erythrit

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Strukturformel
Struktur von Erythrit
Allgemeines
Name Erythrit
Andere Namen
  • (2S,3R)-Butan-1,2,3,4-tetrol (IUPAC)
  • i-Erythritol
  • meso-1,2,3,4-Tetrahydroxybutan
  • E 968
Summenformel C4H10O4
Kurzbeschreibung

farblose, süß schmeckende Kristalle[1]

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer 149-32-6
EG-Nummer 205-737-3
ECHA-InfoCard 100.005.217
PubChem 222285
Wikidata Q421873
Eigenschaften
Molare Masse 122,12 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Dichte

1,45 g·cm−3[2]

Schmelzpunkt

120–123 °C[3]

Siedepunkt

329–331 °C[4]

Löslichkeit
Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [4]
keine GHS-Piktogramme
H- und P-Sätze H: keine H-Sätze
P: keine P-Sätze
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Erythrit (meso-1,2,3,4-Butantetrol) ist eine süß schmeckende Verbindung und gehört chemisch zu den Zuckeralkoholen. Es stellt die meso-Form des optisch aktiven Threit dar und wird als Zuckeraustauschstoff verwendet. Es besitzt etwa 50–70 Prozent der Süßkraft von Zucker (Saccharose).[5]

Erythrit wurde von dem schottischen Chemiker John Stenhouse entdeckt, welcher den Stoff bereits um 1848 isolierte. Der Stoff wurde 1997 in den USA und im Jahr 2006 in Europa ohne Mengenbeschränkungen als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen.

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In natürlicher Form kommt Erythrit in Pilzen, Käse, Obst (Erdbeeren, Pflaumen) oder Pistazien vor. Für die von der Lebensmittelindustrie benötigten Mengen wird Erythrit durch Fermentation hergestellt.[1]

Gewinnung und Darstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Feinkörniges Erythrit

Die Herstellung von Erythrit kann chemisch-katalytisch durch die Hydrierung von Weinsäure an Raney-Nickel-Katalysatoren erfolgen. Hierbei entsteht jedoch auch Threit. Eine weitere Möglichkeit zur Herstellung ist die Umsetzung von Dialdehydstärke zu einer äquimolaren Mischung aus Glycol und Erythrit. Da diese Prozesse jedoch alle sehr kostspielig und kompliziert sind, wird Erythrit heute durch mikrobielle Umwandlung von niedermolekularen Kohlenhydraten (vorzugsweise Glucose und Saccharose) mittels osmophiler Pilze hergestellt. Mögliche Nebenprodukte dieser Fermentation sind Ribit, Glycerin und Ethanol sowie niedere Oligosaccharide.

Wirkung und Nebenwirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erythrit enthält beinahe keine Kalorien und hat keinen Einfluss auf den Blutzucker- und Insulinspiegel. Es ist als Zuckerersatz in Deutschland als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen. Bei einem Anteil von mehr als zehn Prozent muss es jedoch mit einem Warnhinweis gekennzeichnet werden.[6]

Erythrit bietet gegenüber anderen Zuckeralkoholen wie Sorbit, Maltit, Lactit und Isomalt den Vorteil einer besonders hohen digestiven Toleranz (ca. 1 g/kg Körpergewicht). Da Erythrit schon zu 90 Prozent über den Dünndarm aufgenommen und über die Nieren ausgeschieden wird, sind die sonst für Zuckeralkohole üblichen Nebenwirkungen wie Blähungen und Durchfall stark vermindert, allerdings auch nicht ganz ausgeschlossen.[7]

Wie eine neuere Studie im Fachblatt PNAS mit 14C-markierter Glucose zeigte, wird Glucose beim Menschen zu einem geringen Teil in Erythrit umgewandelt. Wird vermehrt Glucose aufgenommen, findet sich vermehrt Erythrit im Blut [8] Ob Erythrit als Biomarker für vermehrte Glucoseaufnahme tauglich ist, muss sich zeigen.

Erythrit ist laut einer im Juni 2014 veröffentlichten Studie[9] ein Insektizid, das wirksam gegen Fruchtfliegen eingesetzt werden kann.[10]

Erythrit ist außerdem geruchsfrei, wärmestabil und nicht hygroskopisch, das heißt, dass Erythrit keine Feuchtigkeit aus der Umgebung aufnimmt, was eine Klumpenbildung verhindert. Löst man Erythrit in Wasser, hat es einen kühlenden Effekt. Außerdem wirkt es nicht kariesfördernd und wird durch seine kalorienfreie Eigenschaft und langanhaltende Sättigung als Zuckerersatz für Diabetiker oder Menschen verwendet, die an einer Fructoseintoleranz leiden. Zudem hat Erythrit eine hohe Verdauungstoleranz und bietet keinen Nährboden für Pilze.

Handelsnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sera (D, AT, BX, CZ, FR, IT, RU), Serapur (D, CH, EU), Erylite (D), Sukrin (D, CH), SweetCare Natursüße (D, CH, EU)[11], Erythrit (AT), Erythritol (D), Neue Süsse (D), Sucolin (D, AT), Xucker Light (D, AT), sweetERY (D), Next Zucker Extra leicht (AT), Einser zum Süßen (AT), Eryfly (D, AT), Wiezucker Diät (D, F), Zukka (AT), E968 (Alkoholzucker), steviapura Streusüße Plus (D,CH, AT,EU)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Eintrag zu Erythritol. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 12. November 2014.
  2. Carl L. Yaws: Thermophysical Properties of Chemicals and Hydrocarbons. William Andrew, 2008, ISBN 0-08-094774-3, S. 215 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  3. Datenblatt meso-Erythrit bei AlfaAesar, abgerufen am 14. Mai 2013 (PDF) (JavaScript erforderlich).
  4. a b c Datenblatt meso-Erythritol bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 12. Mai 2017 (PDF).
  5. Kurt Rosenplenter, U. Nöhle (Hrsg.): Handbuch Süßungsmittel. 2. Auflage, Behr‘s Verlag, 2007, ISBN 978-3-89947-262-2, S. 431.
  6. Erythrit. zusatzstoffe-online.de, abgerufen am 16. Mai 2016.
  7. Opinion of the Scientific Committee on Food on Erythritol (PDF; 314 kB). SCF/CS/ADD/EDUL/215 Final, 24. März 2003.
  8. Erythrit – der Süßstoff, den der Körper selbst herstellt Presseinformation der TU Braunschweig vom 08. Mai 2017, abgerufen am 5. Juli 2018.
  9. Kaitlin M. Baudier, Simon D. Kaschock-Marenda, Nirali Patel, Katherine L. Diangelus, Sean O'Donnell, Daniel R. Marenda, Frederic Marion-Poll: Erythritol, a Non-Nutritive Sugar Alcohol Sweetener and the Main Component of Truvia, Is a Palatable Ingested Insecticide. In: PLoS ONE. 9, 2014, S. e98949, doi:10.1371/journal.pone.0098949.
  10. Tödlicher Süßstoff. wissenschaft.de, abgerufen am 5. Juni 2014.
  11. SweetCare Natursüße. In: welzcare.de. Archiviert vom Original am 30. August 2016; abgerufen am 30. August 2016. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/welzcare.de