Evern

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Dieser Artikel behandelt den Ortsteil Evern der Stadt Sehnde. Siehe auch Deutsch Evern, Wendisch Evern.

Koordinaten: 52° 19′ 1″ N, 10° 1′ 25″ O

Evern
Stadt Sehnde
Wappen von Evern
Höhe: 74 m ü. NN
Fläche: 6,61 km²
Einwohner: 554 (Apr. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 84 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. März 1974
Postleitzahl: 31319
Vorwahl: 05138
Karte
Die Lage von Evern im Stadtgebiet von Sehnde

Evern ist ein Ortsteil der Stadt Sehnde, südöstlich von Hannover. Das älteste erhaltene Dokument, das Evern erwähnt, stammt aus dem Jahr 1117.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evern ist Teil der Stadt Sehnde in der Region Hannover des Landes Niedersachsen und hat als Nachbarorte:

Südlich des Orts verläuft der Mittellandkanal. An das Fernwegnetz ist Evern über die Bundesstraße 65 angeschlossen. Zwischen Evern und dem südlichen Klein Lobke liegt die Wüstung Schuttellobeke. Evern liegt im historischen Siedlungsraum des Großen Freien.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ev. Kapelle St. Georg

Die Namensentwicklung des Ortes verlief von der Bezeichnung Eberen im Jahr 1117 über Everinge (1230), Everen (1313), Evern (1362), Everen (1400) und Euern (1558) zu Evern im Jahr 1651 (die Schreibweise u oder v lag zu der Zeit nicht fest).

Renommierte Ortsnamensforscher halten Deutungen mit dem Hinweis auf Beziehungen zu alten Wörtern für Wasser, für Ufer, für hinter oder später oder für höher für möglich, was sich mit der topographischen Lage zu den umliegenden Ortschaften deckt.

Evern war bis zu einem verheerenden Großbrand 1825 ein typisches altsächsisches Haufendorf. Funde aus der Bronzezeit am nahegelegenen Leierberg zeugen von einer sehr frühen Besiedlung. Durch großzügige Spenden an das Bistum Hildesheim konnte der Graf von Haimar am 11. Mai 1117 das Kirchrecht für Evern erwerben. Schwierig gestaltete sich manchmal das Verhältnis zum jeweiligen Landesherren. Da es in jenen Zeiten immer wieder vorkam, dass der Adel aus Geldnot Ortschaften verpfändete, geriet Evern zwischenzeitlich zum Hochstift Hildesheim, ehe es 1643 wieder dem Großen Freien angegliedert wurde. So kam es mitunter vor, dass zu Zeiten eines evangelischen Landesherren (Lüneburg) sonntags die Kapelle leer blieb. Die Everaner zogen es vor, in das einige Kilometer entfernte Lühnde zur heiligen Messe zu gehen, als vor Ort den lutherischen Gottesdienst zu besuchen.

Am 15. Juni 1825 wurde nahezu das gesamte Dorf durch einen Brand verwüstet. In den Abendstunden breitete sich der Brand, vermutlich von einem im Nordosten des Ortes gelegenen Gehöft, aus. Durch eine neun Wochen anhaltende Trockenperiode konnte sich das Feuer, begünstigt durch einen starken Ostwind, sehr schnell durch das alte reetdachgedeckte Dorf fressen. Von den 57 Wohnhäusern und Gehöften blieben nur 16 unversehrt. 278 Bewohner wurden über Nacht obdachlos. Ende 1826 war der Neuaufbau Everns nahezu abgeschlossen. Die neuerrichteten Häuser und Höfe mussten Mindestabstände zu den Nachbarn haben; die Straßenführung wurde großzügig neugestaltet. Um den nötigen Platz im Dorf zu schaffen, mussten einige Einwohner ihren angestammten Grund und Boden aufgeben. Ihre Häuser und Höfe wurden an den Westrand des Ortes verlegt. Der durch das Amt Ilten gestellte Landvermesser hatte die Aufgabe, den neuen Zuschnitt der Grundstücke festzulegen. Teilweise geschah dies unter Protest der Dorfbewohner.

Seine wohl einschneidendsten Veränderungen erlebte der Ort im 19. Jahrhundert. Nach dem großen Brand wurden die typischen reetgedeckten Katen durch großzügige Fachwerkhäuser (siehe Hof Eichenkamp 1) ersetzt. Aus den mittelalterlichen Gassen wurden breite Straßen. Nur die Sackgasse Rethmarsche Straße erinnert noch an die frühere enge Bebauung. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erhielten unter Regie des Ökonomierates Otto Haarstrich die Straßen Kopfsteinpflaster. Im Gedenken an Otto Haarstrich wurde auf dem heutigen Feuerwehrplatz ein Denkmal errichtet.

Am 31. August 1898 wurde Evern an das elektrifizierte Überlandstraßenbahn-Netz angeschlossen. Die Straßenbahn fuhr ab diesem Zeitpunkt vom Nachbarort Haimar über Evern bis nach Hannover. Diesem Umstand verdankte der Ort nicht nur eine schnelle Verkehrsanbindung, sondern auch eine frühe Versorgung mit elektrischem Strom. Neben dem Personenverkehr war auch der Güterverkehr über die Schiene ein zur damaligen Zeit enormer Fortschritt. Eigens für den Güterumschlag wurde ein Abstellgleis auf dem heutigen Feuerwehrplatz verlegt. Die Straßenbahnlinie wurde im Jahr 1935 durch einen Busverkehr ersetzt. Bis auf einige Straßenveränderungen und die Siedlungen im südlichen Eichenkamp (1960er Jahre) und am Sportplatz (1980er Jahre) erhielt Evern sein heutiges Gesicht im 19. Jahrhundert.

Am 1. März 1974 wurde Evern in die Gemeinde, heute Stadt Sehnde eingegliedert.[2]

Kath. Kapelle St. Magdalenen

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Evern befindet sich die evangelische St. Georgs-Kapelle aus dem 19. Jahrhundert (Dorfplatz 6), deren Ursprünge ins Mittelalter zurückreichen. Sie gehört zur Kirchengemeinde Haimar.

Ostermontag 1955 wurde die katholische St. Magdalenen-Kapelle geweiht (Rethmarsche Straße 9), ein Massivbau mit Dachreiter, der von Ostvertriebenen in Eigenleistung errichtet und ausgestattet wurde. Das Grundstück wurde von der Gutsfamilie Achilles gestiftet. In deren Gutshaus fanden bis dato die katholischen Gottesdienste im Ort statt. Die Kapelle gehörte zur Pfarrgemeinde St. Maria in Sehnde. Am 12. September 2010 wurde die Kapelle von Generalvikar Werner Schreer profaniert, sodass in ihr keine Gottesdienste mehr stattfinden. Seit 2013 befindet sich die Kapelle im Besitz eines Musikvereins, der sich um den Erhalt bemüht.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evern war bis zur Gemeindegebietsreform 1974 eine eigenständige Gemeinde. Heute ist es ein Ortsteil der Stadt Sehnde. Wie fast alle Ortschaften des Großen Freien (Harber wurde schon in den 1960er Jahren dem Landkreis Peine zugeordnet), gehörte auch Evern zum früheren Landkreis Burgdorf. In den 1960er Jahren gab es Bestrebungen, sich mit den Nachbarorten Rethmar, Dolgen, Haimar und Harber zu einer Samtgemeinde zusammenzuschließen. Letztendlich ließ die Gemeindegebietsreform aber keine andere Wahl; die Ortschaften hätten nie die Mindesteinwohnerzahl von 6000 erreicht. Die Gründung einer Samtgemeinde scheiterte.

Heute bildet Evern mit Dolgen und Haimar einen gemeinsamen Ortsrat, Ortsbürgermeister ist Konrad Haarstrich (CDU).[3]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werner Walkling, Hannover: Familienbuch Haimar, Orte Haimar, Evern und Dolgen, 660 Seiten, Softcover, Eigenverlag, Hannover, 2014

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. ZAHLEN - DATEN - FAKTEN. www.sehnde.de, abgerufen am 22. Dezember 2015.
  2. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 223.
  3. Ortsrat Dolgen-Evern-Haimar