Eugen Biser

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Eugen Biser (* 6. Januar 1918 in Oberbergen im Kaiserstuhl; † 25. März 2014 in München) war ein deutscher römisch-katholischer Priester, Fundamentaltheologe und Religionsphilosoph.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eugen Biser wurde als Sohn eines Lehrers geboren.[1] Er besuchte von 1930 bis 1937 das Realgymnasium in Breisach am Rhein und Freiburg im Breisgau. Sein 1938 begonnenes Theologiestudium an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg wurde durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen. Als Soldat im Zweiten Weltkrieg wurde er wegen einer abfälligen Bemerkung über Hitlers militärische Strategie vor ein Kriegsgericht gestellt, das ihn in ein Himmelfahrtskommando in der Schlacht von Stalingrad schickte.[1] Biser wurde dabei schwer verwundet. 1946 beendete er in Freiburg sein Studium und empfing im selben Jahr die Priesterweihe. Anschließend war Biser bis 1964 als Religionslehrer am Helmholtz-Gymnasium Heidelberg tätig und wurde bei vollem Stundendeputat 1956 beim Freiburger Erzbischof Eugen Seiterich mit der Arbeit Grenzerfahrungen. Die Bedeutung der religiösen Grenzsituationen in den Werken Gertrud von le Forts an der Universität Freiburg zum Dr. theol. promoviert. 1961 wurde Biser bei Karl Löwith mit der Arbeit Gott ist tot. Nietzsches Destruktion des christlichen Bewusstseins an der Universität Heidelberg zum Dr. phil. promoviert. 1965 habilitierte er sich an der Universität Würzburg mit der Schrift Theologische Sprachtheorie und Hermeneutik und erhielt die venia legendi für Fundamentaltheologie.

1965 erhielt er einen Ruf auf eine Professur für Fundamentaltheologie an die damalige Philosophisch-Theologische Hochschule Passau (ab 1978 Universität Passau). 1969 wechselte er an die Julius-Maximilians-Universität Würzburg. In dieser Zeit nahm er Lehrstuhlvertretungen an der Philipps-Universität Marburg, der Ruhr-Universität Bochum und der Universität des Saarlandes wahr.

Von 1974 bis 1986[2] hatte er in der Nachfolge Karl Rahners den Romano-Guardini-Lehrstuhl für Christliche Weltanschauung und Religionsphilosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) inne. Nach seiner Emeritierung 1987 wurde Hans Maier sein Nachfolger. Biser initiierte an der LMU das Seniorenstudium, das er bis September 2007 leitete. Außerdem war er von 1979 bis 2007 als Universitätsprediger tätig und zelebrierte nahezu jeden Sonntagabend in der Universitätskirche St. Ludwig die Heilige Messe.

Eugen Biser starb in der Nacht vom 24. auf den 25. März 2014 im Alter von 96 Jahren.[2] Seine letzte Ruhestätte befindet sich auf dem alten Teil des Waldfriedhofes München.[3]

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Frage, wie das theologisch-wissenschaftliche Werk von Eugen Biser einerseits bewahrt und andererseits für die Zukunft erschlossen und damit fortgeführt werden kann, hatte im Jahr 2002 die Gründung der Eugen-Biser-Stiftung zur Folge.[4] Biser war Mitgründer und Ehrenvorsitzender des Stiftungsrates der gemeinnützigen Eugen-Biser-Stiftung für Dialog aus christlichem Ursprung, München. Die Stiftung widmet sich besonders der wissenschaftlichen Bewahrung, Verbreitung und Vertiefung seines Werkes sowie dem Dialog mit den monotheistischen Religionen Judentum und Islam.[5]

Eugen Biser war Mitglied der 1990 gegründeten Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste und war Dekan der Klasse VII – Weltreligion.

Er veröffentlichte rund 150 Bücher zu Fragen der Glaubensbegründung, der Religionsphilosophie, insbesondere zu Friedrich Nietzsche, zu Paulus und zur Theologie der Zukunft sowie rund 1000 Aufsätze.[6][7]

Die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Graz verlieh dem homo universalis Eugen Biser am 14. November 2002 die Ehrendoktorwürde der Theologie für sein Lebenswerk. Der bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein würdigte Eugen Biser in seiner Laudatio zum 90. Geburtstag des Theologen als Universalgelehrten. Auch Altbundeskanzler Helmut Kohl und der ehemalige nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers würdigten in ihren Reden den persönlichen Freund.

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Grenzerfahrungen. Die Bedeutung der religiösen Grenzsituationen in den Werken Gertrud von le Forts – Freiburg im Breisgau 1956 (Dissertation zum Dr. theol.)
  • Gott ist tot. Nietzsches Destruktion des christlichen Bewusstseins, München 1962 (Dissertation zum Dr. phil.)
  • Theologische Sprachtheorie und Hermeneutik, München 1970 (Habilitationsschrift)
  • Der Helfer. Eine Vergegenwärtigung Jesu, Kösel München 1973, ISBN 3-466-20157-8
  • Der Freund. Annäherungen an Jesus. Piper München/Zürich 1989, ISBN 3-492-10981-0
  • Glaubenskonflikte. Strukturanalyse der Kirchenkrise; Herder Freiburg i. B. u.a. 1989, ISBN 3-451-08687-5
  • Glaubensprognose. Orientierung in postsäkularistischer Zeit; Styria Graz u.a. 1991, ISBN 3-222-11996-1
  • Paulus. Zeuge, Mystiker, Vordenker; Piper München und Zürich 1992, ISBN 3-492-11477-6
  • Der inwendige Lehrer. Der Weg zu Selbstfindung und Heilung; Piper München und Zürich 1994, ISBN 3-492-11852-6
  • Der Mensch – das uneingelöste Versprechen. Entwurf einer Modalanthropologie; Patmos Düsseldorf 1995, ISBN 3-491-77965-0
  • Überwindung der Lebensangst. Wege zu einem befreienden Gottesbild; Don Bosco München 1996, ISBN 3-7698-0836-3
  • Hat der Glaube eine Zukunft?; Patmos Düsseldorf 1994, 3. Aufl. 1997, ISBN 3-491-77954-5
  • Überwindung der Glaubenskrise. Wege zur spirituellen Aneignung; Don Bosco München 1997; 2001, ISBN 3-7698-1058-9
  • Der Glaube der Christen; Eugen Biser u. a. (Hrsg.), (Band 1: Ein ökumenisches Handbuch; Band 2: Ein ökumenisches Wörterbuch), Pattloch München 1999 / 2001, ISBN 3-629-00862-3 / ISBN 3-629-00861-5
  • Gott im Horizont des Menschen; Glaukos Limburg 2001, ISBN 3-930428-13-X
  • Glaubensbekenntnis und Vaterunser. Eine Neuauslegung; Patmos Düsseldorf 1993, 2003, ISBN 3-491-69401-9
  • Paulus. Zeugnis – Begegnung – Wirkung; WBG Darmstadt 2003, ISBN 3-534-17208-6
  • Einweisung ins Christentum; Patmos Düsseldorf 1997, 2. Aufl. 1998, ISBN 3-491-77012-2; 2004 ISBN 3-491-69406-X
  • Gotteskindschaft und Menschenwürde – Eine Neue Anthropologie; Glaukos Limburg 2006, ISBN 3-930428-28-8
  • Mensch und Spiritualität, Eugen Biser und Richard Heinzmann im Gespräch; WBG Darmstadt 2008, ISBN 978-3-534-20862-3
  • Theologie der Zukunft, Eugen Biser im Gespräch mit Richard Heinzmann; WBG Darmstadt 2005, 3. Aufl. 2008, ISBN 978-3-534-26758-3
  • Jesus. Sein Lebensweg in neuem Licht; Friedrich Pustet Regensburg 2008, ISBN 978-3-7917-2110-1
  • Der Mensch im Horizont Gottes; Glaukos Limburg 2007, ISBN 978-3-930428-27-4
  • Weisheit – Idee und Ethos; Glaukos Limburg 2011, ISBN 978-3-930428-35-9

Bild- und Tondokumente[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Theologie der Zukunft. Eugen Biser im Gespräch mit Richard Heinzmann, 29-teilige Gesprächsserie im Bildungskanal des Bayerischen Rundfunks BR-alpha (2003)
  • Neue Spiritualität. Eugen Biser im Gespräch mit Richard Heinzmann. 13-teilige Gesprächsserie im Bildungskanal des Bayerischen Rundfunks BR-alpha (2004)
  • Das christliche Menschenbild. Eugen Biser im Gespräch mit Richard Heinzmann. 13-teilige Gesprächsserie im Bildungskanal des Bayerischen Rundfunks BR-alpha (2005)
  • Schauen und Glauben. Reinhold Baumstark und Eugen Biser im Gespräch vor ausgewählten Gemälden der Alten Pinakothek München. 15-teilige Gesprächsserie im Bildungskanal des Bayerischen Rundfunks BR-alpha (2005)
  • Chancen des Christseins – Perspektiven einer neuen Theologie, CD-Edition, Glaukos Limburg 2005, ISBN 978-3-930428-26-7

Vorträge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Georg Sans: Die Entdeckung der Subjektivität. Eugen Biser, der Apostel Paulus und die Religionsphilosophie. In: Stimmen der Zeit 233 (2015), Heft 2, S. 87-94.
  • Existenzangst und Mut zum Sein. Eugen-Biser-Lectures Band 1. Herausgegeben von Gunter Wenz. 1. Auflage, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2014, 191 Seiten kartoniert, ISBN 978-3-525-56017-4.
  • Die Mitte des Christentums. Einführung in die Theologie Eugen Bisers. Herausgegeben von Richard Heinzmann und Martin Thurner. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 158 Seiten, 2011, ISBN 978-3-534-23525-4 (Einer der wichtigsten Theologen der Gegenwart dargestellt von den führenden Biser-Experten.)
  • Markus Krienke: Iustitia in dignitate. Grundlegungsfragen einer christlichen Rechtsethik, Habilitationsschrift (LMU München) 2009 (unter besonderer Berücksichtigung des christologisch-anthropologischen Ansatzes Eugen Bisers)
  • Richard Heinzmann: Vom System zur Lebenswirklichkeit. Der Grundgedanke der Theologie Eugen Bisers. In: Eugen Biser, Richard Heinzmann: Theologie der Zukunft. Eugen Biser im Gespräch mit Richard Heinzmann, WBG Darmstadt 2005, 3. Aufl. 2008, ISBN 978-3-534-26758-3, S. 137-146
  • Dialog aus christlichem Ursprung. Fünf Jahre Eugen-Biser-Stiftung. Limburg: Glaukos-Verlag 2008, 498 Seiten, ISBN 978-3-930428-31-1 (Eine vielseitige und verständliche Einführung in Denken und Werk Eugen Bisers sowie ein guter Überblick über die Arbeit seiner Stiftung)
  • Ralph Fischer: Macht der Glaube heil? – Der christliche Glaube als Heilsmacht im Anschluss an Eugen Biser und Eugen Drewermann, Peter-Lang-Verlag, Frankfurt a. M. 2006 (gleichzeitig Diss., Otto-Friedrich-Universität Bamberg 2005), ISBN 3-631-54767-6.
  • Joachim Reger: Die Mitte des Christentums – Eugen Bisers Neubestimmung des Glaubens als exemplarischer Versuch gegenwärtiger Theologie, Habilitationsschrift, mit einem Nachwort von Eugen Biser, Trier 2005, ISBN 3-7902-1302-0.
  • Thomas Brose: Im Dialog mit Nietzsche. Eugen Biser 85 Jahre alt. In: Rheinischer Merkur Nr. 1, 2. Januar 2003.
  • Andreas Schaller: Gott brach sein Schweigen, München: Verlag Sankt Michaelsbund 1999, ISBN 3-920821-13-0 (Eine allgemeinverständliche Einführung in das Denken und das Werk Eugen Bisers)
  • Joachim Dauer: Glaubend Gott verstehen. Der fundamentaltheologische Beitrag Eugen Bisers. Dissertation, Diss. theol. Pont. Univ. Gregoriana, Rom 1991.
  • Armin Kreiner, F.J. Fuchs: »Ich glaube, darum rede ich« (2 Kor 4,13). Eugen Bisers hermeneutische Theologie. In: Communicatio Fidei (= Festschrift für Eugen Biser). Herausgegeben von Horst Bürkle und Gerold Becker, Pustet: Regensburg 1983, ISBN 3-7917-0769-8, S. 399-414.

Bibliographie zum Werk Eugen Bisers[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Monika Schmid von der Eugen-Biser-Stiftung hat unter der wissenschaftlichen Projektleitung von Richard Heinzmann 2004/05 mit dem Projekt begonnen. Die Eugen-Biser-Bibliographie ist unter Mitwirkung von Hannes Bräutigam anlässlich von Eugen Bisers 95. Geburtstag online verfügbar.[8]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Thomas Brose: Möglichkeiten des Menschseins. Zum Tod des Theologen Eugen Biser. In: Neue Zürcher Zeitung, 26. März 2014, S. 49.
  2. a b Eugen Biser in München verstorben. In: Münchner Kirchennachrichten vom 25. März 2014 (abgerufen am 25. März 2014).
  3. knerger.de: Das Grab von Eugen Biser
  4. Eugen Biser. Leben - Werk - Stiftung. Eugen-Biser-Stiftung, abgerufen am 18. September 2017.
  5. Wofür setzen wir uns ein? Eugen-Biser-Stiftung, abgerufen am 18. September 2017.
  6. Gerhard Kiefer: Zum Tod von Eugen Biser: Die Angst vor Gott nehmen. (Nachruf) badische-zeitung.de, 25. März 2014, abgerufen am 25. März 2014
  7. Eugen-Biser-Bibliographie. Eugen-Biser-Stiftung, abgerufen am 18. September 2017.
  8. Eugen-Biser-Stiftung: Eugen-Biser-Bibliographie