Modedesign

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Präsentation von Modedesign auf der Berlin Fashion Week, 2013

Modedesign ist die Bezeichnung eines Studienfachs, das Entwurf, Gestaltung und das Zeichnen von Mode wie Kleidermode, Schuhe und Accessoires umfasst. Dies kann mit herkömmlichen Zeichenwerkzeugen erfolgen, wird jedoch zunehmend mit Hilfe von Software durchgeführt, die ab dem Entwurfsstadium hilft, die Modelle und Schnitte zu zeichnen und einen Größensatz zu errechnen (Gradierung). Neben Aktzeichnen, schematischer Darstellung und Modeillustration mit und ohne für Modedesign relevanter Computerprogramme ist die industrielle Fertigungstechnik, Materialkunde, Schnittkonstruktion mit herkömmlichen Zeichenwerkzeugen und mit Hilfe von Software, Kunstgeschichte, Modegeschichte und Marketing ebenfalls Teil der Ausbildung.

Modedesigner, Entwurfs-Direktrice, Modellmacher oder Modeschöpfer sind keine geschützten Berufsbezeichnungen. Nach einer Ausbildung oder einem Studium an einer staatlichen oder staatlich anerkannten Hoch-/Berufs-Schule kann der Berufsbezeichnung der erlangte Abschlusstitel vorangestellt werden (z. B. Dipl. Modedesigner, Modedesigner Bachelor of Arts (BA) oder Modedesigner Master of Arts (MA), Geprüfter Modedesigner, Staatlich geprüfter Modedesigner, Staatlich geprüfter Designer (Mode) etc.). Des Weiteren werden auch Studiengänge oder Ausbildungen angeboten, deren Abschlüsse Fantasiebezeichnungen sind.

Modedesign wird als Studiengang oder Studienschwerpunkt eines Designstudiums an einer Universität, mehreren Kunsthochschulen, Hochschulen, Fachhochschulen und Berufsfachschulen, sowie an privaten Ersatz- und Ergänzungsschulen angeboten. Für Studium oder Ausbildung stehen etwa 78 staatliche oder private Bildungseinrichtungen zur Wahl. Zur Aufnahme werden meist künstlerische Arbeitsproben verlangt. Die Regelstudienzeit an Universitäten, Kunsthochschulen, Hochschulen und Fachhochschulen beträgt meist sechs bis acht Semester für einen Bachelor-of-Arts-Abschluss und insgesamt zehn Semester für einen Master-of-Arts-Abschluss.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chéruit Salon Paris

Die wohl erste Person, auf die der Begriff Modeschöpfer im heutigen Sinne zutrifft, war Charles Frederick Worth (1825–1895), der auch als Begründer der Haute Couture gilt. Bevor er sein Modehaus („maison couture“) in Paris gründete, waren es überwiegend namenlose Schneider und Schneiderinnen, die Kleidung entwarfen. Nur wenige der Modeschaffenden aus der Zeit vor Charles Frederick Worth schafften es, sich einen Namen zu machen. Eine dieser Ausnahmen war Rose Bertin, die Modistin der französischen Königin Marie-Antoinette, die sich jedoch selbst mehr als Künstlerin verstand.

Worth erreichte, dass Kunden einen bestimmten Stil mit einem Modeschöpfer verknüpften und schuf die Tradition, Modekollektionen durch Mannequins vorstellen zu lassen. Nach Worth war es Paul Poiret, der diesem Konzept treu blieb und die alltägliche Mode durch seine Haute Couture beeinflusste. Paul Poiret war auch derjenige, der begann, das Korsett aus der Damenmode zu entfernen.

Die nächsten Gestalter in der Tradition von Poiret und Worth waren Patou, Vionnet, Fortuny, Jeanne Lanvin, Coco Chanel, Schiaparelli, Balenciaga, Christian Dior und Yves Saint Laurent.

Der Einfluss der Haute Couture ging in den 1960er Jahren zurück. Unter dem Einfluss von Mode-Ikonen wie beispielsweise Marilyn Monroe, Audrey Hepburn und Jackie Kennedy oder Mannequins wie Twiggy sowie der stärker werdenden Emanzipationsbewegung wurde Mode immer weniger von der Haute Couture beeinflusst.

In dieser Zeit begannen Modemarken (siehe Markenartikel) nicht nur Kleidungsstücke zu produzieren, sondern auch ein Image zu kreieren oder eine Mode zu schaffen, die gezielt einzelne Zielgruppen oder Subkulturen ansprach. Vivienne Westwood zum Beispiel schuf eine Mode, die in Wechselbeziehung zum Punk stand. Hieraus entwickelte sich in den 1980er Jahren die Bewegung der OFF-Mode, in der junge Avantgardisten der Mode, Musik und Kunst zusammenfanden. Der Trend begann als Anti-Schick mit der Betonung des Individualismus, wurde dann aber doch ganz schnell zu einer deutschlandweiten Bewegung, die unter der Flagge der OFF-Line Modemessen europaweit Aufsehen erregte. Ähnlich wie in der Musik die Neue Deutsche Welle verebbte OFF-Mode spätestens mit Beginn der deutschen Wiedervereinigung und der Öffnung der Grenzen.

Haute Couture und Prêt-à-porter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chanel Haute Couture Fall-Winter 2011

Das heutige Modedesign betrifft Haute Couture, Prêt-à-porter/Ready-to-wear und Konfektion. Einige wenige Maßschneider für Damenmode sind vom Pariser Modeverband Chambre Syndicale de la Haute Couture (seit 2017 Fédération de la Haute Couture et de la Mode) unter Einhaltung bestimmter Kriterien offiziell berechtigt, ihre aus luxuriösen Materialien in Handarbeit individuell maßgeschneiderten Modekreationen als Haute Couture zu bezeichnen. Kunden kommen aus einer wohlhabenden Schicht, die maßgeschneiderte Bekleidung bevorzugt. Mindestens zweimal jährlich muss eine Kollektion gezeigt werden, bei der mindestens 35 verschiedene Modelle mit entsprechendem Niveau vorgestellt werden.

Spätestens ab den 1950er-Jahren etablierte sich das Prêt-à-porter. Die „Kleider von der Stange“ werden von Firmen für jeweils eine spezielle Zielgruppe oder den Massengeschmack in einer für diese Firma festgelegten Größenreihe produziert. Eine feinere Unterteilung unterscheidet dabei Designer-Kollektionen und Konfektionsware. Designerkollektionen zeichnen sich in der Regel durch hohe Qualität in Material und/oder Schnitt aus. Heutzutage haben diese Designerkollektionen mehr Einfluss auf die Alltagsmode als die Haute Couture. Designerkollektionen werden als Prêt-à-porter ebenfalls auf Modenschauen präsentiert. In den Läden und Online-Shops wird häufig Konfektion angeboten.

Kooperationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karl Lagerfeld erregte 2004 Aufsehen durch seine, bis dahin noch ungewöhnliche, Zusammenarbeit mit einem Billiganbieter, dem schwedischen Discount-Modefilialisten Hennes & Mauritz (H&M), für den er eine kostengünstige Modekollektion mit 20 Artikeln für Damen und zehn für Herren entwarf.[1][2][3][4][5] Er war H&Ms erster Design-Kooperationspartner, ihm folgten unter anderem Stella McCartney (2005), Viktor & Rolf (2006), Roberto Cavalli (2007), Comme des Garçons (2008), Matthew Williamson (2009), Jimmy Choo (2009), Lanvin (2010), Versace (2011), Marni (2012). Andere Firmen kooperierten mit weiteren Couturiers und Designern.

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karl Lagerfeld († 2019), einer der renommiertesten Modedesigner der Welt. Seit 1984 war er u. a. Chefdesigner bei Chanel.

Deutsche Mode ist für ihre eleganten Linien bekannt, aber auch für ihre unkonventionellen jungen Designs und die große Variation verschiedener Stilrichtungen. Berlin gilt als junges und kreatives Zentrum in der europäischen Modeszene.[6] Zweimal im Jahr findet die Berlin Fashion Week statt.[7] Von 2009 bis 2015 fand in Berlin die Leitmesse Bread & Butter für die Urban Streetwear und Alltagsmode statt. Düsseldorf ist der Modehandelsplatz mit dem größten Umsatz,[8] und war viele Jahre Schauplatz der weltgrößten Modemesse, der von der Igedo veranstalteten Collections Premiere Düsseldorf (CPD). Weitere wichtige Modezentren sind München,[9] wo sich auch die Deutsche Meisterschule für Mode befindet, Hamburg und Köln. Auch kleinere Städte sind als Standorte großer Marken Zentren für Gestaltung und Produktion, etwa Herford, Metzingen, Herzogenaurach, Schorndorf, Rottendorf, Chemnitz, Albstadt und Detmold.[10]

Designer

Berühmte deutsche Modedesigner sind z. B. Karl Lagerfeld, Wolfgang Joop, Jil Sander, Uli Richter, Heinz Oestergaard, Heinz Schulze, Renate Günthert, Michael Michalsky, Tomas Maier, Guido Maria Kretschmer, Sibilla Pavenstedt, Rudolph Moshammer, Torsten Amft, Philipp Plein, Jette Joop, Dorothee Schumacher, Patrick Mohr, Dawid Tomaszewski, Anna von Griesheim, Willy Bogner, Anja Gockel, Harald Glööckler.[11] Bekannte Textilunternehmer, deren Firmen heute internationale Modekonzerne sind, sind unter anderem Hugo Ferdinand Boss, Rudolf Dassler, Adolf Dassler und Wolfgang Grupp.

Marken

Zu den bekannten Modemarken aus Deutschland gehören und gehörten unter anderem Hugo Boss, Strenesse, Windsor, Bogner, Escada, Etienne Aigner, Joop!, Philipp Plein, MCM, Talbot Runhof, Baldessarini, Seidensticker, Eterna, Hallhuber, Kaviar Gauche, Roy Robson, Closed, Valisere, Lascana, Lala Berlin, Ulla Popken, Roeckl, Buffalo Boots, Rohde, Peter Hahn, Marc O’Polo, Tom Tailor, s.Oliver, Gerry Weber, Esprit, Wunderkind, Bruno Banani, Triumph und Schiesser. Bekannte deutsche Outdoor- und Sportartikelhersteller mit eigener Modesparte sind etwa adidas, PUMA, Chiemsee, Reusch und Jack Wolfskin. Daneben gibt es Modekonzerne mit bekannten Submarken wie die Ahlers AG, den zweitgrößten Männermode-Hersteller Europas. Darüber hinaus führen einzelne deutsche Filialisten ihre eigenen Modemarken: Zalando, Orsay, Zero, P&C, Breuninger.

Models

Es gibt zudem eine Reihe von Models, die es zu internationalem Ruhm gebracht haben, u. a. die „Supermodels“ der 1990er Jahre Claudia Schiffer, Heidi Klum, Tatjana Patitz, Manon von Gerkan und Nadja Auermann. Weitere weltweit gefragte Models waren und sind Diane Kruger, Eva Padberg, Toni Garrn, Julia Stegner, Rebecca Mir, Birte Glang, Amelie Klever, Nico, Eveline Hall, Uschi Obermaier, Nastassja Kinski, Antonia Wesseloh, Vanessa Hegelmaier, Hana Nitsche, Lena Gercke, Sara Nuru, Barbara Meier, Claudia Ciesla, Aslı Bayram, Shermine Shahrivar, Evelyn Sharma, sowie die männlichen Models Nico Schwanz und Lars Burmeister.[12]

Zu den global bedeutendsten Modelagenturen gehören viviènne model management (München, New York) und Louisa Models (München, Hamburg). Die Ausbildung von Modedesignern in Deutschland erfolgt an verschiedenen Universitäten, Hochschulen und Berufsfachschulen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Yuniya Kawamura: Fashion-ology. An introduction to Fashion Studies. Berg, Oxford / New York: 2005, ISBN 1-85973-814-1
  • Yasmin Boeck: Traumberuf Modedesigner – Der Leitfaden für Studium und Ausbildung. Stiebner Verlag, München 2011, ISBN 3-8307-0872-6
  • Barbara Schmelzer-Ziringer: Mode Design Theorie. Böhlau Verlag / Uni-Taschenbücher-Verlag, Köln/Weimar/Wien 2015, ISBN 978-3-8252-4403-3

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Modedesign – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Deutsche Mode – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lagerfeld bei H&M: Catchen am Kleiderständer, Der Spiegel, 12. November 2004
  2. Massenhysterie um Designer-Schnäppchen, Stern, 12. November 2004
  3. «Liquid Karl»: Lagerfeld für H&M vorgestellt (Memento vom 20. September 2011 im Internet Archive), netzeitung.de, 20. September 2004
  4. Lagerfeld-Aktion von H&M, Der Spiegel, 14. November 2004
  5. Karl Lagerfeld and H&M, hm.com (engl.), 21. Juni 2004
  6. Berlin Fashion Week Roundup, Vogue, abgerufen am 28. Oktober 2014.
  7. Berlin Fashion Week (Memento vom 20. Dezember 2014 im Internet Archive), offizielle Website.
  8. Marcel Berndt: Berlin hat den Glamour, Düsseldorf das Geld, Welt Online, 26. Juli 2014. Abgerufen am 17. Juli 2014.
  9. München – Der Stoff, aus dem die Träume sind, Die Welt, 17. Juli 2011
  10. Die deutsche Mode kommt (auch) aus der Provinz, Brigitte, Ausgabe 15/2012, abgerufen am 18. Januar 2014.
  11. Deutsche Designer, Vogue, abgerufen am 28. Oktober 2014.
  12. Deutsche Models, Vogue, abgerufen am 28. Oktober 2014.