Fair-Trade-Siegel

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Siegel von TransFair

Ein Fair-Trade-Siegel bzw. Fairer-Handel-Siegel kennzeichnet Güter, die ganz oder auch nur teilweise aus einem nach bestimmten Kriterien definierten "fairem Handel" stammen, bei deren Herstellung also festgesetzte soziale und teilweise auch ökologische Kriterien eingehalten werden sollen. Vergeben werden solche Siegel hauptsächlich von nationalen Organisationen, so genannten Siegelinitiativen, die im internationalen Dachverband Fairtrade Labelling Organizations International (FLO) zusammengeschlossen sind. Seit Anfang 2003 ist das Siegel der FLO in den meisten Ländern vereinheitlicht. Daneben gibt es produktspezifische Siegel und die eigenen Siegel mancher Unternehmen. Im Jahr 2012 lag der Umsatz in Deutschland mit Fair-Trade-Produkten bei rund 533 Millionen Euro, wobei Kaffee das stärkste Fair-Trade-Produkt war und es bei Rosen mit einer Mengenzunahme von über 200 Prozent gegenüber dem Vorjahr das größte Wachstum gab.[1] Das Siegel stand unter Kritik, unter anderem wegen geringen Anteilen von fair-trade-Stoffen am zertifizierten Endprodukt, wegen der hohen Gewinnmargen des Handels und wegen "Etikettenschwindels".

Fair-Trade-Standards[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vergabe des Fair-Trade-Logos ist an eine Reihe von Kriterien[2] geknüpft, die von der Fairtrade Labelling Organisations International (FLO) in Bonn entwickelt und festgelegt werden. Unter anderem zählen dazu der direkte Handel mit den Produzentengruppen ohne Zwischenhändler, Vorfinanzierung und langfristige Lieferbeziehungen sowie ökologische Standards. Im Kern der Fair-Trade-Standards steht die Zahlung eines garantierten Mindestpreises, der die Lebenshaltungs- und Produktionskosten der Produzenten decken soll. Zudem muss eine Sozialprämie, die so genannte Fair-Trade-Prämie gezahlt werden, die ökonomische und soziale Entwicklungsprojekte ermöglicht.

Kontrolle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einhaltung dieser Kriterien wird von der internationalen Zertifizierungsstelle FLO-CERT überprüft. Produzentengruppen, Händler und Lizenznehmer werden regelmäßig kontrolliert.

Lizenzierung des Fair-Trade-Logos[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lizenzen zur Nutzung des Siegels werden von nationalen Siegelinitiativen an Unternehmen vergeben. Im deutschen Sprachraum sind dies Transfair für Deutschland, die Max Havelaar-Stiftung für die Schweiz und Fairtrade Österreich.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

FAIRTRADE international wurde dafür kritisiert, dass Produkte zertifiziert werden, die teilweise nur in geringen Prozentsätzen Stoffe enthalten, die den Kriterien entsprechend erzeugt wurden. Dies gilt etwa für Kaffee, Schokolade und Baumwolltextilien.[3] Außerdem wurde auf die hohen Gewinnmargen des Handels hingewiesen.[4] Auch Fälle von Betrug wurden berichtet. Verbraucherschützer sprachen daher teilweise von "Etikettenschwindel".[5] Auch der soziale Effekt soll im Vergleich mit anderen Betrieben oft nicht vorhanden und für sich genommen völlig ineffizient sein.[6]

Nach Untersuchungen des Ökonomen Bruce Wydick gab der durchschnittliche US-Kaffeekonsument 50 Cent mehr für eine Tasse Fairtrade-Kaffee aus. "Doch selbst im best-case-scenario für Fairtrade, bei niedrigen Weltmarktpreisen, bekam der Kaffee-Bauer gerade einmal einen Drittel-Cent davon ab." [7] Wydick kritisiert im Einzelnen

  • den geringen Anteil der Bauern an der Wertschöpfung.
  • Zudem sei die Zertifizierung für die Kleinbauern extrem teuer
  • Die Produktions-Auflagen verringerten die Erträge
  • Den ärmsten der Bauern werde überhaupt nicht geholfen
  • Die ärmsten Länder seien am wenigsten beteiligt
  • Die sozialen Inversitionen der Organisationen seien intransparent
  • Direkter Handel mit den Erzeugern sei effektiver und nachhaltiger
  • Hauptursache der Armut sei der Preisverfall durch Überproduktion, höhere Erträge über Fairtrade stimulieren die Produktion weiter
  • Ursache der Armut in der Dritten Welt sei nicht die Bezahlung der Bauern, sondern die politischen und sozialen Verhältnisse dieser Länder
  • Unter den 16 besten Methoden der Armutsbekämpfung sei der faire Handel der vorletzte hinsichtlich der Effizienz der Kosten.[8] [9]

Ein weiterer Systemfehler liegt nach Colleen Haight von der San Jose State University darin, dass de Fairtrade nicht die gesamte Ware eines Bauern abnimmt, sodass dieser die bessere Ware frei verkauft und an Fairtrade nur die quotierte Ware zu minderer Qualität abgebe.[10][11]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Fairtrade Deutschland - Absatz Fairtrade-Produkte im Einzelnen, abgerufen am 13. April 2014.
  2. Fairtrade-Standards, fairtrade.net, aufgerufen am 8. Oktober 2013.
  3. New Fairtrade Labels Attract Criticism | TRADE FOR DEVELOPMENT CENTRE. In: www.befair.be. Abgerufen am 18. Juni 2016.
  4. Welt und Handel: Kritik am Fairen Handel! In: www.weltundhandel.de. Abgerufen am 18. Juni 2016.
  5. Fairer Handel: Verbraucherschützer halten Fair Trade für Etikettenschwindel. In: Die Zeit. 5. Oktober 2014, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 18. Juni 2016]).
  6. Fairtrade: Keine langfristig positiven Effekte. In: Die Zeit. 18. August 2014, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 18. Juni 2016]).
  7. Fairtrade: Keine langfristig positiven Effekte. In: Die Zeit. 18. August 2014, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 18. Juni 2016]).
  8. Cost-Effective Compassion: The 10 Most Popular Strategies for Helping the Poor. In: ChristianityToday.com. Abgerufen am 18. Juni 2016.
  9. University of San Francisco; author Bruce Wydick Professor of economics and international studies: 10 Reasons Fair-Trade Coffee Doesn't Work. In: The Huffington Post. 7. August 2014, abgerufen am 18. Juni 2016.
  10. Fairtrade: Keine langfristig positiven Effekte. In: Die Zeit. 18. August 2014, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 18. Juni 2016]).
  11. The Problem with Fair Trade Coffee (SSIR). In: ssir.org. Abgerufen am 18. Juni 2016.