Eugen-Biser-Stiftung

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Die Eugen-Biser-Stiftung ist eine gemeinnützige Stiftung des bürgerlichen Rechts, die dem Dialog aus christlichem Ursprung verpflichtet ist. Sie wurde im Jahr 2002 gegründet und ist nach ihrem Spiritus rector, dem Theologen, Religionsphilosophen und Zeitdiagnostiker Eugen Biser, benannt.

Ziele und Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Satzung der Eugen-Biser-Stiftung heißt es in Paragraph 2 (Stiftungszweck):

„Die Stiftung richtet den Blick aus christlichem Welt- und Werteverständnis auf alle Bereiche menschlicher Existenz mit dem Ziel des Dialogs und der Verständigung mit anderen Religionen, Weltanschauungen und Kulturen in dem Bemühen um Freiheit, Toleranz und Frieden. Diesem Stiftungszweck dienen die wissenschaftliche, interdisziplinäre Analyse und Reflexion, Veranstaltungen und Veröffentlichungen. Das dem Dialog zugrunde liegende christliche Welt- und Werteverständnis der Stiftung ist geprägt von dem theologischen und philosophischen Werk von Eugen Biser. Sein Werk ist einer in die Zukunft weisenden Neuinterpretation des Christentums und den daraus resultierenden Konsequenzen für ein christliches Gottes-, Menschen- und Weltverständnis gewidmet. Es soll als Ganzes wie in seinen konstitutiven Elementen und seiner Zielsetzung für die Theologie wie für den praktischen Vollzug des Christseins in Kirche, Staat und Gesellschaft fruchtbar gemacht werden.“

In diesem Sinne arbeitet die Eugen-Biser-Stiftung an der Intensivierung des interreligiösen und interkulturellen Dialogs aus christlichem Ursprung mit den anderen monotheistischen Religionen (Judentum, Islam) sowie mit Weltanschauungen und Kulturen. Sie möchte die Ausgestaltung einer gemeinsamen Basis für ein tolerantes, friedliches Zusammenleben der Religionen und Nationalitäten auf nationaler und supranationaler Ebene befördern. Dabei steht die Vermittlung der Grundwerte des Christentums und christlicher Impulse für die gesellschaftliche, politische und rechtliche sowie kulturelle Gestaltung des Zusammenlebens und für die Zukunft Europas sowie die Förderung des innerchristlichen Ausgleichs und der Ökumene im Mittelpunkt. Bei der Verfolgung dieser Ziele bedarf es der Analyse der geistigen und religiösen Entwicklungen in allen Kontexten menschlicher Lebenswirklichkeit in unterschiedlichen Staatsformen – vom Einzelnen über die Familien bis hin zur Gesellschaft.

Aktivitäten zur Umsetzung des Stiftungszwecks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vortragsveranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Eugen-Biser-Stiftung ist Veranstalter für öffentliche Vortragsveranstaltungen und Diskussionsrunden u. a. im Literaturhaus München. Diese Abende werden inhaltlich getragen von Eugen Biser und seinen Kollegen aus dem Stiftungsrat, dem Kuratorium sowie geladenen Gästen. Sie sind thematisch von theologischer oder philosophischer Natur. Bei den Veranstaltungen lässt die Stiftung sich von der Absicht leiten, durch die Institution der Vortragsabende eine interessierte ökumenische und interreligiöse Öffentlichkeit an ihrer geistigen Arbeit teilhaben zu lassen.

Interkulturelle und interreligiöse Symposien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Weg des wissenschaftlichen Austausches ist es eine der Aufgaben der Eugen-Biser-Stiftung, zum Beispiel zur Verbesserung des Verständnisses zwischen Christen und Muslimen beizutragen. Daher gilt es, maßgebliche religiöse Grundpositionen philosophisch-theologisch zu erarbeiten, die zum tragfähigen Fundament für ein friedliches Miteinander von Christen und Muslimen werden können. Die Auswahl der Problemfelder für die Symposien entspricht diesem Ziel. An erster Stelle steht eine Verständigung über das Menschenbild, das grundlegend ist für die Frage nach Menschenrechten, Religionsfreiheit und Demokratie, und unausweichlich zum Diskurs über das Gottesverständnis führt. In diesem Zusammenhang wurde gemeinsam mit der Islamisch-Theologischen Fakultät der Universität Ankara die Veranstaltungsreihe „Interkulturelle und interreligiöse Symposien“ etabliert.

Expertentagungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach den Erfahrungen des Landes Niedersachsen und der Republik Österreich versteht die Eugen-Biser-Stiftung die wesentlichen Aspekte des künftigen islamischen Religionsunterrichtes in Deutschland als unmittelbar verbunden mit dem Aufgabenfeld der Integration. Sie fördert dazu den Meinungsaustausch über Fragen des Islamischen Religionsunterrichtes im Kontakt mit staatlichen und kirchlichen Stellen. Gleichzeitig unterstützt sie die Ausbildung von Imamen vorzugsweise auf Expertentagungen.

Christlich-Islamisches Begriffslexikon[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sieben Jahre arbeitet die Eugen-Biser-Stiftung an einem christlich-islamischen Begriffslexikon, das im Jahr 2012 unter dem Titel "Lexikon des Dialogs. Christliche-Islamische Grundbegriffe" veröffentlicht wird. Besonderes Merkmal des Lexikons ist die Zusammenarbeit von türkischen islamischen Wissenschaftlern der Universität Ankara und christlichen Theologen und Philosophen. Der inhaltliche Schwerpunkt des Lexikons liegt auf der Erläuterung von Begriffen für den deutsch-türkischen interreligiösen und interkulturellen Dialog.

Eugen-Biser-Bibliographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Bewahrung, Erschließung, Fortführung und Verbreitung des theologischen und philosophischen Werkes von Eugen Biser hat sich die Eugen-Biser-Stiftung den Aufbau einer Eugen-Biser-Bibliothek, eines Eugen-Biser-Archivs sowie die Erstellung einer umfassenden Eugen-Biser-Bibliographie zur Aufgabe gemacht. Monika Schmid von der Eugen-Biser-Stiftung hat unter der Leitung von Richard Heinzmann und Gunther Wenz 2004/05 mit dem Projekt begonnen und dieses zu Eugen Bisers 95. Geburtstag online gestellt.[1]

Eugen-Biser-Preis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Eugen-Biser-Stiftung vergibt den mit 5.000 Euro dotierten Eugen-Biser-Preis satzungsgemäß für:

  • herausragende wissenschaftliche theologische oder philosophische Veröffentlichungen
  • den öffentlichen Einsatz für christliche Werte
  • den Dialog und die Begegnung mit anderen Religionen, Weltanschauungen und Kulturen in dem Bemühen um Freiheit, Toleranz und Frieden.

Der Eugen-Biser-Preis wurde auf Beschluss des Stiftungsrates bisher vergeben an:

Habilitationsprojekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nur im wissenschaftlichen Diskurs kann das ursprüngliche Verständnis des Christentums, wie es Eugen Biser zum Ausdruck gebracht hat, in die Zukunft hineinwirken. Da es Eugen Biser auf dem philosophischen Romano-Guardini-Lehrstuhl versagt blieb, im Bereich der Theologie durch die Betreuung von Promotionen oder Habilitationen schulbildend zu wirken, war der primäre Anstoß für die Eugen-Biser-Stiftung die Förderung wissenschaftlicher Arbeiten über den theologischen Neuansatz von Eugen Biser.

Organe der Stiftung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stiftungsorgane sind der Vorstand, der Stiftungsrat und das Kuratorium.

Alle Mitglieder der Stiftungsorgane üben ihre Tätigkeit ehrenamtlich aus.

Vorsitzender des Kuratoriums ist Günther Beckstein (Ministerpräsident von Bayern a. D.), stellvertretender Vorsitzender Thomas von Mitschke-Collande.[5]

Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Arbeit der Stiftung ist überwiegend aus Spenden finanziert. Da sie eine gemeinnützige Einrichtung ist, kann die Stiftung Zuwendungen in steuerbegünstigter Form annehmen.

Freundeskreis der Eugen-Biser-Stiftung e. V.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dem Freundeskreis der Eugen-Biser-Stiftung e.V. gehören zurzeit etwa 250 Personen an. Er unterstützt die Eugen-Biser-Stiftung sowohl ideell als auch finanziell bei der Durchführung ihrer Projekte und Ziele. Vorsitzender des Freundeskreises ist Florian Obermayer.[6]

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur zu Eugen Biser und zur Zukunft des Christentums[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur zum Dialog zwischen Christentum und Islam[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ton- und Bilddokumente[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Videoedition Christliches Menschenbild. Eugen Biser erläutert in 13 Folgen Fragen zum Christlichen Menschenbild im Gespräch mit Richard Heinzmann. Die Edition umfasst eine VHS-Videokassette (ca. 195 Min.)
  • Videoedition Neue Spiritualität. Eugen Biser erläutert in 13 Folgen Fragen zur Neuen Spiritualität im Gespräch mit Richard Heinzmann. Die Edition umfasst eine VHS-Videokassette (ca. 190 Min.)
  • Videoedition Theologie der Zukunft. Eugen Biser erläutert in 29 Folgen seine Theologie im Gespräch mit Richard Heinzmann. 3 VHS-Kassetten mit allen 29 Folgen (insg. ca. 450 Min.) sowie ein Booklet mit weiterführenden Texten u. a. von Eugen Biser und Richard Heinzmann.
  • DVD Schauen und Glauben. Videoedition zur Sendereihe Schauen und Glauben – Eugen Biser im Gespräch mit Reinhold Baumstark vor ausgewählten Gemälden der Alten Pinakothek München. Die Edition beinhaltet zwei DVDs und ein Booklet mit Texten von Eugen Biser und zur Arbeit der Eugen-Biser-Stiftung.
  • CD-Edition Chancen des Christseins. Eugen Biser, Chancen des Christseins – Perspektiven einer neuen Theologie. 4 Vorträge auf 5 CDs (3 Einzel- sowie eine Doppel-CD) und ein 14seitiges Begleitheft mit einem Nachwort von Richard Niedermeier im Schuber. Glaukos, Limburg 2005, ISBN 3-930428-26-1 (Eugen Biser verweist in seiner fünf CDs umfassenden Edition von Vorträgen „Nur der Friede rettet die Welt“ (Spielzeit: 90:37 min), „Ist der Mensch, was er sein soll?“ (Spielzeit: 64:28 min), „Vom Geheimnis des Christentums“ (Spielzeit: 59:36 min), „Die Christenheit und Europa“ (Spielzeit: 55:43 min) eindringlich auf die Chancen des Christseins.)

Fernsehaufzeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Live-Übertragung der Verleihung des Eugen-Biser-Preises 2008 an Prince Ghazi bin Muhammad bin Talal, Shaykh Habib Ali Zain al-Abideen al-Jifri und an Reisu-l-Ulema Mustafa Cerić, Bayerisches Fernsehen am 22. November 2008
  • Juden und Christen – ungleiche Geschwister. Martin Balle im Gespräch mit Michael Wolffsohn, Rabbiner Tovia Ben-Chorin, Richard Heinzmann und Gunther Wenz, 2 Teile, BR-alpha am 8. Juli und 10. Juli 2008
  • Live-Übertragung der Festveranstaltung anlässlich des 90. Geburtstages von Eugen Biser. Bayerisches Fernsehen 12. Januar 2008
  • Einheit als Gebot – Bildungswege der Ökumene. Martin Balle im Gespräch mit Eugen Biser und Gunther Wenz, 2 Teile, BR-alpha 14. und 15. Februar 2007
  • Homo Academicus. Die Chancen der Wissensgesellschaft. Martin Balle im Gespräch mit Eugen Biser und Alois Glück, BR-alpha am 10. Januar 2007
  • Glaube und Politik – Visionen für eine humane Zukunft. Martin Balle im Gespräch mit Eugen Biser und Theodor Waigel, 2 Teile, BR-alpha am 18. Oktober und 15. November 2006
  • Europa im Spiegel der Geschichte. Chancen und Perspektiven. Martin Balle im Gespräch mit Eugen Biser und Bundeskanzler a. D. Helmut Kohl, 2 Teile, BR-alpha Mai und Juni 2006
  • Gott und das Universum. Zum Verhältnis von Wissenschaft und Religion. Hubert Schöne im Gespräch mit Eugen Biser, Gerhard Börner, Wolfhart Pannenberg und Antje Tesche-Mentzen lautete, BR-alpha am 15. März 2006
  • Zwischen Identität und Integration. Die Weltgemeinschaft im Wandel. Andreas Bönte im Gespräch mit Eugen Biser und Werner Weidenfeld, BR-alpha 2006
  • Live-Übertragung der Vergabe des Eugen-Biser-Preises an Karl Kardinal Lehmann. Bayerisches Fernsehen 12. Dezember 2005
  • Schauen und Glauben. Reinhold Baumstark und Eugen Biser im Gespräch vor ausgewählten Gemälden der Alten Pinakothek München. 15 Teile, BR-alpha 2005
  • Das christliche Menschenbild. Eugen Biser im Gespräch mit Richard Heinzmann. 13-teilige Gesprächsserie im Bildungskanal des Bayerischen Rundfunks BR-alpha 2005
  • Neue Spiritualität. Eugen Biser im Gespräch mit Richard Heinzmann. 13-teilige Gesprächsserie im Bildungskanal des Bayerischen Rundfunks BR-alpha 2004
  • Vortragsreihe Der Friede als Thema in den Religionen. Teil III: Christentum im Literaturhaus München. Vorträge von Eugen Biser und Gunther Wenz: Der Friede als Thema im Christentum. Podiumsdiskussion mit Eugen Biser und Gunther Wenz, Moderation: Richard Heinzmann. Erstausstrahlung auf BR-alpha am 8. November 2003
  • Vortragsreihe Der Friede als Thema in den Religionen. Teil II: Islam im Literaturhaus München. Vortrag von Jamal Malik: „Der Friede als Thema im Islam“. Podiumsdiskussion mit Eugen Biser, Jamal Malik und dem Schriftsteller Zafer Şenocak, Moderation: Richard Heinzmann, Erstausstrahlung auf BR-alpha am 25. Oktober 2003
  • Vortragsreihe Der Friede als Thema in den Religionen. Teil I: Judentum im Literaturhaus München, mit Rabbiner Walter Homolka: Der Friede als Schlüsselbegriff der jüdischen Theologie. Podiumsdiskussion mit Eugen Biser, Walter Homolka und Michael Wolffsohn, Moderation: Richard Heinzmann, Erstausstrahlung auf BR-alpha am 18. Oktober 2003
  • Eugen Biser. Walter Flemmer im Gespräch mit Eugen Biser, BR-alpha am 28. April 2003
  • Theologie der Zukunft. Eugen Biser im Gespräch mit Richard Heinzmann. 29-teilige Gesprächsserie im Bildungskanal des Bayerischen Rundfunks BR-alpha 2003

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eugen-Biser-Stiftung: Eugen-Biser-Bibliographie
  2. The Official Website of A Common Word
  3. Eugen-Biser-Preis - Eugen Biser Stiftung. In: www.eugen-biser-stiftung.de. Abgerufen am 13. September 2016.
  4. Eugen-Biser-Preis für Charlotte Knobloch. domradio.de, 13. September 2016, abgerufen am 13. September 2016.
  5. Homepage (Memento des Originals vom 13. März 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.eugen-biser-stiftung.de
  6. Eugen-Biser-Stiftung e. V. / FREUNDESKREIS. Archiviert vom Original am 23. September 2015; abgerufen am 22. September 2015. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/eugen-biser-stiftung.de