Fahrzeugrecycling

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Im Autoverwertungsbetrieb werden Fahrzeuge trockengelegt und wiederverwertbare Komponenten entnommen

Fahrzeugrecycling beschreibt den Prozess der Entsorgung von Kraftfahrzeugen und daraus erfolgender Rohstoffrückgewinnung. In westlichen Industrienationen und auch in den meisten anderen Ländern der Welt wird mittlerweile ein großer Anteil der Metalle auf diese Weise rezykliert.

Recyclingprozess[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stilllegung und Verwertung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verunfallte oder defekte Fahrzeuge, deren Reparatur nicht mehr wirtschaftlich ist, und Fahrzeuge, die nicht mehr verkehrssicher sind, werden in der Regel von einem lokalen Autoverwertungsbetrieb angenommen oder angekauft und schließlich verschrottet. Die Altfahrzeugverordnung verpflichtet inzwischen die Autohersteller zur Rücknahme der Fahrzeuge.

Gepresste Fahrzeugwracks bereit zum Schreddern
Die Schredderanlage ermöglicht die sortenreine Fraktionierung der Rohstoffe
Autokran beim Verladen eines Altfahrzeuges

Dazu werden die angenommenen Fahrzeuge begutachtet und der entsprechende Entsorgungsnachweis ausgestellt.

Entsprechend der Altfahrzeugverordnung sind die Betreiber von Demontagebetrieben verpflichtet nach der Anlieferung bei jedem Altfahrzeug unverzüglich die Batterien zu entnehmen, den Flüssiggastank nach Vorgaben des Herstellers sachgerecht zu behandeln und die pyrotechnischen Bauteile durch geschultes Fachpersonal nach Vorgabe der Hersteller entweder zu demontieren und in zugelassenen Anlagen entsorgen zu lassen oder durch Auslösung im eingebauten Zustand unschädlich zu machen.

Betreiber von Demontagebetrieben müssen vor der weiteren Behandlung folgende Betriebsflüssigkeiten und Betriebsmittel entfernen und getrennt sammeln: Kraftstoff (dazu zählt auch Flüssiggas für den Fahrzeugantrieb), Kühlerflüssigkeit, Bremsflüssigkeit, Scheibenwaschflüssigkeit, Kältemittel aus Klimaanlagen (FCKW u. a.) sowie Ölfilter. Dies gilt auch für Motorenöl, Getriebeöl, Differenzialöl, Hydrauliköl und Stoßdämpferöl, sofern keine Demontage der Stoßdämpfer erfolgt; diese Öle können miteinander vermischt werden, sofern sie nach den Bestimmungen der Altölverordnung der Sammelkategorie 1 zuzuordnen sind.

Nächster Schritt ist dann der Ausbau und Lagerung verkaufsfähige Gebrauchtteile, z. B. gängig gehandelter Aggregate, wie Motor, Getriebe, Lichtmaschine, Achsteile, zwecks Instandsetzung anderer Fahrzeuge gleichen Typs. Auch die Innenausstattung wie Sitze, Ablagen, Türverkleidungen, und Karosserieteile, wie Hauben und Türen oder die Elektroausstattung (Scheinwerfer, Rückleuchten, Schalter) werden ausgebaut und zum Verkauf eingelagert. Oftmals werden vom Verwertungsbetrieb jedoch nur die großen Aggregate ausgebaut; weitere Ausbauten überlässt er den Kunden die Teile kaufen wollen. Fertig ausgebaute Teile (teils funktionsgeprüft) sind auch höher im Beschaffungspreis, demgegenüber spart ein Selbstausbau Kosten.

Das "Ausschlachten" der Fahrzeuge wird in Deutschland zunehmend unattraktiver. Grund hierfür ist der schnelle Modell- und Produktwechsel in der Automobilbranche, die ständig weiterentwickelte Elektronik und die geringere Haltbarkeit der Ersatzteile. Ein weiterer Grund dürfte der erhebliche Export von Gebrauchtfahrzeugen ins europäische und nichteuropäische Ausland sein, wodurch die inländische Nachfrage nach Ersatzteilen aus Altfahrzeugen reduziert wird. Das bei der Fahrzeugverwertung gewonnene Altmetall wird aber ökologisch und ökonomisch sinnvoll wieder dem Rohstoffkreislauf zugeführt (siehe Altfahrzeug-Verwertungsquoten).

Kompaktierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hat dann das Fahrzeug einen gewissen Grad der Demontage erlangt so wird es endverwertet: Die in Deutschland übliche Form der Autoverschrottung besteht darin, das von verwertbaren Ersatzteilen befreite Automobil mit Hilfe einer Presse zu verdichten und es mit Hilfe eines Schredders zu zerkleinern. Somit wird die weitere Beförderung der Fahrzeugwracks zu stahl-erzeugenden Betrieben oder Schredderanlagen kostengünstiger.

Fraktionierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland gibt es rund 65 Schredderbetriebe, die die Fahrzeuge in Schredderanlagen fraktionieren. Dabei wird Stahlschrott über Magnete abgeschieden, NE-Metalle und Kunststoffe werden über Schwimm-Sink-Anlagen bzw. Windsichtung nach Rohstoffen getrennt. Das komplette Automobil wird dabei in eine Schredderanlage (Hammermühle) gegeben und in etwa faustgroße Stücke gerissen. In verschiedenen nachgeschalteten Trennstufen werden die Materialien in die Fraktionen (magnetische) Metalle, Leichtmetalle und Kunststoff- bzw. Schredderleichtfraktion getrennt. Die Reststoffe aus der Verwertung, RESH genannt, werden entweder in eine Müllverbrennungsanlage gebracht oder auf einer Deponie abgelagert.

Der Schredderschrott wird Stahlwerken zur Herstellungen von neuem Stahl wieder zugeführt, dabei dient der sortenreine Stahl als Kühlschrott bei der Stahlerzeugung. Aufgrund europäischer Gesetzgebung ist inzwischen vor dem Schreddern eines Fahrzeuges eine umfangreiche Vorbehandlung notwendig. Unreiner Mischschrott kann die Qualität von neuem Stahl erheblich beeinflussen. Preise für Schrott und dessen wiederverwertbare Rohstoffe variieren stark. So sind auch die Rohstoffe in Autos ein Ziel für Händler und Verwerter. Das Schrottaufkommen von Eisen und Stahl übertrifft bei sämtlichen Fahrzeugverwertungen das Aufkommen anderer Metalle um ein Vielfaches. So wird Eisen- und Stahlschrott aus dem Fahrzeugrecycling als Sekundärrohstoff der Stahlindustrie zugeführt, deren Rohstoffbedarf mittlerweile zu über 50 % aus Schrottabfällen gedeckt wird.

Autoverschrottung in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland fallen laut der veröffentlichten Statistik von Eurostat[1] jährlich rund eine halbe Million Pkw (M1) und leichte Nutzfahrzeuge (N1) als Altfahrzeuge an. In 2009 – dem Jahr der Abwrackprämie – gab es einmalig 1,78 Millionen Altfahrzeuge.[1]

Gesamtzahl und Gewicht der verschrotteten Fahrzeuge in Deutschland[1][Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anzahl der

Altfahrzeuge

Gewicht der

Altfahrzeuge

in Tonnen

2006 499.756 449.280
2007 456.436 420.424
2008 417.534 387.693
2009 1.778.593 1.596.831
2010 500.193 516.128
2011 466.160 468.459
2012 476.601 475.719
2013 500.322 490.771
2014 512.163 502.656

Insgesamt geht das Bundesministerium für Umwelt und das Umweltbundesamt in seinem Bericht für das Jahr 2014 von 2.86 Millionen endgültigen Stilllegungen aus. Davon werden lediglich die in der vorgenannten Tabelle genannten 512.163 als Altfahrzeuge in Deutschland behandelt. Für weitere 1.49 Millionen kann von einem statistisch belegten Export ausgegangen werden der entweder über die Außenhandelsstatistik oder die Meldung über Wiederanmeldungen im Ausland belegt ist. Zusätzlich erfolgt eine "Zuschätzung" über statistisch nicht erfasste Exporte. Der Verbleib von 540.000 dieser endgültigen Stilllegungen ist allerdings nicht geklärt.[2]

Werkstoffe, die bei der Beseitigung von Schadstoffen aus Altfahrzeugen und der Demontage von Altfahrzeugen in Deutschland 2014 angefallen sind und in Deutschland behandelt wurden (in Tonnen pro Jahr)[3][Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wiederverwendung Recycling Energierück-

gewinnung

Beseitigung
Batterien und Akkumulatoren 92 10 402 0 81
Flüssigkeiten (ausgenommen Kraftstoff) 56 2 874 529 761
Ölfilter 2 61 41 6
andere bei der Schadstoffbeseitigung anfallende Werkstoffe

(ausgenommen Kraftstoffe)

1 35 46 22
Katalysatoren 35 1 929 0 13
Metallbauteile 14 981 36 170 0 110
Reifen 845 6 677 5 246 92
grosse Kunststoffteile 108 1 274 0 28
Glas 174 1 011 0 6
andere bei der Demontage anfallende Wertstoffe 3 917 83 1 039 4
Demontage und Schadstoffbeseitigung, insgesamt 20 211 60 517 6 900 1 122

Werkstoffe, die beim Schreddern von Altfahrzeugen in Deutschland 2014 angefallen sind und in Deutschland behandelt wurden (in Tonnen pro Jahr)[3][Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Recycling Energierück-

gewinnung

Beseitigung
Eisenhaltiger Schrott (Stahl) 243 466 0 0
Nichteisenhaltige Werkstoffe (Aluminium, Kupfer, Zink, Blei usw.) 38 030 0 0
Schredderleichfraktion (SLF) 57 648 50878 6 216
Andere 0 0 0
Insgesamt 339 144 50878 6 216

Recyclingquoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Altfahrzeugverordnung fordert eine Verwertungsquote (Wiederverwendung + Recycling + Energierückgewinnung) für Altfahrzeuge vom mindestens 85 Gewichtsprozent (seit 1.1.2006) bzw. 95 Gewichtsprozent ab 1.1.2015 sowie eine Recyclingquote (Wiederverwendung + Recycling) von mindestens 80 Gewichtsprozent (seit 1.1.2006) bzw. 85 Gewichtsprozent ab 1.1.2015. Die von der EU vorgegebene Berechnungsmethode führt allerdings zu Problemen wenn die Altfahrzeuge nicht im gleichen Jahr verwertet werden wie sie angenommen wurden (und der Verwertungsnachweis ausgestellt wurde) Im Resultat führt das dazu, dass die der EU gemeldeten Verwertungsquoten seit 2010 mehr als 100 % betragen[3]. Das Bundesministerium für Umwelt und das Umweltbundesamt haben daher in ihrem Bericht für das Jahr 2014 eine alternative Berechnung erstellt um diesen Effekt zu bereinigen und kommen damit auf die unten dargestellten Verwertungsquoten.[2]

Lebensdauer von Fahrzeugen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fast 60 Prozent aller verschrotteten Pkw in Deutschland setzen sich aus fünf Automarken zusammen[4]:

Diese Marken machen 48 % der zugelassenen Kraftfahrzeuge auf Deutschlands Straßen aus.[5]

In Deutschland wird ein Pkw nach durchschnittlich 18 Jahren verschrottet. Allerdings gibt es hier deutliche Unterschiede bei den einzelnen Automarken. So ist die statistische Lebensdauer bei Volkswagen mit 26 Jahren weitaus höher als bei Modellen von Alfa Romeo, Lancia und Kia mit nur 14 Jahren. Deutlich ausdauernder als Pkw sind andere Arten von Kraftfahrzeugen wie Wohnwagen mit 33 Jahren, Motorräder und Roller mit 29 Jahren sowie Lkw mit 25 Jahren. 92 % aller verschrotteten Altfahrzeuge in Deutschland sind Pkw. Kein Kraftfahrzeugtyp wird in Deutschland häufiger verschrottet.[6]

Rechtliches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei illegal entsorgten Fahrzeugen ermitteln Behörden über die Fahrgestellnummer den letzten Halter
Schrottautos auf einer Schute auf dem Mittellandkanal in Wolfsburg, vor dem VW-Werk

Wird ein Autowrack widerrechtlich im öffentlichen Verkehrsraum abgestellt, wird der Halter ordnungsrechtlich belangt. Nach § 326 StGB stellt die illegale Altfahrzeugentsorgung einen Straftatbestand dar. Treten dabei umweltgefährdende Stoffe aus, können strafrechtlich relevante Fälle mit einer Geld– oder mit einer Freiheitsstrafe geahndet werden. Die ordnungswidrige Entsorgung eines Altautos kann dabei mit einem Bußgeld bis zu 50.000 EUR geahndet werden. Daher verlangt die Zulassungsstelle vom letzten Halter nach Abmeldung seines Fahrzeugs einen Entsorgungsnachweis. Diese wird vom zertifizierten Verwertungsbetrieb ausgestellt und dokumentiert die fachgerechte Entsorgung des Altfahrzeugs. Wenn dieser nicht vorgelegt werden kann, gehen Ordnungsämter von illegaler Entsorgung (z. B. am Straßenrand) oder von illegaler Mülllagerung (auch in privaten Garagen, auch bei längerfristigen Restaurierungsvorhaben) aus.

Bis Mitte 2008 wurde für ein komplettes Altauto bis zu 300 Euro von den Verwertern bezahlt; die Stahlwerke suchten auf den Märkten nach Schrott. Durch die Abwrackprämie des Konjunkturpaketes II wurden Altautobesitzern 2500 Euro bezahlt, sofern sie ihr Fahrzeug verschrotten ließen. In der Folge sank der Schrottpreis auf einen Tiefstand. Durch die große Nachfrage nach Stahlschrott in aufstrebenden Ländern wie zum Beispiel China hat sich der Preis für Stahlschrott wieder normalisiert.

Schrott-/Altfahrzeugexport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altfahrzeuge werden nach der Basel Konvention und der Abfallverbringungsverordnung als gefährliche Abfälle eingestuft und dürfen nur in OECD-Länder exportiert werden. Dennoch gibt es immer wieder Berichte (zuletzt bei Frontal21[7] am 31. März 2015), dass nicht nur Gebrauchtfahrzeuge sondern auch Altfahrzeuge aus Deutschland nach Afrika, Nahost und in östlich der EU gelegene Länder exportiert werden. Dort werden sie, obwohl sich sicherheitstechnisch und abgastechnisch nicht mehr den deutschen Anforderungen entsprechen oft noch lange Zeit gefahren. Viele Zielländer des Exportes von Gebraucht- und / oder Altfahrzeugen haben inzwischen Einschränkungen oder Verbote erlassen um den unkontrollierten Import von unsicheren und umweltschädlichen Fahrzeugen zu unterbinden.[8]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Autorecycling – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Eurostat: Altfahrzeuge - Wiederverwendung, Recycling und Verwertung, Gesamt. 3. März 2017, abgerufen am 3. März 2017 (englisch).
  2. a b Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit und Umweltbundesamt: Jahresbericht über die Altfahrzeug-Verwertungsquoten in Deutschland im Jahr 2014. 1. August 2016, abgerufen am 3. März 2017 (deutsch).
  3. a b c Eurostat: Altfahrzeuge nach Abfallbehandlung - ausführliche Daten [env_waselv.] Letzte Aktualisierung: 25-10-2016, abgerufen am 03-03-2017.
  4. Halbjahresstatistik 2014: Autoverschrottungen in Deutschland. In: Entsorgung.de. Abgerufen am 18. August 2014.
  5. Fahrzeugzulassungen im Juni 2014 (PDF) Kraftfahrt-Bundesamt. Abgerufen am 18. August 2014.
  6. Halbjahresstatistik 2014: Autoverschrottungen in Deutschland. In: Entsorgung.de. Abgerufen am 18. August 2014.
  7. Frontal 21 Schrottexport Autoschiebern auf der Spur 150331 auto f21 2256k p14v11. Abgerufen am 15. März 2017.
  8. UNECE ITC and UN Environment: Background paper for the UNECE/ITC-UNEP conference on “Ensuring Better Air Quality and Reduced Climate Emissions through Cleaner Used Vehicles”. 20. Februar 2017, abgerufen am 4. März 2017 (englisch).