Exquisit-Laden

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Exquisit-Läden waren Bekleidungsgeschäfte in der DDR mit einem – verglichen mit den normalen HO- und Konsum-Läden – hochpreisigen Angebot von Bekleidung und Kosmetika.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Exquisit-Läden wurden seit 1962 auf Beschluss des Ministerrates geschaffen und 1966 durch die Delikatläden ergänzt.[1] Beide Handelsketten sollten den „gehobenen Bedarf“ abdecken. Die Bürger der DDR sollten die Möglichkeit haben, auch ohne Westgeld Luxusartikel zu erwerben.

Hohe Preise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für den DDR-Bürger waren die Modeartikel jedoch oft finanziell unerreichbar. Die Preise wurden nicht allein vom Hersteller selbst bestimmt; auch eine Kommission, bestehend aus Verkäufern und Filialleitern, hatte Mitspracherecht. Im Gegensatz dazu produzierten die volkseigenen Konfektionsbetriebe vorwiegend schlecht verkäufliche, allgemein als nicht modisch angesehene Kleidungsartikel. Neben wenig ansprechenden, altmodischen Mustern kamen häufig auch qualitativ schlechte Materialien zum Einsatz.

Im Volk machten sich schnell Gerüchte breit, die Exquisitwaren seien billige westliche Massenprodukte, die überteuert auf den ostdeutschen Markt gebracht würden. Davon zeugte im Volksmund der Spottname Uwubus für „Ulbrichts Wucherbuden“.

Qualität und Modedesign in der DDR[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allerdings achtete man bei der Exquisitware tatsächlich bewusst auf Qualität. Es gab allein 30 Modedesigner, die für jede Saison eine Kollektion entwarfen und zur Leipziger Messe vorstellten. Die Stückzahlen waren klein: Von einem Modell entstanden im Durchschnitt 300 Stück. Die Mustermodelle wurden strengen Tests auf Tragfähigkeit, Sitz und Passform unterworfen, bevor sie ans Band gingen. Die dafür verwendeten Stoffe kamen mehrheitlich aus westlichen Ländern wie Österreich, Italien, Frankreich und Japan.

Niedergang nach der Wende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Wende zeigte sich schnell, dass die Exquisit-Betriebe mit ihren „soliden Angeboten auf dem mittleren Preisniveau“ zu unerfahren waren, um auf dem Modemarkt zu bestehen. Es überlebten nur die Kreativen des Unternehmens, die nun an Kunsthochschulen lehrten, als Designer in Modefirmen oder Gründer eigener Marken. Die Ladengeschäfte in überwiegend sehr guten Innenstadtlagen wurden schnell von westdeutschen Einzelhandelsketten übernommen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Peter Hübner: Reformen in der DDR der Sechziger Jahre. Konsum- und Sozialpolitik. In: Christoph Boyer (Hg.): Sozialistische Wirtschaftsreformen. Tschechoslowakei und DDR im Vergleich (= Studien zur europäischen Rechtsgeschichte, Bd. 210). Vittorio Klostermann, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-465-04005-8, S. 501–539, hier S. 527.